Die Rannikfeste

Author: Nils /

Auch, wenn es unfassbar scheint, irgendwann fand ich mich mit meiner neuen Situation zurecht. Ich war nie schlank, aber jetzt war ich eine wandelndes Fettgebirge. Deprimierend, erschütternd und widerwärtig. Nun, das passte leider zum bisherigen und auch folgenden Ablauf der Ereignisse.
Wie sagte schon der Hobbinger Motivationsexperte Friedhelme Nitsche - „Wenn Du zu lange in den Topf hinein starrst, wirst Du zum Eintopf“ Oder war es „Isst du den Eintopf“ ? Irgendwie sowas halt.

Aber kommen wir zum wichtigen Verlauf der Ereignisse. Die drei Schwarzen Pfeile, die wir aus den Händen der Halboger befreien konnten, waren Jakaros Einauge, der Stiefvater unserer Verbündeteten Waldläuferin Kildarion und ein Sergeant der Schwarzen Pfeile. Vale Doppelaxt, ein schweigsamer Hüne mit fragwürdigem Hintergrund und Kaven Windstreich, ein schmieriger kleiner Schönling, der wahrscheinlich wegen irgendeiner Betrügerei bei den Pfeilen gelandet war.

Wir besprachen unsere Optionen mit den dreien und kamen zu dem Schluss, das wir die Rannikfeste erforschen mussten. Und mehr als das – sollte sie gefallen sein, müssten wir sie sogar zurückerobern. Denn ansonsten stünde nichts zwischen den zivilisierten Landen Larifas und den gierigen Menschenfressern des Hakenbergs. Zwar würde es noch eine weile dauern, bis die Oger die grenzen von Larifa selbst erreichen würden, aber zumindest Schildkrötenfähre wäre dem Untergang geweiht. Und hätten sich die Oger erstmal in den Dschungel diesseits des Passes festgesetzt, würde es nahezu unmöglich sein, sie wieder zurück zu treiben. Ein gräßliche Vorstellung. Zumal uns Jakaros versicherte, das die Halboger, die wir hier trafen, nur ein lächerlicher Vorgeschmack auf das Grauen eines wahren Ogerstammes waren. Wäre mir nicht schon übel gewesen, das hätte mir den Appetit verschlagen.

Auch wenn eile geboten war, beschlossen wir, den Rest von Gut Grauel zu untersuchen. Möglicherweise gab es noch andere Überlebende, die in Speisekammer dahin darben, oder Hinweise auf die Verstrickung zwischen Xaneshas Schwester und den Monstern.

Zu unserem Unglück fanden wir aber nur mehr und mehr Beweise für die grenzenlose Grausamkeit und Abnormität der Grauels. Möbelstücke aus Körperteilen, gräßliche Überreste von Menschen, Elfen und Zwergen, und die Perversionen machten nicht einmal vor Ihrer eigenen Familie halt. Eines der Bilder, die mich in die Ewigkeit verfolgen wird, sind die Stapel verwesender Halbogerkinder. Mama Grauel wollte nur Söhne... Hier wurde es auch Joachim zuviel, und statt den Keller zu betreten, konnte er nur eine magisch kontrollierte Ratte entsenden. Meine Masse wollte niemand auf einer engen Treppe sehen, so deckten wir den Rückzug
Aurelia, Akbash und Heidrun mußten noch einem letzten, tentakelbewehrten Halbogermutanten entgegentreten, der in der Sickergrube des Hauses sein halbaquatisches Dasein fristete. Sie konnten den selbstgetauften Kroger (Halb Krake, halb Oger) aber zum Glück von seiner traurigen Existenz erlösen.

Auf dem Dachboden fiel Akbash dann einer perfiden Falle zum Opfer. In einer Kiste, die mit einer widerlichen Substanz verklebt war, befand sich ein Beutesack. Als er ihn anhob, durchtrennte eine hervorschnellende Klinge beinahe seinen Arm. Was aber bedeutend schlimmer war, war das nekrotische Gift, mit dem die Klinge bestrichen war. Wenn wir mit Joachim nicht einen unvergleichlichen Heiler bei uns hätten, Akbash hätte mindestens seine Hand eingebüßt, wenn nicht sein Leben. Auch so wurde das Auffinden der Heilkräuter und das Erstellen des Gegenmittels ein Wettlauf gegen die Zeit, aber Churun war mit uns und Akbash Hand konnte gerettet werden.
Er selbst sah das ganze nur als konsequente Fortsetzung der allgemeinen Schicksalsverschwörung gegen ihn persönlich. Bei den Dingen, die ihm so zustießen, fing ich langsam an, ebenfalls daran zu glauben. Wollen wir hoffne, das das nicht ansteckend ist.

Abgesehen von der Ausrüstung unserer neuen Verbündeten fanden wir keinerlei Überlebende oder nützliche Hinweise. So übergaben wir endlich den Rest des Anwesen den reinigenden Flammen, auch wenn das in dem andauernden Regen kein leichtes Unterfangen war. Aber hier waren wir uns einig – diese grausigen Beweise über den Verbleib eventueller Angehöriger würde niemand mehr sehen wollen. Wir selbst waren viel zu traumatisiert, als das wir uns darüber nohc weitere Gedanken hätten machen können.

Bevor wir in Richtung Rannikfeste zogen, klärten wir unsere neuen Verbündeten über unseren Verdacht bezüglich des Paradieses und seiner Herrin auf. Denn auch Jakaros war irritiert über das präzise Vorgehen der Oger, das es in seiner jahrzehntelangen Erfahrung nie gegeben hatte. Das es jetzt tatsächlich eine geplante Entführung Ihres Oberhauptes und dann einen koordinierten Angriff auf die Feste gab, war eine nie dagewesene taktische Leistung.

Der genaue Plan der Schwester Xaneshas war uns auch nicht klar, aber als Jakaros uns das Vorgehen der Oger als normalerweise „komplett vom Bauch gesteuert“ beschrieb, ergab sich schon eine interessante Verbindung. Bs jetzt waren alle kultischen Handlungen, denen wir begegnet waren, durch ein Motiv vereint – Gier. Sei es materielle Gier, Fleischeslust oder pure Profitgier, all diese Emotionen schienen nützlich für die merkwürdige Religion, der die Nagas anhingen. Und ein Volk, das komplett von Fressgier geleitet wurde, passte da sehr gut ins Bild.

