Während seine Gefährten die Geheimnisse der Stadt Drachenfall erkundeten, blieb Eberhard mit der zwergischen Abenteurerin Camina Boohra im abgelegenen Gutshof zurück. Sie hatten sich das alte Gehöft, als vorübergehendes Lager eingerichtet. Eberhard nutzte die Zeit um die Zwergin endlich besser kennenzulernen und musste feststellen das sich hinter der rauen Schale ein ebenso rauer Kern verbarg.
Die nächsten Schritte ihrer Expedition mussten sorgfältig geplant werden, und dafür war es unerlässlich herauszufinden, wohin genau sie die mystischen Nebel der Vistani gebracht hatten.
Zum Glück war Camina eine talentierte Kartografin, etwas das Eberhard ihr so nicht zugetraut hatte. Mit sicherem Blick zeichnete sie Linien und markierte Punkte, während Eberhard aufmerksam ihre Karten studierte, die schon fast Gemälden glichen. Stück für Stück begann er zu begreifen, in welcher Region des vergessenen Kontinents es sie verschlagen hatte. Das letzte Jahrzehnt hatte er und seine Gefährten weitgehend mit der Erforschung Maracasars verbracht, der Rest des vergessenen Kontinents war aus seinem Blickfeld geraten.
Jetzt aber lag vor ihm eine Karte. Seine Finger glitten über die Linien, während er die Route ihrer Reise verfolgte.
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"Wir befinden uns in den sogenannten Säulen der Welt," erklärte Camina. "Der Name stammt noch aus der Zeit des ersten Imperiums. Damals, zur Herrschaft der Runenfürsten, galt diese Region als Teil der sogenannten zivilisierten Länder. Doch das änderte sich schlagartig mit dem Erdenfall."
"Wir befinden uns hier," erklärte Camina das offensichtliche, während sie mit Nachdruck auf die Markierung von Drachenfall tippte. "Wir sind in den Ausläufern des Kashamar-Massivs, das weiter südwestlich in das malmagavische Hügelland übergeht, bevor es schließlich in die weiten Savannen des Gräsernen Meers abflacht." Sie hielt kurz inne, bevor sie weitersprach: "Genauer gesagt befinden wir uns im Grenzgebiet zwischen den Bergen von Kashamar und den Gipfeln des Bahari Gomba."
Ihre Stimme wurde leiser, als sie hinzufügte: "Die Gipfelkette der Bahari Gomba ist eine Region, die von den meisten Kulturen der Malmagawie gemieden wird. Sie betrachten die Berge als Heimstätte der Shagomba – verzerrte Totems und verdorbene Ahnengeister." Sie zögerte, dann fuhr sie fort: "Eine genaue Übersetzung ist schwierig, aber 'Finstertraum-Gipfel' beschreibt es wohl am besten in unserer Sprache. Nur wenige Lebewesen wagen es, diese Berge ihre Heimat zu nennen, denn nur die zähesten Kreaturen überleben hier. Einige Monsterjäger, die ich bei meinem letzten Besuch in Drachenfall traf, waren geradezu begeistert von der Idee, in diese unwirtliche Region zu ziehen, um seltene Kreaturen zu jagen. Aber es gab Gerüchte über Alptraumhexen; Lamashtu Kulte und andere Banden die finsteres im Sinn haben," Camina zuckte mit den Schultern, alsgäbe sie nicht viel darauf.
Eberhard konnte ein mulmiges Gefühl nicht unterdrücken, während Camina sprach und der neu entfachte Eifer in ihrer Stimme machte es nicht wirklich besser.
"Also," fuhr sie fort und wies auf die Regionalkarte, "die gekreuzten Hämmer markieren Minen oder aktive Schürfgebiete. Die Totenschädel hingegen zeigen ehemalige Stützpunkte der Minengesellschaft, die in den letzten hundert Jahren verloren gingen." Sie beugte sich näher, ihre Stimme fest: "Soweit ich aus den Archivunterlagen entnehmen konnte, wurden diese Orte nicht wegen Erzmangel aufgegeben, sondern weil diejenigen, die dort arbeiteten, ein gewaltsames Ende fanden. In manchen Fällen brach einfach der Kontakt ab, und niemand hielt es für nötig, herauszufinden, warum."
Camina deutete auf die Karte, auf der sie versucht hatte, die Zonen farblich abzugrenzen. "Die Gebiete um Drachenfall herum sind noch als gemäßigt zu betrachten. Aber folgt man dem Kazaron-Fluss nach Norden, gelangt man in eine rot markierte Zone – ein Gebiet, das seit jeher als Quelle der Gefahr bekannt ist und bereits zu den Finstertraum-Gipfeln zählt. Dahinter," sie deutete auf die Fläche jenseits der roten Markierung, "liegt ein weitgehend unerforschtes Gebiet, über das es im Archiv der Minengesllschaft keine Aufzeichnungen gibt, weil schlicht niemand so weit vorgedrungen ist."
Sie holte tief Luft und ließ ihren Blick kurz abschweifen. "In den Archiven der Minengesellschaft fand ich heraus, dass der Claim meines Vaters der am weitesten entfernte Schürfgrund war, der je erschlossen wurde. Als der Kontakt zu Boohra-Claim abriss, brachen auch die Verbindungen zu anderen Claims in der Region ab. In Drachenfall hat sich damals niemand die Mühe gemacht, tiefer zu forschen."
Eberhard zuckte mit den Schultern. Er hatte gefragt, und er hatte Antworten bekommen – ob sie gut oder schlecht waren, spielte keine Rolle. Er musste mit dem arbeiten, was ihm zur Verfügung stand. Insgeheim hatte er es ohnehin geahnt: Ihre Suche würde sie in eine lebensfeindliche Wildnis führen. Was sonst hätte erklären können, dass die Goldene Stadt über Jahrtausende hinweg unentdeckt geblieben war?
Er lehnte sich zurück, schloss die Augen und begann, in Gedanken die nächsten Schritte zu planen.
- Eine der drängendsten Fragen, die es zu klären galt – (und die auch für den Meister von Bedeutung ist) – betraf die Entscheidung, ob sie vor ihrer Abreise das Lager des Goldenen Pfades infiltrieren sollten. Aurelia hatte sich dagegen ausgesprochen. Bisher waren sie, soweit sie wusste, unentdeckt geblieben, und es bestand die reale Gefahr, dass sich unter den Anhängern Karzougs Personen befanden, die sie erkennen könnten. Dennoch war die Wahrscheinlichkeit groß, dass auch Nomorius (und mit ih Joachims Körper) irgendwann hier auftauchen würde. Falls er jedoch noch an Bord der Reikland Protektor war, was durchaus möglich war, würde seine Ankunft vermutlich noch Wochen auf sich warten lassen.
Akbash meinte, dass eine Infiltration nicht allzu schwierig sein sollte, da das versammelte Heer ohnhin einen bunt zusammengewürfelten Eindruck machte. Es blieb die Frage, welchen Vorteil sie aus diesem Risiko ziehen könnten – und ob der zu erwartende Gewinn den Einsatz wert war. -[ teilt eure Meinung gerne hier unter den Kommentaren]
Oder ich fasse eure Gedanken hier zusammen:
https://sigmars-reich.blogspot.com/p/gedanken-und-hintergrunde.html

