„Und dies, edle Marquis, war das Ende
der Ereignisse um das Anwesen – und die Blutlinie - der Chabrons.“
Joachim ließ seine Hand sinken, mit der er einige der
haarsträubenderen Details unterstrichen hatte.
Marquis Kendara Orlanda lehnte sich in
Ihrem Stuhl nach vorne und schlug mit der Hand auf die Tischplatte.
„Famose Geschichte, Freunde! Ich
hatte ja schon einiges über Euch gehört, nach dem Angriff der
Goblins und dieser Geschichte im Malstrom, aber das schlägt dem Fass
den Boden aus.“ Sie sprang auf und wanderte um den Tisch, wobei das
Schwert an Ihrer Seite beinahe Mel touchierte. Sie lehnte sich lässig
von vorne an den Schreibtisch und verschränkte Ihre Arme vor der
Brust.
„Ich denke, ich würde mich freuen,
die Gründung Eurer Gesellschaft zu unterstützen.“
Ich rieb mir die Hände. „Großartig,
Marquis. Ich habe mir die Freiheit genommen, mit meinen Freunden
schon einige Entwürfe erstellen zu lassen. Wir werden die
Bauangelegenheiten dann mit Meister Eichenstein absprechen, wie Ihr
empfohlen habt.“ Ich reichte die Papiere an einen der Schreiber.
„Somit können anstoßen, auf die Gründung der Gesellschaft für
Abenteuer und Entdeckung von Maracasar!“
Wir ließen die Gläser klirren und
schlugen uns gegenseitig auf die Schultern, umarmten einander und
ließen die Marquis hochleben. Es war erfrischend, eine solch
bodenständige und vernünftige Adlige zu treffen, ganz im Geiste der
Freiheitsliebe von Port Grim.
Schließlich ergriff Joachim wieder
das Wort. „Kommen wir nun wieder zu ernsten Angelegenheiten. Wie
Ihr aus unseren Beschreibungen entnehmen konntet, gibt es anscheinend
noch weitere Hintermänner in dieser Verschwörung. Wir müssen
diesem „Rat der Sieben“ auf den Zahn fühlen. Sei es nur, um
sicher zu gehen, das von Ihnen keine weitere Gefahr für Port Grim
ausgeht.“ Er tippte auf den Brief, den wir bei Aldern gefunden
hatten. „Leider fehlen uns jegliche Kontakte in die Hauptstadt –
könntet Ihr uns an jemanden verweisen, der uns dort bei unseren
Nachforschungen helfen könnte? Der Sheriff hat uns bereits jemanden
bei der dortigen Wache genannt, aber eventuell müssen wir uns in
höheren Kreisen dort einführen.“
Kendara tippte sich mit einem Dolch an
die Lippen, den sie wohl als Brieföffner benutzte. „Hm, der
einzige, der sich eventuell auf Euch einlassen würde, ist Ortei,
mein Onkel. Er ist der Besitzer der Brauerei „Extravagante
Riffklaue“. Ich sag Euch was. Übermorgen geht die vorerst letzte
Ladung Gerste, die wir an Onkel Ortei liefern können. Ich werde Euch
ein Schreiben anvertrauen, das unsere Lage und Probleme erklärt –
alles weitere überlasse ich dann Euren versilberten Zungen.“ Sie
zwinkerte Akbash zu. „Ach, und falls Ihr Euch wirklich beliebt
machen wollt, bringt ihm ein paar Himbeeren mit!“
Aurelia schaute mir über die Schulter
und tippte auf einen Teil der Zeichnung. „Die Fenster müssen
entweder noch schmaler oder du lässt Sie ganz weg. Da käme ich
sogar noch durch, und du hast gesehen, wie dürr diese Goblins sind.“
„Du hast recht. Und erinnere mich
daran, das wir in Larifa nach den entsprechenden Schlössern für den
Kellern schauen. Vielleicht kann dieser Puck uns dahingehend helfen.“
Ich rollte die Pläne glatt und schaute in die Runde. Mit einem
Kohlestift tippte ich auf die entsprechenden Zimmer.