Zu diesem Zeitpunkt kam uns endlich der Gedanke, unsere neuen Verbündeten zu Ihrer eigenen Geschichte mit dem „Paradies“ zu befragen. Zumindest Windstreich gestand, das Freudenschiff zumindest besucht zu haben, war aber an der Initiation zum Inneren Zirkel gescheitert.
Schande über mich, das ich diesen glattzüngigen Erklärungen Glauben schenkte. Tatsächlihc kam uns kurz der Gedanke, die drei auf Tätowierungen zu untersuchen, aber wir ließen uns von einem reuigen Gesicht und einer Hlbwahrheit hinters Licht führen. Ich muss mich immer wieder an Kjulls Lehren erinnern - „Je wahrscheinlicher eine Geschichte sich anhört, desto besser ist der Lügner“
Aber rückblickend sind solche Dinge immer offensichtlich. Wir sollten uns mehr mit unseren Begleiter nauseinander setzen. Sogar der Konflikt zwischen dem Stiefvater Kildarions und seiner Tocher, ja das genau Verhältnis der beiden zueinander, sind uns unklar. So etwas darf man nicht übersehen! Nur wer die Motive seiner Verbündetetn kennt, kann sie ausn... - beraten.

Der Weg zur Feste selbst war aufgrund der Ortskundigkeit der schwarzen Pfeile recht problemslos zu bewältigen, so das wir schon bald vor der beeindruckenden, wenn auch in Mitleidenschaft gezogenen Kulisse standen.



Schon aus der Ferne konnte man sehen, wo gewaltige Ogerwaffen Narben in die stolzen Mauern der Burg gerissen hatten, und fettiger, schwarzer Rauch stieg in fetten Wolken vom Burghof auf, ein undwiderrufliches Zeichen der Besetzung der Burg durch den Ogerstamm. Vor seinen Toren zog eines der Monster seine Bahnen, begleitet von zwei ponygroßen Jagdhunden und bewaffnet mit Wurfspeeren, die jedem menschlichen Ritter als Lanze dienen konnten. Wie es sich für eine Feste gehörte, war der Weg zu Mauern und Toren gerodet, so das eine unbemerkte Annäherung schwierig werden würde. Glücklicherweise gab es einen geheimen Gang, der hinter dem Wasserfall in das Innere der Feste führen würde – aber selbst dorthin zu kommen würde nicht einfach sein. Aurelia und Akbash erkundeten weitestgehend die Wachrytmen der Oger, aber es waren wohl keine erkennbar. Allgemein schienen die Bestien eher widerwillig so etwas wie Wache stehen zu tun. Es war eher so, das sie gelegentlich Unrat über die Wände kippten oder sich dort für irgendwelche debilen Spielchen aufhielten. Das hieß, das sie zwar nicht besonders aufmerksam waren, machte sie aber noch unberechenbarer als befürchtet.

Wir hielten Kriegsrat. Unsere Optionen waren begrenzt. Larifa und eventuelle Verstärkung war Wochen entfernt. Soviel Zeit blieb weder eventuellen Gefangenen noch Schildkrötenfähre. Kildarion war verschwunden – wir hofften, das sie bereits auf dem Weg war, um die Bevölkerung zu warnen.
Jakaros konnte uns einen ungefähren Plan der Gebäue im Inneren der Feste aufzeichnen, aber natürlich hatte er keine Ahnung, wo sich Gefangene oder Anführer der Oger aufhalten würden. Wir hatten zwar keine Ahnung von der Kampfkraft eines Ogers, aber nach unseren Geplänkeln mit den Grauels war uns klar, das wir eine offene Auseinandersetzung mit diesem Monstern weitestgehend vermeiden mussten. Uns blieb nur eins – auf die Trägheit der Monster nach einem Sieg hoffen, uns einschleichen und dort den Kopf hinter dieser Aktion abtrennen. Xaneshas Schwester. Ohne sie als führende Intelligenz hätten wir zumindest eine Chance, das weitere Vordringen der Oger zu verzögern, wenn nicht sogar zu verhindern. Zum andern mussten wir jeden Hinweis auf den Verbleib des Hauptmanns der Feste finden, um unseren Handel mit der Fee zu begleichen. Von dieser zusätzlichen Gefahr hatten wir unseren neuen Verbündeten noch nichts berichtet. Aber sie waren sich auch so mit uns einig, das wir auf jeden Fall versuchen mussten, soviele Gefangene wie möglich aus den Händen der Oger zu befreien. Wollten wir irgendeine Chance auf Widerstand haben, so mussten wir jede verfügbare Hand mit einem Bogen ausstatten.

Alles Zögern und planen brachte uns nicht weiter, solange wir nicht wußten, wie die Lage im Innern der Burg aussah. Ein Ablenkungsmanöver gegen einen Ogerjäger war auch riskanter, als uns lieb war, also machten wir uns auf, den Berghang entlang in Richtung des Wasserfalls zu klettern, immer in der Hoffnung, das das ständig schlechter werdende Wetter hier auf unserer Seite sein würde. Tatsächlich hatten sich die Wolken inzwischen zu schwarzen Sturmwolken vereint, und erste Blitze zuckten über dne Himmel. Wollten wir noch vor dem Unwetter in den Gang, mussten wir uns sputen. Nun, sputen war schon vor dem unseligen Fluch der Mutter ein Begriff, der mir eher fremd war. Aber ich will das hier nicht in aller Breite berichten, vor allem, da besonders zu Akbash Überraschung hier nichts katastrophal in die Hose ging. Wobei wir einen ungewollten Blick auf den Einfluss eines Ogerfestmahls auf die Verdauung der Monster werfen wurden, als sich eine der Wachen die Burgmauer herunter erleichterte. Die Verführung war groß, den Menschenfresser im wahrsten Sinne des Wortes mit heruntergelassener Hose zu erwischen, aber das hätte nur unnötige Aufmerksamkeit auf uns gezogen. Stattdessen tauchten wir, unsere empfindliche Ausrüstung in das Wachszeug unserer Seereise gehüllt, und dem donnernden Strom des Wasserfalls in die Fluchgänge der Rannikfeste.

