Verwertungen und Verhandlungen

Author: Nils /


Irgendetwas muss mich bei diesem Hinterhalt am Kopf getroffen haben - es kommt mir vor, als wäre es schon Monate her, das ich nach dem feigen Angriff von Teraktinus Riesen und Drachen auf unser schönes Port Grim endlich auch zurück gekehrt bin. Denn ja, der werte Leser mag es kaum glauben, dieses Meisterstück der Verteidigung ist völlig ohne Einfluss ihres Chronisten von statten gegangen. Da zeigt sich mal wieder, das eine sauber organisierte Gesellschaft auch ohne den Vorsitz funktioniert wie ein Uhrwerk.
Ich selber hatte mich einer eher unschönen Kur unterziehen müssen, unter Anleitung der weisen Frau Risa und unserer feenhaften Gönnerin Myriana. Als Andenken daran liegt jetzt ein recht speckiger Stein mit einer eher ungesunden Ausstrahlung in unserem Tresor - beizeiten müssen wir dafür einen besseren Aufbewahrungsort finden. Tatsächlich fühle ich mich aber wieder 10 Jahre jünger und 100 Pfund leichter auf den Rippen! Auch wenn das ganze hungrig macht ...
Aber zur Sache - Nachdem mich meine Mitstreiter über ihre famosen Erfolge aufgeklärt hatten, schritten wir schnell zur Tat - es gab nicht nur diverse Trophäen zu sichern, sondern vor allem einen Drachenleichnam sinnvoll zu verwerten! Und das alles, bevor die Tempel, die Adelsfamilien oder am schlimmsten die Südmeer-Handelsgesellschaft einen Anspruch erheben konnten!
Nicht gerechnet hatte ich mit der Gestalt von Gorris, dem sogenannten Treibgutkönig. Ein durch und durch unsymüathischer, aber absolut geschäftstüchtiger Mann. Wir kamen uns nach einigem Hin und Her überein, das er und seine Leute sich um die Entsorgung und Verwertung der diversen Leichen von Riesen und anderem Ungetüm kümmern würden und den Drachenleichnam erstmal vor Missbrauch absichern würden. Einer der Schreckensbären, die Mel erlegt hatte, würde schon mal einen herrlichen Teppich für das Besprechungszimmer abgeben.
Beim Sichern des Drachenleichnams kam es dann leider zu einem leichten Missverständnis - ich konnte ja nicht ahnen, das Joachim die Gelegenheit nutzen würde, um auf dem Leichnam eine spontane Predigt an seine verstörend fanatischen neuen Anhänger zu richten. So kam es zu einigen unglücklichen Übergriffen, aber Hauptsache, unser Drachenkorpus ist sicher.
Nachdem das geklärt war, konnten wir uns endlich der Bergung des sogenannten „Erststeins“ widmen. Soviel hatte uns Teraktinus, der Bergriesenanführer, verraten. Der wahre Häuptling der Riesen, ein Unsympath namens Mokmurian, wollte sich nämlich diesen Stein sichern, um die Verbindung zwischen Marakasar und dem Festland wieder aus dem Meer zu erheben. Was genau er sich davon verspricht, ist uns unklar, aber selbst ich glaube kaum, das ein solches Unterfangen ohne größere Naturkatastrophen von statten gehen kann.
Mit Hilfe eines gnomischen Gelehrten names Brodert Quint konnten wir den Stein auch aus den Tiefen des alten Leuchtturms bergen. Was wir jetzt damit anfangen sollten, blieb allerdings unklar. Wir überliessen den Stein erstmal Broderts Obhut, um ihn weiter zu untersuchen.

Das gab uns die Zeit, endlich eine Erklärung vor dem Rat der Familien von Port Grim abzugeben. Kein einfaches Publikum, aber mit einem sturmgeborenen Drachentöter, einer Goblinschlächterin, einem Bestienjäger und einem Riesenschreck(Mächtiger Stachel? Bonvivant? Es fällt mir nicht leicht, gute Titel für Akbash zu finden) auf der Haben-Seite fiel es auch den größten Nörglern schwer, unsere Position innerhalb der Stadt anzuzweifeln.
Trotz allem sprach uns nur der Werftmeister seine volle Unterstützung zu. Der Rest der Bande bildet tatsächlich einen Ausschuss, um unsere Position und etwaige Verantwortlichkeit and den Problemen Marakasars und Port Grims im speziellen zu untersuchen. Naja, Papierkram und endlose bürokratische Verstrickungen sind mein Ding, daran wird es nicht scheitern.
Woran wir dann beinahe scheiterten war ein hinterhältiger Angriff von einem halben Dutzend gedungener Schergen, die uns auf professionellem Wege den Garaus machen wollten! Ernüchternd, wenn man nach einer erfolgreichen Schlacht gegen Riesen und Drachen beinahe von simplen Meuchelmördern zur Strecke gebracht wird. Anscheinend ist mindestens eine der alten Familien doch kein zahnloser alter Kläffer.
Viel schwerer wiegt allerdings, das uns auch Brodert Quint hintergehen wollte, und anscheinend einen schweren Preis dafür zahlen musste. Beim Versuch, mit dem Erststein zu fliehen, ist er kurz außerhalb der Stadtmauern mit etwas aneinander geraten, das von seinem Wagen nur Kleinholz übrig ließ, ohne eine verwertbare Spur für unsere Goblinschlächterin zu hinterlassen.

Ich fürchte, Joachim hatte bei unserem letzten Gespräch Recht - es führt kein Weg daran vorbei, das wir uns um diesen Mokmurian kümmern, wenn wir endlich Ruhe und Frieden für Port Grim garantieren wollen ...