Eberharts Reisetagebuch, 4.12.2010

Author: Nils /

Endlich Aufbruch! Nach 3 Wochen in Marienburg haben wir zwar noch lange nicht genug von der Stadt, aber das Geld geht zu Ende und wir sind noch immer auf einer Schatzsuche! Die Wunder dieser Stadt lassen sich mit einem mit Gold vollgeladenen Schiff gewiss besser genießen!


Das Ablegen ist nur noch 3 Stunden entfernt, als mich überraschend noch eine Nachricht der Brandströms erreicht! Sollte es sich Noah doch noch anders überlegt haben und doch noch in unsere Expedition investieren? Leider ist uns soviel Glück nicht vergönnt....


Anscheinend ist unser genialer Coup gegen die Reikland Protektor aufgeflogen? Die Brandströms haben einen Brief, der uns des Verbrechens anklagt! Woher? Wer hat geredet? Sind uns die Imperialen Spione weiter auf den Fersen? Planen die Masken Rache?


Aufgrund dessen muss ich nicht nur Brandströms Empfehlung, sondern auch noch Stockhuis Investition zurück zahlen. Katastrophe! Eine solches Loch kann unsere Reisekasse nicht brauchen! Zum Glück ist Luther Brandström (Noahs Vater) ein Händler nach meinem Herzen. Er will nicht nur seine Investitionen sichern, er sieht hier auch noch gleich eine Chance. Anscheinend ist die Reikwasser-Handelsgesellschaft nicht überall gerne gesehen, und eine Rufschädigung dieses Grades nutzt dem Brandström-Imperium. Ich nutze die Chance und verkaufe dann gleich noch den Rest unserer Rufs, indem ich die Kaperung der Gouden Prinz auf die Liste unserer Missetaten setze.


Wenn wir denn berüchtigt werden, dann richtig!


Danach nötigt mich Brandström zu einem Gespräch mit einem Phex-Geweihten. Die Handelsregeln des Schurkengottes hatte ich mir nie so ausführlich betrachtet – in Nuln wurde eher Angrosch verehrt, und auch das nur am Rande. Nun, auf dem Weg in Laros Reich kann mir jeder Schutz nur Recht sein, und vielleicht kann Kjull ja die Winterstürme seines Bruders zurück halten.


Mit weiter erleichterten Taschen machen wir uns also auf unsere erste große Seefahrt. Akbash und Aurelia wirken irgendwie abgelenkt, fast abwesend während der Fahrt? Ob da was geht? Ansonsten gewöhnen wir uns all an die Seefahrerei mit unserer Crew, einige merkwürdige Burschen haben wir da auf gegabelt. Ich bin des öfteren auf Nachtwache am Steuer, und die Tage verbringe ich im Gespräch mit der Fürstin und den Matrosen über die Sitten der Südmeerinseln.


Fast drei Wochen sind wir auf See, die Wellentänzer ist ein feines Schiff und bringt uns sicher voran. Trotzdem sind wir froh, Port Grim am Horizont zu entdecken.


Bevor wir anlegen, überlegen wir uns noch, wie wir am geschicktesten vorgehen. Der Geist von Schwarzsäbel Dan erinnert Mel daran, das er und NUR ER seine Hand tragen darf, mit der er uns zum Verräterischen Blutmesser führen wird. Tatsächlich deutet die Klaue immer in eine bestimmte Richtung... Wir beschließen also, das schöne Port Grim zu besuchen und während des Stadtbummels immer mal wieder einen Blick in den Beutel mit der Hand zu werfen, um den Standort möglichst genau zu bestimmen.


Port Grim ist zwar winzig im Gegensatz zu Marienburg, beherbergt auf seinen wenigen Quadratmeilen aber viele Überraschungen. Als erstes eine Bierbrauerei, dann ein Kaffeehaus, eine Glasmanufaktur, ein Waisenhaus samt Akademie, ein Theater und zuletzt eine wahrhafte Schatztruhe – ein Süßigkeitengeschäft! Ich bin hin und weg – noch nie habe ich solchen Überfluss an Süsskram gesehen! Die Bäckerin verrät mir Ihr Geheimnis – ein braunes Pülverchen mit dem verheißungsvollen Namen ZUCKER!!! Ich wittere hier unfassbare Gewinnchancen.