Darf ich vorstellen, das Anwesen
unserer Gesellschaft. Zwei Stockwerke, aus Stein, mit einem flachen
Dach. Von außen nahezu ungebrochen abgesehen von den Eingänge,
dafür zum Innenhof hin offen, um sowohl Licht als auch Luft an die
Zimmer zu bringen. Hier eine umlaufende Veranda, mit Blick auf den
Garten.
Unsere Zimmer befinden sich dort im ersten Stock. Im
Erdgeschoss befinden sich der Empfangs und Essenssaal, die
Gästezimmer und das Krankenzimmer. Versenkt unter dem Innenhof
unsere Schatzkammer. Und hier, das Prachtstück – unser Emblem!“
Sogar Heidrun musste kurz auflachen, als sie den Umriss des Krebses
mit dem goldenen Helm erkannte, der uns unter dem Distelkopf begegnet
war. Er hatte eine Zange wie zum Salut erhoben und grinste uns frech
entgegen.
„Der Schmied will es für den Eingang
fertig haben, wenn wir zurück sind. Auch wenn die Bauarbeiten noch
lange dauern werden, wollte ich doch, das die Anwohner von Port Grim
sich möglichst schnell an unser Zeichen gewöhnen.“ Ich grinste in
die Runde. „Ich kann es kaum glauben wir sind Gesellschafter!“
Über Larifa selbst will ich nicht viel
erzählen – geübtere Beobachter als ich haben schon Buch um Buch
über die Stadt der Monumente geschrieben. Ich will nur soviel sagen,
das der gewaltige Zornwall den Vergleich mit Marienburg und den
Städten der 6 Königreiche nicht scheuen muss. Und die Teilung in
Ober und Unterstadt ließ mich tatsächlich etwa nostalgisch werden,
war mein heimisches Kemperbad doch ähnlich aufgebaut, wenn auch um
vieles kleiner. Manchmal vermisse ich die sorgenlose Zeit, als ich
als Schreinerlehrling auf einer Ladung Bretter die Kräne und
Flaschenzüge hinauf ritt, unter mir nur der Reik und über mir der
Himmel.
Wenn ich dem sogenannten „Marniefest“ glauben konnte, das ich während meiner Reise zu kopieren begann, war allerdings auch zu dieser Zeit schon einiges im Argen gewesen. Der Aufstieg der Sackheimbande war in zahllosen Theaterstücken und Epen verewigt worden, aber die schmutzigen, skandalösen Details dieser Zeit lasen sich sehr ernüchternd. Chaoskulte, Verschwörungen, bürokratische Inkompetenz und eine ungemein flexible Auffassung bezüglich körperlicher Gewalt und bestehender Besitzrechte durchzogen die Geschichte Marnie Sackheims, Kurfürstin des Reiches, und Ihrer Gefährten.
Ich riss mich von meinen Erinnerungen
los, um noch einmal den Plan mit meinen Freunden und
Mitgesellschaftern durchzugehen.
„Ich bleibe dabei – wir sollten Mel
oder Joachim als Aldern verkleiden und sehen, was passiert. Heidrun
schaute mich skeptisch an.
„Deine Pläne reiten irgendwie immer
andere in den Mist. Warum verkleidest Du Dich nicht?“ Sie wehrte
einen Vorstoß von Akbash Degen mit Ihrem neuen Schild ab und
antwortete mit einem Schwerthieb, der den Glücksritter beinahe
entmannte.
Ich ließ die Hände an meinem Körper
herabfahren. „Danke für das Kompliment, aber irgendwie denke ich,
es ist einfacher, Mel ein bisschen größer oder Achim etwas kleiner
wirken zu lassen, als meinen Prachtkörper in so ein Jäckchen zu
pressen.“ Der letzte Erbe der Chabrons hatte recht schmale Jacken
und enge Hosen bevorzugt, und wir hatten einige nach diesem Vorbild
besorgt.
„Vielleicht müssen wir das gar
nicht“. Aurelia meldete sich aus den Wanten, von dem Sie dem Duell
an Deck zuschaute. Wir können doch auch diesen Feinmechaniker
befragen, der die Käfige gebaut hat.“ Heidrun hatte Akbash
inzwischen mit wilden Hieben bis an die Reling zurück gedrängt.
