Reisetagebuch, 30.5.1427

Author: Nils /

Die Ankunft in Marienburg hat uns im wahrsten Sinne des Wortes den Atem verschlagen. Eine solch gewaltige Stadt hatte noch niemand von uns erblickt – und wir waren aufgebrochen aus den luftigen Höhen Middenheims und hatten wenige Tage zuvor die Reichshauptstadt Altdorf durchquert.

Aber die Stadt der 1000 Inseln und Brücken öffnete uns die Augen ob Ihrer schieren Ausmaße. Die Hoogbrug, die hohe Brücke, war ein Meisterwerk der Baukunst, das sich selbst mit den Aquädukten Middenheims messen konnte. Angeblich waren alleine die Grachten innerhalb Marienburgs länger als der gesamte Weg, den wir von Middenheim bis hierher zurückgelegt hatten.

Am furchteinflössendsten jedoch was ds Gebilde, das den Himmel Marienburgs dominiert. Es ist, und hier bestehe ich darauf, nicht ausgelacht zu werden - eine fliegende Festung. Was für ein Hexenwerk hier am Werke sein muss, mag ich mir nicht einmal vorzustellen. Eine wahrhafte Burg, auf einem gewaltigen Felsen, schwebt in der Luft wie eine Wolke! Kein Wunder, das sich Imperator Heinrich nicht direkt nach dem Bürgerkrieg mit einer solchen Macht anlegen wollte.

Eines war klar – um unsere Anonymität mussten wir uns in diesem Moloch keinerlei Sorgen machen. Es war mir schon unklar, wie die Autoritäten alle legalen Reisenden kontrollieren konnten, so das einige wenige Änderungen unserer Namen auf den Einreisepapieren ausreichen sollten, um uns vor neugierigen Augen zu verbergen.

Wie nicht anders zu erwarten, würde alleine unsere Anmeldung hier, geschweige denn die Organisation unserer Expedition Tage dauern. Wir machten uns also auf, diesen Moloch erst einmal zu erkunden, und überließen die ersten Schritte der Organisation Admiral Delargo und Käpt'n ap Trion.

Alleine das Suiddock, an dem wir vor Anker lagen, stellte schon viele imperiale Städte an Ausmaßen in den Schatten. Die Fortbewegung war am ehesten über kleine Barken zu bewältigen. Sobald man den Fuß an Land setzte, war man mitten in einem wahren Menschenstrom gefangen.

Beim Essen in einem der großen Fresstempel ließen wir ein wenig der neueren Geschichte Revue passieren. Zwar kannten wir keine Details, aber offensichtlich hatte sich Marienburg in einer Art Republik organisiert, wo der alte Adel und der Geldadel zusammen mit den Gilden die Politik bestimmten. Auch die Ordnung der Religion hatte sich zwangsläufig geändert. Sigmar stand hier natürlich nicht an der Spitze des Pantheons, stattdessen wurde Ildarin als Sonnengöttin die Leitung des Götterrates übergeben. Angrosch und Laros standen als Götter der Handels und der Meere in hohem Ansehen, wenn auch Angrosch fast alle zwergischen Züge abgelegt hatte. Auch Churun schien nahezu von der Bildfläche verschwunden zu sein – ein eher merkwürdiger Fakt, der uns aber später noch einholen sollte.

Während dieses Gesprächs rücke Mel schließlich mit einer Neuigkeit heraus. Offensichtlich hatte er Kontakt mit seiner Organisation aufnehmen können. Wir mussten uns tatsächlich in Erinnerung rufen, was denn Mel's Mission war – als Artefaktjäger war er zur Zeit auf der Suche nach einer Schwertsammlung die irgend etwas mit Sternen zu tun hatte. Zuletzt war eines dieser Schwerter auf Schloss Schwertwald aufgetaucht, im Besitz des merkwürdigen „Grafen“, der in den Fluch auf Joachims Haus involviert war.

