Die Nachwehen von Xaneshas Untergang
Die Gerüchte über den Untergang
Xaneshas und des Untergangs der Schatenuhr sind mannigfaltig. Man
spricht von der Goblinschlächterin und Ihre 5 Ehemänner, von einer
Expedition Sturmgeborener im Auftrag Laros selber, oder von
Geheimgesellschaften. Es obliegt wohl wieder einmal mir, richtig zu
stellen, das diese Heldentat auf die Rechnung der Gesellschaft für
Abenteuer in Maracar und dessen Entdeckung von Maracasar, oder auch
GAME, geht.
Benno führt uns tatsächlich erstmal
in einen sicheren Hafen mit Blick auf ein Butterkuchenhaus, das rein
zufällig von einem seiner Verwandten geührt wurde. Er ist eine
Krämerseele nach meinem Geschmack, das kann man nicht anders sagen.
Unsere wohlverdiente Rekuperationszeit wird allerdings von hoher
Stelle unterbrochen:
Der Hohe Präfekt des Adelsforums, Lord
Vachon, will uns treffen. Da wir gleich einen guten Eindruck
hinterlassen wollen, empfangen wir ihn in der neuerdings
leerstehenden Villa der Chabrons.
Im Gespräch erreichen wir sowohl die
Freigabe unserer eingefrorenen Mittel als auch eine Prämie von 10000
Goldmünzen, plus die Nutzung der Chabronvilla als unser
Gesellschafts-Hauptquartier in Larifa. Das lässt hoffen. Wir
schlagen vor, Projektpläne für die Befriedung Unterbrücks
abzugeben, in die diverse Adelshäuser investieren wollen – zwar
schient der Präfekt nicht unmittelbar überzeugt von der Machbarkeit
dieses Vorhabens, aber er ist aufgrund unserer Referenzen auch nicht
komplett abgeneigt.
Der erste Schreiber der Brauerei und
Tamwyn, die Stadtführerin, kümmern sich um die Verwaltung und
Austtattung des Gebäudes. Herr Butterkuchen sollte sich um die
Küchenausstattung kümmern.
Ein neues Abenteuer wartet
Der eigentliche Auftrag ist es, eine
Grenzfeste zu erforschen, die seit 5 Wochen keinen Kontakt mehr mit
Larifa aufnimmt. Die Rannikfeste nahe Schildkrötenfähre ist der
Ort, auf den der Brief von Xaneshas Schwester verwiesen hat. Es
handelt sich um eine Art Strafkolonie – verurteilte Verbrecher
können sich den Schwarzen Pfeilen anschließen, anstatt in den
Kerker zu gehen. Wenn wir dieses Problem lösen, will Vachon
offiziell die Gesellschaft in Larifa einführen.
Wir werben noch Feldarbeiter an, diein
Port Grim auf den verwaisten Höfen arbeiten sollen, um den weizen
und Hopfen Nachschub zu sichern, nachdem die Ghulseuche viele Gehöfte
entvölkert hat. Die Ausrüstung Xaneshas (Rüstung, Speer, Maske,
Skarabäus des Golembanns, Ring der Sprungkraft) geben wir zur
Untersuchung in der Magiergilde ab. Wir zahlen bei Abholung, sonst
geht die Beute in einem Jahr in den Besitz der Gilde über. Da wir
offensichtlich auf Großwildjagd gingen, rüstete auch ich auf eine
Donnerbüchse auf – bei der Größe des Ungeziefers, das sich schon
um Port Grim herum trieb, wollte ich zumindest auf den
Abschreckungseffekt setzen.
Wir heuern den Seeerpel unter Käptn
Kor an, ein kleines Handelsschiff, das den langen Flussweg über den
Jondobakari-Strom mit uns bestreitet. Wir werden Zeuge weiterer
Wunder der alten Zivilisation von Maracasar, einem technomagischen
Schiffshebewerk. Außerdem bewundern wir die wilde und exotische
Fauna der Sümpfe und Dschungel von Marakasar, von gewaltigen
Kristallkrokolisken bis zum brennenden Singvogel.
