11.10.2014 Eberharts Reisetagebuch, von Port Grim nach Larifa.

Author: Nils /


„Und dies, edle Marquis, war das Ende der Ereignisse um das Anwesen – und die Blutlinie - der Chabrons.“ Joachim ließ seine Hand sinken, mit der er einige der haarsträubenderen Details unterstrichen hatte.
Marquis Kendara Orlanda lehnte sich in Ihrem Stuhl nach vorne und schlug mit der Hand auf die Tischplatte. 



„Famose Geschichte, Freunde! Ich hatte ja schon einiges über Euch gehört, nach dem Angriff der Goblins und dieser Geschichte im Malstrom, aber das schlägt dem Fass den Boden aus.“ Sie sprang auf und wanderte um den Tisch, wobei das Schwert an Ihrer Seite beinahe Mel touchierte. Sie lehnte sich lässig von vorne an den Schreibtisch und verschränkte Ihre Arme vor der Brust.

„Ich denke, ich würde mich freuen, die Gründung Eurer Gesellschaft zu unterstützen.“

Ich rieb mir die Hände. „Großartig, Marquis. Ich habe mir die Freiheit genommen, mit meinen Freunden schon einige Entwürfe erstellen zu lassen. Wir werden die Bauangelegenheiten dann mit Meister Eichenstein absprechen, wie Ihr empfohlen habt.“ Ich reichte die Papiere an einen der Schreiber. „Somit können anstoßen, auf die Gründung der Gesellschaft für Abenteuer und Entdeckung von Maracasar!“

Wir ließen die Gläser klirren und schlugen uns gegenseitig auf die Schultern, umarmten einander und ließen die Marquis hochleben. Es war erfrischend, eine solch bodenständige und vernünftige Adlige zu treffen, ganz im Geiste der Freiheitsliebe von Port Grim.
Schließlich ergriff Joachim wieder das Wort. „Kommen wir nun wieder zu ernsten Angelegenheiten. Wie Ihr aus unseren Beschreibungen entnehmen konntet, gibt es anscheinend noch weitere Hintermänner in dieser Verschwörung. Wir müssen diesem „Rat der Sieben“ auf den Zahn fühlen. Sei es nur, um sicher zu gehen, das von Ihnen keine weitere Gefahr für Port Grim ausgeht.“ Er tippte auf den Brief, den wir bei Aldern gefunden hatten. „Leider fehlen uns jegliche Kontakte in die Hauptstadt – könntet Ihr uns an jemanden verweisen, der uns dort bei unseren Nachforschungen helfen könnte? Der Sheriff hat uns bereits jemanden bei der dortigen Wache genannt, aber eventuell müssen wir uns in höheren Kreisen dort einführen.“

Kendara tippte sich mit einem Dolch an die Lippen, den sie wohl als Brieföffner benutzte. „Hm, der einzige, der sich eventuell auf Euch einlassen würde, ist Ortei, mein Onkel. Er ist der Besitzer der Brauerei „Extravagante Riffklaue“. Ich sag Euch was. Übermorgen geht die vorerst letzte Ladung Gerste, die wir an Onkel Ortei liefern können. Ich werde Euch ein Schreiben anvertrauen, das unsere Lage und Probleme erklärt – alles weitere überlasse ich dann Euren versilberten Zungen.“ Sie zwinkerte Akbash zu. „Ach, und falls Ihr Euch wirklich beliebt machen wollt, bringt ihm ein paar Himbeeren mit!“


Aurelia schaute mir über die Schulter und tippte auf einen Teil der Zeichnung. „Die Fenster müssen entweder noch schmaler oder du lässt Sie ganz weg. Da käme ich sogar noch durch, und du hast gesehen, wie dürr diese Goblins sind.“



„Du hast recht. Und erinnere mich daran, das wir in Larifa nach den entsprechenden Schlössern für den Kellern schauen. Vielleicht kann dieser Puck uns dahingehend helfen.“ Ich rollte die Pläne glatt und schaute in die Runde. Mit einem Kohlestift tippte ich auf die entsprechenden Zimmer.