„Oder wir fragen erst mal bei der
Wache nach. Hem hat uns doch diesen Hauptmann empfohlen, und wir
sollen ihn doch sowieso wegen Wachrekruten ansprechen.“ Mel
arbeitete an den merkwürdig tänzelnden Waffenabfolgen, die ihm die
Xaan in ihrem Tempel beigebracht hatten.
„Ich kann mit Wachen nichts anfangen“
Akbash hatte endlich Heidruns Schwert in seinem Parierdolch verhakt
und versuchte jetzt, sie wieder zurück zu schieben. Die Waldläuferin
blieb einfach stoisch stehen, den Schild gegen seine Brust gepresst.
Joachim trat an Deck und rieb sich die Augen. Er blinzelte in die
Sonne und erschauderte kurz, als müsse er eine Erinnerung von sich
werfen. „Ich muss auf jeden Fall zum Tempel der Stürme. Diese
Bücher, die wir mitgenommen haben . Er rieb sich die Arme, als wäre
ihm immer noch kalt. „Sie müssen sicher verwahrt werden.“
Ich griff schnell zu, als Heidrun
Akbash mit einem Grunzen über die Reling schickte und bewahrte ihn
vor einem salzigen Bad.
„Na, dann haben wir doch einiges vor. Aber ich denke wir sind uns einig, das wir zu aller erst bei der Brauerei vorbei schauen.“ Jubel und Zustimmungsrufe ertönten an Deck, während wir unter den ersten Ausläufern des Zornwalls in die Bucht von Larifa einfuhren.
Die „Extravagante Riffklaue“
Unser Treffen mit Ortei Kendara, dem
Besitzer der „Extravaganten Riffklaue, lief überraschend gut. Wir
mussten zwar den ersten Schreiber überwinden, aber ein Gefecht mit
bürokratischen Mitteln war eine freudige Abwechslung zu
Feuergefechten und Schwerthieben. Ortei war auch bereit, uns unter
die Arme zu greifen, nachdem wir ihm erklärt hatten, das wir in das
Gerstegeschäft einsteigen wollten. Er organisierte eine erfahrene
Führerin für Larifa, die uns das Bewegen in diesem Moloch von einer
Stadt erleichtern sollte. Zwischen der Oberstadt, der Unterstadt, den
Monumenten und den Schatten unter der Brücke war es nicht leicht,
sich zurecht zu finden. Wir mieteten uns im „Goldenen Krug“ ein,
inmitten des Theaterviertels von Larifa, ein Kompromiss zwischen den
Hafenkneipen von früher und den überteuerten Adelsvierteln der
Oberstadt.
Unsere erste Erkundung mit Timmirin
führte uns vorbei an einem weiteren Monument. Nach den Windanzeigern
des Hafens und der lebenden Stadtkarte waren wir erst ein wenig
irritiert über einen – Baum – allerdings muss ich gestehen, das
die Stille und der Friede unter dem gewaltigen Blätterdach inmitten
der Stadt schon etwas besonderes war. Timmirin erklärte, das dies
eine Geschenk der elfischen Verbündeten von Larifa war, und ich
glaube, tatsächlich befand sich noch ein Hauch feenhafter Magie in
diesem Kunstwerk. Zumindest fühlten wir uns alle beschwingt und
erfrischt, obwohl wir kaum 10 Minuten im Schatten des Baumes
verweilten.
Diese Erfrischung war auch bitter
nötig, als wir uns auf den langen Weg in die Oberstadt machten,
vorbei an diversen Wachposten, die den Aufgang kontrollierten. Die
Architektur von Larifa war atemberaubend. Die gewaltigen Ruinen, die
die Grundlage der Stadt bildeten, gaben der jungen Siedlung etwas
ungemein majestätisches. So auch dem Tempel der Stürme, der unsere
erste Anlaufstelle sein sollte.
Seit seiner Wiedererweckung als Garcia
war Joachim verständlicherweise sehr gläubig, auch wenn ich seinen
Enthusiasmus bezüglich der Priesterschaft an sich nicht unbedingt
teilen konnte. Allerdings war es immer gut, sich des Wohlwollens der
Götter zu versichern – man weiß ja nie, mit wem – oder was -
man es zu tun bekommt.