Schnell erreichten wir ein Waffenlager, das die Schwarzen Pfeile hier für ienen eventuellen Rückzug angelegt hatten. Unangenehmerweise hatten sich hier auch Blitzechsen eingenistet, unangenehmes Ungeziefer, das in den Höhlen hier heimisch war. Zwar waren sie laut Jakaros nicht agressiv, aber sehr nervös. Leider mußte ich auch bald erfahren, woher sie ihren Namen hatten. In der Annahme, das kein noch so dummes Tier der Verführung einer guten Kartoffel widerstehen kann, versuchte ich, die Biester von der Ausrüstung weg in eine andere Richtung zu locken. Als Lohn traf mich eine Entladung, die mir beinahe das Haar vom Schädel sengte. Das Joachim das ganze nur mit einem mitleidigen Seufzen statt der nötogen medizinischen Hilfe bedachte, war nur noch Schmach zum Schmerz hinzu! Zumindest verzog das Kroppzeug sich dann (MIT meiner Kartoffel, möchte ich betonen), so das unser Weg in die Festung frei war.

Laut den schwarzen Pfeilen gab es zwei Eingänge in den Festungsbereich – einen in der Nähe der Kaserne, einen nördlich des Burgfrieds. Beide wege hatten Ihre eigenen Risiken – die Kaserne war nahe dem Tor, das wahrscheinlich bewacht war, aber der nördliche Eingang würde uns zwingen, über die Mauer zu klettern. Und mit Kletterpartien hatten einige von uns eher schlechte Erfahrungen. So fiel unsere Wahl auf die Kaserne.

Als wir den Burghof erreichten, wurde uns wieder bewußt, das wir uns zumindest um Geräusche wenig Sorgen machen mussten. Alles diesseits eines Kavallerieangriffs oder einer Schiffsbreitseite würde in dem Lärm der feiernden Oger untergehen. Zum Glück blieben uns die näheren Details, wie die Oger feierten, erspart. Die Kaserne, eine hölzerner, windschiefer Bau auf Stelzen, bot uns einen guten Sichtschutz gegen die Hauptlager der Oger in der Mitte des Burgplatzes, ermöglichte aber die Annäherung an das Tor des Burgfrieds. Die Architektur der Kaserne lud nahezu dazu ein, sie mit einigen gezielten Sägesbissen oder ein wenig Brandstiftung nieder zu reissen, aber noch war die Heimlichkeit unser bester Verbündeter.
Bei der Erkundung des Tores blieb das Glück weiter auf unserer Seite. Zwar hatten die Oger die zerschmetterten Tore repariert – aber was Oger unter Reparatur verstanden war, gelinde gesagt, eine besseres wieder hin stellen. Mehr hatten sie tatsächlich nicht gtean, sie hatten die Tore einfach wieder in die Öffnung gekeilt und verliessen sich darauf, das niemand außer ihnen stark genung war, dieses Tor zu öffnen.
Nun, so simpel gedacht das auch war, sie hätten beinahe recht behalten – es brauchte die gesammelte Kraft unserer gesamten Truppe, um dieses Provisorium aufzustemmen, und es war quälend laut. Aber Sturm und feiernde Oger waren so laut, das wir selbst kaum etwas hören konnten und uns größtenteils durch zeichen verständigen mussten.

Die Rannikfeste

Und so standen wir inmitten der Feste – Oger hinter uns, vor uns, und vermutlich auch über und unter uns. Es war nicht gerade ein ermutigendes Gefühl, das kann ich Euch sagen. Und wir hatten keine vorstellung davon, wo wir nach Gefangenen oder den Anführern dieses angriffs suchen sollten. Die dicken Wände der Feste hielten das ärgste des Lärms draussen, aber die Gänge entlang schallten uns schon die Stimmen und Geräusche weiterer Bestien entgegen. Je tiefer wir in die Feste eindrangen, desto bizarrer wurden die Dinge, die wir fanden. In einer der Waffenkammern versuchten zwei Oger, sich menschliche rüstungen anzulegen und spielten „Winzlinge“. Die meisten der Räume sind schlichtweg verwüstet, so als wäre ein Sturm durch die Feste gefegt, aber ein leerer Raum ist unerklärlich verschlossen und und unberührt geblieben – als hätten die Oger ihn absichtlich ignoriert.
Joachim unterdrückt magisch alle Geräusche um uns herum, und wir eilen vom Eingang fort zum Treppenhaus, um nicht von herumstromernden Ogern von draußen überascht zu werden. Schließlich finden Akbash und Aurelia das bizarste, das uns bislang unter gekommen ist. Ein Oger betätigt sich in der Küche als „Künstler“, und baut ein Stilleben aus der Leiche des Kochs, der seine eigenen Gedärme verschlingt. Was im Kopf dieser Bestien vorgeht, wird uns fremd bleiben, für immer. Während wir noch entscheiden, ob wir zunächst die Verliese oder erst die Offiziersunterkünfte erforschen, gibt Aurelia den Alarm. Der Künstler sucht nach Publikum und wird zwangsläufig auf uns stoßen! Hastig eilen wir in den Gang, um ihn zu überwältigen, und tatsächlich können wir das Monster überraschen. Ich bin einmal mehr erschlagen von der puren Masse, die diese Monster ausmachen. Dies ist der erste, den ich aus der Nähe sehe. Sein Kopf kratzt an der drei Meter hohen Decke entlang, obwohl er schon gebückt geht. In seinen Händen sind Werkzeuge, wie ich sie aus einer Metzgerei kenne, aber in einer Größe, so das unsere Schwerter wie Nadeln wirken. Seine Haut ist beinahe fingerdick bedeckt mit Fett und Schweiß, und sein Wanst ist so prall und hart wie ein marmorierter Schinken. Sein wuchiger Schädel ist so groß wie ein Bierfass, und eine vorstehende Knochenwulst überdeckt die Augen.