Aber auch in Port Grim ist nicht alles zuckersüß. Selbst unsere minimale Ladung in Form von zwergischen Axtköpfen kann ich nicht gewinnbringend an den Mann bringen. Ähnlich wie Reikwasser im Imperium legt sich hier die Schlinge der Südmeer-Handelsgesellschaft um die Hände ehrlicher Händler. Die örtliche Gilde ist geschlossen und vergibt bis auf weiteres keinerlei Handelslizenzen, und nur die Marquesa selbst vergibt Handelslizenzen im Namen der Südmeer-Schurken.


Leider sind wir durch das abspringen Stockhuis' knapp bei Kasse – wenn wir unsere Crew bei Laune halten wollen, müssen wir die Ware losschlagen.


Unserem Hauptziel, der Karte im Blutmesser, scheinen wir allerdings heiß auf der Spur zu sein. Mel ermittelt während einer Hafenrundfahrt recht sicher, das das Messer sich in einer Villa auf der Südseite der Bucht befindet. Durch Nachforschungen in Theater und anderen „Etablissements“ erfahren wir, das es sich wohl um den Hafenmeister handelt, einen neureichen Burschen namens Kielwasser.


Es geht ans Pläne schmieden. In nur zwei Tagen wird es eine große Feier zur Neueröffnung des örtlichen Tempels geben. Es gibt ein paar komische Geschichten über das Abbrennen des letzten Tunnels vor 5 Jahren. In diesem Jahr sind wohl ein Haufen merkwürdiger Dinge passiert – der örtliche Akademiemeister, ein Bursche namens Mervin der Klügere ist wahnsinnig geworden. Diverse Adlige starben teilweise auf mysteriöse Weise, und der Hohepriester des Laros verbrannte in seinem eigenen Tempel.


Auf dieser Feier wird alles sein, was in Port Grim Rang und Namen hat. Eine ideale Möglichkeit sowohl einen guten Eindruck auf die Marquesa zu machen, als auch in Kontakt mit Kielwasser selbst zu treten. Oder aber der ideale Zeitpunkt, seiner Villa einen kleinen Besuch abzustatten...


Aufgrund unserer Erfahrungen mit Geheimgesellschaften und Co suchen wir allerdings etwas Rückendeckung. Wir nehmen in einer abgeranzten Kneipe Kontakt zum „Fatman“ auf. Der vermittelt uns sowohl Käufer, die nicht viel auf Lizenzen geben, als auch zur örtlichen Unterwelt, damit wir bei einem eventuellen „Hausbesuch“ niemand auf die Füße treten.


Wir kommen überein, das ein Teilnehmen an den Festlichkeiten ein Muss ist. Und wenn man mit dem Adel die Schultern reiben will, sollte man selbst Adel dabei haben. Unsere Fürstin ist schnell begeistert – was natürlich wieder teuer wird. Garderobe für eine solche Festivität wird ein tieferes Loch in unsere Kasse reißen als ein Piratenüberfall. Mel und Heidrun planen währenddessen alles vom Einbruch über den Diebstahl bis hin zum Überfall. Langsam verstehe ich, was der Phexgeweihte mit „unserem Lebenswandel“ meinte...


