Die Zeit unserer Abreise gen Xin Shalast rückt näher. Ich kann nicht sagen, wie sich das anfühlt - irgendwie hängt eine Endlichkeit über uns allen. Der drohende, violette Himmel über uns, die Weissagungen, aber vor allem ist es ein Gefühl in meinem Bauch. Alles sagt mir, dass ein Ende bevorsteht. Und dass wir uns überlegen müssen, wie Port Grim, die Gesellschaft, überhaupt alles ohne uns weiter geht.
Hartmuut ist ein fähiger Bursche - er wird in unserer Abwesenheit die Gesellschaft weiterführen und die Helden und Recken in die Ruinen von Maracasar aussenden. Dort draußen ist noch so viel zu finden, und Port Grim braucht diese Helden.
Brodert gehört eigentlich eh schon zu uns - es ist eine Sache von Papierkram, ihn offiziell zum Meister der Aufzeichnungen der Gesellschaft zu machen und ihm unsere Stimme im Rat anzuvertrauen.
James kommt im Schutze der Nacht zu uns und berichtet von den Fortschritten der Tskrang im Dschungel. Sie haben ein neues Lager gefunden, beschützt von ihrem goldenen Wächter. Er ist grimmig erfreut über den Bruch von Port Grim mit der Südmeergesellschaft, aber er versteht, dass er sich jetzt noch rarer machen muss. Der ehemalige Sklavenhafen ist jetzt endgültig imperiales Gebiet, und auch der Botschafter von Neue Sackheim wird sich schwer tun, hier wieder ein diplomatisches Gleis zu finden.
So haben meine Mitgesellschafter mir dann doch durch die Blume zu verstehen gegeben, dass alle unsere Ideen über eine Kooperation mit dem Imperium zu viel des Guten waren. Trotzdem muss ich ein Treffen zwischen den Dreckbarts und dem fetten Mann arrangieren. Es darf keinen offenen Krieg auf den Strassen von Port Grim geben, und eine Allianz der Unterwelt ist vielleicht einer der Wege, dies zu verhindern.
Unser Besuch bei An`nathiel verlief unterkühlt, wie nicht anders zu erwarten. Auch sie verlässt Port Grim, sie wird ersetzt durch einen Paladin ihres Ordens. Mehr Zeichen für den kommenden Sturm - selbst die Göttin des Friedens schickt ihre Streiter an die Front. Außerdem hat sie Joachim mehr oder weniger ins Gesicht gesagt, dass ihr Orden ab jetzt offen gegen ihn arbeiten wird. Sie sieht ihn als Sturmbringer, einen der Erwählten des Laros, die Leid und Prüfung über die Menschheit bringen. Die Lehren des Laros und der Churun könnten hier kaum unterschiedlicher sein, und da ist es schon fast eine Erleichterung, dass sich unsere Wege trennen.
Diese Ganze Gerede mit der Nexuskralle macht mir zu schaffen - nicht nur Joachims Körper ist nicht sein eigener, er ist es vielleicht gar nicht selbst? Sondern eine Art Kopie? Und dieser Körper zerfällt unter ihm. Nomorius, du ahnst ja nicht, welchen Zorn du da erweckt hast. Wir werden dich finden und deine Seele schreiend aus dem Körper Joachims reißen und ich werde sie persönlich durch das Chaostor auf der Drachenkrone werfen, wenn es sein muss. Genug ist genug.
Verhandlungen mit der Marquise
Letztendlich ist es Zeit zum Aufbruch. Die Eskaya Maru, das Luftschiff, das die Marquis mit den zwei anderen großen Familien der Insel gebaut hat, wird uns in den Süden tragen. Ich bin gerührt und mehr als versucht, ihr Angebot anzunehmen, Port Grim als Bürgermeister durch diese harten Zeiten zu führen. Aber ebenso wie Nomorius hat Kharzoug uns zu viel genommen, unser Leben zu sehr bestimmt, als dass ich bei seinem Ende nicht zugegen sein könnte. Und es macht mein Herz leichter, dass Akbash sich dafür ausspricht, mich dabei zu haben. In letzter Zeit kam es mir so vor, als müsste ich sie alle gegen ihren Willen in diese Missionen zerren, aber das zeigt mir, das wir doch eine Gemeinschaft sind. Das Schicksal hat uns zwar diese Rolle aufgezwungen, aber es obliegt uns, dieses Schicksal von Ontara abzuwenden.
Also versuchen wir noch einmal, die Hanse durch Bürokratie und Schattenspiel aufzuhalten, während wir die angebliche Testfahrt der Eskaya Maru nutzen, um einen möglichst großen Vorsprung vor ihnen zu ergattern. Wir tun ihnen einen Gefallen, denn der Hanse scheint immer noch nicht klar zu sein, mit was sie sich dort anlegen.