Bevor das Biest versteht, was überhaupt passiert, stecken schon vier Pfeile in seinem Körper, während Aurelia und Akbash auf ihn einstechen. Obwohl Blut in Strömen fließt, wirkt er eher irritiert als verwundet. In dem Handgemenge wage ich nicht zu schießen, sondern entrolle meine Peitsche, um nicht in die Reichweite des Monsters zugelangen. Ich lasse die Schnur über die Köpfe unserer Kämpfer sausen, und endlich wird unser Angriff mit einer Reaktion belohnt, als die metallische Spitze meiner Peitsche eines seiner Augen verlöschen lässt. Zum Glück hat Joachim bereits die Geräische gedämpft, so das das Wutgebrüll des Monsters nur wie ein sanftes murmeln klingt. Aber das verringert nicht die Menge an blutbeflecktem Speichel, die Aurelia und Akbash überziehen, als der Künstler seinen Schmerz herausbrüllt.
Zum Glück können sie seinen wilden Hieben aber entgehen, denn jeder dieser Schläge hätte einen von uns zerteilen können.
Im Pfeil- und Schlaghagel geht er endlich in die Knie, aber leider verzieht einer der Schützen noch in der Eile das Ziel, und Joachim geht beinahe zu Boden, als der Pfeil seine Schulter trifft. Akbash gibt dem Monster den Rest, indem er sein Rapier durch die leere Augenhöhle des Monsters treibt, und wir können für den Moment aufatmen. Diese Konfrontation hat uns wieder gezeigt, das wir selbst in den besten Kampfbedingugen mit diesen Monstern jedesmal riskieren, schwer verwundet oder getötet zu werden. Mit Küchenutensilien hat dieses Ungetüm Teile aus der Wand geschlagen, und zuletzt zählten wir nicht weniger als 6 Pfeile und ein Dutzend Stichwunden in seinem Körper. Keine davon wäre tödlich gewesen. Mein Respekt vor dem Dienst, den die schwarzen Pfeile hier tun mussten, wächst immer mehr. Sich tagtäglich der Konfrontation mit diesen Ungetümen zu stellen – was für ein Mensch musste man dafür sein?
Das Vieh dann auch noch vom Gang zu bugsieren war eine elende Quälerei, aber solange wir unsere Spuren wenigstens behelfsmässig vertuschen konnten, wollten wir das tun.

Rauf oder runter?

Nun stellte sich die Frage, wohin wir zunächst gehen würden. Jakaros erklärte uns , das im Keller der Zellentrakt lag. Tatsächlich gab es wohl auch Gefangene, von denen einige nicht nur Hühnerdiebstahl auf dem Kerbholz hatten. Was mich nicht verwunderte – immerhin waren die schwarzen Pfeile zum großen Teil ein Strafregiment. Aber solche Leute würden im Angesicht eines Schicksal im Magen eines Menschenfressers gewiss schnell wieder auf unserer Seite stehen. Zumindest eine zeitlang. Wenn wir aber Xaneshas Schwester finden wollten, so sollten wir besser nach oben steigen. So, wie sich Ihr Brief las, war sie ja eher noch eitler als die Hexe von Unterstadt und würde sich gewiß in den Unterkünften des Anführers aufhalten – wenn sie denn hier war.
Den Ausschlag gab schließlich, das eventuelle Anführer der Oger wahrscheinlich auch dort oben sein würden. Und je mehr Leute wir zur Verfügung hatten, wenn wir einem solchen „Schläger“ oder „Tyrannen“ , wie Ihre Führer wohl genannt wurden, gegenüber standen, desto besser.
Heidrun und Aurelia gingen die schmale Treppe voran, da Joachim lieber war, das Schwert der Goblinschlächterin vor sich zu haben als Ihren Bogen hinter sich. Nach unseren Erfahrungen im Haus der Grauels leißen wir das geübte Auge der Schlosserin jede Tür überb´prüfen, bevor wir sie auch nur anfassten. Zum Glück, denn Aurelia entdeckte eine merkwürdige Rune an der Klinke des Kerkereingangs. Unglücklicherweise war es eine rune, mit der auch Joachims geübtes Auge nichts anfangen konnte. Es blieb uns nur Improvisation.
Es war ein interessantes Problem. Die Tür war am Fusse einer knapp drei schritt langen, engen Treppe, und niemand von uns war scharf darauf, die Tür zu berühren. Schnell kam ich darauf, das ich es schaffen müsste, die Klinke mit meiner Peitsche zu erwischen, aber die Frage blieb – was dann? Wie sollte ich mit einer Peitsche von oben eine Klingen nach unten drücken?
Akbash hatte schließlich eine Idee. Sobald ich die Peitsche an der Klinke fest gezurrt hatte, würden wir eine Laterne von oben auf die Peitsche auffädeln. Das Gewicht würde die Laterne nach unten rutschen lassen, und sobald sie die Klinke erreichte, würde sie die Klinke nach unten ziehen. Genial!

Wir bereiteten die Elemente vor, alle zogen sich von der Treppe zurück. Ich atmete noch einmal tief durch, nahm Maß – und traf die Klinke beim ersten Mal. Ich wollte gerade zu Jubelschreien ansetzen, als sich der Treppenaufsatz mit einer gewaltigen Feuerwelle füllte, die sich uns entgegen wälzte! Mit ienem panische Schrei ließ ich die Schnur fahren und taumelte zurück, wobei ich Akbash und Joachim zu Boden riss. Das Feuer schlug über uns, aber Angrosch sei dank hatten die Flammen Ihre Kraft eingebüsst, als sie uns erreichten.
„Puh, das war Glück!“ ich atmete auf. Dann spürte ich ein Drücken in der Seite und hörte ein ärgerliches Murmeln. Ich wälzte mich mühsam zur Seite, und fluchend und keifend kämpfte sich Akbash unter mir hervor. „Red für Dich selbst – nächstes Mal steh ich lieber vor der Feuerkugel als nochmal unter dir begraben zu werden!“ Trotzdem half er mir zusammen mit zweien der schwarzen Pfeile wieder auf die Beine. Es dauerte noch eine knappe Minute, bis die Fäden aus Alchimistenmetall in meiner Peitsche aufhörten zu glühen, aber dann konnten wir akbash Plan in die Tat umsetzen. Vorsichtig fädelten wir die schwere Laterne über den Griff meiner Peitsche, dann zog ich sie straff. Erst langsam, dann immer schneller rutschte die schwere Lampe nach unten und blieb baumelnd in Höhe der Klinke hängen. Nichts geschah. Kritisch sahen wir uns unsere Konstruktion an.
„Hm. Hätte klappen müssen.“ murmelte Akbash. Ich grübelte, dann wandte ich die alte Weisheit meines Vaters aus der Schreinerei an. Ich ruckelte Heftig an der Leine, und mit einem Knirschen löste sich die leicht verzogene Klinke. Es klickte. Unsicher blieben wir oben an der Treppe stehen.
„Tja, es ist unwahrscheinlich, das da noch eine Falle dran ist, oder?“ sagte ich hoffnungsvoll. Akbash hob anklagend die schwarz vernarbte Stelle an seiner Hand.
„ICH geh da nicht runter!“ erklärte Heidrun entschieden.
„Tja, irgendwer müsste...“
„Ach, Ihr Memmen!“ Aurelia rempelte sich an mir vorbei und schritt entschlossen mit gezogenenm Säbel die Stufen herab. Schulterzuckend folgten wir der resoluten Kämpferin. Und traten durch die Tür in ein – Büro?
Tatsächlich wirkte das ganze keinesfalls wie der erwartete Kerkereingangs, statt dessen war es gemütlich eingerichtet mit Teppichen, Bücherregalen, einem großen Besprechungstisch – und einem wahrhaften Thron! In diesem saß dann auch gönnerhaft eine leidlich attraktive Rothaarige, umringt von einer schillernden Kristallkugel und einer gräßlichen Statue der Mutter der Monster.