Nach kurzer Verhandlung führte man uns
zum örtlichen Questor. Ich bin immer wieder überrascht , wie
unbeeindruckt die Priesterschaft von einem wandelnden Wunder Laros'
ist. Andererseits, wenn man sich die anderen berühmten Garcias so
ansieht, ist es vielleicht angebracht, diesen Segen mit Vorsicht zu
betrachten.
Nachdem wir dem Quästor von unseren
Problemen in Port Grim erzählt hatten, insbesondere von den Morden
im Zeichen des Sihedron, eröffnete er uns schockierende Neuigkeiten.
Die Tode im Zeichen des Sihedron waren hier nicht nur bekannt – es
gab über 40 Opfer! Eine unfassbare Zahl. Dies ließ entweder auf
eine unglaubliche Inkompetenz der Wache schließen – oder, viel
ernüchternder, auf jemanden, der die Wache in der Hand hatte. Auch
wenn uns der Tempel keine weitere Unterstützung anbieten konnte,
verstärkte diese Information unsere Entschlossenheit, diesem Rat der
Sieben auf die Spur zu kommen.
Pucks Feinmechanik
Unsere nächste
Spur führte uns zu Pucks Feinmechanik, einem Emporium wundersamer
mechanischer Tüfteleien. Aufziehbare Vögel und Äffchen, beinahe
schon arkan anmutende Schlösser und andere Wunderwerke der Technik
bezauberten uns und führten auch schnell dazu, das wir bei dem
exzentrischen Halbling nicht nur Schlösser für unser
Gesellschaftshaus, sondern auch einige Modifikationen für meine
Lieblingspistole in Auftrag gaben.
Das wichtigste
allerdings war, das wir in seinen Auftragsbüchern endlich die
Adresse des Stadthauses ausfindig machten. Einer Umsetzung meines
Planes stand nichts mehr im Wege!
Im Haus der Chabrons
Nachdem wir das Anwesen ausfindig
gemacht hatten, schmiedeten wir einen Plan. Besonders ausgereift war
er zugegebener maßen nicht, er bestand weitestgehend darin, Akbash
als den jungen Chabron zu verkleiden in der Hoffnung, eventuell
einige Informationen aus den Kontaktleuten heraus zu kitzeln, bevor
wir aufflogen. Was aufgrund unserer schauspielerischen Fähigkeiten
eigentlich nur eine Frage der Zeit sein konnten.
Womit wir nicht gerechnet hatten, war
eine Begegnung mit Aldern und Iesha Chabron, lebendig, munter und
ganz und gar nicht erfreut, das wildfremde Menschen in Ihr Haus
eindringen! Wir waren perplex. Wie konnte das sein? Wir hatten die
beiden sterben sehen, Ihre Körper hatten als untote Verspottung
Ihrer jetzigen Gestalt aufeinander eingeschlagen, bis wir Ihrem
Leiden mit Feuer und Schwert ein Ende gesetzt hatten. Jetzt standen
sie vor uns, Hand in Hand, und verstanden kein Wort von unserem
Gerede über den Rat der Sieben und ähnliches. Ich stand kurz davor,
eine Waffe zu ziehen, aber letztendlich nagte der Zweifel an mir.
Was, wenn es sich bei den Leichen, die wir gesehen hatten, nur um
Simulakren oder Doppelgänger gehandelt hatte? Wie nah ich an der
Wahrheit war, erfuhr ich, als wir uns zum gehen wandten, um zunächst
unser weiteres Vorgehen zu besprechen. Unmittelbar fielen die beiden
über uns her!
Ein wilder Kampf entbrannte. Obwohl wir
in der Überzahl und schwer bewaffnet waren, hielten uns die beiden
auf Trab. Allerdings war auch das Pech wieder mal einer unserer
ständigen Begleiter. Heidrun hackte zwar mit Ihrem ersten Hieb
beinahe den Arm „Alderns“ ab, was uns ob des schleimigen Sekrets,
das als sein Blut herhielt, endgültig von seiner Nichtmenschlichkeit
überzeugte. Dann allerdings rutschte sie in ebendieser Pfütze aus
und taumelte von Wand zu Vase zu Teppich, als hätte Sie Orteis
Biervorräte intus. Aurelia rannte bei einem Ausfall unmittelbar in
den Dolch „Ieshas“, der in Ihren Rippen abbrach – das würde
eine hässliche Narbe geben. Joachim war Zauber um Zauber, aber die
wilde Magie Maracasars war uns wieder mal nicht hold, so das außer
Funkenflug und Lichteffekten recht wenig Wirkung herum kam.