Darf ich vorstellen, das Anwesen unserer Gesellschaft. Zwei Stockwerke, aus Stein, mit einem flachen Dach. Von außen nahezu ungebrochen abgesehen von den Eingänge, dafür zum Innenhof hin offen, um sowohl Licht als auch Luft an die Zimmer zu bringen. Hier eine umlaufende Veranda, mit Blick auf den Garten. 



Unsere Zimmer befinden sich dort im ersten Stock. Im Erdgeschoss befinden sich der Empfangs und Essenssaal, die Gästezimmer und das Krankenzimmer. Versenkt unter dem Innenhof unsere Schatzkammer. Und hier, das Prachtstück – unser Emblem!“ 


Sogar Heidrun musste kurz auflachen, als sie den Umriss des Krebses mit dem goldenen Helm erkannte, der uns unter dem Distelkopf begegnet war. Er hatte eine Zange wie zum Salut erhoben und grinste uns frech entgegen.
„Der Schmied will es für den Eingang fertig haben, wenn wir zurück sind. Auch wenn die Bauarbeiten noch lange dauern werden, wollte ich doch, das die Anwohner von Port Grim sich möglichst schnell an unser Zeichen gewöhnen.“ Ich grinste in die Runde. „Ich kann es kaum glauben wir sind Gesellschafter!“

Über Larifa selbst will ich nicht viel erzählen – geübtere Beobachter als ich haben schon Buch um Buch über die Stadt der Monumente geschrieben. Ich will nur soviel sagen, das der gewaltige Zornwall den Vergleich mit Marienburg und den Städten der 6 Königreiche nicht scheuen muss. Und die Teilung in Ober und Unterstadt ließ mich tatsächlich etwa nostalgisch werden, war mein heimisches Kemperbad doch ähnlich aufgebaut, wenn auch um vieles kleiner. Manchmal vermisse ich die sorgenlose Zeit, als ich als Schreinerlehrling auf einer Ladung Bretter die Kräne und Flaschenzüge hinauf ritt, unter mir nur der Reik und über mir der Himmel.

Wenn ich dem sogenannten „Marniefest“ glauben konnte, das ich während meiner Reise zu kopieren begann, war allerdings auch zu dieser Zeit schon einiges im Argen gewesen. Der Aufstieg der Sackheimbande war in zahllosen Theaterstücken und Epen verewigt worden, aber die schmutzigen, skandalösen Details dieser Zeit lasen sich sehr ernüchternd. Chaoskulte, Verschwörungen, bürokratische Inkompetenz und eine ungemein flexible Auffassung bezüglich körperlicher Gewalt und bestehender Besitzrechte durchzogen die Geschichte Marnie Sackheims, Kurfürstin des Reiches, und Ihrer Gefährten.

Ich riss mich von meinen Erinnerungen los, um noch einmal den Plan mit meinen Freunden und Mitgesellschaftern durchzugehen.

„Ich bleibe dabei – wir sollten Mel oder Joachim als Aldern verkleiden und sehen, was passiert. Heidrun schaute mich skeptisch an.

„Deine Pläne reiten irgendwie immer andere in den Mist. Warum verkleidest Du Dich nicht?“ Sie wehrte einen Vorstoß von Akbash Degen mit Ihrem neuen Schild ab und antwortete mit einem Schwerthieb, der den Glücksritter beinahe entmannte.