Wenn sie überrascht war, überspielte sie es professionell, das muss ich Ihr lassen. Sie sah uns mit einer hochgezogenen Augenbraue an und lächelte herablassend. Ihre Gestalt spiegelte sich in einem goldverzierten Ganzkörperspiegel,der neben Ihr in einem sündhaft teuren Rahmen prangte.
„Ihr müsst diese Gesellschaft sein, die mein armes Schwesterlein zur Strecke gebracht hat.“ Sie deutete mit Ihrer Linken auf die Stühle, die um den großen Tisch verteilt standen. „Nehmt Platz, wir haben viel zu bereden. Mein Name ist Lucrezia, und ich bin deutlich zivilisierter als meine verstorbene Schwester.“ Wir zögerten nur kurz, machten aber unsere Waffen schon bereit. Selbst die befreiten Schwarzen Pfeile drangen zu uns in den Raum, was das ganze etwas beengt macht – aber ich verstehe, das niemand daran Interesse hatte, draußen auf dem ogerverseuchten Gang zu warten.
Ich hob meine Donnerbüchse und legte an.
„Tut mir leid, aber die Gesellschaft für Abenteuer und Entdeckung verhandelt nicht mit Dämonenbrut.“
Sie winkte ungeduldig ab. „Also wirklich, Dämonenbrut. Solch krude Worte von einem angeblich so intelligenten Mann.“ Sie schaute in die Runde. „Ist das die vorherrschende Meinung? Angeblich habt Ihr doch so einen Wahlspruch, wie war er noch?“
„Alles, nur nicht was Eberhart sagt“ half Akbash aus. Sie schnippte freudig in die Finger. „Das war es!“ Sie beugte sich nach vorne und breitete unschuldig die Hände aus. „Und jetzt wollt Ihr ihn eine unbewaffnete Frau erschießen lassen?“
Akbash und Aurelia schauten sich fragend an, dann legte mir Joachim die Hand auf die Schulter. „Genau das, Dämonenmetze – Laros Sturm wird Dich hinweg fegen!“
Das reichte mir als Legitimation. Ich peilte Ihr Dekolleté an, in dem ein funkelndes Amulett baumelte – als ein stechender Schmerz meinen Rücken durchfuhr.
„Niemand wird meine Geliebte angreifen!“ hallte es über den Schmerz in meine Ohren, und aus dem augenwinkel erkannte ich, wie die beiden anderen Schwarzen Pfeile versuchten, den offensichtlich wahnsinnig gewordenen Coven fest zu halten. Ob er von Ihr verhext worden war oder tatsächlich in Liebe zu der Hexe entbrannt war, werden wir wohl nicht mehr erfahren – in jedem Falle verriss ich meine ersten Schuß und ließ statt dessen einen Großteil der Kerzen im Kronleuchter verlöschen.
Heidrun nahm dies trotz allem als Startschuss für spontane Gewaltanwendung und hieb ihr Schwert beidhändig in die Mitte Lucrezias – und taumelte blutüberströmt zurück, obwohl die Hexe nichtmal Ihre Hände bewegt hatte.
„Muss das alles wirklich sein? Ich bin weiterhin bereit zu verhandeln.“ Aber wenn die Gesellschaft einmal in Bewegung ist, ist sie nur schwer zu stoppen. Akbash schaltete schnell – wenn die Hexe irgendwie Wunden zurückwerfen konnte, hatte das gewiss mit dem Spiegel zu tun. Unterhand ließ er einen Dolch über den Tisch fliegen – der allerdings recht unspektakulär an der polierten Metallscheibe abprallte.
Aurelia sprang, eine Hand auf der Stuhllehne vor sich abgestützt, auf den Tisch „DU musst da schon etwas krä-“ sie wurde mitten im Satz abgeschnitten, als sie auf dem Tisch wie zu einer Salzsäule erstarrte.
Ich hatte mich inzwischen wieder auf die Beine gekämpft und knüppelte gemeinsam mit den schwarzen Pfeilen auf Ihren verräterischen Gefährten ein. Joachim warf eine handvoll glitzernden Staubs, um Lucrezia zu blenden, aber sie wischte ihn nur gelangweilt aus der Luft.
„Bitte, muss dieses Durcheinander denn sein?“ Lucrezia wirkte von all unseren Aktivitäten tatsächlich eher gelangweilt. Nicht mal einen Kratzer hatte Ihre makellose Haut zu verzeichnen. Mit einem unartikulierten Schrei hieb Heidrun wütend auf die Kristallkugel neben Ihr ein. Offensichtlich vermutete sie die Magie darin anstatt im Spiegel. Trotz Ihrer bärenhaften Stärke zeigte sich nur ein leichter Haarriss in der Kugel – da mußte Magie im Spiel sein! Akbash klemmte seine Parierdolch zwischen die Zähne und hob einen der schweren Stühle an. „Mal sehen, ob wir diesen elende Spiegel nicht doch-“ als er sich, einem Hammerwerfer gleich,mit dem Stuhl über den Tisch rollte, erstarrte auch er wie eine Salzsäule. Ich muss zugeben, das Tableau entbehrte nicht einer gewissen Absurdität. Die Oberschurkin saß weiter gelangweilt in Ihrem Thron, den Kpf in die Hand gestützt, während wir uns mit Verrätern in den eigenen Reihen und der Einrichtung des Raumes herum schlugen. Kein strahlender Auftritt der Gesellschaft, das wird unser Chronist noch revidieren müssen. Immerhin entdeckte Joachim zwar etwas zu spät, aber immerhin noch rechtzeitig, die magische Rune unter dem Tisch, die unsere Gefährten lähmte. Er machte sich daran, den Zauberbann zu lösen. Coven war inzwischen bewußtlos, so das die Schwarzen Pfeile und ich jetzt nach einer Möglichkeit suchten, Lucrezia fest zu setzen. Hektisch lud ich meine Donnerbüchse nach.
Tatsächlich wurde es der Hexe jetzt zuviel. „Wenn Ihr tatsächlich nur die Sprache der Gewalt sprecht, haben wir uns nichts zu sagen.“ Damit erhob sie sich majestätisch und schritt durch den Spiegel, als sei er ein dünner Vorhang aus Wasser.
Heidrun änderte Ihren Schlagwinkel und versuchte jetzt, die Kristallkugel mit einem mächtigen Seitwärtshieb in den Spiegel zu schmettern – leider gelang es Ihr nur, das Artefakt zu zerstören. In einer heftigen Explosion, die sie von den Füßen riss und die gerade erlösten Akbash und Aurelia mit einem Hagel scharfer Kristallsplitter übersähte.
„Sie ist durch den Spiegel! Hinterher!“ rief ich erklärend, während ich einen Beutel Schrot in den Lauf meiner Waffe schüttete. Ohne zu zögern warfen sich die beiden durch das Spiegeltor, dich gefolgt von den beiden schwarzen Pfeilen, die den Verrrat Ihres >Mitkämpfers wieder gut machen wollten. Joachim rannte zur blutenden Heidrun. Ich stopfte das letzte Pulver in meine Donnerbüchse, hob sie zufrieden in Hüfthöhe und stapfte auf die Tür zu.
„Willst DU nicht durch den Spiegel?“ fragte Joachim, während er die ärgsten Splitter entfernte, so das seine heilende Magie sie nicht in Heidruns Körper verankern würde.
„Denkst Du wirklich, ich passe SO durch diesen Spiegel?“ Ich wackelte kurz mit dem speckigen Vermächtnis von Mutter Grauel, das es mir schon schwer genug machte, durch normale Türen zu schreiten. Ein Wandspiegel für eine dürre Hexe hätte wohl kaum genug Platz für meine neuen Polster.
„Und was ist, wenn an der Tür auch fallen sind?“
Ich hob meine Donnerbüchse. „Ich wollte sie nicht anfassen.“ Mit Ihrem namensgebenden Donner fegte meine Büchse das Schloss aus der Tür und ließ sie weit aufschwingen.