In Schildkrötenfähre kommen wir im
strömenden Regen zunächst im „Wohl bekomms!“ unter, einem
Gasthaus geführt on Jep und Jaz, einem munteren Halblingpaar. Jep
ist geschwätzig, aber auhc unfassbar schreckhaft. Wegen des
Dauerregens und dem fehlenden Kontakt zur nahen Feste sind alle
niedergeschlagen, aber es gibt noch mehr. Auf Nachfragen nach dem
Sihedron schlägt uns zunächst eine Mauer des Schweigens entgegen,
bis wir erfahren das kurz vor dem Abbruch des Kontakts zur Feste ein
Freudenschiff namens „Paradies“ vor Schildkrötenfähre lag, das
dann in einem mysteriösen Feuer untergegangen ist und dabei ein
Fünftel der Dorfbevölkerung dahingerafft hat. Das Sihedron als
Tätowierung war das Zeichen der Stammkunden.
Wir vermuten zunächst, das entweder
die Somniapriesterin mitdem Untergang zu tun hat oder zumindest die
Täter deckt, denn sie bezeichnet den Brand und darauf folgenden
Untergang recht vehement als göttliche Fügung. Allerdings gibt es
viele Einwohner mit einem Motiv, angefangen bei den Gastwirten über
den verschuldeten Schmied bis hin zur betrogenen Ehefrau des Krämers.
Wir wissen nichts genaues, wollen aber auch nicht in den
monsterverseuchten See tauchen. Wenn man sich das Vorgehen des
Sihedronkultes bis jetzt ansieht, kann es sich auch um ein
Massenopfer handeln, bei dem die Anführerin selbst dann
verschwindet, nachdem sie die Gier der Stammgäste geerntet hat.
Wir hören außerdem noch viel über
die Grauels, eine Familie von Halbogern, die nahe der Stadt ein
Gehöft haben und wohl äußerst unangenehme Zeitgenossen sind.
Außerdem ist Lanatar Baiden, der Anführer der Feste, wohl des
öfteren auf der andren Seite des Seens in einem Sumpfgebiet zur
Meditation gewesen. In der Hoffnung, entweder etwas über seinen
Verbleib oder etwaige verräterische Tätigkeiten heraus zu finden,
machen wir uns mit einer Waldläuferin aus Larifa auf den Weg
dorthin.
Sigmar sei Dank bleibt uns eine
Begegnung mit der schwarzen Marga, dem örtlichen Seeungeheuer,
erspart, und wir finden im Sumpfgebiet von Weißweide recht schnell
einen Hinweis in Form eines Pixies, der um Hilfe für seine verwirrte
Herrin bittet. Sie scheint den Verlust Ihres Geliebten, der ein
Meschn wie wir war, nicht gut verkraftet zu haben.
Der Pixie führt uns in eine
merkwürdige Halbwelt, wie wir sie seit unserem Treffen mit dem
Halbwolf nicht mehr gesehen haben. Allerdings ist diese weniger von
verzaubertem Leben erfüllt als vom Gefühl des Zerfalls und der
Verzweiflung. Wir finden ein mysteriös gestrandetes Schiff inmitten
des Sumpfes, komplett mit einer Seekarte mit uns völlig unbekannten
Küstenzügen und einem Band fremdartiger, aber meisterhafter
Partituren für ein Cemballo. Die Opale des Kapitän sicherte ich für
die Nachwelt.
Der Rest des Weges war gepflastert mit
furchtbaren Spuren der Verwüstung und des Verfalls, von
geisterhaften Feenwesen über blutende Bäume bis hin zum gräßlichen
Kadaver einer Dryade, die mit roher Gewalt aus Ihrem Baum heraus
geprügelt wurde. Als wir schließlich an den Teich der
Nymphenkönigin treten ist diese nur noch ein schreckliches Abbild
Ihre selbst. Ihre abgerissenen Armen schweben neben Ihr, der
Unterkörper besteht nur noch aus geisterhaftem Nebel, und die Trauer
in den Augen ist so tief, das es uns beinahe schmerzt. Sie
beschuldigt uns, Ihren Geliebten Lamatar nicht gerettet zu haben und
will uns dafür büssen lassen, aber zum Glück können wir sie mit
freundlichen Worten beruhigen. Baiden wurde entführt und befindet
sich in der Feste der Kreeg-Oger, auf dem Hakenberg. Der Geist der
Nymphe entlässt uns noch mit der Drohung, das sie den befallenen
Wald zu ihm bringen wird, wenn wir ihren Geliebten nicht zurück
bringen. Wir versprechen, den verschleppten Geliebten von den Ogern
zurück zu holen, auch wenn es möglicherweise nur seine Leiche sein
wird.
