Die Nachwehen von Xaneshas Untergang

Author: Nils /

Die Nachwehen von Xaneshas Untergang

Die Gerüchte über den Untergang Xaneshas und des Untergangs der Schatenuhr sind mannigfaltig. Man spricht von der Goblinschlächterin und Ihre 5 Ehemänner, von einer Expedition Sturmgeborener im Auftrag Laros selber, oder von Geheimgesellschaften. Es obliegt wohl wieder einmal mir, richtig zu stellen, das diese Heldentat auf die Rechnung der Gesellschaft für Abenteuer in Maracar und dessen Entdeckung von Maracasar, oder auch GAME, geht.

Benno führt uns tatsächlich erstmal in einen sicheren Hafen mit Blick auf ein Butterkuchenhaus, das rein zufällig von einem seiner Verwandten geührt wurde. Er ist eine Krämerseele nach meinem Geschmack, das kann man nicht anders sagen. Unsere wohlverdiente Rekuperationszeit wird allerdings von hoher Stelle unterbrochen:
Der Hohe Präfekt des Adelsforums, Lord Vachon, will uns treffen. Da wir gleich einen guten Eindruck hinterlassen wollen, empfangen wir ihn in der neuerdings leerstehenden Villa der Chabrons.
Im Gespräch erreichen wir sowohl die Freigabe unserer eingefrorenen Mittel als auch eine Prämie von 10000 Goldmünzen, plus die Nutzung der Chabronvilla als unser Gesellschafts-Hauptquartier in Larifa. Das lässt hoffen. Wir schlagen vor, Projektpläne für die Befriedung Unterbrücks abzugeben, in die diverse Adelshäuser investieren wollen – zwar schient der Präfekt nicht unmittelbar überzeugt von der Machbarkeit dieses Vorhabens, aber er ist aufgrund unserer Referenzen auch nicht komplett abgeneigt.
Der erste Schreiber der Brauerei und Tamwyn, die Stadtführerin, kümmern sich um die Verwaltung und Austtattung des Gebäudes. Herr Butterkuchen sollte sich um die Küchenausstattung kümmern.

Ein neues Abenteuer wartet

Der eigentliche Auftrag ist es, eine Grenzfeste zu erforschen, die seit 5 Wochen keinen Kontakt mehr mit Larifa aufnimmt. Die Rannikfeste nahe Schildkrötenfähre ist der Ort, auf den der Brief von Xaneshas Schwester verwiesen hat. Es handelt sich um eine Art Strafkolonie – verurteilte Verbrecher können sich den Schwarzen Pfeilen anschließen, anstatt in den Kerker zu gehen. Wenn wir dieses Problem lösen, will Vachon offiziell die Gesellschaft in Larifa einführen.
Wir werben noch Feldarbeiter an, diein Port Grim auf den verwaisten Höfen arbeiten sollen, um den weizen und Hopfen Nachschub zu sichern, nachdem die Ghulseuche viele Gehöfte entvölkert hat. Die Ausrüstung Xaneshas (Rüstung, Speer, Maske, Skarabäus des Golembanns, Ring der Sprungkraft) geben wir zur Untersuchung in der Magiergilde ab. Wir zahlen bei Abholung, sonst geht die Beute in einem Jahr in den Besitz der Gilde über. Da wir offensichtlich auf Großwildjagd gingen, rüstete auch ich auf eine Donnerbüchse auf – bei der Größe des Ungeziefers, das sich schon um Port Grim herum trieb, wollte ich zumindest auf den Abschreckungseffekt setzen.

Wir heuern den Seeerpel unter Käptn Kor an, ein kleines Handelsschiff, das den langen Flussweg über den Jondobakari-Strom mit uns bestreitet. Wir werden Zeuge weiterer Wunder der alten Zivilisation von Maracasar, einem technomagischen Schiffshebewerk. Außerdem bewundern wir die wilde und exotische Fauna der Sümpfe und Dschungel von Marakasar, von gewaltigen Kristallkrokolisken bis zum brennenden Singvogel.
In Schildkrötenfähre kommen wir im strömenden Regen zunächst im „Wohl bekomms!“ unter, einem Gasthaus geführt on Jep und Jaz, einem munteren Halblingpaar. Jep ist geschwätzig, aber auhc unfassbar schreckhaft. Wegen des Dauerregens und dem fehlenden Kontakt zur nahen Feste sind alle niedergeschlagen, aber es gibt noch mehr. Auf Nachfragen nach dem Sihedron schlägt uns zunächst eine Mauer des Schweigens entgegen, bis wir erfahren das kurz vor dem Abbruch des Kontakts zur Feste ein Freudenschiff namens „Paradies“ vor Schildkrötenfähre lag, das dann in einem mysteriösen Feuer untergegangen ist und dabei ein Fünftel der Dorfbevölkerung dahingerafft hat. Das Sihedron als Tätowierung war das Zeichen der Stammkunden.
Wir vermuten zunächst, das entweder die Somniapriesterin mitdem Untergang zu tun hat oder zumindest die Täter deckt, denn sie bezeichnet den Brand und darauf folgenden Untergang recht vehement als göttliche Fügung. Allerdings gibt es viele Einwohner mit einem Motiv, angefangen bei den Gastwirten über den verschuldeten Schmied bis hin zur betrogenen Ehefrau des Krämers. Wir wissen nichts genaues, wollen aber auch nicht in den monsterverseuchten See tauchen. Wenn man sich das Vorgehen des Sihedronkultes bis jetzt ansieht, kann es sich auch um ein Massenopfer handeln, bei dem die Anführerin selbst dann verschwindet, nachdem sie die Gier der Stammgäste geerntet hat.
Wir hören außerdem noch viel über die Grauels, eine Familie von Halbogern, die nahe der Stadt ein Gehöft haben und wohl äußerst unangenehme Zeitgenossen sind. Außerdem ist Lanatar Baiden, der Anführer der Feste, wohl des öfteren auf der andren Seite des Seens in einem Sumpfgebiet zur Meditation gewesen. In der Hoffnung, entweder etwas über seinen Verbleib oder etwaige verräterische Tätigkeiten heraus zu finden, machen wir uns mit einer Waldläuferin aus Larifa auf den Weg dorthin.
Sigmar sei Dank bleibt uns eine Begegnung mit der schwarzen Marga, dem örtlichen Seeungeheuer, erspart, und wir finden im Sumpfgebiet von Weißweide recht schnell einen Hinweis in Form eines Pixies, der um Hilfe für seine verwirrte Herrin bittet. Sie scheint den Verlust Ihres Geliebten, der ein Meschn wie wir war, nicht gut verkraftet zu haben.
Der Pixie führt uns in eine merkwürdige Halbwelt, wie wir sie seit unserem Treffen mit dem Halbwolf nicht mehr gesehen haben. Allerdings ist diese weniger von verzaubertem Leben erfüllt als vom Gefühl des Zerfalls und der Verzweiflung. Wir finden ein mysteriös gestrandetes Schiff inmitten des Sumpfes, komplett mit einer Seekarte mit uns völlig unbekannten Küstenzügen und einem Band fremdartiger, aber meisterhafter Partituren für ein Cemballo. Die Opale des Kapitän sicherte ich für die Nachwelt.
Der Rest des Weges war gepflastert mit furchtbaren Spuren der Verwüstung und des Verfalls, von geisterhaften Feenwesen über blutende Bäume bis hin zum gräßlichen Kadaver einer Dryade, die mit roher Gewalt aus Ihrem Baum heraus geprügelt wurde. Als wir schließlich an den Teich der Nymphenkönigin treten ist diese nur noch ein schreckliches Abbild Ihre selbst. Ihre abgerissenen Armen schweben neben Ihr, der Unterkörper besteht nur noch aus geisterhaftem Nebel, und die Trauer in den Augen ist so tief, das es uns beinahe schmerzt. Sie beschuldigt uns, Ihren Geliebten Lamatar nicht gerettet zu haben und will uns dafür büssen lassen, aber zum Glück können wir sie mit freundlichen Worten beruhigen. Baiden wurde entführt und befindet sich in der Feste der Kreeg-Oger, auf dem Hakenberg. Der Geist der Nymphe entlässt uns noch mit der Drohung, das sie den befallenen Wald zu ihm bringen wird, wenn wir ihren Geliebten nicht zurück bringen. Wir versprechen, den verschleppten Geliebten von den Ogern zurück zu holen, auch wenn es möglicherweise nur seine Leiche sein wird.
Im Nachhinein, angesichts der kulinarischen Vorlieben von Ogern, die wir bald aus der Nähe sehen sollten, war das ein sehr optimistischs Versprechen...

Willkommen bei den Grauels

Auf dem Weg zum Gehöft hatten wir noch ein paar Zankereien, ob es denn überhaupt lohnt, mit Halbogern sprechen zu wollen. Alle Dorfbewohner und sogar unsere Waldläuferinnen hielten das für eine völlig hirnrissige Idee. Vielleicht war ich vom Gesit der imperialen Einheit erfüllt, aber ich konnte mich nicht dazu hinreißen, diese Leute nur wegen Ihrer Herkunft zu verurteilen. Hatten wir nicht schon freundliche Echsenwesen, Halborks, ja sogar sogenannte Werwölfe getroffen? Warum wurden dann diese Leutchen von Ihren Nachbarn so dermassen verabscheut?
Schon der Weg zu den Grauels war dekoriert mit Fetischen, Voodomasken und Schädelhaufen. Ich gebe zu, das mich das ein wenig am guten Geschmack der Familie zweifeln ließ – andererseits muss man niemanden ermorden, nur um einen Schädel zu bekommen. Ich erinnere ungern an unsere „Personalbeschaffung“ zum Kanonenraub, aber für wenige Goldtücke konnten wir damals ganze Leichen erstehen – ein Schädel war schon im einstelligen Silberbereich zu erwerben.
Nun, als wir von „Prügel“, dem jüngsten Mitglied der Familie begrüßt wurden, bestätigten sich leider alle Vorurteile. Prügel war ein beinahe drei Meter großer Mutant, dessen rechte Hand nur aus einem langen, knöchernen „Finger“ bestand, und dessen einzige Verständigungsversuche „Prügel prügelt!“ und „Rampe friss!“ waren. Rampe war ein räudiger Hofhund von erschreckenden Ausmaßen. Sigmar sei Dank konnte Joachim den Hund unter seine Kontrolle bringen, und mit vereinten Kräften mussten wir den guten Prügel dann leider töten. Vielleicht hätten wir ihn noch zur Aufgabe bewegen konnten, doch unsere halbeflische Begleitung hatte keinerlei Interesse an Verhandlungen mit diesen – ich muss Ihr inzwischen leider zustimmen – Monstern, und gab Prügel den Gnadenschuss. Prügels Lendenschurz entschied dann auch unser weiteres Vorgehen. Ich hätte mich jetzt auch gerne zurück gezogen, denn warum sollten wir hier Streit suchen, wenn die Schildkrötenfährer ihm jahrelang aus dem Weg gegangen waren? Nun, da Prügels Lendenschurz aus Uniformen der Schwarzen Pfeile gefertigt war, schienen nicht alle Anwohner dem Konflikt aus dem Weg gegangen zu sein. Also blieb uns nichs, als auf dem Gehöft nach Gefangenen oder zumindest Überresten der Söldner zu suchen.
Joachims Kontrolle über Rampe war uns dabei ein wahrer Segen. Mithilfe des Hundes konnten wir das Gehöft und die angeschlossene Scheune ausspähen. Zwar wurde eine weiterer Spross der Grauels dabei auf ihn aufmerksam, der unpassend benannte „Zucker“ - aber zu unserer großen Überraschung gelang es uns tatsächlich, ihn in einen Hinterhalt zu locken und ohne viel Federlesen niederzuschießen.
In der Scheune waren zwei weitere Grauels, der fiese Schweinrat und der depperte Jeppos dabei, sich mit vergorenem Mais zu betrinken und widersetzten sich vehement den Versuchen, auch einen von Ihnen herauszulocken. Stattdessen schlich sich Akbash an das Gebäude und verschnürte die Tore der Scheune, um sie zumindest kurzfristig einzusperren.
Rampes unfreiwilliger Dienst endete schließlich vor der Tür des Haupthauses, durchbohrt von einer grausamen Speerfalle, die die Grauels vor „Mamas“ Hütte installiert hatten.
Leider konnten wir nicht mit Sicherheit sagen, ob in der Scheune noch Gefangene waren, denn Joachim hatte durch Rampes auge eine weitere Tür und Treppen in dem Gebäude entdeckt. Da mit den Halbogern auch noch ein Rudel Hunde in der Scheune war, drängte es uns nicht zur direkten Konfrontation. Statt dessen nutzten wir meine verzauberte Säge, um in die Rückwand der Scheune ein Loch zu sägen. Dort entdeckten wir eine bizarre Mischung aus Arena und Spinnenest. Ein abgesenkter Boden wurde beinahe völlig von fast fingerdicken Spinnweben verdeckt, und ein umlaufender Balkon, der anscheinend für die Zuschauer von irgendwelchen perversen Spielen genutzt wurde, hatte auch noch Platz für einen Käfig mit drei anscheinend noch lebenden Gefangenen!
Es war fraglos nötig, diese armen Burschen zu befreien. Um nicht in die Fänge des Netzes zu geraten, steckte ich sie kurzerhand in Brand. Aufgrund der allgemeinen Feuchtigkeit rechnete ich nicht mit einer großen Ausbreitung – was sollte schon passieren?
Nun, ich zog mir ungünstigerweise die unmittelbare Aufmerksamkeit der Spinne zu. Wie wir später erfuhren, hörte sie auf den unschönen Namen „Fettbacke“, und sie beschloß, mich mittels eines widerlich gespuckten Spinnenfadens direkt in Ihre Höhle zu zerren. Dann verpasste sie mireine ordentliche Dosis Ihress Giftes, das mich ins Reich der Träume schickte.
Wie ich hörte, konnte das Vieh noch den armen Akbash einwickeln, bevor Joachim sie blendete und dann unter den Hieben von Heidrun, Mel Aurelia zu Grunde ging. Die Maismaische muss ein äußerst potentesGebräu sein, denn selbst nach diesem Gefecht namen die beiden Halbogernebenan keinerlei Notiz von uns, so das wir die drei Gefangenen befreien konnten.Tatsächlich waren es Mitglieder der Schwarzen Pfeile – einer tatsächlich der Adoptivvater unserer Waldläuferin! Allerdings schient da familiär einiges im argen zu liegen, denn sie verweigerte die Heilung Ihres Vaters. „Er wird es überstehen – mehr hat er nicht verdient.“ War alles, was wir zudem Thema aus Ihr heraus bekamen. Da wir dringlicheres zu erledigen hatten, ließen wir die drei versorgten, aber immer noch geschwächten Schwarzpfeile unter der Obhut unserer Bekannten zurück.
DA es immer noch zwei Menschenfresser in der Scheune gab, probierten wir eine neue Variante unseres beliebten Plan B. Da das Stroh zu feucht war, wurde aus niederbrennen schlicht ausräuchern. Der Plan ging sogar besser aus, als geplant – anstatt hustend und geblendet die Scheune zu verlassen, entschlummertein die Gebrüder Grauel samt Ihrer Hundemeute sanft in den schwarzen Schwaden. Es tat mir ein wenig Leid für die Hunde, aber wahrscheinlich wären sie ebenso wenig zu sozialisieren gewesen wie die Grauels, daher war es wohl eher eine Gnade, sie mit Ihren Herrchen zur Ruhe zu legen.

