bis nach Drachenfall 1v3

Author: Sventasie /

 Teil 1 - VIELE WEGE UND NUR EIN ZIEL

Eberhard Brettschneider war mit der zwergischen Abenteurerin Camina Boohra in dem alten Gehöft am Fuß der Klippen, die zu der Stadt Drachenfall führten, zurück geblieben. 

Der Rest ihrer Gesellschaft war ausgezogen, um auf Erasmus drängen das Umland des Tals zu erkunden. Das war durch aus löblich, aber Eberhard war es genug der Anstrengung.
Er wollte die Gelegenheit nutzen ein paar frische Seiten seines Tagebuchs mit den Ereignissen der letzten Tage zu vervollständigen. 
Aus dem kleinen Fenster des Hauses betrachtete Eberhard das üppige Ackerland, das von kleinen Bewässerungsgräben durchzogen wurde, und ließ seinen Blick zu den ungezähmten Bergen schweifen, die sich wild und unnahbar in den Himmel erhoben. Er hatte eine Ahnung, dass ihr Weg sie in den kommenden Tagen, in eben diese Wildnis führen würde.

Grübelnd blickte er auf die leeren Seiten die vor ihm lagen, während Camina ihren Blick in irgendwelche Karten warf. Es erschien ihm fast absurd. Noch gestern waren sie in der südlichen Kristallsee, keine 500 Seemeilen südöstlich von Maracasar, gewesen. Sie hatten an den weißen Stränden des Irawaru-Archipels gesessen, in warme Seeluft gehüllt und unter den Palmen liegend den Sternenhimmel bewundert. Sie hatten den Brandungsreitern zugesehen, wie sie auf hölzernen Planken durch die Wellen ritten, was und Aurelias Entschluß gefestigt hatte, so bald wie möglich und auf unbestimmte Zeit hierher zurückzukehren.

Der Besuch des Archipels hatte die Stimmung der Gefährten angehoben. Es war ihnen gelungen, die alltäglichen Schrecken zumindest zum Teil zu verdrängen, trotzdem überschlugen sich auch hier die Ereignisse. Sie hatten den hohen Aeromant und Arkaner Magistrat Narijan Kalishavar getroffen, der ihnen von den Geheimnissen des Runenbrunnens erzählt und eine Möglichkeit offenbart hatte, ihre Reise drastisch zu verkürzen. Eine Option, für die sie sich nach reiflicher Überlegung entschlossen hatten. Was allerdings auch bedeutete, die außergewöhnliche Reise, auf der Eskaya Maru, so unmittelbar nach ihrem Aufbruch schon wieder zu beenden. Eberhard seufzte bei dem Gedanken - waren die Reise auf dem Luftschiff und mit der ungewöhnlichen Crew doch auf ganz besondere Art belebend gewesen – zumal Eberhards Händlerseele förmlich spürte, dass die Errungenschaft solcher Luftschiffe das Potential besaßen die Welt auf außergewöhnliche Weise zu verändern. Efragte sich ob er in naher Zukunft einer der Pioniere der Luftschiffart werden wolltebeendete den Gedankengang aber nicht. Die Logik gebot den Vorsprung zu ihren Verfolgern unbedingt zu vergrößern und dem Schicksal, das sie suchten, so bald als möglich entgegen zutreten. Vielleicht konnte er später, wenn alles vorbei war, zu dem Gedanken zurückkehren.

In sein Tagebuch begann er die Ereignisse ihres des Besuchs, bei dem leicht verwirrten Orakelkönig zu schreiben und von den Prüfungen, die die Wassernaga ihnen stellte, die den Runenbrunnen bewachte.

Diese Prüfungen waren weniger körperlicher Natur – was Eberhard durchaus willkommen hieß – und forderten die Gruppe stattdessen dazu auf, ihre tiefsten Überzeugungen preiszugeben. Die Wassernaga, eine Anhängerin von Lysianassa, der Elementarfürstin des Wassers, stellte sie vor ethische Grundsätze, die sie hinterfragen und bewerten mussten. Eberhard erinnerte sich dunkel, dass Juri ihm einst von Lysianassa erzählt hatte, doch die Details waren ihm entfallen. Nun jedoch war die Begegnung mit der Wächterin des Runenbrunnens von unmittelbarer Bedeutung, denn sie konfrontierte die Gruppe mit den Prinzipien der Elementarfürstin.

Es war eine Interessante Beobachtung, das über folgende Thesen Uneinigkeit innerhalb der Gruppe herrschte:

  • Wie das Wasser, das ständig seine Form ändert, sollte man bereit sein, sich anzupassen, auch wenn es bedeutet, alte Überzeugungen aufzugeben.

  • Wie der Ozean, der Klippen schleift und Städte verschlingt, kann man Stärke und Ordnung auch durch Zerstörung schaffen.

  • Die tiefsten Geheimnisse und Pläne sollten wie die Tiefen des Meeres unergründlich und verborgen bleiben.

Bei anderen Prinzipien hingegen herrschte Einigkeit in ihrer Ablehnung oder Zustimmung:

  • Wahre Stärke liegt in der Stille, wie ein ruhiges Meer, das Kraft in sich sammelt. Konflikte sollten möglichst vermieden werden.

  • Wie ein Fluss, der sein Ziel unaufhaltsam erreicht, ist es gerechtfertigt, Hindernisse zu beseitigen, auch wenn unbeteiligte dadurch Schaden erleiden.

  • Das Meer gibt Leben in Hülle und Fülle, aber nur denen, die mutig genug sind, es zu nehmen. Überlebende nehmen sich, was sie brauchen, ohne Rücksicht auf andere.

  • Wahre Macht liegt in Gemeinschaft und Zusammenarbeit, auch wenn es bedeutet, die eigenen Wünsche zugunsten des Gemeinwohls zurückzustellen.

Während er schrieb dachte Eberhard darüber nach, dass die Prüfungen der Wassernagaga vor allem darauf abzielten, dass sich die Gefährten gegenseitig ihre Ideale und Prinzipien offenbarten – unabhängig davon, ob sie übereinstimmten. Ein interessantes Vorgehen, dachte er, das sich vielleicht in die Aufnahmezeremonien ihrer Gesellschaft integrieren ließe.

Schließlich hatten sie die Wächterin überzeugt und durften den Runenbrunnen für ihre Reise nutzen. Doch bevor es dazu kam hielt das Schicksal eine weitere Überraschung für sie bereit. Am selben Abend trafen sie auf drei Vistani: die Geschwister Grygory und Cassandra sowie das ehrwürdige Mütterchen Andra Romanova. Die Vistani hatten das Archipel in den Grenzgewässern zwischen der Krsitallsee und dem Südmeer aufgesucht, weil sei der Vision der alten Vistani folgten, die vorausgeahnt hatte, dass sie hier auf den Träger des Silberauges treffen würden.