Ich ließ die Hände an meinem Körper herabfahren. „Danke für das Kompliment, aber irgendwie denke ich, es ist einfacher, Mel ein bisschen größer oder Achim etwas kleiner wirken zu lassen, als meinen Prachtkörper in so ein Jäckchen zu pressen.“ Der letzte Erbe der Chabrons hatte recht schmale Jacken und enge Hosen bevorzugt, und wir hatten einige nach diesem Vorbild besorgt.
„Vielleicht müssen wir das gar nicht“. Aurelia meldete sich aus den Wanten, von dem Sie dem Duell an Deck zuschaute. Wir können doch auch diesen Feinmechaniker befragen, der die Käfige gebaut hat.“ Heidrun hatte Akbash inzwischen mit wilden Hieben bis an die Reling zurück gedrängt.
„Oder wir fragen erst mal bei der Wache nach. Hem hat uns doch diesen Hauptmann empfohlen, und wir sollen ihn doch sowieso wegen Wachrekruten ansprechen.“ Mel arbeitete an den merkwürdig tänzelnden Waffenabfolgen, die ihm die Xaan in ihrem Tempel beigebracht hatten.
„Ich kann mit Wachen nichts anfangen“ Akbash hatte endlich Heidruns Schwert in seinem Parierdolch verhakt und versuchte jetzt, sie wieder zurück zu schieben. Die Waldläuferin blieb einfach stoisch stehen, den Schild gegen seine Brust gepresst. Joachim trat an Deck und rieb sich die Augen. Er blinzelte in die Sonne und erschauderte kurz, als müsse er eine Erinnerung von sich werfen. „Ich muss auf jeden Fall zum Tempel der Stürme. Diese Bücher, die wir mitgenommen haben . Er rieb sich die Arme, als wäre ihm immer noch kalt. „Sie müssen sicher verwahrt werden.“

Ich griff schnell zu, als Heidrun Akbash mit einem Grunzen über die Reling schickte und bewahrte ihn vor einem salzigen Bad.

„Na, dann haben wir doch einiges vor. Aber ich denke wir sind uns einig, das wir zu aller erst bei der Brauerei vorbei schauen.“ Jubel und Zustimmungsrufe ertönten an Deck, während wir unter den ersten Ausläufern des Zornwalls in die Bucht von Larifa einfuhren.


Die „Extravagante Riffklaue“


Unser Treffen mit Ortei Kendara, dem Besitzer der „Extravaganten Riffklaue, lief überraschend gut. Wir mussten zwar den ersten Schreiber überwinden, aber ein Gefecht mit bürokratischen Mitteln war eine freudige Abwechslung zu Feuergefechten und Schwerthieben. Ortei war auch bereit, uns unter die Arme zu greifen, nachdem wir ihm erklärt hatten, das wir in das Gerstegeschäft einsteigen wollten. Er organisierte eine erfahrene Führerin für Larifa, die uns das Bewegen in diesem Moloch von einer Stadt erleichtern sollte. Zwischen der Oberstadt, der Unterstadt, den Monumenten und den Schatten unter der Brücke war es nicht leicht, sich zurecht zu finden. Wir mieteten uns im „Goldenen Krug“ ein, inmitten des Theaterviertels von Larifa, ein Kompromiss zwischen den Hafenkneipen von früher und den überteuerten Adelsvierteln der Oberstadt.

Unsere erste Erkundung mit Timmirin führte uns vorbei an einem weiteren Monument. Nach den Windanzeigern des Hafens und der lebenden Stadtkarte waren wir erst ein wenig irritiert über einen – Baum – allerdings muss ich gestehen, das die Stille und der Friede unter dem gewaltigen Blätterdach inmitten der Stadt schon etwas besonderes war. Timmirin erklärte, das dies eine Geschenk der elfischen Verbündeten von Larifa war, und ich glaube, tatsächlich befand sich noch ein Hauch feenhafter Magie in diesem Kunstwerk. Zumindest fühlten wir uns alle beschwingt und erfrischt, obwohl wir kaum 10 Minuten im Schatten des Baumes verweilten.

Diese Erfrischung war auch bitter nötig, als wir uns auf den langen Weg in die Oberstadt machten, vorbei an diversen Wachposten, die den Aufgang kontrollierten. Die Architektur von Larifa war atemberaubend. Die gewaltigen Ruinen, die die Grundlage der Stadt bildeten, gaben der jungen Siedlung etwas ungemein majestätisches. So auch dem Tempel der Stürme, der unsere erste Anlaufstelle sein sollte.

Seit seiner Wiedererweckung als Garcia war Joachim verständlicherweise sehr gläubig, auch wenn ich seinen Enthusiasmus bezüglich der Priesterschaft an sich nicht unbedingt teilen konnte. Allerdings war es immer gut, sich des Wohlwollens der Götter zu versichern – man weiß ja nie, mit wem – oder was - man es zu tun bekommt.

