Die Schwertwalltheorie

Author: Sventasie /

 

Unter Aufbietung seiner geistigen Stabilität hat Joachim von Schwertwall alles darangesetzt hinter die Verbindungsstränge zwischen dem Runenherrscher Karzoug und seiner Quelle der Macht zu kommen.



Von Schwertwallstheorien stammen unter anderem aus einem Gespräch das Joachim im Nebel mit der alten Vistani Andra Romanova hatte.

von Andra Romanova:
„Ihr habt von ihm gehört, nicht wahr? Dem, den die törrichten Gelehrten eurer Akademien den König in Gelb nennen. Sie geben ihm Namen und Gesichter, weil sie verzweifelt versuchen, zu verstehen, was nicht verstanden werden kann. Mit jedem Wort, mit dem sie ihn benennen und jedem Bild, das sie malen, zieht er ihre Seele nur tiefer in seinen Griff.

Die Alte Romanova beugt sich vor, ihre knochigen Finger zeichneten Kreise in die Luft, die sich wie Schatten bewegen.

„Für uns ist er der Träumer hinter dem Schleier, den Namen- oder der Gesichtslose. Nur der Nebel gewährt uns einen gewissen Schutz, so dass ich dir von ihm erzählen kann. Er ist kein König, kein Mensch, keine Gestalt. Er ist weniger ein Wesen als eine Idee – ein Parasit der Realität, der sich von den Ängsten und dem Wahnsinn jener ernährt, die es wagen, ihn wahrzunehmen.

Sterbliche wie wir können ihn nicht begreifen. Und genau das, ist sein Spiel. Jedes Mal, wenn ihr versucht, ihn zu benennen, ihn zu verstehen, füttert ihre sein Macht über euren Verstand.“
„Seine Gabe manifestiert sich in den finstersten Traumschleiern, seine Küsse schenken den Wahnsinn. Du kannst ihn nicht bekämpfen und kannst nicht mehr gewinnen. Du kannst nur hoffen, ihm zu entkommen ... zumindest für eine Weile, aber früher oder später holt er dich.“

Die Alte schließt ihre Augen und flüstert beinah  zu leise, um es zu hören:
„Er ist überall, wo Träume sterben und Hoffnung verendet. Seid wachsam... denn wenn ihr ihn bemerkt, hat ist er schon längst unter euch.“


Ein anderes Fragment stammt aus einem Folianten, den die Gesellschaft in der Runenschmiede gefunden hat. Aus den „Chroniken des Sternenschattens“ geschrieben von Tharandis Al'Vor, ein dem Wahnsinn verfallen Gelehrten, aus der Zeit des ersten Imperiums.

Es gibt Orte, die nicht von den Göttern geschaffen wurden, Orte die jenseits dieser Welt liegen, Orte die ihr nicht begreifen würdet. Einer dieser Ort der keiner ist wurde aus den Fäden der eines unaussprechlichen Verstandes gewebt, Eine Ebene die jenseits der Traumlande liegt – ein Reich jenseits von Form und Vernunft, ein Spiegel der tiefsten Ängste und des ungezügelten Wahnsinns. 

 Hier gibt es keine festen Strukturen, keine unerschütterlichen Wahrheiten. Alles, was ihr seht, was ihr fühlt, wird von euren eigenen Ängsten und den Schatten eurer Seele gefärbt.

Der Himmel über dieser Ebene ist eine endloses Firmament aus alabasta farbender Furcht, schwarze Feuer brennen am Gürtel des Horrizonts und die zerbrochenen Sterne verglühen in bleichem Licht.  Die Seelenlichter – wenn man sie so nennen kann – bewegen sich in einem gequälten Reigen und folgen dem Rhythmus, eines Liedes das der gesunde Verstand nicht begreifen kann. Nur die Gesichtslosen verstehen die Melodie des Schleiers.
Die Landschaft selbst wandelt sich ständig: Schwarze Ozeane, die zu Wüsten zerfallen, schwebende Ruinen, die sich im Schatten auflösen, und schreiende Klippen, deren Stimmen die Luft zerschneiden.

Dies ist die Heimat des Namenlosen Schattens, den manche nennen als den Gesichtslosen Wanderer kennen, während andere vom dem letzten Symbol flüstern. Doch die Wahrheit ist, dass er keinen Namen trägt, den ein Sterblicher begreifen könnte. Er ist das Flüstern in den Rissen der Welt, der Faden, der die Realität zum Zerreißen bringt.

Anmerk. J.E. von Schwertwall: Erst durch Andra Romanova wurde mir die Bedeutung der Worte des Gelehrten Tharandis Al´Voor eröffnet. Auch er probierte den König in Gelb und dessen Domäne die Ebene der Alpträume zu fassen.

„Die Albträume, die durch diese Ebene wandern, sind keine bloßen Illusionen. Es sind Fragmente von Seelen, zerrissene Gedanken, verzerrte Abbilder der Wirklichkeit, die zu Präsenzen geformt wurden die es Vermögen die bestehende Ordnung zu erschüttern. Sie greifen nach allem, was lebendig ist, um sich selbst zu verwirklichen als seine Boten, Träger von Wahnsinn und Zerfall. Sie säen seine Präsenz in den Verstand derer, die nach dem Wissen über ihn streben.