Als der Pulverdampf sich legte, fiel mein Blick auf die amüsierte Lucrezia. „Ihr seid wirklich hartnäckig, Herr Brettschneider. Nun ja, irgendwelche Qualitäten müssen Euch ja befähigt haben, erst in Port Grim und dann in Haven die Pläne des Meisters zu stören. Damit habt Ihr Euch verdient, ihn kennen zu lernen.“ Ich warf die leere Donnerbüchse zur Seite und zog meine Pistole. Lucrezia schaute mich kopfschüttelnd an. „Wirklich? Eure Freunde liegen entweder im Sterben oder sind meine Gefangenen“ – sie wies auf eine Zellentür hinter sich, in der ich Akbash wild an den Gittern rütteln sah. „Weder Laros Magie noch Eure Waffen können mich berühren. Und dennoch wollt Ihr immer noch mit Gewalt antworten? Ihr, der Ihr doch für Eure Intelligenz und Euren Verhandlungssinn berühmt seid?“ Sie lächelte versöhnlich, „Kommt, Ihr müsst doch zumindest neugierig sein, wer denn nun hinter all dem hier steckt? Mein Meister könnte Euch so vieles erklären.“
Ich blickte hinter mich, wo Joachim von Heidruns Blut überströmt neben Ihr kniete. Er schüttelte nur entschieden den Kopf. Meine Gedanken rasten. Was könnte das nur für ein Zauberbann sein, der sie unverwundbar machte? Sollte ich wirklich mit der Hexe verhandeln? Sie hatte recht, es interessierte mich brennend, wer hinter all dem steckte. Es würde alles so viel einfacher machen, wenn wir nicht erst dem Brotkrumen folgen mussten, die uns zum Drahtzieher bringen würden, sondern das Problem gleich am Kopf packen könnten. Was brachte es schon, sie jetzt anzugreifen – Xanesha war auch nicht mit einer Kugel zu töten gewesen, und wir würden immer noch in einer Feste voller Oger feststecken, ohne Plan oder Hoffnung auf Verstärkung. Meine Augen durchsuchten den Raum nach einem Hinweis, einer Idee. Ich fasste einen Entschluss.
Ich blickte Lucrezia fest in die Augen. „Du hast recht, ich war ein Händler. Aber jetzt bin ich Mitgleid der Gesellschaft für Abenteuer und Entdeckung von Maracasar.“ Ich hob die Pistole. „Und wir verhandeln nicht mir Dämonen.“ Ich riss die Pistole zur Seite und richtete den Lauf auf den Kopf der Dämonenstatue. Lucrezias Gesicht verzog sich haßerfüllt und sie streckte eine Hand aus. Ich drückte ab, und ein brennender Schmerz durchfuhr meine Eingeweide, bevor alles schwarz wurde.