Und um den Demütigungen die Krone auf
zu setzen, warf sich „Aldern“ schließlich auf mich und stieß
mir eine scharfe, lange Zunge in den Hals! Zum Glück konnte Mel das
Monster abstechen, bevor er zu viel meiner Lebenssäfte aussaugen
konnte. Als Rache schnitt ich ihm die widerliche Zunge ab und
verwahrte sie in einer der Bierflaschen, die Aurelia zufällig dabei
hatte. Ein guter Anfang für unser geplantes Trophäenzimmer.
Im Tode verwandelten sich die beiden in
gesichtslose, blasse Körper, die mehr von Maden hatten als Menschen.
Wir verscharrten sie im Garten, um später dann die Inquisition Laros
herzuschicken, aber erst mal wollten wir sie nicht mehr herumliegen
haben.
Eine Durchsuchung des Anwesens brachte
uns leider weniger harte Fakten, als wir uns erhofft hatten, aber ein
Schriftstück gab uns zumindest einen Anhaltspunkt.
Es handelte sich um einen
Darlehensvertrag für das Erwerben des „Verhängnis“-Grundstücks,
unterzeichnet vom Rat der Sieben mit einigen merkwürdigen
juristischen Verwicklungen. Das interessanteste daran war, das eine
sogenannte „Siebenmühle“, hier in Larifa, als Sicherheit
herangezogen wurde. Worum es sich auch immer handelte, dieser Ort
würde uns hoffentlich auf die Spur dieser Gesellschaft bringen!
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„Ich bleibe dabei – warum in Kjulls
Namen stellt eine Geheimgesellschaft von Khainitischen Assassinen
einen Vertrag mit einem Möchtegern-Nekromanten aus. Und was viel
wichtiger ist – unterschreibt Ihn dann mit einem nicht nach zu
vollziehenden Siegel, Kürzel, Synonym?“ Ich raufte mir die Haare,
während ich auf das Papier vor mir starrte. Joachim hob seine Hände
in einer Geste der Verzweiflung.
„Ist das wichtig? Das interessante
ist doch, das wir jetzt wissen, dass sie etwas mit dieser Mühle zu
tun haben. Der Papierkram ist doch uninteressant.“
Ich vergrub mein Gesicht in den Händen.
„Genau wegen dieser Einstellung kümmere ich mich um die Finanzen.
Papierkram IST wichtig. Und DU bist Dir sicher, dass dies hier kein
magischer Vertrag ist, der irgendwie mit Blut unterzeichnet ist oder
sowas?“ Joachim nahm den Zettel noch einmal in die Hand und
untersuchte ihn von allen Seiten. „Ich finde keinerlei Runen oder
ähnliches. Mel, kennst Du noch irgendwelche Tricks, wie man solche
Papiere nutzen könnte?“
Mel nahm ein Vergrößerungsglas aus
eine Tasche und überprüfte den Text. „Ich hatte mal einen Fall,
da waren in den Punkten und Kommas winzige Pentagramme versteckt, und
mit Zitronensaft waren die Verbunden, um ein Siegel zu formen. Aber
das hier scheint mir ein ganz mundaner Finanzierungsvertrag zu sein,
mit zugegebener maßen merkwürdigen Konditionen und Parteien, aber
sonst kann ich nichts finden.“ Er kratzte noch am Papier, um
eventuelle Doppelte Bögen zu finden oder Wasserzeichen, aber nichts
ergab sich.
Die anderen blickten uns ratlos an.
Aurelia räusperte sich. „Das ist ja alles sehr spannend, aber
können wir uns die Mühle nicht einfach mal ansehen und schauen, ob
da was stinkt?“ Ich hob den Blick und schaute sie irritiert an.
„Äh, ja, das ginge natürlich auch.