Die Vistani luden die Gruppe zu einem geselligen Beisammensein ein, um – wie sie sagten – „Geschichten zu tauschen, alte Geschichten, vergessene Geschichten und vielleicht sogar verbotene Geschichten.“ Im Geist dieser Tradition begannen die Gäste mit ihren Erzählungen. Zu aller Überraschung offenbarte Akbash ein verborgenes Talent für das Geschichtenerzählen und schilderte eindrucksvoll die Begegnung der Gruppe mit der Lamia Xanesha auf der Spitze der Schattenuhr in Unterbrück.

Als Akbash seine Erzählung beendet hatte, erfuhren die Gefährten, dass auch die Vistani auf der Spur einer alten, finsteren Macht waren. Die Weise Andra beschrieb dieses Wesen in eindringlichen Worten:

Was wir suchen, ist von altem Blut, stark, mächtig und unglaublich durstig. Eine Macht, die nicht mehr in diese Welt gehört. Ein Schatten unter den Sternen, ein Tanz in der Nacht - die Stimme, die schweigt, aber niemals verstummt. Wir nennen seinen Namen nicht laut, denn solange die Dunkelheit schläft, sind wir sicher. Doch wenn sie erwacht ... dann ergeht es uns wie euch, und unsere Schicksale verflechten sich mit den Schatten der Vergangenheit.“

Die Vistani vermuteten ihren Feind auf den nebelverhangenen, zurückgekehrten Inseln des Mahlstroms und baten Akbash um das Auge des alten Wanderers, das ihnen den Weg dorthin eröffnen sollte. Zu Eberhards Überraschung – und der der anderen Gefährten – zögerte Akbash keinen Moment. Noch bevor die alte Andra ihre Bitte zu Ende gebracht hatte, entfernte er das magische Auge vorsichtig aus seiner Augenhöhle und reichte es ihr. Später erklärte er sein Handeln damit, dass er die berüchtigten Flüche der Vistani fürchtete. Aurelia jedoch mutmaßte schmunzelnd, dass Akbash wohl eher ein Auge auf die junge, attraktive Cassandra geworfen hatte. Eine eigenwillige Wortwahl, wie Eberhard fand, und er musste lachen.

Doch Eberhard spürte, dass mehr hinter Akbashs Handeln steckte. Die Vistani hattenes geschafft das sich das Feuer des Edelmuts, das tief in seinem Freund glühte zu entfachen. Wie sonst ließe sich erklären, dass der Glücksritter den Vistani selbstlos anbot, sie auf ihr gefährliches Unterfangen zu begleiten, sobald ihre bevorstehende Konfrontation mit Karzoug überstanden war?

Die Vistani, waren von Akbashs Reaktion sichtlich bewegt und dankbar für das Versprechen. Sie boten ihm ihrerseits an, die Gesellschaft auf ihre mystischen Pfad durch die Nebel bis an ihr Ziel zu führen. Zwar war es keine Option, so bis an die Tore von Xin-Shalast zu gelangen, aber immerhin bis nach Drachenfall, dem letzten bekannten Aufenthaltsort der Boohra Brüder. Jenen Abenteurern, die laut Camina durch Zufall auf Xin Shallast gestoßen sein sollten und von ihrer Expedition in die Golden Stadt nie zurück gekehrt waren. In Drachenfall erhoffte Caminah die fehlenden Fragmente ihrer Suche zu finden.

Die Menge an Möglichkeiten, die sich der Gesellschaft auf Irawaru boten, ihr Ziel zu erreichen sorgte zugleich auch für Unsicherheit – hatte man die Prüfungen der Wassernaga jetzt gänzlich Umsonst absolviert? Hätten die Vistani sie nicht direkt bei ihrer Ankunft aufsuchen können? Eberhard hingegen fragte sich, ob das Schicksal sie an diesem Ort vielleicht auf besondere Weise begünstigte. War es möglich, dass unsichtbare Kräfte sie leiteten, dass sogar höhere Mächte hinter ihrer Mission standen und sich ihnen nun auf diese Weise offenbarten? Vielleicht war es das göttliche Artefakt des alten Wanderers, das Akbash als Auge trug und das sie nun auf diese ungewöhnlichen Pfade führte. Eberhard war nicht entgangen, dass Cassandra viel Zeit mit Akbash im Nebel verbracht hatte – angeblich, um den Glücksritter in die Geheimnisse des Auges einzuweihen.

Eberhard beendete den Eintrag damit, das er Irawaru rückblickend ein Ort voller Möglichkeiten darstellte. Die Finaleentscheidung, das Angebot der Vistani zu nutzen und mit ihnen die mystischen Nebel zu durchqueren, von denen er bisher nur aus Legenden gehört hatte, basierte auf der gleichen Logik wie die Entscheidung, den Runenbrunnen zu nutzen: die Suche nach dem kürzesten und sichersten Weg. Jetzt hier in dem verlassen Gehöft unterhalb von Drachenfall sitzen ließ ihn erkennen das die mystischen Nebel hatten ihnen gute acht Wochen und eine erschöpfende Reise durch das unbarmherzige Savanne des Grasmeers erspart hatte – Eberhard befand dies als einen Segen der mindestens göttlicher Natur war – wie hieß noch dieser untergegangene Gott, dessen Artefakt Akbash als Auge trug? Insgesamt war Irawaru für sie ein Wendepunkt und einer der selten friedlichen Moment auf ihrer Reise.

Dann widmete er seinen Gedanken etwas von dem er nicht sicher war ob er es aufschreiben sollte. Sein guter vom Schicksal gebeutelter Freund Erasmus (ehm. Joachim) war auf diesem Archipel erneut in den Besitz eines Amuletts des finsteren Wandlers der Wege gelangt. Eberhard fragte sich ernsthaft wie sein Freund das immer schaffte. Erasmus hatte ursprünglich bei dem norbadischen Händler, der hier einen kleinen Handelsposten betrieb und Waren des Südmeers anbot, nach einem Amulett gefragt, das die Vielfalt der Magie symbolisierte bzw. alle Winde der Magie zeigte – Joachim wollte dem Oraklekönig etwas Schenken, das er als Teil seines Weges sah. Der Händler mochte das Anliegen missverstanden haben, aber der gute Draht den sein Freund zu dem Händler aufgebaut hatte, sorgte nach kurzem Zögern dafür, das dieser aus einer verborgenen Kammer unter der hintersten Theke ein Amulett hervorzog, dass das Zeichen des dunklen Gottes Tzeentch trug. Angeblich lag das Stück schon ewig hier und war mit einem Händler und vielen anderen Kuriositäten aus dem Süden gekommen.