Im Nachhinein, angesichts der
kulinarischen Vorlieben von Ogern, die wir bald aus der Nähe sehen
sollten, war das ein sehr optimistischs Versprechen...
Willkommen bei den Grauels
Auf dem Weg zum Gehöft hatten wir noch
ein paar Zankereien, ob es denn überhaupt lohnt, mit Halbogern
sprechen zu wollen. Alle Dorfbewohner und sogar unsere
Waldläuferinnen hielten das für eine völlig hirnrissige Idee.
Vielleicht war ich vom Gesit der imperialen Einheit erfüllt, aber
ich konnte mich nicht dazu hinreißen, diese Leute nur wegen Ihrer
Herkunft zu verurteilen. Hatten wir nicht schon freundliche
Echsenwesen, Halborks, ja sogar sogenannte Werwölfe getroffen? Warum
wurden dann diese Leutchen von Ihren Nachbarn so dermassen
verabscheut?
Schon der Weg zu den Grauels war
dekoriert mit Fetischen, Voodomasken und Schädelhaufen. Ich gebe zu,
das mich das ein wenig am guten Geschmack der Familie zweifeln ließ
– andererseits muss man niemanden ermorden, nur um einen Schädel
zu bekommen. Ich erinnere ungern an unsere „Personalbeschaffung“
zum Kanonenraub, aber für wenige Goldtücke konnten wir damals ganze
Leichen erstehen – ein Schädel war schon im einstelligen
Silberbereich zu erwerben.
Nun, als wir von „Prügel“, dem
jüngsten Mitglied der Familie begrüßt wurden, bestätigten sich
leider alle Vorurteile. Prügel war ein beinahe drei Meter großer
Mutant, dessen rechte Hand nur aus einem langen, knöchernen „Finger“
bestand, und dessen einzige Verständigungsversuche „Prügel
prügelt!“ und „Rampe friss!“ waren. Rampe war ein räudiger
Hofhund von erschreckenden Ausmaßen. Sigmar sei Dank konnte Joachim
den Hund unter seine Kontrolle bringen, und mit vereinten Kräften
mussten wir den guten Prügel dann leider töten. Vielleicht hätten
wir ihn noch zur Aufgabe bewegen konnten, doch unsere halbeflische
Begleitung hatte keinerlei Interesse an Verhandlungen mit diesen –
ich muss Ihr inzwischen leider zustimmen – Monstern, und gab Prügel
den Gnadenschuss. Prügels Lendenschurz entschied dann auch unser
weiteres Vorgehen. Ich hätte mich jetzt auch gerne zurück gezogen,
denn warum sollten wir hier Streit suchen, wenn die
Schildkrötenfährer ihm jahrelang aus dem Weg gegangen waren? Nun,
da Prügels Lendenschurz aus Uniformen der Schwarzen Pfeile gefertigt
war, schienen nicht alle Anwohner dem Konflikt aus dem Weg gegangen
zu sein. Also blieb uns nichs, als auf dem Gehöft nach Gefangenen
oder zumindest Überresten der Söldner zu suchen.
Joachims Kontrolle über Rampe war uns
dabei ein wahrer Segen. Mithilfe des Hundes konnten wir das Gehöft
und die angeschlossene Scheune ausspähen. Zwar wurde eine weiterer
Spross der Grauels dabei auf ihn aufmerksam, der unpassend benannte
„Zucker“ - aber zu unserer großen Überraschung gelang es uns
tatsächlich, ihn in einen Hinterhalt zu locken und ohne viel
Federlesen niederzuschießen.
In der Scheune waren zwei weitere
Grauels, der fiese Schweinrat und der depperte Jeppos dabei, sich mit
vergorenem Mais zu betrinken und widersetzten sich vehement den
Versuchen, auch einen von Ihnen herauszulocken. Stattdessen schlich
sich Akbash an das Gebäude und verschnürte die Tore der Scheune, um
sie zumindest kurzfristig einzusperren.
Rampes unfreiwilliger Dienst endete
schließlich vor der Tür des Haupthauses, durchbohrt von einer
grausamen Speerfalle, die die Grauels vor „Mamas“ Hütte
installiert hatten.