„Aber am gefährlichsten sind die Traumbrücken, jene Risse, die diese Ebene mit der materiellen Welt verbinden. Sie manifestieren sich in den Albträumen der Sterblichen mit der Macht die Realität zu zerreißen, wo sie als Portale erscheinen – schimmernde Risse, die den Wahnsinn hereinlassen. Das.“ Gelbe Zeichen, ein Symbol, dessen Form allein den Verstand zerbrechen kann, markiert oft solche Brücken. Wer es betrachtet, wer es erkennt, der gibt sich unwissentlich dem Namenlosen Schatten hin.

Anmerk. J.E. von Schwertwall: Es erscheint folgerichtig, das wir genau dieses Phänomen in der Hexennacht über Port Grim beobachten konnten.

„Hüte dich, Sucher. Denn Wissen ist in dieser Ebene ein Gift, und jeder Gedanke an den Namenlosen Schatten ist eine Einladung für ihn, dich zu finden. Und wenn er dich findet…“

In denAbschriften des Bandes - Der Schleier zwischen den Welten: Ein Traktat über die verborgenen Ebenen, welches von der Gesellschafft in der alten Bibliothek unter Jorgensfaust entdeckt und Kapitelweise von Brodert Quink kopiert wurde, findet von Schwertwall eine weitere Quelle seiner Theorie. Das gelesene ergibt aber erst Jahre später Sinn als er selbst bereits den Fuss in die Finstertraum-Gipfel setzt.
Die Finstertraum-Gipfel finden in diesen Schriften als ein unheiliges Tor zu unergründlichen Reichen jenseits der materiellen Ebene Erwähnung  – insbesondere zu einer Domänen die als Namenlosen Schleier bezeichnet wird.
Anmerk. J.E. von Schwertwall: Wieder ein Verweis auf den Träumer hinter dem Schleier, den König in Gelb. Ich nähre mich der finalen Wahrheit und erkenne ein Muster in der Tiefe.

Das Traktat beschreibt den Schleier als Albtraumlande, als einen chaotischen Splitter des Dimensionsgefüges, der wie ein unstetes Echo zwischen den Realitäten schwebt und sich mit der Dimension der Träume überschneidet. Die Halbebene des Namenlosen Schleiers wird als ein Reich endloser Widersprüche skizziert: Paläste aus flüssigem Gold, die wie albtraumhafte Illusionen über bodenlosen Abgründen aus pechschwarzer Dunkelheit schweben, während die Luft von unheilvollem Wispern erfüllt ist, verursacht von namenlosen Schrecken, die den Verstand zersetzen. Zeit und Raum verlieren hier jede Bedeutung, Gedanken und Träume verformen sich zu unvorhersehbaren Albträumen.

Der Chronist, der sich selbst als Priester des Gesichtslosen Gottes bezeichnet, skizziert  den Herrscher des Schleiers, dem er den Namen „Herold des Wahnsinns“ gibt und preist ihn als Lamashtus mächtigsten Avatar. In seinen Worten liegt die Überzeugung, dass das namenslose Zeichen am besten in den Finstertraum-Gipfeln beschworen werden kann – jenen düsteren Höhen, wo das Gewebe der Wirklichkeit dünner ist als altes Pergament. Dort, an der Grenze zwischen Realität und den albtraumhaften Abgründen des Schleiers, droht alles unter dem Druck des Wahnsinns zu zerreißen.

Anmerk. J.E. von Schwertwall: Es mag sein das sich die Ebenen hier überlagern oder es permanente Tore gibt. Folgerichtig lässt sich vermuten, das es die Nähe zu der Alptraumebene ist, die Karzoug erlaubt, die außergewöhnlichen magischen Eigenschaften seiner Umgebung auszunutzen. Es wäre naheliegend wenn Xin-Shalast von fremdartigen, jenseitigen Energien durchdrungen wurde und die über die Jahrhunderte von Karzougs Herrschaft nicht nur den Geist seiner Bewohner zersetze, sondern auch die Fundamente der Wirklichkeit selbst erschütterte.
Die Beschäftigung mit dieser düsteren Thematik brachten von Schwertwall Erinnerungen zurück, die nicht die seinen waren. Scheinbar hatte sich auch Nomorius die Verbindung zwischen Karzoug und der Halbebene des Namenlosen Schleiers offenbart. Es waren vorallem die Gedankenfragmente des goldenen Propheten, die von Schwertwall ein weiteres Detail lieferten:

Der Herold des Wahnsinns verfolgt ein finsteres Ziel: die Realität zu untergraben und in ein grenzenloses Chaos aus Wahnsinn zu stürzen, in dem Lamashtus Herrschaft allumfassend ist. Mit grausamer Liste sät er in den Köpfen der Sterblichen verstörende Visionen – Bilder verbotener Orte, uralter Geheimnisse und unheilvollen Wissens. Viele seiner Opfer verfallen dem Wahnsinn und werden zu irrlichternden Gelehrten, besessenen Philosophen oder waghalsigen Abenteurern. Getrieben von ihrem verzweifelten Streben nach Erleuchtung nähren sie unwissentlich den finsteren Samen, der in ihren Gedanken gepflanzt wurde, und lassen den Wahnsinn unaufhaltsam gedeihen.

Gelehrte mit den Nomorius korrespondierte behaupten gar, dass der sogenannte König in Gelb eine viel tiefere Agenda verfolgt: Sie gingen davon aus, dass Lamashtus mächtigster Avatar, bestrebt ist die Grenzen seiner Bindung an die Göttin der Alpträume, Monster und des Wahnsinns zu sprengen, indem er die Albtraumebenen in eine vollwertige, unabhängige Existenz transformiert — eine Ebene, die er alleine regiert.