Es kommt mir nur so – einfach - vor. Aber du hast recht, sie liegt
sogar auf dem Weg zu Pucks, da könnte ich mal nach dem Fortschritt
meiner Betty fragen.“
Kollektives Aufstöhnen schlug mir
entgegen. Akbash klopfte mir auf die Schulter. „Eberhart, mein
Freund – du solltest Deinen Pistolen keine Namen geben. Und schon
gar keine Frauennamen. Die Leute reden eh schon.“
„Was, wo, reden, wer sollte denn über
mich reden?“ Ich war völlig perplex. Akbash grinste unverschämt.
„Naja, größtenteils die Leute, denen ich die verstörenden
Geschichten über Dich und Deine Peitschen und Pistolen erzähle.“
Er schnappte seinen Hut und ging zur Tür. „Wie auch immer, ich
werde mal die örtlichen Wasserlöcher überprüfen. Das letzte Mal
hab ich ja auch den Bösewicht in der Kneipe getroffen. Lasst uns
hoffen, dass die hier auch meinen Geschmack teilen!“ Damit war er
aus der Tür. Als ich mich wieder gefangen hatte, wandte ich mich an
Heidrun und Aurelia.
„Sollten wir ihn wirklich alleine
losziehen lassen?“ Heidrun zuckte nur mit den Schultern.
„Also in die Läden, die Akbash
bevorzugt, kriegen mich keine zehn Pferde.“
Aurelia grübelte kurz nach.
„Normalerweise wäre ich dabei, aber ich will ein Auge auf die
Schlösser dieser Mühle werfen, falls wir nachts nochmal in Ruhe
reinschauen wollen. Und vielleicht ist er alleine auch unauffälliger
als mit uns als Anhang.“
Also machten wir uns auf zur Erkundung
der Siebenmühle.
Die Sägemühle war recht modern, und
die Holzvielfalt interessant. Wieder bereute ich es, dass die
Verhandlungen mit den Holzhändlern von Marienburg so kläglich
gescheitert waren. Mit Tropenhölzern waren ordentlich Taler zu
machen. Aber nichts in diesem Gebäude ließ uns auch nur entfernt an
den Rat der Sieben oder den Sihedronkult denken. Keine Zeichen, keine
misstrauischen Blicke, einfach nur eine wassergetriebene Sägemühle
mit größtenteils freien Arbeitern und ein paar Sklaven. Die einzige
Verbindung, und die war nun wirklich weit her geholt, war der Mord in
Port Grim im dortigen Sägewerk. Aber der Besitzer dort war ja nur
ein Opfer und hatte nichts mit dem Häuter an sich zu tun. Wir
landeten ohne sinnvolle Informationen wieder im „Goldenen Krug“.
„Das war mal unspektakulär“,
verkündete Mel. „Lohnt es sich wirklich, da nachts nochmal vorbei
zu schauen?“
Aurelia packte Ihren Rucksack mit Feinwerkzeugen, Seil und ähnlichen nützlichen Utensilien. „Hast Du etwas Besseres vor? Das ist weiter unsere einzige Spur. Denk an die Tunnel unter Port Grim. Larifa steht auf ähnlich alten Ruinen. Ich verwette meinen zweitbesten Dolch, das wir unter der Mühle einen Zugang finden.“
Aurelia packte Ihren Rucksack mit Feinwerkzeugen, Seil und ähnlichen nützlichen Utensilien. „Hast Du etwas Besseres vor? Das ist weiter unsere einzige Spur. Denk an die Tunnel unter Port Grim. Larifa steht auf ähnlich alten Ruinen. Ich verwette meinen zweitbesten Dolch, das wir unter der Mühle einen Zugang finden.“
Joachim überprüfte noch einmal unsre
Blessuren aus dem Kampf mit den Doppelgängern. „Das klingt nicht
mal so abwegig. Und wir wissen ja, das diese Sihedron-Verschwörung
irgendwie mit der alten Kultur zusammen hängt, die auch Larifas
Ruinen hinterlassen hat.“ Er zurrte den Verband an meinem Hals
etwas zu fest, was mich keuchen ließ. „Also, auf zu nächtlichen
Erkundungsgängen!“ Wir schritten also mit vollem Einbrechergepäck
die Treppe herunter, als ein Trupp Stadtwachen durch die Vordertür
trat.