Wir tauschen uns mit Sandro über das merkwürdige Verhalten des Schwarzsäbel-Geistes und seiner Verbindung zu Dan. Irgendwie beruhigt mich nichts von seinen Ausführungen. Erst recht nicht, als wir Ihn mit unseren Nachforschungen zum Mailstrom-Archipel konfrontieren. Beim Gespräch mit einem merkwürdigen gnomischen Bibliothekar sind wir nämlich auf den religiösen Ursprung dieses Wortes gestoßen. Es handelt sich um eine Art Vorhölle , in der die von Laros verdammten Seelen darauf warten, durch den Malstrom in die Tiefe gerissen zu werden, um dort als schreckliche Seeungeheuer wiedergeboren zu werden. Wir folgen also den verdammten Geistern blutrünstiger Piraten in die Hölle, um Ihnen Ihren Schatz zu entreißen.


Um das Thema zu wechseln versucht Sandro dann noch den Schoß-Hexenjäger der Fürstin zu diskreditieren, aber das habe ich von einem Nekromanten, Entschuldigung „Spiritisten“, nicht anders erwartet.


Der große Abend steht bevor. Schwarzsäbels Klaue bestätigt unsere Befürchtungen – Hafenmeister Kielwasser wird das Blutmesser zur Gala tragen, was unsere Möglichkeiten sehr einschränkt. Wir improvisieren mehrere mögliche Pläne – zum einen könnte Aurelia Ihr flinken Finger nutzen, Kielwasser in einem unaufmerksamen Moment von seinem Erbstück zu befreien. Bei Aurelias augenblicklicher Abwesenheit ein sehr riskantes Unterfangen.


Zum anderen könnten Joachim mittels einiger Pülverchen ein Unwohlsein hervorrufen, bei dessen Behandlung das gute Stück verloren gehen könnte. Hierzu müssten wir allerdings die elfische Churunpriesterin beschäftigen. Normalerweise wäre das Akbash Rolle, sie einzuwickeln, aber auch er ist nicht wirklich bei der Sache. Ich überlege kurz, ihn schlicht von einem Stuhl zu schubsen, damit sich die Priesterin um ihn kümmern MUSS! Für einen Fechtmeister ist er nämlich ganz schön wehleidig, und grade Höhen haben es ihm angetan.


Beim Thema Verführung fällt uns dann auf, das unsere Fürstin in den sündhaft teuren Kleidern tatsächlich recht ansehnlich ist (wenn man den knochigen Typ Frau mag). Wir überlegen kurz, ob eine solche Verführung etwas ist, mit dem wir unsere Fürstin beauftragen können – als wir Kielwasser mit seiner kompletten Familie im selbigen anrauschen sehen. Irgendwie war uns nicht wirklich in den Sinn gekommen, das der Hafenmeister Frau und Kinder haben könnte.


Tatsächlich bringt uns die Fürstin selbst auf die Idee, sich schlichtweg auf die Residenz der Kielwassers einladen zu lassen. Zwar nicht schlecht, aber die Chance, das sich das Blutmesser dann wieder in einer sicheren Schatzkammer befindet, ist ebenfalls hoch.


Wir beschließen, einfach erst mal den Kontakt aufzunehmen. Einen persönlichen Eindruck von seinem Opfer, äh, Geschäftspartner zu bekommen, ist immer wichtig.


Wir machen uns also gerade bereit, als plötzlich die Hölle losbricht. Begleitet von einem gar infernalischen Kreischen und Schnattern brechen plötzlich unzählige Goblins aus Verstecken hervor und beginnen, wahllos Feiernde anzugreifen. In Sekundenbruchteilen herrscht völlige Panik. Die wenigen Waffen und Bewaffneten Gäste haben keine Chance, und in diesem ersten Scharmützel sterben mindestens ebenso viele Gäste unter den Absätzen Ihrer Nachbarn wie unter den Klingen der Goblins.


Akbash, Mel und ich halten die Front, so gut es geht, während Joachim, Heidrun und Aurelia sich zu den Kielwassers durchschlagen. Das letzte, was jetzt passieren darf ist das das Blutmesser elenden Goblinplünderern in die Hände fällt.