Big Mamas Haus.

Blieb noch die drohende, stinkende Präsenzdes Haupthauses. Makaber gekennzeichnet durch den Kadaver von Rampe, verschimmelt und mit eingesacktem Dach, war es das Abbild des grausamen Kannibalenhauses aus allen Geschichten. Ein halb knöcherner, halb hölzerner Schaukelstuhl wankte knarrend auf der Veranda, und um den Kadver von Rampe hatten sich schon fingerlange Ameisen gesammelt, die einer Strasse über die ganze Front des Hauses zogen.
Vorgewarnt ob der Speerfalle untersuchte Aurelia jeden Schritt, den wir in dieses Gruselhas taten – was sie leider immer als erste mit den Schrecken dieses Ortes konfrontierte. Schon im ersten Zimmer trug diese grausige Arbeit Früchte. Denn auch wenn niemand von uns Interesse daran hatte, ein mit Körperteilen und und verrottetem Fleisch dekoriertes Sofa zu untersuchen, wären wir eventuell doch in die Fallgrube getappt, die sich darunter verbarg.
Mit gezückten Waffen arbeiteten wir uns weiter ins Dunkel vor. Am Ende des nächsten Flures schließlich entdeckten wir den Zugang zum „Herz“ des Hauses – Mamas Schlafzimmer. Ich gebe zu, spätestens hier verwandelt sich alles für mich in eine Art Albtraum. Wir waren gefangen in einer Hölle aus Fleisch, Blut und Gedärmen. An jeder Wand, in jeder Ecke, lauerte eine weitere Abartigkeit. Seien es die Bildnisse, gemalt auf abgezogener Haut mit Hilfe von verrottenden Eingeweiden Oder die aufgebahrten, missgestalteten Leichen von Mamas verstorbenen Söhne, denen sie mittels widerlicher Hexerei neues Leben eingehaucht hatte. Oder zuletzt das Grauen von Mama selbst in Ihrem „Bett“ - ein Haufen von Decken, Stoffen, Leichen, Körperflüssigkeiten und Exkrementen, auf denen der aufgeblähte, schmierige Körper der Hexe thronte. Auch wenn mein Verstand sich dagegen wehrte, musste ich erkennen, das dieses Wesen ein Mensch war – und die widerliche Erklärung dafür, wiher all die mutierten Halboger stammten, denen wir bis jetzt gegenüber gestanden hatten. Sie war nackt, und hielt in der Hand einen abgehackten Arm, an dem sie abwechselnd knabberte und daraus gräßliche Zaubersprüche produzierte.
Ihr Kreischen, als wir Ihr entgegen traten, scmerzte bis in die Zähne hinein. „Verschwindet von einen Hof, ihr widerliches Ungeziefer! Hackfresse, Spucker, Horst – bringt das Pack um! Ich will Ihre Gesichter fressen!“ Auf Ihre Rufe begannen die aufgebahrten Leichen sich mit unnatürlichen, zuckenden Bewegungen zu regen. Einer von Ihnen hatte einen gespalteten Schädel, ein anderer war kaum mehr als ein Sack von Knochen und Mukeln, offensichtlich von einem Pferd nieder geritten. Der dritte war wie ein Igel mit Pfeilen gespickt, so das man kaum seine fettig-bleiche Haut erkennen konnte.
Als wir wieder zu Mama blicken, waberten um sie herum unzählige Spiegelbilder derselben fetten Hexe – eine Strategie, die wir schon bei Xanesha beobachtet hatten, hier allerdings um einvieles widerlicher war.
Der Kampf brach los. Die Schwerter meiner Gefährten hilten reiche Ernte unter den untoten Ogern, aber Mamas Hexerei forderte einen furchtbaren Zoll von uns. Akbash konnte Ihrer Hexerei widerstehen, aber Joachims Körper veränderte sich mit einem widerlichen Knacken und Knirschen, nachdem ein kränkliche-purpurner Strahl aus Mamas Stab ihn traf. Als die Transformation beendet war, ragte unser Heiler kaum noch über den Tisch – sie hatte ihn in einen Zwerg verwandelt!
Mel überlegte kurz, ob er Mamas Bett einfach anzünden wollte, aber Aurelia konnte ihn gerade noch aufhalten. Im ganzen Raum waren Eimer mit Fett verteilt, so das es gewiss in Sekunden zu einem Großbrand gekommen wäre. Und wir wußten nicht, wieviele arme Opfer in diesem Schreckenskabinett noch gefangen waren!
Unter dem gnadenlosen Beschuss und unseren unermüdlichen Angriffen konnten wir schließlich Mamas Spiegelbilder überwinden, und Akbash Degen drang tief in Ihre Schwarte – mit einem glaszerschmetternden Kreischen verschwand sie in einer Explosion aus Schleim, so das der Arme Gesicht voran in Ihr Bett klatschte.
Als er sich aus dem Unrat hervorgekämpft hatten, sahen wir uns ratlos um. „Ist sie etwa tot?“ fragte Aurelia. Joachim schüttelte grimmig den Kopf. „Das war ein Zauberspruch. Zum Glück konnte Akbash für uns bestätigen, das sie nicht unsichtbar ist – ich fürchte, sie hat sich nur versetzt.“
Ich gestikulierte mit der Pistole, die ich gezogen hatte, nachdem ich diedonnerbüchse in Mamas Süiegelbilder gejagt hatte. „Aber wo ist sie-“
Mit einem satten Schmatzen erschien Mama wieder in unserer Miete. Panisch drück ich ab, aber in derHektik verriss ich den Schuss und trag Aurelia in die Schulter! Mamas fetter Körper waberte und zuckte, und als sie schwarzen Rauch aushustete, wurde uns klar, wohin die Hexe fliehen wollte.
„Pech gehabt, Mama! Deine Räucherkammer haben wir uns schon vorgenommen!“ Mit einem triumphierenden Lachen schwang Akbash seinen Degen – nur, um ihn dank der dicken Fettschicht, die ihn inzwischen bedeckte, aus den Händen zu verlieren. Mutig prangen Mel und Aurelia dazwischen, da die inzwischen völlig panische Mama sich jetzt mit Iher vollen Leibesfülle auf den glücklosen Glücksritter stürzte.
Heidrun hackte mit großen Hieben in Mamas Schwarte, aber es war beinahe unmöglich, unter all den Fettschichten ein lebenswichtiges Organ zu treffen. Joachim und ich stürzten und von hinten auf den Fleischberg und hieben mit Zauberstab und Pistolenkolben auf die wabbeligen Massen ein, ohne eine sichtbare Wirkung zu erzielen.
Endlich hatte Akbash seinen Degen wieder gefunden, zielte genau, stach tief in eine von Mamas Brüsten – und wurde von einem Schwall gelblich-roter Flüssigkeit mitten ins Gesicht getroffen, so das er spuckend und würgend zu Boden ging.
„Bei Laros, genug!“ Joachim trieb seinen weiß glühenden Stab tief in die Fleischwülste Mamas und ließ ihn dort, pumpte mehr und mehr Energie in den Fetten Körper. Mama begann zu blubbern. Ihre Haut – wellte sich an mehreren Stellen, als würde sich etwas unter Ihr bewegen. Sie taumelte, drehte sich, hieb blind um sich.
Wir alle wichen zurück, aber meine Füsse steckten bis zum Knöchel in Mamas Bett. Ihrekaum erkennbaren Schweinsaugen fielen auf mich. Das Blubbern hört auf. Sie öffnete den Mund, und was mit einem tiefen, langen Rülpsen begann verwandelte sich in einen Schwall aus Auswurf, Fett und Innereien, die mich mitten im gesicht trafen. Ich konnte nicht anders, der Ekel war zu groß, mein Mund öffnete sich zu einem Schrei – und die Masse schoss in mich hinein, drückte und presste sich meinen Hals hinunter und schoß in mich hinein. Das Gefühl ist unbeschreiblich – es war, als müßte ich mich übergeben und ertrinken gleichzeitig, und mein Magen füllte sich, blährte sich auf, bis er nichts mehr fassen konnte, und dann drang das weiche, glibberige, schleimige ETWAS durch meinen ganzen Körper, kroch meine Arme entlang, meine Beine, überall hin. Es hörte und hörte nicht auf. Irgendwann wurde s gnädigerweise schwarz um mich, und ich dankte Morr, das er mein Leiden erlöste. Ich dankte ihm für meinen Tod.
Wäre ich doch gestorben.
Ich erwachte in der Hölle, es konnte nicht anders sein. Überall um mich herum war Blut, Schleim und Exkremente. Ich saß inmitten meines eigenen Unrats, mein Körper geschunden, aufgebläht, verformt. Ich war nie schlank, aber das hier war nicht ich. Es war, als steckte ich in einem Haufen Lehm, jede Bewegung war qualvoll schwer. Ich öffnete den Mund, um zu sprechen, aber es kam nur ein Würgen, und wässriger Auswurf leif über meine Lippen. Die Krämpfe dauerten lange, und noch länger dauerte es, bis ich etwas jenseits der Schmerzen wahr nahm. Und das schlimmste war, das es Joachims Gesicht war.

„Bist du wieder bei uns? Wir wussten nicht, ob Du es überstehst.“ Sein Blick war ernst, seine Stimme profssionell, aber er konnte mich nicht täuschen. Er ekelte sich vor mir. Sie alle ekelten sich vor mir. Ich war jetzt keiner mehr von Ihnen. Ich war wie Sie. Ich WAR Sie. Ich begann zu schreien und hörte nicht mehr auf...