Erasmus zögerte nicht lange und erwarb das Stück, nicht weil er wie er behauptete es wollte, sondern aus dem Entschluss, ein solches Artefakt nicht auf Irawaru zu lassen und sicherzustellen, dass es nicht in falsche Hände geriet. Mehrfach versicherte Erasmus allen, das Amulett bei der nächsten Gelegenheit abzugeben bzw. zu vernichten. Da es sich als Opfergabe nicht eignete und der Arkane Magistrat es nicht mal betrachten wollte, geschweige den es als Aufgabe sah, einen solchen Gegenstand an sich zunehmen befindet sich das Amulett nun immer noch im Besitz seines Freundes und somit in ihrer Nähe.

Eberhard verspürte eine wachsende Unruhe und beschloss dies nicht in seine Tagebücher zuschreiben, wer konnte schon sagen wer diese eines Tages lesen würde. Er vertraute Erasmus, zweifelte weder an seiner Integrität noch an seiner Freundschaft – und doch glomm in seiner Brust ein nagendes Unbehagen, das ihn nicht losließ.


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 Teil 2: DAS HEER AM HERBSTWALD

Eberhard Brettschneider legte seine Notizen beiseite und trat vor die Tür des Gutshauses. Seine Gefährten waren zurückgekehrt – und die Kunde, die sie brachten, war beunruhigend, bedrückend. Es war nicht das erste Mal, dass ihnen derlei Unheil entgegenschlug, seit sie das Tal von Drachenfall betreten hatten.

Schon bei ihrer Ankunft spürten sie, dass hier etwas nicht stimmte. Die Felder, die sie von den Hängen über dem Tal aus gesehen hatten, schienen im ersten Augenblick in gutem Zustand. Doch bei näherem Hinsehen entdeckten sie beunruhigende Details: Die Maiskolben waren überreif, von schwarzen Flecken bedeckt, ihre Körner teilweise herausgefallen und von Nagern zerfressen. Wildkräuter überwucherten das Ackerland, und der süßlich-säuerliche Duft faulender Erntefrüchte mischte sich mit dem modrigen Geruch von Verfall. 

Über die Felder zog sich eine Schicht verrottender Früchte und Körner, als haben die Bewohner kurz vor der Ernte entschieden, diesen Ort aufzugeben. Gleiches galt für das alte Gehöft, welches sie zu ihrer Unterkunft gemacht hatten. Es war leer und verschlossen gewesen, nichts deutete auf einen Überfall oder panische Flucht hin.

Auf den Feldern hatten Tiere  sich das Überangebot zunutze gemacht: Wildschweine wühlten sich gierig durch die Überreste, während gewaltige Rattenschwärme sich an dem bedienten, was die Felder hergaben. Diese Massen an Ratten veranlassten Akbash, zu der Annahme, dass womöglich die Skaven – jene niederträchtigen Rattenmenschen die im Imperium verleugnet wurden – das Tal heimgesucht hatten.

Und nun das. Ihr Spähtrupp – Heidrun und Aurelia an der Spitze – war vorsichtig durch den lichten Bergwald im Südwesten des Tals geschlichen, über die sanften Hügel, die in den dichten Bäumen verborgen lagen. Vom Eingang des Tals aus hatte Heidrun Rauchschwaden aufsteigen sehen, und Erasmus, Eberhards alter Freund und Gefährte, hatte sie gedrängte , die Quelle des Rauchs zu erkunden. Die Freude über den goldenen Herbstwald, dessen Blätter in Rot- und Gelbtönen glühten und an die Heimatwälder des Imperiums erinnerten, verflog schnell, als Aurelia mit besorgtem Gesicht die Entdeckung schilderte.

Hinter dem prächtigen Laubwerk des Waldes erstreckte sich eine Zeltstadt – ein gewaltiges Lager, das sich vom südlichen Rand des Tals bis an das Ufer des Sees erstreckte. Auf der Ebene jenseits der Bäume war ein regelrechtes Chaos aus Behausungen unterschiedlichster Art und Herkunft entstanden: bunte Stoffzelte neben robusten Lederkuppeln und Hütten aus Holz und Knochen. Rauchschwaden von zahllosen Feuerstellen zogen träge in den Himmel, während Aurelia in der Ferne die Silhouetten unzähliger Gestalten erblickte. Dort scharten sich Menschen, Zwerge, Gnome, Orks, Hobgoblins – ja, sogar gewaltige Riesen, schemenhaft gegen den Horizont sichtbar.

Ein lautstarker Teppich aus Stimmen, Gelächter, geschrienen Befehlen und wildem Gesang hing über dem Lager. Es wirkte wie ein Treffpunkt für Abenteurer, Händler, Gelehrte, Glücksritter und Mystiker, vermischt mit Stammeskriegern, Kultisten, Ordensleuten und Söldnern aus den entlegensten Winkeln der bekannten Welt.

Doch das, was die Gefährten wirklich erschütterte, war das Banner, unter dem dieses Heer vereint war. Es zeigte einen goldenen Pfad, der sich über blutroten Grund wand und in ein Symbol mündete, das ihnen in den letzten Jahren wiederholt begegnet war: die Rune der Gier. Ein Zeichen, das neben dem  Sihedron der Runenherrscher der Gier für sich und sein Reich beansprucht hatte.

Diese Entdeckung war mehr als ein dunkles Omen; sie bargen eine drohende Gefahr. Bisher hatten sie nur einen flüchtigen Blick auf das Heer geworfen und sich dann zurück gezogen. Zwar gab es die Einschätzung das eine Infiltration nicht sonderlich schwierig sein sollte, trotzdem stellte sich die Frage in wie weit etwaige Erkenntnis einen Vorteil brachten und ob es nicht klüger wäre Drachenfall und jene die irgendwie ihren Weg hierhin gefunden hatten schnell hinter sich zu lassen. Das war etwas was sie nochmal diskutieren mussten.


Auch die Stadt Drachenfall selbst gab den Gefährten mehr als nur ein Rätsel auf. Eberhard grübelte bereits, wie er all das zu Papier bringen könnte, doch eine klare Idee wollte sich noch nicht formen. Für den morgigen Tag hatten sie geplant, die Archive der Schwarzfels-Minengesellschaft „zu besuchen“. Camnia hoffte, dort Dokumente ausfindig zu machen, die fast achtzig Jahre zurückreichten und Hinweise auf den alten Claim ihrer Familie enthielten. Eberhard wollte diesen Besuch noch abwarten und sich dann mit Erasmus zusammensetzen, der ihm vielleicht helfen konnte, die Geschehnisse und Besonderheiten der Stadt besser zu verstehen.

