Eberharts Tagebuch, 17 Tag des 4 Monats im Jahr 1428

Author: Nils /

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In die Finsternis

Wir erinnern uns, bei meinem letzten Eintrag stand ich kurz davor, den finsteren Teich im Altar einer dunklen Gottheit mit Öl zu übergiessen und Ildarin zu bitten, diesen zu reinigen. Ich bleibe unbesehens des Resultats dabei, das diese Idee gut war.
Auch nach langen Gesprächen mit Joachim, Akbash und Heidrun sind wir uns unsicher, ob wir nach der Explosion eine Vision hatten oder wirklich in eine andere Welt versetzt wurden. Auf jeden Fall hatten wir gemeinsam den Eindruck, auf einer unheimlichen, düsteren Ebene zu liegen, unter einem Himmel bedeckt von merkwürdigen, drohenden Formen, Kugel und Nebel, die gleichzeitig bedrohlich nah und unendlich fern wirkten.
Aber all das war nicht annähernd so erschreckend wie die gewaltige, unnatürliche Gestalt, deren leere Augenhöhlen auf uns herabstarrten. Eine Schadelfrätze, wie die eines Tieres, saß auf missgestalteten Schultern, aus denen schwarze Flügel hervorsprossen.Fette Maden, jede so lang wie ein menschlicher arm, quollen aus dem Fleisch der Schreckensgestalt. Und obwohl sie gewiss hundert Schritt von uns entfernt war, hätte nur einer Ihrer schritte ausgereicht, um uns zu erreichen und zu zerquetschen wie Ungeziefer.
Als wir uns zur Flucht wandten vor dieser finsteren Gottheit, ließ Sie einen Schrei ertönen, den keiner von uns jemals wieder vergessen wird – als ich aufwachte, waren Hedrun und Joachim schon in heilloser Flucht, und nur das rechtzeitige Auftauchen von Mel und Aurelia, die uns vermisst hatten, konnte schlimmeres verhindern.
Die Kathedrale der Mutter
Trotz dieses grauenhaften Erlebnisses entschieden wir uns, zumindest noch das riesige Tor zu untersuchen. Joachim warf ein, das jetzt doch wohl endlich die Zeit gekommen sei, Hakan vom Berg einzuweihen. Aber zu gleichen Teilen Hubris und Sorge um die Unschuldige trieben uns voran. Immerhin hatten wir noch immer keinen Hinweis auf den Verbleib der verschwundenen Wirtin, und dieser düstere Tempel ließ nichts Gutes erahnen.
Hinter dem Portal offenbarte sich uns eine unheimliche Kathedrale, die Wände bedeckt von fremdartigen Runendominiert von zwei Teichen, einer bläulich leuchtend, der andere auf einer erhobenen Bühne in kränklichem Orange. Der nähere Teich war umringt von Stacheln, auf denen Schädel aufgepflanzt waren.
Wir zögerten zunächst, diesen Raum zu betreten. Mel nutzte die Gelegenheit, um die Glefe der merkwürdigen Statue am Eingang einzusammeln. Solch praktisches Denken schätze ich, vor allem, wenn andere das Risiko tragen.
Nur zögernd machten wir erste Schritte hinein, und Joachim dachte sogar daran, die Türen mittels eines Seils an den Altar zu binden, um sie zu blockieren. Uns allen war entfallen, das die düsteren Wasser des Altars einen üblen Einfluss ausübten, und Joachim war zu geschwächt, um der Verlockung zu widerstehen. Er trank aus vollen Zügen von der schwarzen Brühe, bevor Heidrun ihn zurück reißen konnte.
Währenddessen hatten sich Mel und ich aufgemacht, ein paar Gegenstände zu untersuchen, die bei den Teichen lagen. Es stellte sich heraus, das ein Magierstecken und eine Umhängetasche, beide gezeichnet von Krallenspuren, hier zurück gelassen wurden. Ein kleines Tagebuch darin deutete auf einen Magier namens Mervin – vielleicht derselbe, der zur Zeit im Sanatorium von Haven weilte? Oder, wie Akbash es formulierte, angeblich dort weilte – vielleicht nur eine Ausrede, um sein Verschwinden zu erklären?
Als wir uns dem höher gelegenen Teich näherten, erschien wie aus dem Nichts eine kleine, ledrige Gestalt darüber, gehörnt wie eine Ziege und beflügelt wie eine Fledermaus.
„Wer entweiht den Tempel der Mutter!“ kreischte sie uns entgegen. „Geht oder spürt Ihren Zorn!“