„Ihr da! Im Namen Larifas, Ihr seid
festgenommen!“
Wir wechselten einen schnellen Blick,
aber leider keinerlei Informationen, dann rannten wir los, wie vom
Hafer gestochen. Ich polterte zurück in unser Zimmer und verriegelte
die Tür. Aurelia und Heidrun versuchten Ihr Glück auf dem Dach,
Joachim und Mel verlor ich sofort aus den Augen.
Panisch rannte ich zum Fenster, nur, um
dort in der Gasse zwei weitere Wachen zu entdecken, die mir hämisch
zuwinkten. Meine Gedanken rasten, und eine Art „Plan“
kristallisierte sich heraus. Ich griff mir ein großes Kissen, riss
das Fenster auf und streute mit der rechten Hand Goldmünzen aus dem
Fenster. Dann, ohne zu prüfen, wie die Wachen reagierten, stürzte
ich mich mit dem Kissen als Schutz aus dem ersten Stock. Lasst es
Euch gesagt sein – wie weich Kissen auch im Bett wirken, als Schutz
gegen Pflastersteine sind sie lausig. Als ich mich aufrappelte, sah
ich einen Wächter gemütlich meine Münzen einsammeln, wärend der
andere mit lässig in die Hüften gestemmten Fäusten über mir
stand.
„Was war das denn, mein Dickerchen?“
Ich ließ das Kissen auf dem Boden und sah in verbeult an.
„Ein Fluchtversuch. Und hundert
Goldmünzen sagen, er war erfolgreich.“ Ich reichte ihm einen
schweren Beutel von meinem Gürtel. Sein Grinsen offenbarte diverse
interessante Lücken in seinem Gebiss, aber auch seinen Hang zur
Geschäftstüchtigkeit. Er schnappte den Beutel und lehnte sich an
die Wand, nur um dann zu rufen. „Verdammt, er ist uns entwischt.
Der Fettmops ist glitschiger, als er aussieht.“ Ich gab alles, was
leider überschaubar ist, wenn es Rennen und Klettern angeht. Aber
die Götter schienen mir hold zu sein (oder, wie ich im Nach hinein
denke, besonders hinterhältig), denn mit Ach und Krach konnte ich
meine Verfolger in den Gassen Larifas abhängen. Zu dumm, das ich
mich dabei komplett verirrte. Und keinerlei Ahnung hatte, wie ich
meine Freunde wieder finden sollte.
Es erschien mir nur logisch, dass ich
mich zum Sägewerk durch fragte. Schließlich war das unser Ziel, und
ein weiterer Treffpunkt kam mir nicht in den Sinn. Ja, im Nachhinein
hätte mir der Temple der Stürme einfallen können, aber ich bin
unter Stress nicht unbedingt der Mann mit den besten Entscheidungen.
Ich suchte mir ein Versteck in einer der umliegenden Gassen und
hoffte, bald meine Freunde auftauchen zu sehen.
Wieder schäme ich mich nicht, zu zu
geben, das mir das schnell öde wurde. Eine unbestimmte Zeit später
kam mir der Gedanke, das die anderen durchaus auch IN der Mühle sein
konnten. Schließlich war ich ganz schön umhergeirrt, bevor ich hier
gelandet war. Also machte ich mich katzengleich auf den Weg zur
Mühle, um dort an der Tür nach Einbruchsspuren oder anderen
Hinweisen zu suchen. Was ich fand, war ein stumpfer Gegenstand. Oder
er fand mich. Beziehungsweise meinen Hinterkopf. Ich selber fand nur
mich, Stunden später, gefesselt in einem dunklen Karren, zusammen
mit Mel. Der nur mitleidig den Kopf schüttelte, als ich ihm
erklärte, wie ich hier gelandet war.
„Na das hättest Du Dir auch sparen
können. Wir wollten doch zu Wache. Jetzt können wir denen alles
erklären.“ Zum Glück konnte Mel im Dunkeln meine Grimasse nicht
sehen.
„Ich glaube nicht, dass das hier die
Wache ist…“