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Brettschneiders Reisebücher Band 7 Kapitel 3 
Mitte des vierten Quartals des Jahres 1437 nach Sigmar


Kalte Bergwinde schlugen uns ins Gesicht, als wir aus dem Nebel traten, den die Vistani heraufbeschworen hatten. Die milden Temperaturen und die lieblichen Strände mit ihren kristallklaren Buchten lagen nun weit hinter uns. Stattdessen fanden wir uns auf einem schroffen Felsplateau wieder, mit Blick auf ein atemberaubendes Bergtal. Dessen nördliche Hälfte wurde fast vollständig von einem tiefblauen See eingenommen.

An den Ufern des Sees erhob sich eine wilde, ungezähmte Bergwelt, unnahbar und majestätisch. Im Nordosten war das Land von scharfkantigem Vulkangestein, grauschwarzen Aschefeldern und glühenden Magmaadern durchzogen – ein schroffer, karger Anblick. Im Südwesten hingegen leuchtete ein lichter Wald in den warmen Farben des Herbstes. Die Baumkronen wiegten sich sanft im Wind, der von den Berghängen herabströmte. Diese Landschaft weckte in uns nostalgische Erinnerungen an unsere Zeit im Imperium. Wie lange schon hatten wir im immergrünen Marascasar keine Jahreszeiten mehr erlebt?

So beeindruckend das Panorama auch war, es verblasste neben dem Anblick, der sich uns im Zentrum des Tals bot. Dort lag Drachenfall der letzte Außenposten der Zivilisation wie Camina ihn nannte. Eine Stadt, erbaut in den monumentalen Überresten eines gefallenen Drachen von, und ich kann es nicht anders beschreiben, göttlichen Ausmaßen. Camina, die diesen Ort bereits einmal besucht hatte, erklärte mir, dass die Legenden hier behaupteten, es handele sich um das Skelett des ersten Drachen, der in einer Zeit auf diese Welt kam, als die Götter noch jung waren.

Die groteske Architektur der Stadt schmiegte sich in die Schatten dieses gewaltigen Gebeins, dessen riesige Wirbel und Rippen wie gigantische Säulen und Torbögen über die Gebäude emporragten. Die Knochen erstreckten sich wie Brücken über die Straßen; der Schädel des Drachen ruhte nahe am Wasser, während seine Wirbel einen gewaltigen Torbogen über dem Hafen formten. Die Gebäude wuchsen förmlich um die knochigen Überreste, und einige der imposantesten Knochen dienten als Stützpfeiler für verschiedene Bauwerke.

Trotz der wilden Erscheinung zeugten das wohlgepflegte Stadtbild und die fruchtbare Landschaft, die sich vom Fuß des Plateaus bis hin zu den Seeufern erstreckte, von einem blühenden und wohlhabenden Land.

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Eberhard hob den Blick von seinem Eintrag. Das war der einfache Teil gewesen – die Beschreibung des Ortes, die Landschaft. Doch wie sollte er festhalten, was nun folgte? Wie konnte er die zahlreichen Ungereimtheiten erklären, die mit den unbestellten Feldern und den verlassenen Gehöften begonnen und sich in der seltsam verlassenen Stadt fortgesetzt hatten?

Die Stadt war leer und still, ein bedrückender Kontrast zu den lebendigen Erzählungen, die Camina über diesen Ort gemacht hatte. Es gab keine Anzeichen einer Flucht in Panik und keine Spuren von Gewalt – selbst das Heer, das nur zwei Kilometer entfernt lagerte, hatte es vermieden, in die Stadt einzuziehen. Stattdessen bevorzugte das Sammelsurium aus Glücksrittern, Händlern und Soldaten, die dem Ruf Karzougs gefolgt waren, zumindest gingen sie derzeit davon aus, die unbequemen Lager in ihren Zelten. Auch Plünderungen schienen hier nicht stattgefunden zu haben. Je weiter sie in die Stadt vordrangen, desto stärker wurde das Gefühl, als wäre der Ort nur Augenblicke vor ihrer Ankunft verlassen worden.

Als Erasmus, (ehem. Joachim), begann, den Ort mit Hellsichtzaubern zu durchleuchten, schien es so als könne der Magier mit dem was er sah auch nicht viel mehr anfange. Eberhard erinnerte sich genau an Erasmus' Erklärung. Mystische Kraftlinien, die normalerweise ein gleichmäßiges Muster bildeten, waren hier verzerrt und schwankend – sie pulsierten unregelmäßig und ließen eine unnatürliche Energie erahnen. Am beunruhigendsten fand sein Freund jedoch die schattigen schlieren arkaner Energie, die dem ansonsten klaren Leuchten der Ley-Linien anhafteten. Eberhard begriff nicht wie, aber Erasmus meinte zu erkennen, das dieses unnatürliche Flimmern aus düsterem Violett floss wie ein Fluss aus den fernen Bergen in Richtung des Tals pulsierte. Die Gebeine des  Drachens hingegen, schienen eigne Kraftlinien zu erzeugen, was nach Erasmus Verständnis ebenfalls unmöglich sein sollte. Von den Knochen ging ein kristallenes Funkeln aus, das die gesamte Stadt durchzog.

Erasmus' Erkenntnisse sollten in den kommenden Tagen durch zahlreiche seltsame Beobachtungen ergänzt werden: In den Häusern brannten Herdfeuer ohne Holz zu verbrauchen, erloschen und flammten plötzlich wieder auf. Wasser, das aus einem Brunnen fließen sollte, schwebte eigenartig in der Luft. Gegenstände hingen still und schwerelos, nur um dann plötzlich herunterzufallen, und verderbliche Lebensmittel verrotteten und regenerierten sich vor ihren Augen. Kerzen entzündeten sich wie von Geisterhand, erloschen und brannten wieder. 

Auch Mels Interesse war durch die Vorkommnisse geweckt worden, er experimentierte mit Objekten, die er an sich nahm und willkürlich durch die Gegend warf – nach einer Weile, die niemals von gleicher Dauer war, kehrten alle Objekte an ihren Ursprungsort zurück. Zunächst schien es so als wären Gegenstände von außerhalb der Stadt nicht von dem Phänomen betroffen. Am nächsten Tag waren die Objekte jedoch alle Verschwunden.
Die Entscheidung, sich außerhalb der Stadt in einem verlassenen Gutshof ein Quartier zu suchen, erschien im Nachhinein wie eine Fügung des Schicksals. Die Stadt schien Besucher, die eine bestimmte Zeit in der Stadt verweilten, unweigerlich in das bizarre Netz dieser Anomalien, wie Erasmus es nannte, zu ziehen.