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Ins Herz der Schatten

Author: Nils /

Die Häuser am Rande von Unterbrück ragten auf wie eine Stadtmauer. Verlassene Fassaden, einzig und allein bewohnt von Möwen und Ratten, starrten auf uns herab. Inmitten der Häuser ragte ein einzelner, zwei Stockwerke hoher Torflügel auf, der andere schon lange verloren. Diverse Schmierereien verzierten das Tor, alle im Sinne von „Niemand will nach Unterbrück – niemand geht freiwillig her“, „Lasst alle Hoffnung fahren“ und ähnlichem.
„Fehlt nur noch ein Schild „Esst nicht die Würstchen“, kommentierte Aurelia.
Advokat Sion schaute sie mitleidig an.
„Bis hierher führe ich sie, wie der Richter es mir aufgetragen hat. Ich hoffe, sie haben Erfolg in Ihrer Mission, was immer sie sein mag. Ich würde dann jetzt die Waffen an mich nehmen.“
Joachim nahm mich noch einmal zur Seite. „Diese Waffen gehören zerstört, oder auf den Grund es Meeres. Ich bin NICHT einverstanden, das wir sie diesem Mörder zurück geben.“
Ich blickte zu Boden. „Du hast wahrscheinlich recht – aber wir haben uns auf dieses Geschäft leider eingelassen. Diese Waffen sind unser Vertrauensbeweis, dafür haben wir das Geständnis.“ Ich klopfte auf die Schriftrollenhülle in meinem Gürtel. „Er hat schon den Suchbefehl gegen uns aufgehoben und die Stadt verlassen. Wenn wir jetzt noch den Beweis für Xaneshas Tod liefern, sind wir quitt.“
Joachims Hand krampfte sich schmerzhaft in meinen Oberarm. „Wir sind nicht quitt mit einem Mörder! Seine Strafe ist nur aufgeschoben!“ Dann wandte er sich wütend ab und schritt in Richtung Unterbrück.
Akbash hatte inzwischen die Waffen an den Advokat übergeben und den Mann verabschiedet. Er kam zu mir und wir blickten besorgt Joachim hinterher. „Er ist – verändert. Beinahe fanatisch. Dieser Tempel, all die Opfer, die Trophäen. Das hat etwas in ihm zerbrochen.“ Akbash nahm seinen Hut ab und kratzte sich am Hinterkopf. Die schwarze Perle in seiner linken Augenhöhle gloste düster im Sonnenlicht. „Das wird alles nicht gut ausgehen.“
Ich klopfte ihm herzhaft auf den Rücken. „Komm schon, alter Schwarzseher! Wie schlimm kann's schon werden! Lass uns mal auf das Haus da steigen und die Aussicht genießen. Aurelia, Heidrun? Wollt Ihr etwas Kundschaften?“ Verschränkte Arme und ein lässiges Abwinken waren meine Antwort. Seufzend machte ich mich mit Akbash auf den Weg.
„Großartig, Treppen. Mein alter Feind...“


Oben angekommen spuckte ich noch ein paar Federn aus und versuchte erfolglos, wenigstens eine Schicht aus Möwenkot aus meinem Hut und Wams zu schütteln.
„Unfassbar, wie diese Viecher fliegen, hacken und kacken gleichzeitig können!“ Unerklärlicherweise schien Akbash mein Anblick aufzumuntern, obwohl seine Kleidung ähnlich dekoriert war.
„Weißt Du, das viele Bauern Geld für solchen Mist zahlen? Angeblich lässt das den Spargel sprießen.“ Er machte eine unflätige Geste in Hüfthöhe.
Angewidert schaute ich weg, dann grübelte ich kurz. „Du hast da vielleicht tatsächlich eine Idee. Immerhin sind wir hier direkt an einer ungenutzten Düngerquelle. Und Mel hat mal erzählt, das man das Zeug auch für Schießpulver braucht.“ Akbash schnappte sich mein Fernrohr und ging an den Rand des Daches.
„Du willst nicht wirklich in den Handel mit Möwenscheiße einsteigen, oder? Ich dachte, wir sind eine Abenteuergesellschaft“ Er ließ seinen Blick über die Dächer von Unterbrück streifen.
„Mal schauen, als Händler muss man immer...“ dann verschlug es mir die Sprache. Ich war zu ihm an den Rand getreten und blickte in das endlose Zwielicht von Unterbrück...
Direkt unter dem Zornspann, der titanischen Brücke ins Nirgendwo, liegt eine Stadt unter der Stadt. Die Häuser von Unterbrück sind nicht klein, aber sie haben höchstens ein oder zwei Stockwerke im Gegensatz zum Rest von Larifa. Somit wurde die Sonne nicht nur von dem titanischen Brückendach über dem Viertel, sondern auch von den angrenzenden Gebäuden abgehalten.
Diese Kombination führte dazu, das man die Dächer Unterbrücks im Zwielicht noch so gerade erkennen konnte, aber die engen Straßenschluchten zwischen Ihnen wie schwarze Adern durch das Gewimmel zogen. Einige größere Strukturen waren in der Ferne zu erahnen. Ein zerbrochener Tempel, eine Art Arena – und der aufragende Finger der Schattenuhr.
Der Turm ragte windschief nahezu mittig aus den düsteren Straßen hervor und ragte bis kurz vor die Abdeckung von Unterbrück. Damit musste sie nahezu 80 Meter aufragen – eine herausragende architektonische Leistung. Inzwischen war dieses Monument allerdings angefressen, vermodert, und an vielen Stellen mit Metallplatten oder Holzgerüsten geflickt. Alles in allem sah es aus, als würde es beim nächsten Windstoß zusammen brechen.
Auf dem Dach ragte noch mutig eine geflügelte Statue empor, eine Engelsgestalt irgendeiner vergessenen Religion. Das Blatt einer Turmuhr, waren noch vage auszumachen.
Akbash senkte das Fernrohr und deutete auf ein erleuchtetes Gebäude kurz hinter dem Tor. „Das dort müsste die Söldnergilde sein, von der der Advokat gesprochen hat. Ich denke, eine Investition in einen Stadtführer wäre angebracht.“
Während er sprach, glaube ich kurz eine vage insektoide Gestalt über eines der Dächer huschen zu sehen. Was heißen würde, das sie mindestens menschengroß war.
„Ich denke, du hast recht. Und sei's nur, damit wir schneller ankommen...“

Das Haus der Söldnergilde war leicht erkennbar.
Die beiden Wappen der Roten Sonne und der Weißen Hand prangten deutlich sichtbar an der metallverstärkten Tür, die von verdächtigen Krallen spuren überzogen war. Forsch klopfte ich an die Tür. Eine kleine Klappe im oberen Bereich öffnete sich und ein misstrauisches Augenpaar musterte mich. „Wer seid Ihr und was wollt Ihr?“
„Wir sind die Gesellschaft für Abenteuer und Entdeckung Maracasars“ deklamierte ich gewohnt stolzerfüllt. „Und wir suchen einen kundigen Führer, der uns in die Tiefen von Unterbrück begleitet.“ Mit einem unbestimmbaren Grunzen schlug die Klappe zu, dann hörte man schwere Riegel, die bewegt wurden. Mit einem Ächzen öffnete sich die Tür, und dahinter erwartete uns die massive Gestalt der Wirtin.
„Ihr seid zum richtigen Ort gekommen – herein mit Euch!“ Das Innere der Schänke war verräuchert, aber gemütlich. Ein Haufen gefährlich aussehender Gestalten, ein paar Zwerge und ein entspannt wirkender Halbling waren im Inneren auszumachen.
„Ich bin Arlen Zweisäbel Inhaberin dieser letzten Bastion der Sicherheit hier am Rande von Unterbrück. Welche Gründe Euch auch immer in diesen götterverlassenen Teil Larifas führen, hier findet Ihr die richtigen Experten, die Euch dabei helfen.“ Sie wies uns einen Tisch zu und servierte trinkbares Bier, bevor wir unser Anliegen vortrugen.
„Zur Schattenuhr, eh? Üble Ecke dort.Viele Tiefenkultisten hängen dort rum, Ihre Kathedrale ist nicht weit von dort. Die Entfremdeten sind meist nicht so das Problem, aber von den Kultisten würde ich mich immer fern halten. Ihr braucht also jemand, der Euch um die meisten der Gefahren herum führt – Muskeln scheint Ihr ja genug dabei zu haben.“ Sie betrachtete Heidrun und Akbash mit anerkennendem Blick.
„Ja, und Joachim hier wird gleich noch ein paar Worte mit Eurem hiesigen Heiler sprechen, ob es noch spezifische Gefahren für unsere Gesundheit gibt, aber auf dem Felde sind wir auch versorgt. Es geht tatsächlich zufürderst um einen Ortskundigen.“ Ich schob einen Beutel mit einer mir angemessen erscheinenden Summe zu Ihr herüber. „Und Euer Rat diesbezüglich wäre uns sehr wichtig.“
Der Beutel verschwand nach kurzer Inspektion in Ihrem Wams, dann ließ sie den Blick über die Anwesenden streifen. „Tja, für diese spezielle Aufgabe hätte ich zwei Leute im Auge. Zum einen Ashoka Windläufer“ Sie deutete auf eine Elfe, die alleine an einem Tisch saß. „Niemand ist schneller als sie mit dem Bogen, und sie ist auf den Dächern ebenso zuhause wie in den Gassen.“ Dann deutete sie auf den rundlichen Halbling. „Wenn Ihr aber eher bodenständig seid, geht nicht über Benno Butterkuchen. Der Kleine kennt jedes Rattenloch und jede Abkürzung zwischen der Mauer und der Klippe. Außerdem ist er zäher, als er aussieht – nicht viele von uns machen so einen Job länger als ein Jahr, und Benno ist seit Fünfen hier. Und zu guter Letzt macht er die verdammt beste Ratte am Stiel, die man in Unterstadt bekommen kann.“
Ich ließ meine Hand auf den Tisch klatschen und reichte sie ihr. „Das ist unser Mann. Kulinarische Fähigkeiten gepaart mit einem natürlichen Drang zur Konfliktvermeidung – Halblinge waren schon immer meine Lieblingsberater!“ Ich ignorierte die zweifelnden Blicke von Aurelia und Mel und überließ Akbash seinen zum scheitern verurteilten versuch, der Elfe schöne Augen zu machen, und stapfte zum Kamin herüber, wo Benno gerade ein gutes Pfeifchen stopfte.
„Herr Butterkuchen, wenn ich kurz stören darf?“ Er schaute mich durch die aufsteigenden Dämpfe aus seiner hölzernen Pfeife an und winkte dann lässig mit seiner kleinen Hand in Richtung des anderen Stuhls.
Ich ließ mich nieder, woraufhin das Möbel Stück kurz aufstöhnte, dann aber beschloss, doch noch nicht den Geist aufzugeben.
„Wir sind die Gesellschaft für Abenteuer und Entdeckung Maracasars“ begann ich auszuholen, aber der Halbling winkte ab. Er nahm die Pfeife aus dem Mund und zählte mit dem Stiel an den Fingern ab.
„10 Goldstücke pro Tag, den ich Euch führe. Wenn wir in Gefechte geraten, beschützen wir uns gegenseitig nach bestem Wissen und Gewissen – am liebsten wäre ich neben Ihr.“ Er zeigte auf Heidrun. „Einer Goblinschlächterin wird auch hier unten einiger Respekt gezollt.“Euer Heiler versorgt mich ebenso wie jeden von Euch, und wenn was schief geht, spendet ihr mein volles Honorar an die Bäckerei Butterblume in Larifa. Ich vollbringe keine Heldentaten, aber ich verspreche Euch, das ich noch jeden, der mich beauftragt hat, in die Unterstadt rein und wieder raus gebracht habe.“ Er zögerte kurz und nahm einen Zug an der Pfeife. „Zugegebenermaßen nicht immer in ganzen Stücken, aber alle haben noch geatmet. Sind wir im Geschäft?“ Er schaute mich prüfend aus kleinen, braunen Augen an, deren Gewitztheit sich durch den Rauch nicht im mindesten verschleiern ließ.“
Ich lehnte mich im Sessel zurück und strich mir nachdenklich über das Kinn. Ich wechselte einen kurzen Blick mit Aurelia und Heidrun, die beide anerkennend nickten. Lächelnd beugte ich mich zu Herrn Butterblume vor und reichte ihm meine Hand. „Ihr seid unser Mann – ich freue mich auf unsere Zusammenarbeit. Er schlug ein, und mit einem beeindruckend starken Griff für so eine kleine Hand besiegelten wir unser Geschäft.
Nachdem das vom Tisch war, wurde Benno deutlich jovialer. Wir teilten noch Bier, Brezeln und Geschichten, denn es bot sich an, erst am nächsten Morgen in die Stadt aufzubrechen. Ich war begeistert von seiner Weltgewandtheit und überrascht, das langsam aber sicher der Ruf unserer Gesellschaft die Runde machte.
„Port Grim mag nur ein Nest sein gegen Larifa, aber wenn eine handvoll Abenteurer fast alleine erst eine Goblininvasion zurückschlagen und dann mit dem Schatz des Schreckenskapitäns zurück kommen, bleibt das nicht lange ungehört. Wir Profis wissen, wann ein paar neue Spieler auftauchen.“ Er leerte sein drittes Bier und sprang dann auf die behaarten Füße. „Genug geplaudert. Morgen sollten wir früh los, solange die Sonne noch niedrig steht und so unter der Brücke hindurch scheint.“ Er machte sich auf zu seiner Bettstatt, und auch wir legten uns zur Ruhe.
In der Nacht plagten mich Träume von Blut, Folter und merkwürdigen Runen. Das Triskelion schien mich zu verfolgen, und der Richter, der Häuter und Horden von mehrarmigen Dämonen machten sich einen Spaß daraus, mir den Spas zu rauben.
Entsprechend gerädert sah ich am nächsten Morgen dann einem Zug in die finsteren Gassen von Unterstadt entgegen. Benno diskutierte schon angeregt mit Akbash und Heidrun Marschfolge und übliche Gefahrenanzeichen. „Krallenspuren und beißender Uringeruch deutet auf Skaven hin. Man bekommt sie selten zu Gesicht, solange man an der Oberfläche ist, aber passt auf bei Kanalausgängen und Kellern. Dieses Zeichen hier“ – er malte mit einem Stück Kohle ein paar wellenartige Zeichen auf den Boden - „Steht für den Kult der Tiefe. Meist hört man sie von weitem, weil sie oft, singen, beten oder sonst irgendwas schwadronieren. Ausreichen Zeit, in Deckung zu gehen. Nahe der Säulen habt ein scharfes Auge nach oben – seit die Marmorfresser ein Nest der Viecher angestochen haben, sind wir die Felsenspinnen nie wirklich los geworden. Die hört Ihr nicht, wenn sie sich von der Brücke abseilen. Also haltet den Blick nach oben gerichtet. Das hier“ er klopfte auf ein dünnes Seil, das er sich über die Schulter gewickelt hatte - „ist aus Ihrer Seide gemacht. Er reichte Heidrun ein Ende. Sie ließ prüfend den Blick darüber wandern und zog zusammen mit Akbash daran, dann nickte sie anerkennend. „Damit ziehen sie euch ganz locker in die Höhe, wenn sie Euch damit erwischen. Wenn's frisch aus dem Arsch schießt, klebt es auch noch wie ein Honigkuchen aus Hügelstadt, also lasst Euch nicht erwischen.“ Er blickte zu mir herüber Unterwegs kreischt Ihr aber weniger herum, sonst gibt’s'ne Socke als Schnarchdämpfer, mein lieber Eberhart.“ Ich zuckte mit den Schultern und schlug mir auf den Bauch. „Der fiese Leberauflauf von Frau Ohnesorg muss mir auf die Verdauung geschlagen sein. Sonst schlafe ich wie ein Säugling.“ Benno zwinkerte und nahm das Seil von Heidrun zurück.
„Dann sind wir vollständig, richtig? Auf nach Unterstadt!“