Leider konnten wir nicht mit Sicherheit
sagen, ob in der Scheune noch Gefangene waren, denn Joachim hatte
durch Rampes auge eine weitere Tür und Treppen in dem Gebäude
entdeckt. Da mit den Halbogern auch noch ein Rudel Hunde in der
Scheune war, drängte es uns nicht zur direkten Konfrontation. Statt
dessen nutzten wir meine verzauberte Säge, um in die Rückwand der
Scheune ein Loch zu sägen. Dort entdeckten wir eine bizarre Mischung
aus Arena und Spinnenest. Ein abgesenkter Boden wurde beinahe völlig
von fast fingerdicken Spinnweben verdeckt, und ein umlaufender
Balkon, der anscheinend für die Zuschauer von irgendwelchen
perversen Spielen genutzt wurde, hatte auch noch Platz für einen
Käfig mit drei anscheinend noch lebenden Gefangenen!
Es war fraglos nötig, diese armen
Burschen zu befreien. Um nicht in die Fänge des Netzes zu geraten,
steckte ich sie kurzerhand in Brand. Aufgrund der allgemeinen
Feuchtigkeit rechnete ich nicht mit einer großen Ausbreitung – was
sollte schon passieren?
Nun, ich zog mir ungünstigerweise die
unmittelbare Aufmerksamkeit der Spinne zu. Wie wir später erfuhren,
hörte sie auf den unschönen Namen „Fettbacke“, und sie
beschloß, mich mittels eines widerlich gespuckten Spinnenfadens
direkt in Ihre Höhle zu zerren. Dann verpasste sie mireine
ordentliche Dosis Ihress Giftes, das mich ins Reich der Träume
schickte.
Wie ich hörte, konnte das Vieh noch
den armen Akbash einwickeln, bevor Joachim sie blendete und dann
unter den Hieben von Heidrun, Mel Aurelia zu Grunde ging. Die
Maismaische muss ein äußerst potentesGebräu sein, denn selbst nach
diesem Gefecht namen die beiden Halbogernebenan keinerlei Notiz von
uns, so das wir die drei Gefangenen befreien konnten.Tatsächlich
waren es Mitglieder der Schwarzen Pfeile – einer tatsächlich der
Adoptivvater unserer Waldläuferin! Allerdings schient da familiär
einiges im argen zu liegen, denn sie verweigerte die Heilung Ihres
Vaters. „Er wird es überstehen – mehr hat er nicht verdient.“
War alles, was wir zudem Thema aus Ihr heraus bekamen. Da wir
dringlicheres zu erledigen hatten, ließen wir die drei versorgten,
aber immer noch geschwächten Schwarzpfeile unter der Obhut unserer
Bekannten zurück.
DA es immer noch zwei Menschenfresser
in der Scheune gab, probierten wir eine neue Variante unseres
beliebten Plan B. Da das Stroh zu feucht war, wurde aus niederbrennen
schlicht ausräuchern. Der Plan ging sogar besser aus, als geplant –
anstatt hustend und geblendet die Scheune zu verlassen,
entschlummertein die Gebrüder Grauel samt Ihrer Hundemeute sanft in
den schwarzen Schwaden. Es tat mir ein wenig Leid für die Hunde,
aber wahrscheinlich wären sie ebenso wenig zu sozialisieren gewesen
wie die Grauels, daher war es wohl eher eine Gnade, sie mit Ihren
Herrchen zur Ruhe zu legen.
Big Mamas Haus.
Blieb noch die drohende, stinkende
Präsenzdes Haupthauses. Makaber gekennzeichnet durch den Kadaver von
Rampe, verschimmelt und mit eingesacktem Dach, war es das Abbild des
grausamen Kannibalenhauses aus allen Geschichten. Ein halb
knöcherner, halb hölzerner Schaukelstuhl wankte knarrend auf der
Veranda, und um den Kadver von Rampe hatten sich schon fingerlange
Ameisen gesammelt, die einer Strasse über die ganze Front des Hauses
zogen.
Vorgewarnt ob der Speerfalle
untersuchte Aurelia jeden Schritt, den wir in dieses Gruselhas taten
– was sie leider immer als erste mit den Schrecken dieses Ortes
konfrontierte. Schon im ersten Zimmer trug diese grausige Arbeit
Früchte. Denn auch wenn niemand von uns Interesse daran hatte, ein
mit Körperteilen und und verrottetem Fleisch dekoriertes Sofa zu
untersuchen, wären wir eventuell doch in die Fallgrube getappt, die
sich darunter verbarg.