Auf die Gesellschafter machte Drachenfall den Eindruck, als sei die kleine Stadt, dessen Einwohnerzahl Eberhard auf achttausend schätzte, einem surrealen Traum entsprungen. Erasmus war schon nach den ersten Erkenntnissen davon überzeugt, eine Verbindung zu der gerade stattfindenden Sphärenkonjunktion, deren Natur und Auswirkungen niemand wirklich verstand, zu erkennen. Dass all dies mit dem Zusammenhing was ausgelöst worden war, damit Karzougs in diese Welt zurückkehren konnte erschien naheliegend – doch wie und warum, das blieb auch weiterhin ein Rätsel.

Aus Eberhards Perspektive lagen gleich mehrere Aufgaben vor der Gesellschaft. Zum einen mussten sie die Archive der Schwarzfels-Minenkompanie durchforsten, um die Informationen zu bergen die Camina benötigte und der ihenen genauere Anhaltspunkte lieferte wo der letzte Standort der Boohra Expedition lag. Zum anderen gab Eberhard Erasmus recht, das es vermutlich sinnvoll war, etwas ihrer Zeit zu nutzen, um herauszufinden was die verantwortliche Ursache für diese seltsamen Phänomene in der Stadt waren und was mit den Bewohnern geschehen war. 

Zu ersterer Aufgabe schrieb Eberhard kurz etwas auf ein Pergament, das er später übertragen würde:

Der Tag startet mit guten Nachrichten - Erasmus ist es gelungen auch die zweite Zaubermatrix, die auf seinem Thaumagral lag, mit Bannen von Zauberwek zu zerstören. Von nun an sollte es für jene die sie ausspioniert hatten ungleich schwerer werden. Das Eindringen in die Archive der Schwarzfels Minengesellschaft, war leichter als ich und auch Camina erwartet hatten.
Bei Caminas letzten Besuch war sie an den starren Besitzern der Minengesellschaft gescheitert, was zu einer unglücklichen Verkettung von Vorfällen geführt hatte – was mit hitzigen Wortgefechten und einem gebrochenen Kiefer begann und endete mit der Inhaftierung der Zwergin und ihrer unfreiwilligen Deportation auf die Fleischmärkte von Okeno. 

Ein direkte Auseinandersetzung mit der Minengesellschaft blieb uns aufgrund der vorherrschenden Phänomene in der Stadt erspart. Sieht man mal von der Tatsache ab, dass jedes Schloss und jede Tür die Aurelia für uns öffnet, sich nach einer bestimmten Zeit wieder in der ursprünglichen Position befand, was dazu führte, das gewisse Talente permanent benötigt wurden, verlief unser Besuch reibungslos..
Es gelang uns mit einem guten Maß an Beharrlichkeit, einen guten Überblick über die Geschäfte der Minengesellschaft zubekommen. Das chronologisch organisierte Katalogisierungssystem, welches die in der Minengesellschaft geführt wurden, konnte das Herz eines Händlers durchaus zum strahlen bringen. Man darf betonen das es ohne den Verstand eines geschäftstüchtigen Händlers, wohl kaum hätte durchschaut werden können. Zu meinem betrüben muss ich allerdings anmerken, dass es sich mit den Geschäftsbüchern und Karteien ähnlich verhielt, wie mit den Schlössern und Türen in dieser Stadt. Die einfachsten Aufgaben wurden schnell zu einer undankbaren Fleißaufgabe, ich selbst habe die Verweise und Chroniken der Minengesellschaft bestimmt hundertmal aufgeschlagen, nur um an Stellen zurück zukehren die ich bereits gelesen hatte. Schließlich aber fanden wir in den Kellern, neben beeindruckenden Reichtümern, die wir ebenfalls nicht mitnehmen konnten, die katographische Verzeichnung des letzten Claims der Boohra Brüder. Camina die ebenfalls ein Händchen für Kartographie zu haben schien, übertrug das Kartenmaterial und wichtige Landmarken in ihre Pergamente. Wir würden das gefundene zu einem späteren Zeitpunkt auswerten.

Eberhard konnte sich des Eindrucks nicht erwehren als würde Aurelia sich Notizen von dem Raummachen in denen sie die Barren von edlem Metall gefunden hatten. Für ihn hatte es so ausgesehen, als würde sich seine alte Freundin den Tresorraum, den sie so unangetastet zurücklassen mussten, sehr genau einprägen. Ob sie wohl plante, zu einem passenderen Zeitpunkt hierher zurückzukehren? Er beschloss dies aus Gründen der Diskretion nicht in seine Tagebücher zuschreiben. Eberhard wusste spätestens seid der Prüfung der Wassernaga, das sie in diesem Punkt nicht gleicher Meinung waren und erinnerte sich an die Kontroverse die nach der Aussage: "Die tiefsten Geheimnisse und Pläne sollten wie die Tiefen des Meeres unergründlich und verborgen bleiben." zwischen ihnen entbrannt war.

Was die Untersuchungen der rätselhaften Phänomene betraf, investierten sie zwei weitere Tage. Sie suchten in Drachenfall unter anderem nach einem Gebäude, das am ehesten einem Rathaus glich, in der Hoffnung, dort auf offizielle Berichte zu stoßen, die erklärten was hier geschehen war. Doch die einzige gesicherte Erkenntnis war, dass das Heer vor der Stadt zu keinem Zeitpunkt erwähnt wurde, was darauf schließen ließ, dass es erst nach der seltsamen Evakuierung der Stadt hier eingetroffen war und nicht in direktem Zusammenhang mit den rätselhaften Vorgängen stand.

Akbash äußerte mehrfach die Theorie, dass Drachenfall keine „echte“ Stadt sein konnte; für ihn war es unvorstellbar, dass eine Stadt so weitab von der Zivilisation existieren konnte. Dass es keine Handelswege zu den bekannten Regionen der Welt gab, erschien ihm als weiterer Beweis für seine Vermutung. Caminas Einwand, dass gelegentlich Karawane hier vorbeikam, um unter anderem die Vorräte an Gold und Silber der Stadt aufzukaufen und nach Kuryl-la-bat, in die Stadt der Paktmeister, zu bringen, ließ Akbash ebenso wenig gelten wie die Argumentation der Zwergin, das es Zwergen Bingen im Weltrandgebirge gab, die noch wesentlich isolierter lagen als dieses Tal. Über den Disput der beiden war Eberhard nicht entgangen, wie Aurelia sich auch bei der Erwähnung der Goldtransporten eilig Notizen machte. In Eberhard keimte der Gedanke das seine Freundin diese Information möglicherweise, zu einem späteren Zeitpunkt weiter zu verfolgen gedachte.