Der Weg durch die düsteren Gassen von Unterstadt hatte beunruhigende Ähnlichkeit mit unserem Abenteuer auf der Malstrominsel. Auch hier war am helllichten Tage nur ein bedrückendes Zwielicht zu sehen, und die Schatten schienen sich auf unnatürlich Art und Weise zu bewegen. Die eigentlich vertraute Kulisse einer imperialen Stadt, nicht unähnlich den ärmlicheren Vierteln von Marienburg oder Kemperbad, bekamen durch das Licht und das völlige Fehlen von Menschen etwas unwirkliches, andersweltliches.
Benno führte uns geschickt durch das Gewirr von Gassen, Winkeln und Häusern. Schon bald ließ uns unser Orientierungssinn im Stich, denn durch die eingestürzten Gebäude, überflutete Gassen oder verbarrikadierte Straßen gab es kaum gerade Wege, denen wir folgen konnten. Heidrun schien noch am ehesten etwas mit den Hinweisen des Halblings anfangen zu können. Bald schon trafen wir auf unsere ersten Entfremdeten. Benno deutete uns, in Deckung zu bleiben, dann näherten wir uns vorsichtig einer Kreuzung, von der wir leises Schlurfen hörten.
Eine Gruppe von Menschen, gehüllt in Lumpen und Dreck, taumelte dort unsicher umher, Einige von Ihnen liefen ziellos im Kreis, andere liefen gar gegen Wände oder standen einfach nur teilnahmslos herum. Ihre Augen waren leer, Ihre Züge ausgezehrt, als stünden sie kurz vor dem Verhungern. Aurelia schlich vor zu Benno und flüsterte ihm etwas ins Ohr. Er schaute sie verwirrt an, dann nickte er. Sie zuckte mit den Schultern, dann kam sie zurück zu uns. „Ich wollte nur wissen, ober er sicher ist, das sie noch leben. Nach Wittgenstein und Schwarzsäbel wollte ich sicher gehen.“ Wir nickten grimmig.
Benno führte uns in weitem Bogen um die Entfremdeten herum. Als wir eine Straße weiter waren, scharte er uns noch kurz um sich und teilte, was er über die Entfremdeten wusste. Es war nicht viel. Es handelte sich anscheinend um die Überlebenden verschiedener Katastrophen, deren Geist all das Leid nicht überstanden hatte. Warum sie sich hier zusammen fangen und meist völlig teilnahmslos waren, konnte er auch nicht erklären. ER wusste nur, das sie manchmal ohne Vorwarnung grausame Schreie ausstießen und einmal einen bewaffneten Trupp angefallen hatten, ohne Rücksicht auf Verluste. Sie waren unberechenbar.
Der Verlauf der Zeit in Unterbrück war gut messbar, aber trotzdem bizarr. Die Mittagsstunde war eine Zeit glosender Hitze aber tiefer Dunkelheit. Die Sonne stand jetzt direkt über der Brücke, so das Ihre Strahlen fast völlig blockiert waren, aber Ihre Hitze ließ die Feuchtigkeit aus dem Boden aufsteigen, so das wir manchmal durch Bodennebel schritten, wie in tiefem Dschungel. Einmal glaubten wir, in der Ferne die Glocken des Kultes der Tiefe zu hören, aber Benno führte uns sofort in die entgegengesetzte Richtung.
„Der Kult ist leider sehr berechenbar – jeder, der nicht einer von Ihnen ist, ist gegen sie. Und a keiner von Euch aussieht, als hätte er Kiemen oder Tentakel...“ Er winkte ab. „Jetzt mal was optimistischeres. Da vorne müsste eigentlich noch ein Lager von Basaltfressern sein. Da sollten wir ein paar Neuigkeiten einholen können.“ Er führte uns auf einen großen Platz nahe einer der titanischen Säulen des Zornspanns. Dort, geschützt von einer Handvoll Söldner mit dem Zeichen der Roten Sonne auf der Schulter, waren ein gutes Dutzend Männer damit beschäftigt, Steine aus dem Pfeiler heraus zu hacken. Es war eine harte Arbeit, aber laut Benno eine sehr lohnende. Die Golemschmieden von Hochstadt zahlten einen fürstlichen Preis für Himmelsbasalt – erst rechts, seid der Abbau verboten war und die Stadtwache am Rande von Unterstadt patrouillierte, um Steinschmuggler aufzugreifen und mitsamt Ihrer Beute in die Brücke einzumauern. Steinspinnen, Einstürze und Mutanten waren schon gefährlich genug, aber wie immer war Gier ein ausreichende Motivation für gewisse Teile der Bevölkerung.
Aaron Steinhauer war so ein Mann nach meinem Geschmack. Er führte jetzt schon seit 10 Jahren Basaltfresser nach Unterbrück, noch bevor das Abbauen auf der Brücke verboten wurde.
„Hier unten gibt es kaum Konkurrenz. Und meist hauen wir eh nicht mehr aus der Brücke selbst, sondern sammeln nur Trümmer auf. Aber früher, da sind wir auf die Schattenuhr selbst gestiegen. Ich war mit dabei, als das erste Gerüst aufgestellt wurde. Der Stein da oben hat eine ganz andere Qualität als die Trümmer hier unten. Du kannst richtig spüren, wie das Leben noch durch Ihn durch fließt. Einmal hat einer von meinen Jungs eine Metallader getroffen – die Entladung konnte man bis zur Mauer sehen! Geröstet hat's ihn wie eine Spießratte.“ Er schüttelte rührselig den Kopf. „Aber seid die Vogelscheuche da ist, ist das gelaufen.“ Benno schaute ihn schief an. „Die Vogelscheuche? Das olle Kindermärchen?“ Aaron nickte düster
  • Brummel -Brummel -Vogel-schreck 
    stehst allein tief im Mais
    wirkst fast wie ein Geist,
    Zusammengeflickt aus Stroh und Hemd
    bewachst du leise dieses Feld.

    Brummel, du alte Vogelscheuche, machst uns keine Angs,
    Am Tage schläfst du, bist ganz brav,
    doch unterm Monde dann, du ganz langsam wankst,
    denn nachts, da wirst dur wirklich wach.

    Bewegst zuerst die Hände,
    man bekommt es gar nicht mit,
    dann wackeln deine Füße
    und du machst den ersten Schritt

    Wenn wir dann ruhig schlafen
    und kein Hund mehr bellt in unseren Straßen,
    Brummel - Brummel- Vogel-schreck
    dann kommst du zu uns, vom hunger getrieben
    und labst dich genüsslich an unseren Lieben
„Genau die. Sie ist so groß wie zwei Männer, und Ihre Sense kann eine Steinspinne mit einem Hieb entzwei hauen. Und am schlimmsten ist sein Lied. Wenn Ihr das hört, ist es um Euch geschehen.“
Ich kratzte mir versonnen den Bauch und überschlug kurz ein paar Zahlen im Kopf. „Sagt mal, mein guter Herr Steinhauer. Mal angenommen, das Problem mit der Vogelscheuche würde sich erledigen. Und Ihr wäret der einzige, der davon wüsste. Das müsste doch Euren Profit um einiges erhöhen, oder?“ Ein berechnender Blick überzog das grobschlächtige Gesicht des Basaltfressers. „Das will ich meinen. Seid das Monster da ist, halten sich sogar die Kultisten und die Entfremdeten von da fern. Das wäre mir einen Batzen Geld wert, wenn ich diese Information bekäme. Sagen wir, 50 imperiale Kronen?“
Ich lächelte. „Das wäre ein guter Anfang – aber wir sind nicht die Gesellschaft für Abenteuer und Entdeckung geworden, um über Kleingeld zu reden. Ich rede über Vertriebswege. Handelsrouten. Absatzmärkte. Ich habe die Kontakte, ihr habt die Ware. Wenn wir das Problem mit dieser Vogelscheuche gelöst haben – und vertraut mit, das werden wir -“ sagte ich mit einem Seitenblick auf meine wohl bewaffnete Kameraden „dann will ich Euer exklusiver Partner werden. Hand drauf?“ Er spuckte herzhaft in seine basaltgraue Hand und streckte sie mir entgegen. Wir schüttelten kräftig darauf, und teilten dann das zufriedene Lächeln zweier Geschäftsleute die beide davon überzeugt waren, das bessere Geschäft gemacht zu haben. „Viel Glück, Herr Brettschneider. Ich freue mich auf zukünftige Geschäfte mit Ihnen!“
Als das Basaltfresserlager hinter uns im Dunkeln verschwand, kam Aurelia zu mir. „Du verkaufst in letzter Zeit verdammt oft die Wolle, bevor das Schaf geschoren ist. Woher die neue Risikofreude?“ Ich lächelte versonnen. „Weißt Du, Aurelia – wir müssen größer denken. Wir sind in die Hölle gefahren und zurück, wir verhandeln jetzt mit der Marquis und intrigieren gegen den eisernen Richter. Unsere Einsätze steigen nun mal mit dem potentiellen Gewinn.“
„Ebenso wie die Risiken“, ließ Akbash sich vernehmen. „Der letzte wahnsinnige wollte mich in seinem Menschenfresserkult haben – und diese Xanesha hat den Eisernen Richter ganz schön um den Finger gewickelt. Wer weiß, was die mit uns anstellt, wenn wir sie nicht überraschen?“ Ich klopfte vertrauensvoll auf den Sack an meiner Seite. „Deshalb ist es gut, das ich eine Geheimwaffe dabei habe, mit der sie niemals rechnet. Und außerdem – wenn sie uns wirklich erwischt – was machen dann all die Versprechen, die ich verteile?“ Ich klopfte Aurelia auf die Schulter und boxte Akbash gegen die Schulter. „Wir sind die Gesellschaft für Abenteuer und Entdeckung! Wir sind jetzt schon unsterblich!“ Akbash wandte stöhnend das Gesicht ab, während Aurelia sich kichernd auf den Weg zu Benno machte. Zufrieden grinsend stapfte ich weiter in die Dunkelheit.