Mit gezückten Waffen arbeiteten wir
uns weiter ins Dunkel vor. Am Ende des nächsten Flures schließlich
entdeckten wir den Zugang zum „Herz“ des Hauses – Mamas
Schlafzimmer. Ich gebe zu, spätestens hier verwandelt sich alles für
mich in eine Art Albtraum. Wir waren gefangen in einer Hölle aus
Fleisch, Blut und Gedärmen. An jeder Wand, in jeder Ecke, lauerte
eine weitere Abartigkeit. Seien es die Bildnisse, gemalt auf
abgezogener Haut mit Hilfe von verrottenden Eingeweiden Oder die
aufgebahrten, missgestalteten Leichen von Mamas verstorbenen Söhne,
denen sie mittels widerlicher Hexerei neues Leben eingehaucht hatte.
Oder zuletzt das Grauen von Mama selbst in Ihrem „Bett“ - ein
Haufen von Decken, Stoffen, Leichen, Körperflüssigkeiten und
Exkrementen, auf denen der aufgeblähte, schmierige Körper der Hexe
thronte. Auch wenn mein Verstand sich dagegen wehrte, musste ich
erkennen, das dieses Wesen ein Mensch war – und die widerliche
Erklärung dafür, wiher all die mutierten Halboger stammten, denen
wir bis jetzt gegenüber gestanden hatten. Sie war nackt, und hielt
in der Hand einen abgehackten Arm, an dem sie abwechselnd knabberte
und daraus gräßliche Zaubersprüche produzierte.
Ihr Kreischen, als wir Ihr entgegen
traten, scmerzte bis in die Zähne hinein. „Verschwindet von einen
Hof, ihr widerliches Ungeziefer! Hackfresse, Spucker, Horst –
bringt das Pack um! Ich will Ihre Gesichter fressen!“ Auf Ihre Rufe
begannen die aufgebahrten Leichen sich mit unnatürlichen, zuckenden
Bewegungen zu regen. Einer von Ihnen hatte einen gespalteten Schädel,
ein anderer war kaum mehr als ein Sack von Knochen und Mukeln,
offensichtlich von einem Pferd nieder geritten. Der dritte war wie
ein Igel mit Pfeilen gespickt, so das man kaum seine fettig-bleiche
Haut erkennen konnte.
Als wir wieder zu Mama blicken,
waberten um sie herum unzählige Spiegelbilder derselben fetten Hexe
– eine Strategie, die wir schon bei Xanesha beobachtet hatten, hier
allerdings um einvieles widerlicher war.
Der Kampf brach los. Die Schwerter
meiner Gefährten hilten reiche Ernte unter den untoten Ogern, aber
Mamas Hexerei forderte einen furchtbaren Zoll von uns. Akbash konnte
Ihrer Hexerei widerstehen, aber Joachims Körper veränderte sich mit
einem widerlichen Knacken und Knirschen, nachdem ein
kränkliche-purpurner Strahl aus Mamas Stab ihn traf. Als die
Transformation beendet war, ragte unser Heiler kaum noch über den
Tisch – sie hatte ihn in einen Zwerg verwandelt!
Mel überlegte kurz, ob er Mamas Bett
einfach anzünden wollte, aber Aurelia konnte ihn gerade noch
aufhalten. Im ganzen Raum waren Eimer mit Fett verteilt, so das es
gewiss in Sekunden zu einem Großbrand gekommen wäre. Und wir wußten
nicht, wieviele arme Opfer in diesem Schreckenskabinett noch gefangen
waren!
Unter dem gnadenlosen Beschuss und
unseren unermüdlichen Angriffen konnten wir schließlich Mamas
Spiegelbilder überwinden, und Akbash Degen drang tief in Ihre
Schwarte – mit einem glaszerschmetternden Kreischen verschwand sie
in einer Explosion aus Schleim, so das der Arme Gesicht voran in Ihr
Bett klatschte.
Als er sich aus dem Unrat
hervorgekämpft hatten, sahen wir uns ratlos um. „Ist sie etwa
tot?“ fragte Aurelia. Joachim schüttelte grimmig den Kopf. „Das
war ein Zauberspruch. Zum Glück konnte Akbash für uns bestätigen,
das sie nicht unsichtbar ist – ich fürchte, sie hat sich nur
versetzt.“
Ich gestikulierte mit der Pistole, die
ich gezogen hatte, nachdem ich diedonnerbüchse in Mamas
Süiegelbilder gejagt hatte. „Aber wo ist sie-“
Mit einem satten Schmatzen erschien
Mama wieder in unserer Miete. Panisch drück ich ab, aber in
derHektik verriss ich den Schuss und trag Aurelia in die Schulter!