Ich verliere jeglichen Überblick. Ich werde von Akbash und Mel getrennt, zu Boden gerissen, getreten, kann mich wieder aufrappeln. Überall Schreie, Blut, das schrille Kampflied der Goblins über allem. Ich stehe kurz vor der Panik, als sich endlich die Sicht etwas aufklart. Die große Masse der Menschen sind vom Festplatz verschwunden, ebenso wie die meisten Goblins. Trotzdem muss ich immer wieder Grünhäute abwehren, und meine Festkleidung hängt mir blutig vom Körper. Einzig Heidrun schreitet wie eine Rachegöttin über das Feld. Wo Ihr Schwert fällt, hält es blutige Ernte. Köpfe, Arme, Innereien von Goblins fliegen Girlanden gleich um sie herum. Schon bald halten sich die Grünen fern von Ihr, bald fliehen sie panisch, sobald sie auch nur in Ihre Nähre kommt. Doch auch sie kam zu spät, um die Kielwassers zu retten – Vater und beide Kinder sind tot, die Frau steht unter Schock. Auch Aurelia und Joachim sind kaum ansprechbar, Er stammelt nur immer wieder - „Ich war es nicht - Schwarzsäbel – so kalt – ich war es nicht- Schwarzsäbel“. Aber uns bleibt keine Zeit .Aurelia zeigt uns nur unauffällig das Blutmesser, das sie in Ihrem Kleid verborgen hat. Dann schlagen wir uns den Weg zum Tempel frei.


Keines der kleinen Monster hat es durch die Pforten geschafft, der Hohepriester des Laros selbst steht im Tor und schleudert Blitze und Wasserstrahlen aus seinem Dreizack. Wir bringen alle Verletzen in Reichweite in die Sicherheit des Tempels, dann ziehen wir mit dem Segen des Hohepriesters in die Stadt, um nach weiteren Plünderern zu suchen und falls nötig den Widerstand zu organisieren.


Das ganze ist wie ein Alptraum – gerade gestern noch sind wir durch das muntere kleine Städtchen gewandert, haben gelacht, gescherzt und Kuchen gegessen. Jetzt sind die Straßen leer, wenn wir Glück haben, und mit Goblins gefüllt, wenn nicht. Oder dem, was sie übrig gelassen haben. Von überall hört man Schreie, und immer wieder das furchtbare Lied.


Ich hatte Geschichten über Goblins gehört, sogar welche auf dem Karneval und beim Snotball gesehen. In all den Geschichten wirkten sie immer so – lächerlich. Sie waren so klein, und sie haben diese riesigen Köpfe. Aber wenn sie vor Dir stehen, ein rostiges Messer oder eine rauchende Bombe in der Hand, und diese irre Glitzern in den Augen – dann sind sie gar nicht mehr lächerlich.


Erst recht nicht, wenn sie auf irgendwelchen Mischwesen aus Kampfhund und Ratte reiten. Ich sage Euch, ich bin heil froh, das wir alle zusammen waren. Mit Heidruns gnadenlosen Schwerthieben, Joachims Zauberkünsten und Akbash Degen schafften wir es, die Plagegeister vor uns herzutreiben und ein paar Leute vor Ihnen zu retten – aber wir zahlten einen hohen Blutzoll. Joachim ließ es sich nicht nehmen, selbst einige der Biester mit seinem Magierstab niederzustrecken, und erst als ihm eins Biester den Oberschenkel bis auf den Knochen aufschlitzte, ließ er sich zurückfallen.Er brabbelte auch immer wieder merkwürdiges Zeug, wonach er in seiner Jugend schon Dutzende Goblins mit bloßen Händen erwürgt hätte und ähnliches.


Wir schlugen uns durch bis zum Hafen und sicherten das Waisenhaus dort. Auf der Wellenreiter scheint alles in Ordnung zu sein, Fürstin Del'mar und Sandro hatten es vor den Goblins wieder an Bord geschafft.


Die Frage ist – was tun wir jetzt?

1 Kommentare:

Joachim hat gesagt…

War der Plan nicht das Akbash auf einen Stuhl steigt damit sich die Heilerin um ihn kümmern müsste?