Aurelia:

Unser Dickerchen hat hier mal wieder eine kleine Lücke in seinen Aufzeichnungen, die er mich zu füllen genötigt hat. Sein neu gefundener schwarzer Humor hätte mir hier schon zu denken geben sollen – immer, wenn Eberhart solche Anflüge hat, geht alles den Bach herunter.
Wir erreichten die Schattenuhr gegen Abend, und aus der Nähe sah sie noch weit weniger einladend aus als aus der Ferne. Der Turm ragte vor uns auf wie eine schwarze Nadel, angefressen und notdürftig geflickt auf der ganzen Höhe. Von hier konnte man gerade noch die Uhr erkennen, der Engel war nicht zu sehen. Wir lauerten hinter einer Häuserecke und spähten die verschiedenen Zugänge zu dem Gemäuer aus. Benno hockte in einer Fensteröffnung und kaute auf einer Wurst herum. ER hatte mehr als klar gemacht, das er uns nicht ins Innere des Turms folgen würde. Ob es nun die Vogelscheuche aus dem Kinderreim war oder irgend etwas anderes – da drin lauerte eine Gefahr, die selbst die übelsten Bewohner von Unterbrück fernhielt. Und wir mussten da rein, prima.
„Der Eingang sieht ziemlich stabil aus“, verkündete Mel nach einem Blick durch Eberharts Fernrohr. „Und groß genug für diverse Kinderschrecken, auch gerne zu Pferd.“
„Fenster sind leider kein Teil dieser merkwürdigen Architektur.“ erklärte Akbash. „Heidrun und ich sind einmal um den Turm herum, und die nächste Öffnung, mit der wir was anfangen können, ist drei bis vier Stockwerke über uns.“ Mel nickte, dann kramte er etwas aus seinem Rucksack. Mit leisem metallischen Klappern entfaltete er einen metallenen Wurfanker. „Dieses Teil hier sollte uns eigentlich nach oben bringen können – auch ohne Meister Butterblumes Spinnenseil.“ ER warf Benno einen unzufriedenen Blick zu, der nur mit den Schultern zuckte und zu einer weiteren Wurst griff.
Ich betrachtete den Anker skeptisch. „Das mag einige von uns halten, aber das Hauptproblem ist – macht das nicht ordentlich Krach, wenn Du es da hochwirfst?“ Heidrun nickte zustimmend.
Eberhart meldete sich zu Wort. „Nicht, das ich den Seitenhieb auf meine Leibesfülle nicht verstanden hätte, meine liebste Aurelia – aber was haltet Ihr davon, wenn wir unsere mangelnde Fähigkeit zu heimlichem Vorgehen ausnahmsweise zu unserem Vorteile nutzen?“ ER grinste und klopfte auf die Pistole in seinem Gürtel. „Wir könnten aufscheuchen, was immer da drin lauert, und ihm einen würdigen Empfang bereiten.“ Akbash klopfte Eberhart auf die Schulter.
„Ich bin wenig überrascht, das dein erster Beitrag zu einem Kampf im Vorschlag zu einem Hinterhalt besteht – aber ausnahmsweise stimme ich zu.“ Er ließ einen Wurfdolch durch die Finger tanzen. „Mel, Aurelia, Ihr versucht Euch an der Öffnung da oben. Sollte irgend etwas seien hässlichen Kopf aus der Tür stecken, bekommt es eine Breitseite“ er knuffte Eberhart zwinkernd in die Seite „und dann nehmen wir es in die Zange. Alles klar?“
Ich schaute mir Mels Wurfanker noch einmal näher an, dann schnappte ich mir eine Rolle Seil. „5Gold für denjenigen, der das Ding zum halten bekommt!“ und machte mich auf den Weg zur Schattenuhr.
Wie eigentlich immer, wenn wir mal einen Plan hatten, brauchten wir ihn nicht. Nach einem halben Dutzend lautstarken Fehlschlägen bekam Mel das Seil zum Halten, und kein Monster hatte sein hässliches Gesicht aus der Tür gesteckt.
„Verdammt – dann haben wir wohl keine Wahl!“ Ich spuckte in die Hände und hangelte mich die Mauer hinauf zur düsteren Öffnung in der Seite der Schattenuhr.
Oben angekommen gab ich Mel das Signal, nachzukommen – und eine Laterne mitzubringen, denn die Öffnung führte in undurchdringliche Finsternis im Innern. Spinnweben, Ungeziefer und Schimmeln machten das Erforschen zu einer wahren Freude. Als Mel ächzend mit seiner kleinen Abblendlaterne ankam, krabbelte ich auf allen Vieren tiefer in das Gebäude. In meiner Zeit mit der Gesellschaft und meinen wilden Jahren davor war ich schon in einigen engen herumgeklettert, aber das Gefühl, wenn einem irgendein Ungeziefer von der Decke in den Nacken krabbelt, bleibt einer der Momente, wo ich meine Arbeitswahl verfluche. Zum Glück war es nur ein kurzer Weg durch die Wand, bis wir im Gebälk der Schattenuhr selbst ankamen.
Der Innenraum war viel zu groß, um ihn mit der kleinen Laterne ausleuchte zu kennen. Größtenteils erkannten wir Formen und Schemen, mehrere kleine abgetrennte Räume, einen großen Heuhaufen in einer Ecke, und ein wackeliges hölzernes Treppenhaus in der Mitte der Struktur.
„Was willst Du wetten, das Eberhart uns vor Nervosität eins auf den Pelz brennt, wenn wir die Tür öffnen?“ flüsterte ich zu Mel.
„Ich setze bestimmt nicht gegen den nervösen Finger unseres „Schatzmeisters“.“ murmelte er in seinen Bart. „Aber ich werde jetzt nicht von der Mauer herunter schreien, das alles klar ist. Was immer da drin lauert, entweder ist es nicht da oder schläft ziemlich fest.“
Dann wollen wir es schlafen lassen. Mel half mir, mich aus den Dachbalken herunter zu hangeln, und gemeinsam konnten wir den gewaltigen Balken von der Tür heben, der sie verschlossen hielt.
„Soviel zu dem Thema“ murmelte Mel. „So einen Balken legst Du nicht von außen vor.“
Zu unser beider Überraschung antwortete kein Geschosshagel, als wir vorsichtig die Lampe durch die Tür hielten, um dem Rest der Gesellschaft freie Fahrt zu signalisieren.
Wenige Momente später standen wir gemeinsam im düsteren Zwielicht der Schattenuhr.
„Was nun?“ fragte ich in die Runde.
Heidrun deutete stumm nach oben. Eberhart nickte. „Die gute Xanesha wird wohl kaum hier unten im Stall Ihr Lager haben. Lasst uns schnellst möglich nach oben gelangen.“
Akbash war skeptisch. „Und dann schneidet uns dieser Kinderschreck den Fluchtweg ab? Wir sollten zumindest einen Blick in diese verschlossenen Abteile werfen, damit wir wissen, was uns erwartet. Mel stimmte zu, und Joachim blickten zu mir.
„Es spricht nichts dagegen, wenn Heidrun, Joachim und Eberhart schon mal zur Treppe rübe rgehen und die ersten Stufen sichern. Wir drei schauen uns den Rest des Erdgeschosses an. Wenn was schief geht, könnt Ihr uns von da oben gut decken.“ Das das unserem Dickerchen einen gewissen Vorsprung die Stufen herauf gab, behielt ich für mich.
Die abgeschlossenen Abteile erwiesen sich als leer und uninteressant. Was auch immer mal Ihre Funktion war, jetzt war es nicht mehr als eine Müllhalde. Nichts deutete auf Bewohner irgendeiner Art hin. Das ganze machte wenig Sinn. Wir trafen uns am Fuß der Treppe wieder, Eberhart und Heidrun schauten vom ersten Stock zu uns herab.
„Sollten wir mal ernsthaft Glück haben? Dieser Kinderschreck ist also nur eine Gerücht, um alle fern von hier zu halten?“ Akbash blickte sich misstrauisch um.
„Wir haben das Erdgeschoss durchsucht – vielleicht ist das Monster einfach oben?“ Mel zeigte in die Höhe. Heidrun schüttelte den Kopf. Sie zeigte energisch zu dem großen Heuhaufen in der nordöstlichen Ecke.
Eberhart schlug sich auf die Stirn. „Eine Vogelscheuche im Heuhaufen? Ist das nicht ein bisschen zu offensichtlich?“ Ohne ihn einer Antwort zu würdigen, ließ Heidrun Ihren Bogen von der Schulter gleiten und legte einen Pfeil auf.
Akbash, Mel und ich zogen unsere Waffen, während Eberhart unglücklich seine Pistole zog.
Heidrun ließ den Pfeil fliegen, und die Hölle brach los.


Als hätte Ihr Pfeil eine gefüllte Schweins blase getroffen explodierte der Heuhaufen in alle Gehrichtung und füllte den Raum mit Staub und Heu.
„Hohoho, die Vogelscheuch' ist do!“ rumpelte es durch den Raum, und eine groteske Gestalt wankte in den Lichtschein von Mels Laterne. Anderthalb mal so groß wie der hochgewachsene Akbash und dreimal so fett wie der gute Eberhart watschelte die Vogelscheuche mit großen, ungelenken Schritten auf uns zu. In seiner Hand lag eine übergroße Sense, an seiner Seite baumelte eine Sack, aus dem Körperteile von Menschen und anderen Dingen herausragten.
„Schnipp Schnapp, Schnipp Schnapp, gleich ist der Kopf ab!“ Die stimme des Wesens schwankte von dröhnend tief zu einer fast kindlichen Fistelstimme, und ließ die Sense in weiten Kreisen um Ihren Kopf schwirren. Heidruns Pfeil ragte aus seinem fetten Wanst, und statt Blut quoll eine eitrig weiße Flüssigkeit hervor.
Plötzlich funkelte das Monster in weißlichem Licht auf, das seine gesamte Gestalt umspielte wie Feenfeuer an Bord eines Schiffes. Einen Moment lang schaute das Biest irritiert auf seine funkelnden Arme.
„Feuer frei“ brüllte ich, und in kurzer Folge schlugen ein Pfeil, ein Bolzen, eine Kugel und ein Wurfdolch in die Brust des Monsters ein. Was einzig zur Folge hatte, das das Biest wieder auf uns aufmerksam wurde.
„Bei Laros stinkendem Atem, das wird übel“ fluchte ich und hechtete zur Seite, als die Sense des Monster in meine Richtung zischte. Mel warf seine Armbrust über die Schulter und zückte sein Kurzschwert, während Akbash sich auf die andere Seite des Monsters bewegte. Es war eine deprimierender Kampf. Die langsame, torkelnde Vogelscheuche war einfach auszumanövrieren, aber unsere Hiebe zeigten keine sichtbare Wirkung. Mel und ich stachen und hackten in das bleiche Fleisch des Monsters, und obwohl seine dünne Haut sich leicht durchtrennen ließ, lagen darunter dicke Fettschichten, unter denen wir keine Organe ausmachen konnten.
Akbash perforierte den Wanst des Monsters mit blitzartigen Stichen und Hiebfolgen, so das er aussah wie ein aufgerissenes Kissen, aber nur weiteres Fett und diese widerliche weiße Flüssigkeit quollen hervor. Das Monster wurde nicht mal im Ansatz langsamer und sang weiter seine grausigen Kinderreime, während es die Sense schwang.
„Das bringt uns nicht weiter! Wir brauchen einen Plan!“ rief Joachim. Eberhart seufzte schwer auf.
„Also gut, meine Geheimwaffe war eigentlich für Xanesha gedacht, aber-“ Er eilte die Treppe herunter und stellte sich direkt vor das fette Monster. Mit einem Handgriff öffnete er den Sack an seiner Seite und schwang ihn mit einer eleganten Geste nach vorne, fast wie ein Zauberer, der einen großen Trick vollführte. Ein kleines, rosa Bündel landete zwischen den Beinen des Monsters, schüttelte sich kurz und rannte dann mit einem panischen Quietschen davon.
Wir alle starrten verblüfft dem armen kleinen Ferkel hinterher, das versuchte, sich in dem Strohhaufen zu verstecken.
„Lauft!“ Bellte Eberhart und rannte an dem Golem vorbei wieder in Richtung Treppe. Aufgeschreckt durch den Ruf, aber deutlich langsamer, schwang das Monster seine gewaltige Sense in Richtung des Händlers. Eberhart schaffte es den ersten Absatz hinauf, das Mordwerkzeug zischte in seine Richtung – und kollidierte krachend mit dem Balken des Treppenhauses. Das Monster war so verstört, das es tatsächlich den Griff an seinem Mordinstrument verlor und taumelte noch ein paar Schritte weiter, bevor es dümmlich auf seine leeren Hände starrte. Akbash zögerte nicht und packte das übergroße Werkzeug mit beiden Händen, drehte sich einmal um die eigene Achse und wuchtete die Sense mit einem Schrei in Richtung Ausgang. Die Waffe flog in hohem Bogen durch die Tür und kam scheppernd wenige Schritte vor der Tür zum liegen.
Die Vogelscheuche blickte noch zweimal zwischen ihren leeren Händen und der Sense hin und her, dann stapfte sie nach draußen.
Joachim schritt zu Mel und Eberhart und legte ihnen die Hände auf die Schulter. Er schloss kurz die Augen, murmelte einige Worte, und die beiden wurden von einem gewaltigen Energieschub durchfahren. „Los jetzt!“ rief er und deutete auf den Balken, der neben der Tür am Boden lag. Die beiden hetzten los – Mel hob den Balken wie einen leichten Ast auf, während Eberhart die Tür hinter dem Monster in den Rahmen hämmerte. Zusammen mit Akbash schob Mel den Balken vor die Tür, gerade, bevor die Vogelscheuche umkehrte und wütend gegen die Tür hämmerte.
„Puh, das sollte selbst den großen eine Zeitlang aufhalten.“ Eberhart strich sich mit seiner Kappe den Schweiß aus dem Gesicht. Wir alle starrten Eberhart an. Akbash sprach schließlich aus, was wir alle dachten.
„Ein Schwein? Das war dein Plan? Ein armes kleines Schwein?“ Er erhob fragend die Arme. „Was sollte das denn?“
„Hat funktioniert, oder? Niemand rechnet mit einem Ferkel mitten in Unterbrück. Ihr wart doch alle überrascht, oder?“ Er schien völlig begeistert von seinem Plan. „Und jetzt ist das Monster da draußen und wir sind drin. Noch Fragen?“
Akbash sah ihn fassungslos an. „Aber was hat denn das eine mit dem anderen-“ Ich trat an seine Seite und legte ihm eine beruhigende Hand auf die Schulter. „Lass uns einfach weiter gehen. Er wird einfach so lange weiter reden, bis es irgendeinen Sinn macht. Und Xanesha wartet da oben.“ Ich deutete mit dem Daumen auf die Treppe.
Eberhart plusterte sich kurz auf. „Wie jetzt, der Plan war toll. Wir würden die Ablenkung-“ Ich ließ das Geplapper im Hintergrund versinken, wie ich das über die Jahre perfektioniert hatte und machte mich auf, mit Heidrun den Weg nach oben zu erkunden.