Nach kurzer Verhandlung führte man uns zum örtlichen Questor. Ich bin immer wieder überrascht , wie unbeeindruckt die Priesterschaft von einem wandelnden Wunder Laros' ist. Andererseits, wenn man sich die anderen berühmten Garcias so ansieht, ist es vielleicht angebracht, diesen Segen mit Vorsicht zu betrachten.

Nachdem wir dem Quästor von unseren Problemen in Port Grim erzählt hatten, insbesondere von den Morden im Zeichen des Sihedron, eröffnete er uns schockierende Neuigkeiten. Die Tode im Zeichen des Sihedron waren hier nicht nur bekannt – es gab über 40 Opfer! Eine unfassbare Zahl. Dies ließ entweder auf eine unglaubliche Inkompetenz der Wache schließen – oder, viel ernüchternder, auf jemanden, der die Wache in der Hand hatte. Auch wenn uns der Tempel keine weitere Unterstützung anbieten konnte, verstärkte diese Information unsere Entschlossenheit, diesem Rat der Sieben auf die Spur zu kommen.

Pucks Feinmechanik

Unsere nächste Spur führte uns zu Pucks Feinmechanik, einem Emporium wundersamer mechanischer Tüfteleien. Aufziehbare Vögel und Äffchen, beinahe schon arkan anmutende Schlösser und andere Wunderwerke der Technik bezauberten uns und führten auch schnell dazu, das wir bei dem exzentrischen Halbling nicht nur Schlösser für unser Gesellschaftshaus, sondern auch einige Modifikationen für meine Lieblingspistole in Auftrag gaben.

Das wichtigste allerdings war, das wir in seinen Auftragsbüchern endlich die Adresse des Stadthauses ausfindig machten. Einer Umsetzung meines Planes stand nichts mehr im Wege!

Im Haus der Chabrons

Nachdem wir das Anwesen ausfindig gemacht hatten, schmiedeten wir einen Plan. Besonders ausgereift war er zugegebener maßen nicht, er bestand weitestgehend darin, Akbash als den jungen Chabron zu verkleiden in der Hoffnung, eventuell einige Informationen aus den Kontaktleuten heraus zu kitzeln, bevor wir aufflogen. Was aufgrund unserer schauspielerischen Fähigkeiten eigentlich nur eine Frage der Zeit sein konnten.

Womit wir nicht gerechnet hatten, war eine Begegnung mit Aldern und Iesha Chabron, lebendig, munter und ganz und gar nicht erfreut, das wildfremde Menschen in Ihr Haus eindringen! Wir waren perplex. Wie konnte das sein? Wir hatten die beiden sterben sehen, Ihre Körper hatten als untote Verspottung Ihrer jetzigen Gestalt aufeinander eingeschlagen, bis wir Ihrem Leiden mit Feuer und Schwert ein Ende gesetzt hatten. Jetzt standen sie vor uns, Hand in Hand, und verstanden kein Wort von unserem Gerede über den Rat der Sieben und ähnliches. Ich stand kurz davor, eine Waffe zu ziehen, aber letztendlich nagte der Zweifel an mir. Was, wenn es sich bei den Leichen, die wir gesehen hatten, nur um Simulakren oder Doppelgänger gehandelt hatte? Wie nah ich an der Wahrheit war, erfuhr ich, als wir uns zum gehen wandten, um zunächst unser weiteres Vorgehen zu besprechen. Unmittelbar fielen die beiden über uns her!

Ein wilder Kampf entbrannte. Obwohl wir in der Überzahl und schwer bewaffnet waren, hielten uns die beiden auf Trab. Allerdings war auch das Pech wieder mal einer unserer ständigen Begleiter. Heidrun hackte zwar mit Ihrem ersten Hieb beinahe den Arm „Alderns“ ab, was uns ob des schleimigen Sekrets, das als sein Blut herhielt, endgültig von seiner Nichtmenschlichkeit überzeugte. Dann allerdings rutschte sie in ebendieser Pfütze aus und taumelte von Wand zu Vase zu Teppich, als hätte Sie Orteis Biervorräte intus. Aurelia rannte bei einem Ausfall unmittelbar in den Dolch „Ieshas“, der in Ihren Rippen abbrach – das würde eine hässliche Narbe geben. Joachim war Zauber um Zauber, aber die wilde Magie Maracasars war uns wieder mal nicht hold, so das außer Funkenflug und Lichteffekten recht wenig Wirkung herum kam.