Akbashs Gedanke war faszinierend: Könnte Drachenfall ein „nicht existenter“ Ort sein, einer jener mystischen Orte, von denen in so manchen Mär fabuliert wurde? Orte die auftauchten und wieder verschwanden, so wie die sagenumwobenen Feenmärkte? Doch wenn das der Fall war, warum hatten die Boohra-Brüder ihre Schürfrechte hier festgeschrieben? Kurz war Eberhard abgelenkt und fragte sich wie die rechtssprechende Aristokratie die Schürfrechte eines "nicht existenten" oder nur zum Teil in dieser Welt verankerten Ortes bewerten würde. Er verwarf den Gedanken und widmet sich seinem alten Gefährten.

Erasmus war überzeugt, dass die Antworten in Drachenfall selbst zu finden seien, und seine neu entdeckte Beharrlichkeit führte sie am dritten Tag ihrer Expedition in die Stadt, zumindest zu so etwas wie einem Teilerfolg. Am Nachmittag stießen in einen Bereich der Stadt vor, der unterhalb des Brustgebein lag – dort, wo vielleicht einst das Herz des Drachen geschlagen hatte.
Tatsächlich war der Tempel der hier stand sehr alt. Von Camina wusste sie, das die Bewohner von Drachenfall den Tempel nutzten, um den Drachen zu verehren, zwischen dessen Gebeine ihre Vorfahren die Stadt errichtet hatten  - Eberhard fand das zwar etwas befremdlich, aber die kaum greifbare Größe des Drachens ließ auch wenig andere Schlussfolgerungen, als das es sich um ein Wesen von göttlichen Ausmaßen gehandelt hatte. Es gab Kulte, die auf weit weniger fundierten.

Der erste Eindruck innerhalb der Tempelmauern unterschied sich nicht von dem in anderen Gebäuden der Stadt - es wirkte so, als hätten seine Bewohner ihn erst einen Moment zuvor verlassen und würden gleich zurück kehren. Trotzdem fanden sie hier gleich mehre Hinweise.
Zum einen gelang es Erasmus eine Formel aus magischen Zeichen, auf dem Drachengebein zu entschlüsseln, das als tragender Hauptpfeiler des Tempeldiente. Wenn Eberhard Erasmus richtig verstand, konnte das Gebein des Drachens als eine Art Heimstein betrachtet werden. Die Wirkungsmacht der hier eingewobenen Magie entfaltete einen Zauber der sich Zeitlose Einkehr nannte. Diese Magie, ihren Ursprung in dem alten Drachengebein hatte, wob einen machtvollen Schutzkreis wenn sie ausgelöst wurde. Was immer dann der Fall war, wenn dieser Ort von finsteren Welt bedroht wurde, die außerhalb der materiellen Ebene lag. Erasmus vermutete das es sich um einen mächtigen chronomantischer Schutzzauber handelte, kannte sich aber zu wenig mit dieser Form der Magie aus um mehr zusagen. Erasmus verwies auf arkanes Hörensagen, auch weil chronomantische Zauberei gemeinhin  als verbotene Form der Magie galt, da sie Störungen in der Raumzeit bewirkte und in der Lage war Realitäten zu verändern.
Eberhard war wie so oft bei den Erklärungen seines Freundes gedanklich ausgestiegen und überlegte das er in seinem Tagebuch einen Vermerk macht, der das wesentliche sagte: Die Phänomene in Drachenfall, gingen aller Wahrscheinlichkeit auf einen ausgelösten Schutzzauber zurück, der die Stadt vor einer dunklen Bedrohung schützen sollte. Eberhard nickt Erasmus lächelnd und verstehend zu, während er innerlich bereits ein Kapitel nach vorne sprang.

Er würde sich nochmal mit Camina zusammensetzten, um die Optionen ihrer Expedition in die Finstertraum Gipfel genauer zu erörtern. Es erschien Eberhard in der derzeitigen Situation der logischste Schritt, um ihre Ausgangslage noch einmal zu analysieren, bevor sie die letzte zivilisierte Region hinter sich ließen. 

Aufbruch gen Xin Shalast

Author: Nils /


Die Zeit unserer Abreise gen Xin Shalast rückt näher. Ich kann nicht sagen, wie sich das anfühlt - irgendwie hängt eine Endlichkeit über uns allen. Der drohende, violette Himmel über uns, die Weissagungen, aber vor allem ist es ein Gefühl in meinem Bauch. Alles sagt mir, dass ein Ende bevorsteht. Und dass wir uns überlegen müssen, wie Port Grim, die Gesellschaft, überhaupt alles ohne uns weiter geht. 

Hartmuut ist ein fähiger Bursche - er wird in unserer Abwesenheit die Gesellschaft weiterführen und die Helden und Recken in die Ruinen von Maracasar aussenden. Dort draußen ist noch so viel zu finden, und Port Grim braucht diese Helden. 

Brodert gehört eigentlich eh schon zu uns - es ist eine Sache von Papierkram, ihn offiziell zum Meister der Aufzeichnungen der Gesellschaft zu machen und ihm unsere Stimme im Rat anzuvertrauen. 

James kommt im Schutze der Nacht zu uns und berichtet von den Fortschritten der Tskrang im Dschungel. Sie haben ein neues Lager gefunden, beschützt von ihrem goldenen Wächter. Er ist grimmig erfreut über den Bruch von Port Grim mit der Südmeergesellschaft, aber er versteht, dass er sich jetzt noch rarer machen muss. Der ehemalige Sklavenhafen ist jetzt endgültig imperiales Gebiet, und auch der Botschafter von Neue Sackheim wird sich schwer tun, hier wieder ein diplomatisches Gleis zu finden. 

So haben meine Mitgesellschafter mir dann doch durch die Blume zu verstehen gegeben, dass alle unsere Ideen über eine Kooperation mit dem Imperium zu viel des Guten waren. Trotzdem muss ich ein Treffen zwischen den Dreckbarts und dem fetten Mann arrangieren. Es darf keinen offenen Krieg auf den Strassen von Port Grim geben, und eine Allianz der Unterwelt ist vielleicht einer der Wege, dies zu verhindern. 


Unser Besuch bei An`nathiel verlief unterkühlt, wie nicht anders zu erwarten. Auch sie verlässt Port Grim, sie wird ersetzt durch einen Paladin ihres Ordens. Mehr Zeichen für den kommenden Sturm - selbst die Göttin des Friedens schickt ihre Streiter an die Front. Außerdem hat sie Joachim mehr oder weniger ins Gesicht gesagt, dass ihr Orden ab jetzt offen gegen ihn arbeiten wird. Sie sieht ihn als Sturmbringer, einen der Erwählten des Laros, die Leid und Prüfung über die Menschheit bringen. Die Lehren des Laros und der Churun könnten hier kaum unterschiedlicher sein, und da ist es schon fast eine Erleichterung, dass sich unsere Wege trennen. 