Es war eine verdammt wackelige Angelegenheit, diese Treppe zu ersteigen. Die Stufen waren locker, auf das Geländer konnte man sich nicht verlassen, und die Beleuchtung durch unsere Laternen war mehr als mittelmäßig. Ich zählte nicht die Stufen, aber inzwischen waren wir so hoch, das wir in den schlankeren Turmteil der Schattenuhr aufgestiegen waren und die Treppe jetzt direkt an der Außenwand verlief. Auf gefühlt dreißig Meter Höhe entdecken wir etwas, das in der Mitte zwischen den Treppen baumelte. Mel erfasste es mit dem Lichtstrahl – es war ein Käfig. Und darin war eine massige Gestalt auszumachen.
„Da hat sich wohl jemand einen netten Happen für später aufgehängt“ flüsterte ich nach unten. Die Gestalt im Käfig regte sich.
„Aurelia? Heidrun? Seid Ihr das?“ Die wimmernde Stimme kam mir nur zu bekannt vor. „ich bin's, Eberhart! Holt mich hier raus, ich flehe Euch an!“ Ich schlug mir deprimiert mit der Hand au die Stirn. „Nicht noch mehr Gestaltwandlerrätsel, das muss doch nicht sein.“
Joachim ergriff mit bestimmtem Ton das Wort. „Akbash, Mel, schnappt unseren Eberhart. Kein Wort von ihm.“ Der Händler hob zu Protest an, aber Akbash wirkte recht erfreut über eine Ausrede, ihn mal zum schweigen zu bringen.
„Du!“ Er zeigte auf den Käfig. „Wo haben wir uns kennen gelernt?“
„Was, wie, was soll die Fragerei. Ich wurde gefangen genommen und baumle hier über einem Abgrund! Holt mich hier raus, dann können wir reden!“ ER wimmerte, seine Stimme war voller Angst, und tatsächlich schwankte der Käfig bedenklich aufgrund seiner hektischen Bewegungen.
„Heidrun, leg auf ihn an. Wenn er bei drei nicht antwortet, verpasst Du ihm einen Pfeil.“ Seine Stimme war kalt wie Stein. „Also – wo haben wir uns kennen gelernt? Eins!“
„Ich kann mich nicht erinnern! Das ist Jahre her! Woher soll ich das wissen?“ Eberharts Stimme wurde höher und panischer.
„Zwei!“ Joachims Tonlage änderte sich kein bisschen.
„Das kannst Du nicht machen! Was wir schon alles erlebt haben! Und jetzt soll mein Leben an einer Fragen hängen? Bitte!“ Die Stimme wurde weinerlich und kippte beinahe um.
„Dre-“
„Eine Kneipe! Wir haben uns in einer Kneipe kennen gelernt, als wir unseren ersten Auftrag bekamen!“
Heidrun blickte kurz zu Joachim, der ihr mit der Hand zu verstehen gab, den Bogen zu senken. Er wandte sich zum Eberhart, der von Mel und Akbash im Schwitzkasten gehalten wurde. Akbash hatte Eberharts unförmige Kappe in seinen Mund gestopft.
„Du – wo haben wir uns kennen gelernt?“
„MMMMMMM!“ Joachim schaute streng zu Akbash herüber. Der zuckte nur grinsend mit den Schultern. „Tut mir leid, ich habe die Stille genossen“, sagte er, bevor er die Kappe aus dem Mund des Händlers zog. Der keuchte ein paarmal, dann japste er:
„Burg Middenheim, bei einer Audienz des zwergischen Botschafters der Argonath. Wir sollten diese vermaledeite Kiste nach Nuln schaffen.“
Joachim lächelte erleichtert. „Ihr könnt ihn los lassen. Man kann sich bei unserem Eberhart nicht auf alles verlassen, aber sein Gedächtnis ist gut. Das führt uns zu Dir.“ ER drehte sich zu dem „Eberhart“ im Käfig um. „Wir haben hier in Larifa schon ein halbes Dutzend von Deiner Sorte zur Strecke gebracht, die uns umbringen wollten. Du solltest Dir also ganz schnell etwas einfallen lassen, warum wir Dich am Leben lassen sollten.“ Heidrun und Mel hoben Ihre Waffen, und sogar Eberhart zückte unsicher seine Pistole.
Das Wesen im Käfig verschränkte die Arme. „Ich kann Euch nicht helfen, solange ich hier oben drin bin.“
Auf einen Wink von Joachim bohrten sich ein Pfeil in sein rechtes Bein und ein Bolzen in seinen Oberarm. Der Gestaltwandler heulte vor Schmerzen auf. „Ist ja gut, ist ja gut. Was wollt Ihr denn?“
„Schon besser.“ Joachim wirkte zufrieden. „Also zunächst einmal, ist Xanesha dort oben? Und ist sie allein.“ Das Wesen hob zu einer Antwort an, als ein lauter Glockenschlag durch den Turm hallte. Wir hielten uns die Ohren zu. Ein weites Läuten ertönte, merkwürdig schrill, abgehackt. Dann noch einer, noch einer und dann riss die fallende Glocke den Käfig mit sich in die Tiefe. Der Lärm war körperlich zu spüren. Wir all schauten entgeistert in die Tiefe, als der Lärm von neuem begann.
„An die Wand!“ brüllte Akbash, und wir alle warfen uns zurück und machten uns so flach wie möglich. Die zweite Glocke riss ein breites Stück der Treppe gegenüber von uns von der Wand. Die dritte hätte beinahe Heidrun erwischt, aber ich konnte sie gerade rechtzeitig nach oben stoßen, so das statt uns nur die Treppe hinter uns von der Wand gerissen wurde.
Wir standen noch eine ganze Weile zitternd da, den Blick nach oben in die Finsternis gerichtet. Wir lauschten auf das Knarren der Treppe und erwarteten jeden Moment, das die letzten klapperigen Reste von der Wand rissen und uns alle in den Tod stürzten. Irgendwann beruhigte sich mein Herzschlag wieder, und es schien, als wären der wahnsinnigen die Glocken ausgegangen.
„Noch alle da?“ Rief ich nach unten. Im zuckenden Licht von Mels Laterne zählten wir durch und erkannten erleichtert, das wir tatsächlich noch vollzählig waren.
„Was für eine Irre. Wie will sie denn jemals wieder hier herunter kommen?“ Eberhart klammerte sich bei diesen Worten panisch an die Wand.
„Wie wir wieder herunter kommen interessiert mich mehr.“ gab Akbash sardonisch zurück.
„Ich gehe mal davon aus, das Xanesha noch einen anderen Weg nach unten hat.“ Erklärte Joachim. „Ob dieser Weg für uns nutzbar ist, ist eine andere Frage.“ Er rappelte sich auf und kümmerte sich um die leichte Wunden, die Mel durch herumfliegende Trümmer erlitten hatte. „Aber zunächst müssen wir sie erwischen. Immerhin deutet alles darauf hin, das sie noch da oben ist und nicht will, das wir mehr über Ihre Verteidigung erfahren.“
Ich schaute zu Heidrun herüber. „Wir sollten auch noch auf weitere Fallen achten. Wer mit Glocken um sich wirft, hat eventuell auch andere verrückte Fallen eingebaut.“ Die Waldläuferin nickte stumm.

Es war eine elende Kraxelei, die Lücken in der Treppe zu überwinden, aber zum Glück hatten wir ja mit einer Kletterpartie gerechnet, und sogar Eberhart kam unbeschadet über die Lücken. Auf dem weiteren Aufstieg fanden Heidrun und ich tatsächlich noch eine Stolperdraht und eine mit einem Hebel verbundene Stufe. Vor einer dritten Falle rettet uns nur Akbash Paranoia. Nachdem ich erklärt hatte, was für fiese Mechanismen man in Treppen einbauen konnte, ließ der Degenkämpfer uns einen erheblichen Vorsprung bei unseren Untersuchungen. Nur deshalb erwischte ihn die perfide verzögerte Falle nicht, die erst einen fallenden Steinblock auslöste, nachdem Heidrun und ich die Stufe schon passiert hatten. Das Glück ist halt mit den misstrauischen, wie meine Mutter immer sagte!

Schließlich erreichten wir das ehemalige Glockengerüst. Von den Trümmern führte ein wackeliger Pfad nach draußen, auf das Dach der Schattenuhr selbst. Der Wind heulte schon hier oben wie tausend verdammte Seelen, und wir trafen eine letzte Absprache. Eberhart ergriff das Wort als erster .
„Was immer da oben ist, es hat einen Priester des Khaine-Kultes unter seine Kontrolle gebracht. So wenig es mir liegt, wir sollten uns auf keinerlei Verhandlungen oder ähnliches einlassen.“ Der Dicke wirkte geradezu geknickt. „Und ich denke, wir dürfen uns auf weitere Illusionen und Gastaltwandlungen gefasst machen.“
Mel zeigte uns eine tönerne Flasche mit einer ein geätzten Flamme darauf.
„Darum haben wir das besorgt.“ Akbash hob abwehrend die Hände.
„He, sind wir schon wieder bei Plan B angelangt? Können wir nicht einmal einen Kampf gerade heraus führen, so Mann zu Mann?“ Eberhart grinste schief.
„Der Kampf Mann zu Mann liegt den wenigsten Hexen. Und wenn sie erst mal brennt, fällt es Ihr vielleicht schwerer, sich auf Zauberei und ähnliches zu konzentrieren.“ Ich war nicht sehr begeistert.
„Ist Dir aufgefallen, das der Dachstuhl, die Treppe und alles hier aus Holz sind? Und Du willst das alles anzünden?“
Eberhart winkte ab. „Ein kleiner, kontrollierter Brand, den wird das Gemäuer schon noch aushalten. Aber ich lasse ja mit mir reden – wir zünden sie nur an, wenn nichts anderes funktioniert. Aber es darf kein zögern geben.“ Er hob die Pistole. „Joachim, hast Du noch Vorschläge?“
Der Heiler strich sich nachdenklich über das Kinn. „Wir sollten noch eine Parole ausmachen. Für den Fall, das sie einen von uns verhext oder ein Trugbild erschafft. Etwas, das schneller ist als das Gespräch mit dem im Käfig.“
„Ich schlage Sahnetörtchen vor.“ warf ich ein. Akbash und Heidrun mussten grinsen. „Und als Antwort 'mit extra Honig!“ Eberhart wollte empört protestieren, aber wir waren uns einig, das er sich das auf jeden Fall würde merken können. „Und Du scheinst nun mal Ihre Lieblingskopie zu sein, mein Dickerchen.“ Ich stupste ihn in den Bauch. „Obwohl das ein Haufen Arbeit ist für die armen schlanken Gestaltwandler.“
„Genug gescherzt.“ verkündete Joachim. „Lasst uns dieser elenden Hexe jetzt ein Ende setzen.“ Grimmig machten alle Ihre Waffen bereit. Wir seilten uns noch aneinander, um in dem elenden Sturm dort draußen nicht noch völlig unwürdig vom Dach geweht zu werden. Dann brachen wir auf in die Finsternis.
Draußen war kein Wortwechsel mehr möglich. Ich konnte kaum Akbash Rücken vor mir erkennen, der sich den Weg über den wackeligen Holzsteg erkämpfte. Einmal kam es zu einer kurzen Rangelei, ich hörte noch so etwas wie „Sahnehäubchen, Erdbeertorte, ach egal, STIRB!“, dann segelte ein massiger Körper neben mir in die Finsternis.
Schließlich erreichten wir eine Öffnung in den Dachschindeln, aus der flackerndes Licht hervor schien. Akbash dreht sich ein letztes Mal zu mir um, hebt drei Finger und zählt damit herunter. Wir lösen noch alle unsere Seile, um uns nicht unnötig zu verheddern. Dann stürmte Akbash vor mir durch die Öffnung, und ich hastete hinterher.