Mamas fetter Körper waberte und zuckte, und als sie schwarzen Rauch
aushustete, wurde uns klar, wohin die Hexe fliehen wollte.
„Pech gehabt, Mama! Deine
Räucherkammer haben wir uns schon vorgenommen!“ Mit einem
triumphierenden Lachen schwang Akbash seinen Degen – nur, um ihn
dank der dicken Fettschicht, die ihn inzwischen bedeckte, aus den
Händen zu verlieren. Mutig prangen Mel und Aurelia dazwischen, da
die inzwischen völlig panische Mama sich jetzt mit Iher vollen
Leibesfülle auf den glücklosen Glücksritter stürzte.
Heidrun hackte mit großen Hieben in
Mamas Schwarte, aber es war beinahe unmöglich, unter all den
Fettschichten ein lebenswichtiges Organ zu treffen. Joachim und ich
stürzten und von hinten auf den Fleischberg und hieben mit
Zauberstab und Pistolenkolben auf die wabbeligen Massen ein, ohne
eine sichtbare Wirkung zu erzielen.
Endlich hatte Akbash seinen Degen
wieder gefunden, zielte genau, stach tief in eine von Mamas Brüsten
– und wurde von einem Schwall gelblich-roter Flüssigkeit mitten
ins Gesicht getroffen, so das er spuckend und würgend zu Boden ging.
„Bei Laros, genug!“ Joachim trieb
seinen weiß glühenden Stab tief in die Fleischwülste Mamas und
ließ ihn dort, pumpte mehr und mehr Energie in den Fetten Körper.
Mama begann zu blubbern. Ihre Haut – wellte sich an mehreren
Stellen, als würde sich etwas unter Ihr bewegen. Sie taumelte,
drehte sich, hieb blind um sich.
Wir alle wichen zurück, aber meine
Füsse steckten bis zum Knöchel in Mamas Bett. Ihrekaum erkennbaren
Schweinsaugen fielen auf mich. Das Blubbern hört auf. Sie öffnete
den Mund, und was mit einem tiefen, langen Rülpsen begann
verwandelte sich in einen Schwall aus Auswurf, Fett und Innereien,
die mich mitten im gesicht trafen. Ich konnte nicht anders, der Ekel
war zu groß, mein Mund öffnete sich zu einem Schrei – und die
Masse schoss in mich hinein, drückte und presste sich meinen Hals
hinunter und schoß in mich hinein. Das Gefühl ist unbeschreiblich –
es war, als müßte ich mich übergeben und ertrinken gleichzeitig,
und mein Magen füllte sich, blährte sich auf, bis er nichts mehr
fassen konnte, und dann drang das weiche, glibberige, schleimige
ETWAS durch meinen ganzen Körper, kroch meine Arme entlang, meine
Beine, überall hin. Es hörte und hörte nicht auf. Irgendwann wurde
s gnädigerweise schwarz um mich, und ich dankte Morr, das er mein
Leiden erlöste. Ich dankte ihm für meinen Tod.
Wäre ich doch gestorben.
Ich erwachte in der Hölle, es konnte
nicht anders sein. Überall um mich herum war Blut, Schleim und
Exkremente. Ich saß inmitten meines eigenen Unrats, mein Körper
geschunden, aufgebläht, verformt. Ich war nie schlank, aber das hier
war nicht ich. Es war, als steckte ich in einem Haufen Lehm, jede
Bewegung war qualvoll schwer. Ich öffnete den Mund, um zu sprechen,
aber es kam nur ein Würgen, und wässriger Auswurf leif über meine
Lippen. Die Krämpfe dauerten lange, und noch länger dauerte es, bis
ich etwas jenseits der Schmerzen wahr nahm. Und das schlimmste war,
das es Joachims Gesicht war.
„Bist du wieder bei uns? Wir wussten
nicht, ob Du es überstehst.“ Sein Blick war ernst, seine Stimme
profssionell, aber er konnte mich nicht täuschen. Er ekelte sich
vor mir. Sie alle ekelten sich vor mir. Ich war jetzt keiner mehr von
Ihnen. Ich war wie Sie. Ich WAR Sie. Ich begann
zu schreien und hörte nicht mehr auf...
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