Diese Ganze Gerede mit der Nexuskralle macht mir zu schaffen - nicht nur Joachims Körper ist nicht sein eigener, er ist es vielleicht gar nicht selbst? Sondern eine Art Kopie? Und dieser Körper zerfällt unter ihm. Nomorius, du ahnst ja nicht, welchen Zorn du da erweckt hast. Wir werden dich finden und deine Seele schreiend aus dem Körper Joachims reißen und ich werde sie persönlich durch das Chaostor auf der Drachenkrone werfen, wenn es sein muss. Genug ist genug. 


Verhandlungen mit der Marquise


Letztendlich ist es Zeit zum Aufbruch. Die Eskaya Maru, das Luftschiff, das die Marquis mit den zwei anderen großen Familien der Insel gebaut hat, wird uns in den Süden tragen. Ich bin gerührt und mehr als versucht, ihr Angebot anzunehmen, Port Grim als Bürgermeister durch diese harten Zeiten zu führen. Aber ebenso wie Nomorius hat Kharzoug uns zu viel genommen, unser Leben zu sehr bestimmt, als dass ich bei seinem Ende nicht zugegen sein könnte. Und es macht mein Herz leichter, dass Akbash sich dafür ausspricht, mich dabei zu haben. In letzter Zeit kam es mir so vor, als müsste ich sie alle gegen ihren Willen in diese Missionen zerren, aber das zeigt mir, das wir doch eine Gemeinschaft sind. Das Schicksal hat uns zwar diese Rolle aufgezwungen, aber es obliegt uns, dieses Schicksal von Ontara abzuwenden. 


Also versuchen wir noch einmal, die Hanse durch Bürokratie und Schattenspiel aufzuhalten, während wir die angebliche Testfahrt der Eskaya Maru nutzen, um einen möglichst großen Vorsprung vor ihnen zu ergattern. Wir tun ihnen einen Gefallen, denn der Hanse scheint immer noch nicht klar zu sein, mit was sie sich dort anlegen.  

Die Crew unseres Schiffes ist sehr - exzentrisch, würde ich sagen. Orks, Goblins, Elfen - ein wahres Sammelsurium an nichtmenschlichen Rassen, wie ich es noch nie auf einem Haufen gesehen habe. Und gerade in einer Stadt wie Port Grim, in der Goblins eine wahre Plage sind und T’Skrang als Sklaven gehalten werden, bin ich doch überrascht über eine solche Zusammenstellung. Die Marquise überrascht mich mit ihrer sehr weltoffenen Haltung - offensichtlich sind die Goblins von Maracasar eine Randerscheinung, nicht die Norm. Ich muss mich manchmal selber schelten, wie viel des eingebleuten Fremdenhasses des Imperiums unter Sigmar doch noch in mir nachhallt. Ich sollte es inzwischen besser wissen. 

Selbst meine alte Heimat ist inzwischen auf dem Wege, sich zu ändern. Die Sackheimbande und der neue Kaiser sind sehr viel toleranter, aber man kann jahrhundertealte Vorurteile nicht in ein paar Jahren ausmerzen. 


Ich will zumindest versuchen, nicht jedesmal zusammen zu zucken, wenn eines unserer grünhäutigen Crewmitglieder neben mir auftaucht. 


Grauen in der Nacht


In dieser Nacht kommen die Alpträume wieder, und noch schlimmer - sie werden wahr! Brodert stirbt beinahe, als ein verschleierter Attentäter ihn verstümmelt, und nur Joachims wundersame Heilkunst kann ihn am Leben erhalten. Zweifel kommen in mir auf. Wenn An´nathiel und Joachim diesen Ort verlassen hätten, wäre niemand fähig gewesen, unseren Freund zu retten. Aber Akbash und Aurelia erklären mir noch einmal, was ich im Kopf schon weiß. Das bedeutet, das wir auf dem richtigen Wege sind. Unsere Feinde versuchen, uns am Aufbruch zu hindern, und das sind genau die Mittel, die sie dafür nutzen. Sie hätten Brodert töten können, aber indem sie uns zeigen, das nur wir ihn retten können, wollen sie uns an Port Grim binden. 

Dennoch fällt die Entscheidung schwer - wir lassen uns von der Crew in die merkwürdigen technomantischen Errungenschaften unseres neuen Gefährtes einweisen - es ist eine wirklich mächtige Kriegsmaschine, die sie erschaffen haben. Nur die Zuladung ist deswegen natürlich begrenzt. Ich frage mich schon, warum es dermaßen viel Kriegsgerät auf einem Schiff braucht, das doch über den Wolken fern jeder Gefahr segeln kann. Außer den Zwergen, die doch unsere Verbündeten sind, sollte doch niemand sonst über fliegendes Gerät verfügen, oder? 


Die letzte Nacht vor unserem Aufbruch bringt weitere Schrecken hervor - diesmal ist es das Feenkätzchen, das angegriffen wird, und ich bin es, der Akbash von einem Rachefeldzug abhalten muss. Dennoch setzt er ein Kopfgeld aus auf den maskierten Angreifer. Ich halte das für riskant, wissen wir doch überhaupt nicht, welche Macht hinter diesen Dingen steht - und schon gar nicht, wie man sie aufhalten kann! Aber eigentlich hat er recht - was tut die Gesellschaft denn anderes, denn mutige Abenteurer auf abwegige Missionen zu schicken? Entweder wachsen sie an den Aufgaben, oder sie sind nicht für das Leben in der Gesellschaft geschnitzt. 


In den Himmel hinauf!


Kurz nach dem Abheben, ein wirklich monumentales Ereignis, erreicht uns noch auf sehr merkwürdigem Wege eine Nachricht. Ein Vogel, gefaltet aus Papier, verfolgt uns, und lässt sich auch von einem beherzten Schuss Mels nicht aufhalten. Als Aurelia ihn fängt, entfaltet sich das Blatt zu einem Brief. Der Absender, ein mysteriöser “Freund”, lädt uns zum Archipel von Irawaru ein, zur Königin der Ströme. Das Archipel liegt quasi auf dem Weg, aber es ist schon ein merkwürdiger Zufall. Und es wäre nicht die erste Falle, in die wir gelockt werden. 

Das Fliegen ist eine ganz und gar erstaunliche Erfahrung - es ist nicht unähnlich der Seefahrt, und schon kurz, nachdem wir abgelegt haben, wirkt die Erde unter uns so fern und unwirklich, als wäre es ein Gemälde. Jegliches Gefühl für Höhe geht verloren, und es ist befreiend, endlich wieder den Wind um die Nase zu spüren! Heraus geht es zu neuen Horizonten. 