Akbash

Ich hatte von Anfang an ein miese Gefühl bei der Sache. Und als ich in dieses Dachgeschoss sprang, bestätigten sich meine Befürchtungen mal wieder. Es gab nicht eine, sondern neun Hexen, Und sie sahen alle verdammt nochmal gleich aus. Und natürlich standen sie in so einem elenden Ritualkreis, der weiß Gott was anstellen würde. Rundherum standen irgendwelche Fässer und Runensteine, aber wie abgesprochen sprang ich in Ihre Mitte – oder wollte es zumindest. Irgendwie brachte ich es nicht übers Herz, diese armen Frauen in ihrem Heim anzugreifen. Was hatten Sie uns schließlich getan? Sie sangen nur irgendein Liedchen und reichten irgendwelche Fackeln umher.
Ich kann von Glück sagen, das Aurelia solche Sachen wie Heim und Herd anscheinend nicht furchtbar viel bedeuten. Zusammen mit Heidrun warf sie einen der umstehenden Schränke um, der gleich drei der Hexen erwischte und sie verpuffen ließ wie Seifenblasen. Da der Kreis jetzt verletzt war, viel der elende Bann auch von mir, und ich schlug mit dem Degen um mich, um herauszufinden, wo sich die echte Hexe verbarg. Joachim sprang auf eines der Fässer, um einen besseren Überblick zu bekommen – das dann prompt auf eine Geste der Hexe explodierte wie ein Feuerball und unseren Heiler brennend zu Boden warf. Mel und Eberhart halfen mir mit Deckungsfeuer, und wenige Hiebe später stand nur noch eine Hexe da – eine kleine, unscheinbare Frau mit blondem Haar und einer violetten Robe. Ich wollte Ihr gerade kalten Stahl zu schmecken geben, als mich ein panischer Warnschrei Joachims erreichte - „Die Rune! Raus da!“
Ohne zu zögern warf ich mich zurück, als der Ritualkreis in einem grellen Licht alles in seiner Mitte verschlang. Hustend und stöhnend kamen wir auf die Beine.
„Das war jetzt ein bisschen einfach, oder?“ fragte Eberhart. Prompt traf ihn ein Blitz aus dem Nichts und warf ihn auf den Rücken. „Sie ist unsichtbar“ rief Joachim. „Schließt den Kreis, sie darf nicht an uns vorbei kommen!“ Wir rückten auf. Ein weiterer Blitz verfehlte Aurelia um Haaresbreite.
Mit einem Knall detonierte eine Karaffe Flammenöl in der Mitte der Plattform. „Zeit für Plan B“ sagte Mel grinsend und ließ eine Fackel folgen. Eberhart und ich warfen unsere Karaffen dazu, und in Sekunden war der Ritualkreis erfüllt mit lodernden Flammen. Aurelia zuckte kurz zurück, hielt dann aber stand.
Es dauerte nur wenige Momente, dann erschien die Hexe kreischend inmitten der Flammen – allerdings hatte sie Ihre menschliche Gestalt in den Flammen gelassen. An Ihrer Stelle war eine schlangenhafte Monstrosität getreten, das Gesicht verhüllt von einer goldenen Maske, einen grausigen Speer in den Klauen.
Xanesha



„Na, schön warm, Hexe?“ Eberhart konnte sich ein Feixen nicht verkneifen. Das Biest starrte ihn mit den kalten, grünen Augen aus der goldenen Maske an – und Eberhart erstarrte. Mit einem grausigen Knirschen und Krachen wurden seine Arme grau wie Stein. ER versuchte, zurückzuweichen, aber seine Beine konnten ich schon nicht mehr bewegen. Verzweifelt öffnete er seinen Mund zu einem Schreib, aber bevor er ihn hervorstoßen konnte, blieb nichts von ihm al eine Statue. Das ganze hatte kaum einen Augenaufschlag gedauert, aber mir es schien wie eine Ewigkeit.
„Ihr widerlichen Kreaturen – spürt den Zorn der Runenherrscher!“ Mit einem Kreischen war sie unter uns und ließ den Spieß kreisen. Sie bewegte sich mit unfassbarer Geschwindigkeit und trieb uns, trotz unserer Überzahl, wie Kinder vor sich her. Als nächstes viel Aurelia, von der Hexe in unsere eigenen Flammen getrieben – als sie panisch zurückwich, stieß die Schlangenfrau Ihr den Speer durch den Leib.
Joachim warf einen Zauber, der sie lähmen sollte – aber ein Schutzamulett warf den Spruch zurück, und unser Heiler wand sich in grässlichen Schmerzen am Boden. Wir wichen zurück, und Xanesha stieß Ihren Speer in der Mitte der Plattform in den Boden.
„Sehet nun die wahre Macht der Runenherrscher – ich rufe Shai-Hulud, den Verzehrer!“ Mit einem Donnern zerbarst die Plattform, und darunter wurde statt des Inneren des Turmes der gefräßige Schlund eines unfassbar riesigen Wurms sichtbar. Seit den Seemonstern der Malstrominseln hatte ich kein solches Monster mehr erblickt. Eberharts versteinerter Körper verschwand in den Tiefen der Bestie.
„Seht meine Macht und verzweifelt!“ Xanesha erhob den Speer über die Arme und schwebte in die Höhe, verschwand durch eine Öffnung, die auf die Spitze des Turms führen musste.
Heidrun eilte zu Aurelia und versuchte verzweifelt, Ihre Blutungen zu stoppen. Mel und ich sahen uns an. Wir beide bluteten schon aus mehreren Wunden, der Boden stand in Flammen, der Turm unter uns war nur noch ein mächtiger Wurm. Wir zögerten.
Plötzlich ertönte Joachims schmerzerfüllte Stimme: „Lasst – Sie – nicht – entkommen!“ ER hob zitternd die Hand, und goldenes Licht umfing uns beide. Wir spürten Joachims Kraft in uns, bevor der Heiler ohnmächtig zusammenbrach. Mel nickte grimmig, und wir hasteten die steile Stiege empor, die zu der Klappe führte, durch die Xanesha geflohen war.

Auf dem Dach offenbarte sich das pure Chaos. Umringt von Sturmwinden und Blitzen stand Xanesha mit erhobenem Speer vor der Engelsstatue und sprach Wörter in einer Sprache, die wir nicht verstanden, aber in den Ohren schmerzte. Ein Blitz nach dem anderen schlug ins Dach ein, immer näher an die Statue heran. Ohne zu zögern stürzten wir uns auf die Hexe. Mel trieb Sein Kurzschwert zwischen die Schuppen des Schlangenschwanzes, ich hier Ihr meinen Degen tief in den Rücken.
Sie kreischte auf und wirbelte herum, den Speer wie eines Sense schwingend. Wir sprangen zurück aus Ihrer Reichweite, und Ihr grünlicher Blick fiel auf Mel. Er versuchte noch, den Blick abzuwenden, aber ich sah schon das Grau von Stein seine Hände heraufklettern.
„Diesmal nicht!“ Ich sprang auf sie zu, unterlief den Stich Ihres Speers und hakte meinen Parierdolch unter die goldene Maske. Mit einem Ruck flog sie in hohem Bogen davon. Das grüne Licht erlosch, und das überraschend normale Gesicht darunter zeigte allzu menschliche Überraschung. Sie schien zusammen zu sacken, als wäre sie sich auf einmal Ihres Gewichtes bewusst.
„Aber wie-“
Mit einem Krachen schlug hinter Ihr ein Blitz in die Engelsstatue ein und zerschmetterte sie in tausend Stücke. Aus der Mitte ergoss sich ein schwarzer Strudel, und in den Tiefen wanden sich Tentakel, Flügel,Augen - ein Blick in das Reich des Mahlstroms.
Ich spürte Mels Hand auf der Schulter. ER hatte sich wider aufgerappelt und sein Schwert fest gepackt. „Lass uns die Hexe heimschicken.“ Presste er zwischen blutigen Lippen hervor.
Gemeinsam stürmten wir auf die Schlangenfrau zu, die immer noch wie betäubt schien vom Verlust Ihrer Maske. Zögerlich wich sie vor unseren Hieben und Stichen zurück, immer näher zu dem Portal, das sie in diese Welt gerissen hatte.
„Nein, das kann nicht sein! Ihr könnt mich nicht besiegen! Ich könnt mich nicht-“ Mit einem letzten Stoß schickten wir sie über den Rand des Daches, und mit einem gellenden Schrei fiel sie in die Tiefe.
Überraschend schnell erfolgte der krachende Aufprall Ihres toten Körpers. Die Welt schien zu kippen. Übelkeit überkam mich, als sich meine gesamte Wahrnehmung verschob, meine Augen konnten das, was sie sahen, nicht mehr mit dem, was ich hörte und fühlte zusammen bringen.
Einen Moment schien ich selbst zu fallen, aber dann packte mich Mels Hand am Unterarm und ich kam zu mir.
Wir standen weiter auf dem Dach, aber da war kein Portal in die Höllen des Mahlstroms, nur die verfallene Engelsstatue. Direkt vor Ihr war ein Loch im Dach, durch das Xanesha gefallen war – und Ihr geschundener und zerschmetterter Körper lag kaum 5 Meter unter uns, in der Mitte Ihres Ritualkreises. Keine offener Schlund, kein Riesenwurm – nur unsere Gefährten, geschunden, aber lebendig.
Wie benommen taumelten wir nach unten. Joachim war schon wieder auf den Beinen und kümmerte sich um Eberharts bewusstlose, aber keineswegs versteinerte Gestalt.
„Was war das?“ Fragte ich verwirrt. ER blickte auf. „Illusionen, Täuschungen, Trugbilder – ganz, wie wir es erwartet hatten, aber das Ausmaß war größer als alles, was ich befürchtet hatte. Sie hat diesen ganzen Ort hier bezaubert, nicht nur uns. Aber jetzt, wo sie tot ist, verfällt all Ihr Zauber.“ ER lächelte müde. „Wir haben gesiegt, Akbash. Xanesha ist tot, und Ihr grausamer Kult endet mit Ihr.
Ich setzte mich erschöpft auf die Trümmer eines Schreibtisches und schloss für einen Moment die Augen. „Es wird Zeit für eine kleine Auszeit.“ Ich hörte Aurelia kichern, dann Stöhnen wegen der Schmerzen, die es Ihr bereitete. Heidrun lächelte nur leise in sich hinein.
Mel stapfte zu der Schlangenfrau herüber um sicher zu gehen, das sie tot war. „Hoffen wir, das es das war.“
Mit einem Husten und Keuchen erwachte Eberhart, nachdem Joachim ihm ein Riechsalz unter die Nase gehalten hatte.
„Was habe ich verpasst?“ fragte er verwirrt? „Haben wir gewonnen?“
Ich grinste. „Ich glaube schon, mein Dicker. Die Gesellschaft für anständige Brandstiftung hat's geschafft.“ Als ich mich aufsetzte, fiel knirschend eine Schublade aus den Schreibtischtrümmern, auf denen ich saß. Ein Brief flatterte mir entgegen.
Ich ließ den Kopf hängen und überflog die Zeilen. „Verdammt, ich wollte doch nur eine kurze Pause.“, murmelte ich,bevor ich mich aufraffte und den anderen den Brief zeigte.

Die dunkle Seite Larifas

Author: Nils /


Verhandlungen mit dem eisernen Richter – Eberhart vermittelt

Author: Nils /

Verhandlungen mit dem eisernen Richter – Eberhart vermittelt

Als ich endlich befreit und wieder bei Sinnen war, fühlte ich mich so elend wie selten. Meine Arme und Beine waren wund von den Ketten, mein Schädel dröhnte von den Schlägen, und mir war übel von den Drogen des Rituals. In Magenhöhe brannte ein glücklicherwiese oberflächlicher Schnitt wie Feuer.
Aber trotz all dieser Pein wusste ich, das alles wiee gut würde. Denn das erste, was ich erblickte, war Joachims grinsendes Gesicht.
„Was fällt Dir auch ein, de nSpion zu spielen, mein Dickerchen? Jetzt mussten wir den Kult ohne Deine Hilfe zerschlagen.“ Ich spürte, wie mich die heilenden wellen von Joachims Händen durchrangen, all die Gifte und Erschöpfung verdrängend. Unsicher kam ich auf die Beine.
„Aber jetzt brauchen wir den Gründer unserer kleine Gesellschaft – es gilt, den Oberschurken zu verhören!“ Vorsichtig blickte ich mich um.
Unmittelbar kam mir wieder die Galle hoch. Der Speicher war ein Schlachthaus Mindestens ein Dutzend Leichen lagen herum, das Blut war nicht nur auf dem Boden, sondern auch an die Wände und teilweise bis zur Decke gespritzt.
Abgesehen von meine Mitstreitern in der gesellschaft waren noch zwei düstere Xaan anwesend und auf den Beinen. Ein schlanker Bursche, der mit seinem Stab systematisch die Leichen abging und auf Lebenszeichen kontrollierte, und ein Fleischberg, der die gefesselte gestalt des Oberpriesters bewachte.
Ich suchte mir einen Hocker und setzte mich vor die kniende Gestalt. „Nehmt Ihm die Maske ab.“ Der Fleischberg zögerte kurz, aber als Joachim ihm zunickte, packte er das hässliche Ding und zerrte es unzeremoniell vom Kopf des Gefangenen. Darunter kamen die feinen, aber doch fremdartigen Züge eines Elfen zum Vorschein. Joachim blickte von einem Verband auf.
„Ach nein, ein Elf als Oberhaupt eined Khaine Kultes. Das passt ja.“
Aurelia schien irritiert. „Wieso das?“
„Khaine ist eine elfische Gottheit, der Herr des Krieges. Leider übertreibt er seine Aufgabe, wie so viele der elfischen Götter. Und in den sechs Königreichen ist sein Glaube von „Mord als Kunstform“ Eher bei Meuchelmördern und Wahnsinnigen angenommen worden.“
Der schlanke Xaan trat an Joachim heran und flüsterte ihm etwas ins Ohr.
„Ach was! Das wird ja immer interessanter. Anscheinend ist das nicht irgendein mordbesessener Elf, sondern einer von Larifas Hohen Justitiaren. Darf ich vorstellen? Richter Eisendorn, der Gnadenlose!“ http://i.imgur.com/3eej91C.jpg