Und um den Demütigungen die Krone auf zu setzen, warf sich „Aldern“ schließlich auf mich und stieß mir eine scharfe, lange Zunge in den Hals! Zum Glück konnte Mel das Monster abstechen, bevor er zu viel meiner Lebenssäfte aussaugen konnte. Als Rache schnitt ich ihm die widerliche Zunge ab und verwahrte sie in einer der Bierflaschen, die Aurelia zufällig dabei hatte. Ein guter Anfang für unser geplantes Trophäenzimmer.

Im Tode verwandelten sich die beiden in gesichtslose, blasse Körper, die mehr von Maden hatten als Menschen. Wir verscharrten sie im Garten, um später dann die Inquisition Laros herzuschicken, aber erst mal wollten wir sie nicht mehr herumliegen haben.



Eine Durchsuchung des Anwesens brachte uns leider weniger harte Fakten, als wir uns erhofft hatten, aber ein Schriftstück gab uns zumindest einen Anhaltspunkt.
Es handelte sich um einen Darlehensvertrag für das Erwerben des „Verhängnis“-Grundstücks, unterzeichnet vom Rat der Sieben mit einigen merkwürdigen juristischen Verwicklungen. Das interessanteste daran war, das eine sogenannte „Siebenmühle“, hier in Larifa, als Sicherheit herangezogen wurde. Worum es sich auch immer handelte, dieser Ort würde uns hoffentlich auf die Spur dieser Gesellschaft bringen!


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„Ich bleibe dabei – warum in Kjulls Namen stellt eine Geheimgesellschaft von Khainitischen Assassinen einen Vertrag mit einem Möchtegern-Nekromanten aus. Und was viel wichtiger ist – unterschreibt Ihn dann mit einem nicht nach zu vollziehenden Siegel, Kürzel, Synonym?“ Ich raufte mir die Haare, während ich auf das Papier vor mir starrte. Joachim hob seine Hände in einer Geste der Verzweiflung.
„Ist das wichtig? Das interessante ist doch, das wir jetzt wissen, dass sie etwas mit dieser Mühle zu tun haben. Der Papierkram ist doch uninteressant.“
Ich vergrub mein Gesicht in den Händen. „Genau wegen dieser Einstellung kümmere ich mich um die Finanzen. Papierkram IST wichtig. Und DU bist Dir sicher, dass dies hier kein magischer Vertrag ist, der irgendwie mit Blut unterzeichnet ist oder sowas?“ Joachim nahm den Zettel noch einmal in die Hand und untersuchte ihn von allen Seiten. „Ich finde keinerlei Runen oder ähnliches. Mel, kennst Du noch irgendwelche Tricks, wie man solche Papiere nutzen könnte?“
Mel nahm ein Vergrößerungsglas aus eine Tasche und überprüfte den Text. „Ich hatte mal einen Fall, da waren in den Punkten und Kommas winzige Pentagramme versteckt, und mit Zitronensaft waren die Verbunden, um ein Siegel zu formen. Aber das hier scheint mir ein ganz mundaner Finanzierungsvertrag zu sein, mit zugegebener maßen merkwürdigen Konditionen und Parteien, aber sonst kann ich nichts finden.“ Er kratzte noch am Papier, um eventuelle Doppelte Bögen zu finden oder Wasserzeichen, aber nichts ergab sich.