Aber unsere Feinde verfolgen uns auch hier noch in den Träumen - und nicht nur das, was sie uns dort zeigen, bewahrheitet sich ein ums andere Mal. Tat ich doch erst die Visionen von geflügelten Riesenaffen als wirre Phantasien ab, ließ mich am nächsten Tag der Ruf des Ausgucks “Affen an Steuerbord!” erzittern. 

Dabei waren die behaarten Burschen noch das harmloseste Problem. Die Schergen trieben ein Wesen auf uns zu, das mein Weltbild wieder einmal erschütterte. Etwas, das die Besatzung als Himmelsverschlinger bezeichnete, aber im Endeffekt eine walartige Monstrosität von größerem Unfang als unserem eigenen Schiff darstellte! Warum in Ildarins Namen gibt es solche Monster AM HIMMEL! Warum schwebt sowas ÜBER UNSEREN KÖPFEN? 


Zum Glück ist die Crew sowas gewohnt, und wir hatten in den ersten Tagen schon Gelegenheit gehabt, die diversen Geschütze des Schiffes auszuprobieren. Dennoch war es ein furchtbares Gefühl. Wir rannten Hals über Kopf von Ballista zu Ballista, von Kanone zu Kanone, um die geflügelten Schrecken aufzuhalten. Heidruns scharfe Augen erkannten schnell, dass der Himmelsbrecher nicht freiwillig auf uns zuhielt, sondern von den Affen getrieben wurde. Also konzentrierten wir unser Feuer darauf, diese Monster zu vertreiben. 
Joachim zeigte ihnen nach kurzer Zeit, das Laros nicht nur der Herr der Meere ist - der Zorn seiner Stürme herrscht auch über den Himmel, und in einem Blitzgewitter fegte er gleich drei der Monster davon. 
Es war knapp - gerade noch rechtzeitig konnten wir die letzten Affen vertreiben, aber dann war der Himmelsbrecher schon zu nah, um noch auszuweichen - aber unsere Kapitana hatte das vorausgesehen, und mit einem Magenerschütternden Manöver ließ sie uns quasi vom Himmel fallen, um der Kollision mit dem Monster zu umgehen. Ich sah uns schon auf der Erde zerschellen, aber es blieb noch gerade genug von was-auch-immer im Luftkörper, um unseren Sturz zu bremsen. 
Ein einziger Affe hatte es an Deck geschafft, aber fiel schnell unter den geübten Klingen der Gesellschaft. Keiner von uns hatte solche Wesen jemals gesehen, aber wer weiß, was dort noch in und über den Wolken auf uns lauert. 

Dementsprechend waren wir nicht traurig, das Archipel zu erreichen, wohin uns unser mysteriöser Gönner geführt hatte. Es war ein idyllisches kleines Fleckchen voller Perlentaucher und friedlicher Gemüter mitten in der Südsee. Ein Ort, der eigentlich zum Verweilen einlud. Aurelia erklärte es dann auch zu ihrem Ausflugsziel, sobald Kharzoug endlich gestoppt war. Es ist gut für unsere Gemüter, an ein "danach" zu denken. 
Unser Gastgeber, stellte sich als Majordomus Narijan Kalishavar - Hoher Aeromant und Arkaner
Magistrat vor. Er empfing uns auf der Königin der Ströme einem luxuriösen Boot, einem wahrhaft dekadenten Segler, voll mit Annehmlichkeiten für Leib und Seele. Was immer er tat, es schien lukrativ zu sein. 
Was er tat, klang dann wieder mehr als verwirrend - er gehörte zu den Hütern des Weltenstroms, einem Orden der dazu berufen war, die unsichtbaren Flüsse und Kraftlinien welche die Welt durchziehen zu beochten. Es schien die Aufgabe dieser Hüter zu sein,  alles in ihrer Macht stehende zu tun, um das Gleichgewicht dieser Ströme zu bewahren.
 Und welch Überraschung, Kharzougs Rückkehr und die Reaktivierung der Runenbrunnen hatte das alles in Aufruhr versetzt. 
Tatsächlich gab es aber anscheinend eine Möglichkeit, diese Brunnen gezielt zu nutzen, um entfernte Orte zu erreichen. Wie wir ja nach unserer Rückkehr aus der Runenschmiede auch vermutet hatten. Hier im Archipel gab es wohl auch einen, der zumindest die Möglichkeit hatte, uns in die Nähe von Xin Shalast zu bringen. 

Darüber hinaus öffnete er uns die Augen darüber, das es auf magischen Wege möglich wahr, uns über große Entfernungen zu beobachten und abzuhören. Kurz darauf schlugen auch schon Kalishavars magische Schutzvorkehrungen gegen Zauber der Schule der Hellsicht an. Unterschwellig war uns das klargewesen das es solchen Möglichkeiten gab, hatten doch unsere jungen Gesellschafter einen solchen Plot der Hanse gegen die Häuser Port Grims abgewehrt, jetzt aber hatten wir Gewissheit das auch wir wir einer solchen Überwachung unterlagen. 

Narijan Kalishavar riet uns, unsere magischen Artefakte zu prüfen, da sie die logischter Anker für solch ein Unterfangen waren. Unser neuer Gönner bot an, das er sich einen unserer  Gegenstand mittels seiner magischen Fähigkeiten genauer analysieren konnte - aber welchen? Die schiere Menge unserer Ausrüstung machte eine Entscheidung schwierig. Nach dem alle eine ausführliche Inventur ihrer magischen Gegenstände vorgenommen hatten und überlegten, wann und unter welchen Umständen sie in unseren jeweiligen Besitz gekommen waren, berieten wir ausführlich und entschieden uns dann,  Narijan Kalishavar den Thaumagral den Joachim von der Weißen Hand bekommen hatte untersuchen zu lassen. Einfach weil es zu den eher neueren Errungenschaften unserer Gruppe gehörte, die sich in unserem Besitz befanden - neuer waren nur noch die Artefakte aus der Runenschmiede selbst und das erschien uns nicht logisch. Die weiße Hand die jetzt auch irgendwie gemeinsame Sache mit der Südmeer Handelskompanie machte, erschien vorallem Akbash und Aurelia durchaus tatverdächtig. Der arkane Magistrat stellt uns außerdem einen Gegenstand in Aussicht, den wir aktivieren sollten, um eine solche Überwachung zumindest temporär zu unterbinden. 

Nun stehen wir wieder vor einem Scheideweg - fliegen wir weiter mit unserem Luftschiff oder vertrauen wir unser Schicksal einmal mehr der Magie der Runenherrscher an, um ihnen zuvor zu kommen?