Akbash Weißhaupt

Tja, da ich der einzige bin, der bis zum Ende dieser vermaledeiten Geschichte meine fünf Sinne beieinander hatte, muss ich wohl zur Feder greifen. Mannometer, Eberhart läßt das mal wieder s klingen, als hätte er echt eine Idee gehabt, was da abging, was? Klingt richtig heldenhaft. Tja, tut mir leid, Euch auf den Boden der Tatsachen zu holen, aber er hatte mal wieder null Plan.
Das Kopfschütteln von Joachim? Sollte heißen, „Mach bloss keinen Quatsch!“ Der brennende Schmerz in den Eingeweiden? Keine böse Hexerei, sondern ein Querschläger von seiner glorreichen Idee, aus nächster Nähe auf eine Metallene Statue zu schießen!
Aber gut, ich will mich nicht freisprechen von Dummheit. Das ich verflucht bin, habe ich ja des öfteren schon erwähnt, aber langsam kristallisiert sich da eine immer klareres Muster heraus.
Regel 1: Tische hassen mich. Keine Ahnung, wer der Gott der Möbel ist, aber irgendwie muss ich ihn furchtbar angepisst haben. Jedesmal, wenn ich auf einen Tisch steige, passiert irgendwas mieses. Er bricht zusammen, ich stolpere über einen blöden Teller, ich werde mit Essen beworfen, weil mein Gesang so schlecht ist – aber das hier war der Höhepunkt – wer verzaubert den bitte einen vermaledeiten Tisch!
Regel 2: Wenn ich auf Eberhart höre, geht alles schief. Siehe die tolle Idee „Folgt Ihr durch den Spiegel – was soll schon passieren?
Tja, außer, das man nach der Hexe in einer kjullverdammten Zelle landet. Ich bin nur heilfroh, das Eberhart uns nicht nachgekommen ist. Zu viert war es eng da drin – mit Eberhart hätte es mich glatt durch die Gitter gepresst wie eine Zitrone.
Aber ich komme ins Schwafeln. Ich höre also den Schuß und Eberharts Quieken und weiß, das war's. Da draußen ist nur noch unser Garcia mit einer ausblutenden Heidrun. Und ich steckte in einer Zelle fest. Was soll ich sagen, man kann einen Akbash Weißhaupt nicht unbegrenzt reizen. Und diese elende Hexe da hatte den Bogen überspannt. Ich bin kein Muskelprotz oder so, aber die ganze Frustration, die sich da aufgestaut hatte! Ich meine, diese Hexe da hatte ein schwimmendes Freudenhaus, und sie hat es versenkt, bevor ich auch nur davon wußte! Und diese ganzen Ogerschweinereien überall, diese arme, zerrissene Fee im Sumpf. Genug ist genug. Mit einem Stoßgebet an Kjull setzte ich meine gesamte Wut und Frustration in diesen einen Tritt – und ich schwöre, in diesem einen Moment des Schmerzes sah ich ihn in seiner Gestalt des kleinen Mädchens – und mit einem trockenen Krachen brach die Tür aus dem Rahmen und flog in den Gang des Kerkers.
Ihr glaubt nicht, wie weh mein Fuß jetzt noch tut, aber in dem Moment fühlte ich nichts davon. Ich schritt breitbeinig in den Gang, ließ locker meinen Degen schwingen und zeigte mit meine Parierdolch auf Lucrezia.
„Genug weg gerannt. Stell Dich Akbash Weißhaupt und der Gesellschaft für Arschtritte und Kopfnüsse.“ Hinter mit traten Aurelia, Jakaros und Karl aus der Zelle. „Mal sehen, wie lange deine kleine Tricks dir noch helfen.
Das Lächeln verschwand aus Ihrem Gesicht. Sie zog einen unterarmlangen, von einem Sihedron gekrönten Stab aus einem Ärmel. „Du hättest Dich dem Rudel anschließen sollen, Weißhaupt. Jetzt werde ich Deine Gier UND Deinen Hochmut ernten.“ Ein unheilvolles rotes Leuchten umspielte den Stab.
„Es ist ein Gegenstand – ein Ring oder ein Amulett!“ rief Joachim aus dem anderen Raum. „Kein Möbelstück!“ Gemurmelt kam noch so etwas wie „vorher fragen, bevor man losballert“, aber da kann ich mich auch täuschen. Lucrezia blickte auf jeden Fall wütend zu ihm zurück, und Ihre Linke ging unbewußt zum Amulett an Ihrem Hals.
„Danke für die Bestätigung.“ Aurelia klatsche mir auf die Schulter. „Du gehst rechts.“ Dann sprintete sie los. Ich machte einen Ausfall, wohlbedacht, das mein Angriff sie nicht treffen würde, aber die Hexe würde das wohl kaum durchschauen. Tatsächlich schritt sie auf mich zu und versuchte, mich mit Ihrem Stab zu treffen, den ich aber locker an meinem Parierdolch abgleiten ließ. „Das üben wir nochmal, Allerwerteste.“ Wütend setzte sie mit nach, und ließ Ihre Flanke damit offen für Aurelias Angriff. Katapultiert von den beiden Schwarzen Pfeilen flog sie unmittelbar über den Kopf der Hexe, ein Dolch blitze auf, und katzengleich rollte sie sich hinter Ihr wieder auf die Beine. Sie grinste unverschämt. Von Ihrer linken Hand baumelte das Amulett. Lucrezia tastete verwirrt an Ihrem Hals, dann wandte sie sich Aurelia zu.
„Du kleines gieriges Miststück! Ich werde Dich- Ah!“ ich beendete ihren Monolog mit einem Dolch in den unteren Rücken.
Jetzt hatten wir endgültig Ihre Aufmerksamkeit. Vor meinen Augen verschwamm Ihre Gestalt, wuchs, und überzog sich mit brillanten Schuppen. Ihre roten Haare wurden zu einem wilden Kamm,
Ihr grünes Kleid zog sich in die Länge und verschmolz zu einem schlangenartigen Schwanz. Sie überragte mich jetzt locker um zwei Köpfe, aber dennoch wirkte sie nicht annähernd so muskulös wie Ihre Schwester.
Ungeschickt hieb sie mit Ihrem Stab nach mir, aber ich duckte mich darunter hinweg. Jakaros und Karl umkreisten sie gemeinsam mit mir und Aurelia. An Ihr vorbei sah ich eine Bewegung in der Tür.
„Ah, jetzt hast Du ein richtiges Problem“ . In der Tür stand die blutüberströmte und über alles wütende Heidrun, Ihr glitzerndes Schwert in der rechten Hand. Lucrecia fauchte – dann hieb sie mit Ihrem Schwanz Aurelias Beine unter Ihr weg und drückte Ihr den rotglühenden Stab auf die Brust.