Die anderen blickten uns ratlos an. Aurelia räusperte sich. „Das ist ja alles sehr spannend, aber können wir uns die Mühle nicht einfach mal ansehen und schauen, ob da was stinkt?“ Ich hob den Blick und schaute sie irritiert an.
„Äh, ja, das ginge natürlich auch. Es kommt mir nur so – einfach - vor. Aber du hast recht, sie liegt sogar auf dem Weg zu Pucks, da könnte ich mal nach dem Fortschritt meiner Betty fragen.“
Kollektives Aufstöhnen schlug mir entgegen. Akbash klopfte mir auf die Schulter. „Eberhart, mein Freund – du solltest Deinen Pistolen keine Namen geben. Und schon gar keine Frauennamen. Die Leute reden eh schon.“
„Was, wo, reden, wer sollte denn über mich reden?“ Ich war völlig perplex. Akbash grinste unverschämt. „Naja, größtenteils die Leute, denen ich die verstörenden Geschichten über Dich und Deine Peitschen und Pistolen erzähle.“ Er schnappte seinen Hut und ging zur Tür. „Wie auch immer, ich werde mal die örtlichen Wasserlöcher überprüfen. Das letzte Mal hab ich ja auch den Bösewicht in der Kneipe getroffen. Lasst uns hoffen, dass die hier auch meinen Geschmack teilen!“ Damit war er aus der Tür. Als ich mich wieder gefangen hatte, wandte ich mich an Heidrun und Aurelia.
„Sollten wir ihn wirklich alleine losziehen lassen?“ Heidrun zuckte nur mit den Schultern.
„Also in die Läden, die Akbash bevorzugt, kriegen mich keine zehn Pferde.“
Aurelia grübelte kurz nach. „Normalerweise wäre ich dabei, aber ich will ein Auge auf die Schlösser dieser Mühle werfen, falls wir nachts nochmal in Ruhe reinschauen wollen. Und vielleicht ist er alleine auch unauffälliger als mit uns als Anhang.“
Also machten wir uns auf zur Erkundung der Siebenmühle.

Die Sägemühle war recht modern, und die Holzvielfalt interessant. Wieder bereute ich es, dass die Verhandlungen mit den Holzhändlern von Marienburg so kläglich gescheitert waren. Mit Tropenhölzern waren ordentlich Taler zu machen. Aber nichts in diesem Gebäude ließ uns auch nur entfernt an den Rat der Sieben oder den Sihedronkult denken. Keine Zeichen, keine misstrauischen Blicke, einfach nur eine wassergetriebene Sägemühle mit größtenteils freien Arbeitern und ein paar Sklaven. Die einzige Verbindung, und die war nun wirklich weit her geholt, war der Mord in Port Grim im dortigen Sägewerk. Aber der Besitzer dort war ja nur ein Opfer und hatte nichts mit dem Häuter an sich zu tun. Wir landeten ohne sinnvolle Informationen wieder im „Goldenen Krug“.