Nach einer kurzen Schrecksekunde zogen wir unsere Waffen und machten uns auf, den größenbenachteiligten Dämon zurück in die Hölle zu schicken. Daraufhin beginnt der Kleine, seine Arme aufzuschneiden, und aus seinem Blut entstehen in dem Teich neue, große Widerlinge!
Ein furioser Kampf entbrennt. Akbash erhält früh eine fiese Beinwunde, die Ihn zu Boden schickt. Mel und Heidrun beharken den Dämon mit Bolzen und Pfeilern, während Joachim ihn in eine glimmende Sphäre hüllt, die Ihn verwirren soll. Leider wirkt diese Ablenkung nur auf uns… Immerhin verhindert sie, das das Monster sich unsichtbar machen kann.
Die Bisse der Bestien haben eine halluzinierende Wirkung, und mehrere Male verliere ich völlig die Kontrolle, nur um mit blutigen Monsterstücken im Gesicht wieder zu mir zukommen. Die flatternde Bestie beharkt uns von der Decke aus mit einem verzauberten Wurfdolch – Joachim riskiert seine Finger, um dieses Ding aus dem Spiel zu nehmen.
Mels scharfes Auge lässt immer wieder Bolzen um Haaresbreite an meiner Nase vorbei schießen, um das Scheusal zu picksen, aber er zeigt eine unfassbare Zähigkeit. Schließlich schafft Aurelia es, das Biest zu packen, als er versucht, Joachim zu erwürgen. Ich stürze mich wieder mal unkontrolliert auf das Wesen, das einfach nicht sterben will. Erst ein gezielter Stoß von Akbash verzaubertem Rapier bringt das Biest zum Schweigen.
Als wir wieder einiger maßen ruhig durchatmen können, und unser aller Wunden mehr oder weniger behandelt sind, setzen bei Joachim die ersten Krankheitssymptome ein. Er erbricht immer wieder schwarzes Wasser und klagt über Übelkeit.
Inzwischen trägt Heidrun Ihrem Arm in einer Schlinge, Akbash kann nur mit Hilfe einer Krücke laufen und ich bin am ganzen Körper mit Biss und Kratzwunden bedeckt. Joachim sieht aus wie der wandelnde Tod, einzig Mel und Aurelia sind noch recht fit. Wir schaffen es irgendwie zurück in die Keller der Glasmanufaktur.
Fragt mich nicht, wen dann das Gewissen packte und uns aufforderte, die Manufaktur auch noch zu untersuchen, um die arme Frau zu finden. Ich schiebe es auf den Einfluss der giftigen Dämpfe in diesem Tempel, das wir uns darauf auch noch ein ließen – und prompt hinter der nächsten Tür auf einen der Drahtzieher des Goblinüberfalls zu treffen! Ohne sich auf Verhandlungen einzulassen stürzte sich der Irre mit zwei Säbeln einem Derwisch gleich auf die arme Aurelia und trieb sie aus dem Raum. Offensichtlich nicht bereit, sich auf eine Konfrontation mit uns allen einzulassen, verkroch er sich dann, löste einen Alarm aus und beschuldigte UNS, mit Goblins im Bunde zu sein!
Solch Unverschämtheit gehört ausgeräuchert. Im selben Moment, in dem wir mittels Lampenöl seinen Schreibtisch in Brand setzten, um Ihn herauszulocken, fielen uns eine Handvoll Goblins an! Im engen Gang kam es zu blutigem Gehaue, und Gesteche, und als wir das Ungeziefer schließlich erschlagen hatten, quoll schon beißender Rauch aus der Tür. Deutlich dichter und beißender, als Rauch von einem normalen Feuer sein sollte…