„Spüre den Zorn!“ Zischte sie zwischen verlängerten Fängen hervor, und das rote Glühen Ihres Stabes spiegelte sich in Aurelias Augen wieder.
Mit einem wilden Schrei riß sie Ihren Krummsäbel hervor und hieb auf Jakaros ein, der irritiert zurück wich.
„Was soll ich tun?“ rief er verzweifelt, aber wir hatten genug mit der Dämonin in unserer Mitte zu tun.
„Wenn der Dämon fällt, bricht auch sein Fluch!“ erklärte Joachim mit dem Brustton der Überzeugung. „Und wenn Laros Wunder dich nicht, bannen, dann wird es sein rächender Arm tun!“ Er kletterte über den reglosen Körper Eberharts – anscheinend konnte er auf die Schnelle nichts für das Dickerchen tun. Sein eigener Zauberstab wurde von bläulichen Blitzen umspielt.
Lucrecias peitschender Schwanz trieb uns zurück, so das sie sich dem Garcia stellen konnte.
„Soviel Wut in Dir.“Sie fing den Hieb seines Zauberstabes in einer Langen Klaue. „Lass sie frei!“ Ihr eigener Stab berührte ihn am Herz, und auch Joachim verfiel in wilde Raserei. Wenn das so weiterging, würden wir uns mehr untereinander schlagen als diese Hexe!
Zum Glück hatte sie mit Joachim nicht gerade unseren größen Kämpfer erwischt. Als der kleine Heiler versuchte, Heidrun in die Flanke zu fallen, schubste sie ihn irritiert mit der linken zu Boden, während sie mit der rechten nach Lucrecia schlug.
„Wir müssen das schnell beenden, Heidrun!“ rief ich, während ich den zuckenden Schwanz der Dämonin probeweise ein paarmal mit dem Degen durchbohrte. Hinter mir ertönte ein schrilles Klirren. Aus dem Augenwinkel sah ich, das Karl soweit vor Aurelia zurück gewichen war, das er in eine Ecke gedrängt wurde. In Ihrer Ungezügelten Wut hatte sie Ihren Säbel über ihm an der Wand zerschmettert, was dem Schwarzen Pfeil die Gelehenheit gab, sie in einen Bärengriff zu nehmen und von sich zu werfen.
Zufällig landete sie in der Nähe Joachims. Ohne zu zögern packte sie ihn und begann, ihn zu würgen, während der Heiler wild auf sie einschlug.
„Na, jedem, was ihm Spass macht.“ Ich konzentrierte mich wieder auf Lucrecia. Zwar blutete sie inzwischen aus einigen Wunden, aber ich wußte von Xanesha, das diese Biester zäh waren. Immer wieder versuchte die Hexe, mit mit Ihrem Stab zu berühren, aber zum Glück war sie zwar schnell und stark, aber recht ungeschickt mit Ihrem Zachel. Jetzt, wo ich um die Gefahr wußte, fiel es mir auch nicht schwer, Ihrem peitschenden Schwanz auszuweichen.
Leider war Heidrun noch geschwächt und außerdem nicht annähernd so sehr auf Ihre Verteidigung konzentriert wie ich. Sie hackte wild Ihr Schwert in die Rippen Lucrecias und blieb eine Sekunde zu lange an den Knochen hängen. Lucrecias linke Pranke schnappte Ihren Schwertarm.
„Goblinschlächterin.“ Zische sie Ihr entgegen. „Entfessele Deinen Zorn.“ Und jetzt wußte ich, das ich ein Problem hatte. Wenn Heidrun in Ihrem Wahn mich anfallen würde, würden mir ein dünnes Rapier und ein kleiner Dolch wenig helfen. Heidrun hatte mal in einem Übungskampf einen Mast halb durch gehauen!
Lachend wich die Schlangenfrau zurück, und ich sah mich einer rotäugigen, zitternden Heidrun gegenüber. Ich blickte kurz um mich und sah den schwer atmenden Karl neben mir. „Hey, Karl?“ Er warf mir einen verwirrten Blick zu,
„Ja?“
„Tut mir leid“. Ich schubste den Axtkämpfer in Richtung Heidrun und wandte mich der Hexe zu.
„So, Lucrecia. Wird Zeit, das Du Dich Deiner Schwester anschließt.“ Sie blutete aus eine halben Dutzend Wunden, der Arm, der Ihren Stab hielt, zitterte bereits. Sie begann, einen Zauberspruch zu murmeln.
„Ja, das hat sie auch versucht.“ Ich machte einen Ausfall, der sie hektisch Ihren Spruch unterbrechen ließ. Als sie diesmal mit dem Stab nach mir hieb, verkeilte ich ihn mit meinem Doch und trat dann heftig gegen Ihre Hand. Kreischend ließ sie los, und die Waffe flog in hohem Bogen davon. Locker ging ich in die tileanische Grundstellung. „Und nun“ mit gespreizten Krallen warf sie sich auf mich. „das Finale!“ Mein Degen vollführte einen perfekten Coup de Grace und durchbohrte Ihr linkes Auge. Sie zuckte noch ein, zweimal, dann sackte Ihr Körper zusammen und glitt von meiner Klinge. Mit einem eleganten Schwung entfernte ich Blut und Hirnmasse von meinen Waffen und ließ sie in den Scheiden verschwinden. Ich stellte einen Fuß auf den Körper der Schlangenfrau, nur um sicher zu gehen, das sie wirklich tot wahr, und blickte mich nach den anderen um.
„Entschuldigung? Könntet Ihr mit dem Unsinn aufhören und mich mal kurz bewundern?“ Ich deutete empört auf meine Brust. „Ich habe hier grade die zweite Dämonin in Folge erlegt.“
Peinlich berührt schauten die anderen zu mir. Heidrun hatte gerade Karl niedergestreckt und wollte Ihn anscheinend filetieren. Jakaros zerrte verzweifelt an Aurelia, deren Hände um den Hals des schon leicht blau angelaufenen Joachim lagen. Eberhart lag in der Tür und röchelte etwas unverständliches.
Enttäuscht ließ ich die Arme sinken. „Sagt jetzt nicht, KEINER von Euch hat es gesehen!“



1 Kommentare:

Sventasie hat gesagt…

Grandiose Beschreibung der zurückliegenden Ereignisse - ich freu mich sehr über deine Schreibkunst ;-) Nebenbei bemerkt, hast du in der Beschreibung der Ereignisse mehr Worte verwendet als das Abenteuer selbst hat ;-) ...also schnell weiter spielen, damit ich mehr lesen kann