„Das war mal unspektakulär“, verkündete Mel. „Lohnt es sich wirklich, da nachts nochmal vorbei zu schauen?“
Aurelia packte Ihren Rucksack mit Feinwerkzeugen, Seil und ähnlichen nützlichen Utensilien. „Hast Du etwas Besseres vor? Das ist weiter unsere einzige Spur. Denk an die Tunnel unter Port Grim. Larifa steht auf ähnlich alten Ruinen. Ich verwette meinen zweitbesten Dolch, das wir unter der Mühle einen Zugang finden.“
Joachim überprüfte noch einmal unsre Blessuren aus dem Kampf mit den Doppelgängern. „Das klingt nicht mal so abwegig. Und wir wissen ja, das diese Sihedron-Verschwörung irgendwie mit der alten Kultur zusammen hängt, die auch Larifas Ruinen hinterlassen hat.“ Er zurrte den Verband an meinem Hals etwas zu fest, was mich keuchen ließ. „Also, auf zu nächtlichen Erkundungsgängen!“ Wir schritten also mit vollem Einbrechergepäck die Treppe herunter, als ein Trupp Stadtwachen durch die Vordertür trat.
„Ihr da! Im Namen Larifas, Ihr seid festgenommen!“
Wir wechselten einen schnellen Blick, aber leider keinerlei Informationen, dann rannten wir los, wie vom Hafer gestochen. Ich polterte zurück in unser Zimmer und verriegelte die Tür. Aurelia und Heidrun versuchten Ihr Glück auf dem Dach, Joachim und Mel verlor ich sofort aus den Augen.
Panisch rannte ich zum Fenster, nur, um dort in der Gasse zwei weitere Wachen zu entdecken, die mir hämisch zuwinkten. Meine Gedanken rasten, und eine Art „Plan“ kristallisierte sich heraus. Ich griff mir ein großes Kissen, riss das Fenster auf und streute mit der rechten Hand Goldmünzen aus dem Fenster. Dann, ohne zu prüfen, wie die Wachen reagierten, stürzte ich mich mit dem Kissen als Schutz aus dem ersten Stock. Lasst es Euch gesagt sein – wie weich Kissen auch im Bett wirken, als Schutz gegen Pflastersteine sind sie lausig. Als ich mich aufrappelte, sah ich einen Wächter gemütlich meine Münzen einsammeln, wärend der andere mit lässig in die Hüften gestemmten Fäusten über mir stand.
„Was war das denn, mein Dickerchen?“ Ich ließ das Kissen auf dem Boden und sah in verbeult an.
„Ein Fluchtversuch. Und hundert Goldmünzen sagen, er war erfolgreich.“ Ich reichte ihm einen schweren Beutel von meinem Gürtel. Sein Grinsen offenbarte diverse interessante Lücken in seinem Gebiss, aber auch seinen Hang zur Geschäftstüchtigkeit. Er schnappte den Beutel und lehnte sich an die Wand, nur um dann zu rufen. „Verdammt, er ist uns entwischt. Der Fettmops ist glitschiger, als er aussieht.“ Ich gab alles, was leider überschaubar ist, wenn es Rennen und Klettern angeht. Aber die Götter schienen mir hold zu sein (oder, wie ich im Nach hinein denke, besonders hinterhältig), denn mit Ach und Krach konnte ich meine Verfolger in den Gassen Larifas abhängen. Zu dumm, das ich mich dabei komplett verirrte. Und keinerlei Ahnung hatte, wie ich meine Freunde wieder finden sollte.

Es erschien mir nur logisch, dass ich mich zum Sägewerk durch fragte. Schließlich war das unser Ziel, und ein weiterer Treffpunkt kam mir nicht in den Sinn. Ja, im Nachhinein hätte mir der Temple der Stürme einfallen können, aber ich bin unter Stress nicht unbedingt der Mann mit den besten Entscheidungen. Ich suchte mir ein Versteck in einer der umliegenden Gassen und hoffte, bald meine Freunde auftauchen zu sehen.

Wieder schäme ich mich nicht, zu zu geben, das mir das schnell öde wurde. Eine unbestimmte Zeit später kam mir der Gedanke, das die anderen durchaus auch IN der Mühle sein konnten. Schließlich war ich ganz schön umhergeirrt, bevor ich hier gelandet war. Also machte ich mich katzengleich auf den Weg zur Mühle, um dort an der Tür nach Einbruchsspuren oder anderen Hinweisen zu suchen. Was ich fand, war ein stumpfer Gegenstand. Oder er fand mich. Beziehungsweise meinen Hinterkopf. Ich selber fand nur mich, Stunden später, gefesselt in einem dunklen Karren, zusammen mit Mel. Der nur mitleidig den Kopf schüttelte, als ich ihm erklärte, wie ich hier gelandet war.
„Na das hättest Du Dir auch sparen können. Wir wollten doch zu Wache. Jetzt können wir denen alles erklären.“ Zum Glück konnte Mel im Dunkeln meine Grimasse nicht sehen.
„Ich glaube nicht, dass das hier die Wache ist…“

Die Chabrons

Author: Nils /

 


Aldern Chapron - ist der Adelige den ihr gerettet habt, Sohn von Traver Chapron, Großneffe von Vorel dem Erbauer des Guthauses, der sein Erbe angetreten hat und naja....umkam^^


 
Iesha Chapron die Frau Alderns, die später so aussah


Bleibt noch der Ursprung des Übels Vorel Chapron, der Erbauer des Gutshauses, über den wir wissen das er einst ein wohlhabender Kaufmann aus Larifa war. Die Chaprons werden traditionell mit den Brüdern der Sieben in Verbindung gebracht, einer Gesellschaft von Ehrenmännern, mit Sitz in Larifa.