Die Crew unseres Schiffes ist sehr - exzentrisch, würde ich sagen. Orks, Goblins, Elfen - ein wahres Sammelsurium an nichtmenschlichen Rassen, wie ich es noch nie auf einem Haufen gesehen habe. Und gerade in einer Stadt wie Port Grim, in der Goblins eine wahre Plage sind und T’Skrang als Sklaven gehalten werden, bin ich doch überrascht über eine solche Zusammenstellung. Die Marquise überrascht mich mit ihrer sehr weltoffenen Haltung - offensichtlich sind die Goblins von Maracasar eine Randerscheinung, nicht die Norm. Ich muss mich manchmal selber schelten, wie viel des eingebleuten Fremdenhasses des Imperiums unter Sigmar doch noch in mir nachhallt. Ich sollte es inzwischen besser wissen.Selbst meine alte Heimat ist inzwischen auf dem Wege, sich zu ändern. Die Sackheimbande und der neue Kaiser sind sehr viel toleranter, aber man kann jahrhundertealte Vorurteile nicht in ein paar Jahren ausmerzen.
Ich will zumindest versuchen, nicht jedesmal zusammen zu zucken, wenn eines unserer grünhäutigen Crewmitglieder neben mir auftaucht.
Grauen in der Nacht
In dieser Nacht kommen die Alpträume wieder, und noch schlimmer - sie werden wahr! Brodert stirbt beinahe, als ein verschleierter Attentäter ihn verstümmelt, und nur Joachims wundersame Heilkunst kann ihn am Leben erhalten. Zweifel kommen in mir auf. Wenn An´nathiel und Joachim diesen Ort verlassen hätten, wäre niemand fähig gewesen, unseren Freund zu retten. Aber Akbash und Aurelia erklären mir noch einmal, was ich im Kopf schon weiß. Das bedeutet, das wir auf dem richtigen Wege sind. Unsere Feinde versuchen, uns am Aufbruch zu hindern, und das sind genau die Mittel, die sie dafür nutzen. Sie hätten Brodert töten können, aber indem sie uns zeigen, das nur wir ihn retten können, wollen sie uns an Port Grim binden.
Dennoch fällt die Entscheidung schwer - wir lassen uns von der Crew in die merkwürdigen technomantischen Errungenschaften unseres neuen Gefährtes einweisen - es ist eine wirklich mächtige Kriegsmaschine, die sie erschaffen haben. Nur die Zuladung ist deswegen natürlich begrenzt. Ich frage mich schon, warum es dermaßen viel Kriegsgerät auf einem Schiff braucht, das doch über den Wolken fern jeder Gefahr segeln kann. Außer den Zwergen, die doch unsere Verbündeten sind, sollte doch niemand sonst über fliegendes Gerät verfügen, oder?
Die letzte Nacht vor unserem Aufbruch bringt weitere Schrecken hervor - diesmal ist es das Feenkätzchen, das angegriffen wird, und ich bin es, der Akbash von einem Rachefeldzug abhalten muss. Dennoch setzt er ein Kopfgeld aus auf den maskierten Angreifer. Ich halte das für riskant, wissen wir doch überhaupt nicht, welche Macht hinter diesen Dingen steht - und schon gar nicht, wie man sie aufhalten kann! Aber eigentlich hat er recht - was tut die Gesellschaft denn anderes, denn mutige Abenteurer auf abwegige Missionen zu schicken? Entweder wachsen sie an den Aufgaben, oder sie sind nicht für das Leben in der Gesellschaft geschnitzt.
In den Himmel hinauf!
Kurz nach dem Abheben, ein wirklich monumentales Ereignis, erreicht uns noch auf sehr merkwürdigem Wege eine Nachricht. Ein Vogel, gefaltet aus Papier, verfolgt uns, und lässt sich auch von einem beherzten Schuss Mels nicht aufhalten. Als Aurelia ihn fängt, entfaltet sich das Blatt zu einem Brief. Der Absender, ein mysteriöser “Freund”, lädt uns zum Archipel von Irawaru ein, zur Königin der Ströme. Das Archipel liegt quasi auf dem Weg, aber es ist schon ein merkwürdiger Zufall. Und es wäre nicht die erste Falle, in die wir gelockt werden.
Das Fliegen ist eine ganz und gar erstaunliche Erfahrung - es ist nicht unähnlich der Seefahrt, und schon kurz, nachdem wir abgelegt haben, wirkt die Erde unter uns so fern und unwirklich, als wäre es ein Gemälde. Jegliches Gefühl für Höhe geht verloren, und es ist befreiend, endlich wieder den Wind um die Nase zu spüren! Heraus geht es zu neuen Horizonten.
Aber unsere Feinde verfolgen uns auch hier noch in den Träumen - und nicht nur das, was sie uns dort zeigen, bewahrheitet sich ein ums andere Mal. Tat ich doch erst die Visionen von geflügelten Riesenaffen als wirre Phantasien ab, ließ mich am nächsten Tag der Ruf des Ausgucks “Affen an Steuerbord!” erzittern.
Dabei waren die behaarten Burschen noch das harmloseste Problem. Die Schergen trieben ein Wesen auf uns zu, das mein Weltbild wieder einmal erschütterte. Etwas, das die Besatzung als Himmelsverschlinger bezeichnete, aber im Endeffekt eine walartige Monstrosität von größerem Unfang als unserem eigenen Schiff darstellte! Warum in Ildarins Namen gibt es solche Monster AM HIMMEL! Warum schwebt sowas ÜBER UNSEREN KÖPFEN?




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