Mel verlor die Geduld und tastete sich in den verrauchten Raum vor, während wir uns zurück zogen. Auch nach Schmerzensschreien und Kampfgeräuschen wagten wir es nicht, in den Rauch vorzudringen und versuchten stattdessen, Mel zum Rückzug zu überzeugen. In Rauch und Tumult schaffte es der Kerl tatsächlich, zu entwischen. Ich bin alles in allem nicht unglücklich darüber, denn ich weiß nicht, ob wir alle einen Kampf mit diesem unnatürlich schnellen und gewandten Monster in Menschengestalt überstanden hätten.
Tatsächlich fanden wir in seinem Zimmer Beweise über eine Verschwörung zwischen den Goblins, finsteren Anhängern der Lamashtu und einem Quasit (der Dämon aus dem Keller?)
Wie schon befürchtet war der erste Angriff der Distelkopf-Goblins nur der Anfang, eine Ablenkung, um mit dem Körper des ehemaligen Hohepriesters ein finsteres Ritual der Mutter zu beginnen. Alles, was noch zu einem vereinten Angriff der Goblins fehlt, ist die Zustimmung von Brutazhmus, einem der berüchtigten Goblin“helden“. Zu unserer Erleichterung finden wir aber die Wirtin, zwar geschunden und schwer verletzt, aber lebendig. Joachims Symptome werden schlimmer, und wir schleppen uns alle Richtung Tempel, als der Heiler plötzlich wirres Zeug spricht. Er wolle nicht in den Tempel, die Priesterin möge doch bitte zu Ihm kommen. Er werde sich ein wenig hinlegen, das wäre schon in Ordnung. Inzwischen SCHWITZT er sogar schwarze, übelriechende Flüssigkeit.
Wir beschließen, ihn zu seinem Besten in den Tempel zu bringen. Wer weiß, welch finsterer Einfluss ihn so reden ließ? Kaum, dass wir Ihn gepackt hatten, zeigte dann tatsächlich das Böse sein Gesicht, das im armen Joachim wohnte. Seine Pupillen schwärzten sich, und eine Aura des Bösen umgab Ihn, so das Aurelia und ich zurückwichen. Einzig der tapfere Mel hielt Ihn weiter, nur um kurz darauf zurückzuweichen und sich das Gesicht zu halten, in dem sich eine klaffende Wunde auftat.
Als wäre das alles nicht genug, tauchte der mordende Geist des Schwarzsäbel Dan plötzlich wieder auf! Besessener und Geist standen sich gegenüber, während wir nur entsetzt zuschauen konnten.
Mit zitternden Händen lud ich eine der geweihten Kugeln in meine Pistole. Schweren Herzens zielte ich auf Joachims linkes Knie, und mit einem geflüsterten „Verzeih mir“, verkrüppelte ich meinen Freund… Nur um mit anzusehen, wie Schwarzsäbel sein Herz durchbohrte!

Nicht nur das, er bedrohte auch noch Aurelia, als sie ihn retten wollte. Hiermit schwöre ich, dass diese kindermordende Bestie in der Hölle schmoren wird. Sigmar und Kjull seien meine Zeugen, er wird brennen.
Trotz allem brachten wir Ihn und alle anderen verwundeten in die Kathedrale des Laros, wo wir dem Hohepriester schließlich die ganze Wahrheit offenbarten. Unsere größte Sorge war, dass der Dämon Joachims Seele mit in den Abgrund ziehen könnte. Der Hohepriester, beeindruckt von unserer Ehrlichkeit und unseren Taten, erschreckt von den beweisen eines heimlichen Tempels der Mutter unter seinen Füssen, versprach uns, Laros selbst um Hilfe zu beten.
Es bleibt zu sehen, ob der Herr der Stürme Joachim aus der Finsternis retten kann – oder ihm zumindest den Zutritt in seine Hallen gewährt, nachdem er bei der Verteidigung seiner Jünger gestorben ist.