Offensichtlich befand sich ein weiteres dieser Schwerter hier in Marienburg, und Mel hatte einen Kontakt , der in dorthin führen konnte. Ich muss Mel hier loben, offensichtlich hatte er sich unsere Worte hinsichtlich Vertrauens und Zusammenarbeit zu Herzen genommen, der er schlug schlichtweg vor, das wir uns gemeinsam die Informationen anhören sollten, um dann zu entscheiden, ob wir zusammen arbeiten oder er alleine die Spur verfolgen würde.

Das Angebot war verlockend - wir sollten eine Waffe namens "Seelenfresser" von einem Burschen namens "Drak" besorgen, für nicht weniger als 2000 funkelnde Goldmünzen - auch wenn es nur diese elende gelochte Währung ist, kann man so ein Angebot nicht einfach in den Wind schlagen.


Nach einigen Erkundigungen zum Gildenhaus der weißen Hand, die hier offensichtlich hoch angesehen waren, trafen wir dann auch den Kontaktmann im so genannten „Salthuis“, einem Salzlager auf der Insel Stoessel. Der Kontakt war nicht gerade angetan von Mel's vorgehen – offensichtlich ist diese Organisation tatsächlich so geheimnis verliebt, wie Mel angedeutet hatte. Das ganze hatte einen wahrlich verschwörerisch, ja konspirativen Flair, der uns ein wenig zu denken gab. Es ging um die Beschaffung eines Schwertes von einer lokalen Berühmtheit, einem Seefahrer namens – hab ich vergessen, muss ich mal in meine Unterlagen sehen. Der Mann soll hier im Suiddock eine Unterkunft haben und ist wohl nicht zum Verkauf bereit.

Die Bezahlung klang anständig, und es war eine erwünschte Ablenkung von der bevorstehenden Seereise und dem ständigen Zusammen hocken mit unseren beiden Furien, also erklärten wir uns bereit, den Auftrag gemeinsam durch zu führen.

Das ganze ließ sich in den ersten Schritten hervorragend mit einer Erkundung der Inseln, gastronomisch und merkantil, kombinieren. Während dieser Touren fiel uns recht schnell ein Verfolger auf, ein zwielichtiger Bursche, der uns schon kurz nach dem Anlegen aufgefallen war, weil er Joachim quasi mitten in einem Lokal nach einer Behandlung gefragt hatte.

Wir schnappten uns den Kerl in einer dunklen Gasse und spielten das gute Alte „Inquisitor und Anwalt“ Spiel. Der Junge brach auch schnell zusammen – es schien sich um einen angeheuerten Kleinkriminellen zu handeln, der für irgendwelche großen Fische arbeitete. Wir versuchten also, ihn mit Geld und Drohungen um zudrehen, um vielleicht zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen zu können und so gleich einen Kontakt zur örtlichen Unterwelt aufzubauen. Wir verabredeten uns mit Ihm zu einem Treffen in einem örtlichen Badehaus...

Das war leider eine krasse Fehlentscheidung. Der Bursche war leider keineswegs so unbedarft, wie wir angenommen hatten – oder unsere Menschenkenntnis doch nicht soweit, wir wir dachten. Mit ein paar Freunden setzte er uns im Bad unter Drogen und verschleppte Joachim in ein nahe gelegenes Lagerhaus. Sigmar sei Dank konnten wir die Drogen schnell abschütteln und uns auf seine Spur begeben.

Im Lagerhaus dann fanden wir ein Bild wie aus einer Metzgerei. Sowohl Joachim als auch drei Schergen lagen blutüberströmt auf einem Haufen. Unsere „Entführer“ waren wohl Jünger der Churun – zumindest trugen sie Akolythengewänder. Das ganze machte von vorne bis hinten keinen Sinn.

Gewalttätige Churun-Anhänger? Ein Attentat auf einen einsamen Vertreter der weißen Hand? Und wer hatte dann das Blutbad angerichtet, Joachim aber am Leben gelassen?

Fragen über Fragen, und bei unseren Forschungen nach dem Schwer stehen wir ebenso am Anfang wie zuvor. Ach wären wir doch einfach an Bord geblieben...