Akbash Hand traf klatschend seine Stirn.
„Ach kommt schon. Ein Richter, der sich zum Henker aufschwingt, und auch noch mit der Regierung und den Brüdern der Sicben unter einer Diecke steckt?“ Sind wir wegen solchem Mist nicht aus dem Imperium abgehauen?“ Er zog sein Rapier. „Ich sage, wir legen Ihn um. Auf solche Probleme habe ich keine Lust mehr.“ Heidrun stellte sich an seine Seite, Ihr grimmiger gesichtsausdruck sprach Bände.
Ich wandte mich dem Elfen zu.
„Du solltest Dur schnell was einfallen lassen, warum Du am Leben bleiben solltest.“ Trotz seiner prekären Lage schaffte es Eisendorn, herablassend zu mir aufzuschauen. Er lächelte sogar.
„Ich bin der Hohe Justitiar Etharias Eisendorn. Ich habe diese Männer und Frauen in den Lehren Khaines in seiner Maske des Rächers unterwiesen, um dort Gerechtigkeit zu üben, wo as Gesetz seine Grenzen erreicht hat.“ Seine Miene verdüsterte sich. „Bis Xanesha meinen Weg kreuzte. Diese elende Hexe hat es gewagt, mich mit Ihrer schmutzigen Magie zu beeinflussen. Sie hat unseren heiligen Bund missbraucht, um mittels Ihrer Sihedron-Rituale die Gier aus den Seelen unserer Opfer zu ernten.
In gewisser Hinsicht habt Ihr mir also einen Dienst erwiesen. Hättet Ihr mich nicht an den Rand von Khaines Reich gebracht, an die Schwelle des Todes, hätte ich Ihren Bann wohl noch lange ertragen müssen. „
Nachdenklich strich ich mir über das Kinn
„Das soll jetzt also eine „Feind meines Feindes“ Argumentation werden? Ich will ehrlich sein. Den Fehler haben wir in der Vergangenheit schon begangen. Uns mit Nekromanten, Geistern und Dämonen eingelassen, mit der Ausrede, das unsere Feinde ja noch schlimmer sind.“ Ich blickte zu Joachim und den anderen zurück.
„Das ist vorbei. Die Gesellschaft für Abenteuer und Entdeckung von Maracasar macht keine Baurnhandel, keine Zweckbündnisse. Du wirst der Gerechtigkeit erfahren, auf die eine oder andere Weise.“
Eisendorn lächelte weiterhin. „Nun, die Gesellschaft vielleicht nicht – aber vielleicht sieht die Bruderschaft der Sieben das ja anders.“ Er blickte an mir vorbei, und sein Lächeln verbreiterte sich.
„Eberhart“, erklang Mels stimme hinter mir. „Das solltest Du Dir ansehen. Das solltet Ihr alle Euch ansehen. Ich wandte mich um und sah den Ermittler ein Schriftstück auf dem Altar ausbreiten.



„Das – das macht keinen Sinn. Warum hätten wir das tun sollen?“ Ich sah Joachim hilfesuchend an. „Sind wir – besessen?“
Aurelias Hand traf meinem Hinterkopf. „Eberhart, denk nach. Das ist eine Fälschung.“ Sie beugte sich über die Urkunde und kratzte mit dem Fingernagel darauf herum. „Eine gute Fälschung, und anscheinend mit einem echten Siegel.“
„Täuschung und Irreführung sind Teil der Kunst des Krieges.“ Eisendorns Stimme troff vor selbstzufriedenheit. „Ich habe mit meiner schreibfeder deutlich mehr Lebene genommen als mit dem Dolch.“
Mit dem Handrücken wischte ich mir den schweiss von der Stirn, bevor ich mich unserem Gefangenen wieder zuwandte.
„Und ich vermute mal, so ein Dokument habt Ihr auch noch in Euren Unterlagen, wo es gewiss gefunden wird, sollte Euch etwas zustossen?“
Der Elf neigte leicht den Kopf. „Respekt, meine Feinde. Zumindest kennt Ihr die Regeln , auch wenn ihr noch nicht lange spielt.“
Joachim brauste auf. „Genug der Plauderei. Ich sage, wir übergeben ihn dem Larostempel. Der Herr der Stürme wird über diesen Mörder richten.“
Mel legte ihm eine beruhigende Hand auf die Schulter. „Glaubst Du das wirklich? Das der Tempel einen der prominentesten Richter ersäuft, aufgrund unserer Aussagen?“
„Und selbst wenn“, gab Aurelia zu bedenken. Was meinst Du, was mit dem Tempel passiert, wenn diese Papiere öffentlich werden. Du wärst der nächste Garcia, der dem Bösen verfallen ist. Zu allermindest werden wir und unser Quästor in Port Grim exkommuniziert.“
Schweigen legte sich über den Raum.

Entscheidungen

Stöhnend rieb Akbash sich mit beiden Händen über das Gesicht. Er schaute uns müde an. „Was ist eigentlich aus den einfachen Abenteuern aus diesen Büchern geworden? Der Held befreit die Prinzessin, erschlägt den Drachen und kriegt das halbe Königreich. Was ist damit? Können wir nicht mal sowas machen?“
„Das hier ist kein Roman, Akbash. Das hier ist die Realität. Das hier ist Politik.“ Ich strich meine Haare zurück. „Wir müssen unsere Optionen beprechen. Lau Gon, schaff Ihn weg.“
Der Xaan schleppte den Richter in das Nebenzimmer und hämmerte die Tür zu.
Ich wartete noch einen Moment und hörte dann ein dumpfes Klatschen. „Gut, wir sollten also unter uns sein. Ich sehe das so. Wir können ihn umbringen. Er hat es verdient, und es wäre bestimmt das, was ihm nach eine fairen Verhandlung blühen würde. Leider sehe ich keine solche Verhandlung kommen.“ Ich blickte in die grimmigen Gesichter meiner Gefährten. „Viel eher werden sich seine politischen Verbündeten auf uns stürzen wie die Geier. Die Gesellschaft als politische Macht aus Marakasar wäre Geschichte. Wir müssten unsere Zelte abreissen, unser Geld schnappen und irgendwo anders neu anfangen.“ Ich blickte entschlossen auf. „Ich bin dazu bereit.“
Aurelia wirkte überrascht. „Tatsächlich? Unsere Herrenhaus, deine hüsche Gesellschaft, das Ansehen in Port Grim – das würdest du alles hinter Dir lassen?“
Ich liess die Schultern hängen. „Ja. Ja, das würde ich, denn die Alternative ist – schmutzig. Wir haben alle schon genug Last aus uns geladen, als wir uns mit Untoten, Verrätern und Dämonen eingelassen haben. Es gab immer einen guten Grund, aber am Ende müssen wir diese Last mit uns tragen. Wie viele Kompromisse können wir eingehen, bevor unsere Werte nur noch eine Fassade sind? Aber damit sind wir bei einem Probelm. Ich bin bereit, alles hinter uns zu lassen – aber ich werde ihn nicht umbringen.“
Mel lachte auf. „Was ist denn das für ne Doppelmoral? Einerseits die Schlinge knüpfen, aber nicht den Hebel ziehen wollen? Das ist ja ein feiner Standpunkt.“
„Wenn ich mich zum Richter und Henker aufschwinge, mache ich dasselbe wie er. Ich stelle mich über das Gesetz. Es ist was anderes, wenn eine untote Monströsität versucht, uns die Haut von den Knochen zu beißen oder eine Meute Goblins die Stadt anfallen. Aber da hinter dieser Tür ist eine denkende Person. Er gehört vor ein Gericht. Ein menschliches oder ein göttliches, mir egal.“ Ich blickte zu Joachim.
„Das sehe ich genauso. Wir übergeben ihn dem Tempel, und dann wird der Bastard ersäuft.“ Wut blitzte in den Augen des Garcia, und kleine Blitze liefen seinen Heilerstab entlang.
Mel winkte ab. „Das ist doch Unfug. Ich sage, wir steigen bei ihm ein und besorgen uns diese Kopie. Dann ist Ende mit Erpressergeschichten. Und dann lassen wir ihn unauffällig verschwinden, idealerweise im Kampf gegen diese Hexe, mit der er Ärger hat. Lassen wir die Bösewichter sich doch gegenseitig zerfleischen. Hat mit dieser Untoten und dem Schlächter doch auch super funktioniert.“
Aurelia verschluckte sich an dem Wein, den sie gerade aus einem Schlauch trank. „Super funktioniert? Was hat denn daran super funktioniert. Wir sind beinahe draufgegangen bei der Aktion, und wir wissen immer noch nicht, was da genau abgegangen ist.“ Sie verstöpselte den Schlauch und reichte ihn an Heidrun weiter. „Und zum Thema Einsteigen – wann hat denn das jemals bei uns funktioniert? Sieh dich doch mal um. Wir sind keine Leisetreter. Irgendwann knallt‘s immer, und dann ist Messerarbeit angesagt. Das sollten wir vielleicht nicht inmitten des Verwaltungsviertels von Larifa veranstalten.“ Sie lehnte sich zurück. Akbash ergriff das Wort.
„Das Ganze ist vertrackt. Mir hätte echt das Messer ausrutschen sollen, bevor er sich ergeben konnte. Dann hätten wir das Dilemma hier nicht. Wir können also entweder dreckige Mörder werden wie er, oder wir verlassen uns auf korrupte Gerichte. Oder wir lassen uns mal wieder auf ein Geschäft mit dem Teufel ein, nur das er diesmal spitze Ohren hat. Und wenn er nicht im Kampf stirbt? Oder uns einfach in den Rücken fällt, sobald wir ihn freilassen? Was dann?“
„Wir schlagen ihn in seinem Spiel. Erinnert Ihr Euch, was ich gesagt habe, als wir in Port Grim eingelaufen sind? Wir sind jetzt keine kleinen Bauern mehr, die man auf dem Brett hin und her schiebt. Wir müssen jetzt selber unsere Züge planen. Und das heißt, das schmutzigste Geschäft von allen. Politik.“ Ich stand langsam von meiner Kiste auf. „Es heißt Verbündete suchen, seine Verbündeten abwerben, sich beim Adel einschleimen, und so weiter und so fort. Es bedeutet eine Kröte nach der anderen schlucken, immer im Namen des großen Ganzen. Deshalb halte ich Mord für eine echte Alternative – aber ich bin zu feige.“ Ich wandte mich von den anderen ab.
Joachim atmete tief durch, bevor er sprach. „Das ist keine einfach Entscheidung, die wir hier treffen. Auf die eine oder andere Art wird das unser ganzes Leben von hier an verändern. Es wird prägen, wie wir miteinander umgehen, und was wir mit unserer Gesellschaft erreichen wollen. Deshalb muss jeder etwas dazu sagen. Heidrun?“
Die Waldläuferin schwieg lange – hinter Ihrem grimmigen Gesicht verbargen sich tiefgehende Gedankengänge. „Er soll sterben. Aber ich will nicht, das wir – und vor allem Unschuldige – deswegen bestraft werden. Das ist er nicht wert. Aber Politik? Das geht schief. Vor allem, wenn Eberhart uns wieder in sowas rein reitet.“

Ich lehnte mich an einen Balken und hörte noch einige Zeit den wiederkehrenden Argumenten zu. Es tat weh, das Heidrun mir misstraute, aber sie hatte auch nicht ganz unrecht. Ich wühlte in meinem Bündel, bis ich ein Pergament fand, und riss es in kleine Stücke. Dann wandte ich mich wieder an meine Gefährten.

„Heidrun hat recht.“ Die anderen wurden still. „Zu oft habe ich Euch solange belabert, bis Ihr meiner Meinung wart. Das liegt mir leider im Blut. Aber diese Entscheidung ist zu wichtig, um sie mit Rethorik zu erzwingen. Wir machen eine blinde Abstimmung. Jeder geht in sich und hört in sein Herz. Es geht im Grunde nur um eins. Sollen wir den Richter töten oder nicht. Wie oder mit welchen Konsequenzen ist hier erst einmal zweitrangig. Jeder macht ein Zeichen auf diesen Zettel, und der stille Wind wird sie auszählen. Ein Kreuz soll für seinen Tod stehen, ein Kreis für sein Leben.“ Ich schaute in die Runde. Die Heiterkeit war geschwunden – ein jeder war sich der Wichtigkeit dieser Entscheidung bewusst.

Es dauerte knapp 10 Minuten, bis der schlanke Xaan die Zettel eingesammelt hatte. Ruhig ging er sie zweimal durch. Alle Augen lagen auf Ihm. Sein Gesicht zeigte keinerlei Emotion, als er das Urteil über den Richter sprach.
„Ihr habt entschieden. Der eiserne Richter wird leben.“