Offenbarung und Vergebung ???

Author: Sventasie /

 



Die Schicksalsgemeinschaft und Gründer*innen der Gesellschaft für Erforschung und Abenteuer auf Maracasar hatten sich im Haus der hohen Priesterin und Heilerin An'nathiel Teldarion in Port Grim eingefunden. An der Seite ihres Gefährten Joachim von Schwertwall suchten sie Rat bei der elfischen Dienerin der Göttin der Morgendämmerung, Churun – dem gütigen und liebevollen Idol der Heilung, des Mitgefühls, des Lichts und der Neuanfänge. Joachim hatte den Entschluss gefasst, sich An’nathiel zu offenbaren und um ihre Unterstützung zu bitten, wissend, dass das eine nicht ohne das andere zu erreichen war. 

Es sollte sich als Hilfreich erweisen, das Harlander, ein betagter gnomischer Paladin des Immerlichts, der erst kürzlich in Port Grim eingetroffen ist An´nathiel zur Seite stand. Harlanders Worte sollten sich in dem folgenden bisweilen hitzigen Gespräch zwischen An´nathiel und Joachim immer wieder als beruhigende Stimme der göttlichen Einsicht und Vernunft erweisen.

Als die Gefährten das Haus der Heilerin erreichten, erkannten sie schnell, dass An'nathiel inmitten der Vorbereitungen war, Port Grim zu verlassen. Während des aufkommenden Gesprächs mit der Gemeinschaft zeigte sich mehrfach, dass sie den Wunsch hegte, bereits fort zu sein, statt sich erneut mit den Anliegen der Schicksalsgemeinschaft auseinandersetzen zu müssen.

Joachims Offenbarungen über seine Taten und die Beweggründe hinter seinen Handlungen stießen zunächst nur bedingt auf das Verständnis der Elfe. Harlander war es, der An'nathiel mehrfach daran erinnerte, welches Versprechen die Göttin der Morgendämmerung und Neuanfänge den sterblichen Völkern nach dem Zeitalter der Dunkelheit gegeben hatte: Dass auf jede Dunkelheit eine Morgendämmerung folgen würde und Hoffnung, Güte und Wahrheit am Ende triumphieren.

An’nathiels innerer Konflikt und ihre ungewöhnliche Zurückhaltung, Joachim die Vergebung der Göttin der Morgendämmerung zu gewähren, wurzeln tief in den unheilvollen Implikationen seiner Rolle als Garcia. Diese Rolle, die durch die schicksalhafte Wahl des unbarmherzigen Meeresgottes Laros bestimmt wurde, zumindest daran hat An´nathiel keinen Zweifel, eröffnet sowohl heilende als auch zerstörerische Aspekte des Meeres, die jenseits von Joachims eigenen Entscheidungen liegen. An’nathiel erkennt jedoch, dass Joachim nicht der Gezeitenhüter ist, den Vater Zantus in ihm sah – ein sanfter Retter, der Leben spendet und die tobenden Fluten abwehrt. Sie sieht sich durch Joachims jüngste Handlungen darin bestätigt das dieser Auserwählte ein Flutbringer ist, der den Zorn und die Prüfungen Laros' verkörpert, eine unbändige Naturgewalt, die gekommen ist, um das Land durch  Zerstörung zu reinigen und die Schwachen zu prüfen.

Als Priesterin der Göttin der Morgendämmerung, deren Prinzipien Heilung, Mitgefühl, Vergebung und der Schutz der Schwächsten ist, steht An’nathiel in einem fundamentalen Widerspruch zu Joachims Bestimmung. Ihre Göttin verkörpert die Hoffnung und das Versprechen, dass selbst diejenigen, die sich verirrt haben, ins Licht zurückkehren können. 

Doch in Joachim sieht An’nathiel jemanden, der sich seiner Verantwortung nicht Bewusst ist und dessen Unsicherheit über seine Loyalitäten zu einer Bedrohung werden – sie ist nicht bereit anzuerkennen das Laros oder der dunkle Manipulator Tzeentch Joachims Handlungen lenken und hegt ernsthafte Zweifel an Joachims Aufrichtigkeit, da er dazu neigt, sich als Opfer höherer Mächte darzustellen, ohne zu begreifen, dass es letztlich seine eigenen Entscheidungen sind, die ihn auf diesen Pfad geführt haben. 

An’nathiel zweifelt an der Aufrichtigkeit von Joachims Reue, da er weiterhin in Kategorien von Macht und Zielen denkt, anstatt die volle Verantwortung für seine Handlungen und deren Folgen zu übernehmen. Aus ihrer Perspektive ist er mehr darauf bedacht, sein eigenes Schicksal und das seiner Gefährten zu steuern und vermeintlich größere Aufgaben in den Vordergrund zu rücken, anstatt sich der Reparatur der von ihm angerichteten Schäden zu widmen. Sie sieht in ihm jemanden, der sich eher rechtfertigt als wirklich Buße tut, und der die Bedeutung seiner Fehler zugunsten eigener Ambitionen herunterspielt.

An’nathiel erkennt, dass Joachim sich wiederholt in Situationen gebracht hat, durch die er sich einen Vorteil gegenüber vermeintlichen Bedrohungen versprach, jedoch scheinbar ohne sich Gedanken über die Folgen seines Handels zu machen. Aus ihrer Sicht zeigt dies, dass Joachim keinen festen moralischen Kompass besitzt und anfällig für Manipulationen bleibt, was ihn zu einer Gefahr für Port Grim macht.

Diese Widersprüche in Joachims Handlungen und seine mangelnde Bereitschaft einen Weg der direkten und unmittelbaren Wiedergutmachung einzuschlagen lassen An’nathiel zögern, ihm die Vergebung ihrer Göttin zu gewähren. Joachim der wiederholt die Bedrohung durch den Runenherrscher anführt die zunächst gelöst werden muss - schlägt sie in leicht sarkastischer Weise vor, für das Unterfangen doch einen Heiler seiner statt anzuheuern und statt nach der goldenen Stadt zu suchen sich um das von ihm geöffnete Dämonentor zu kümmern und den Mörder der tausend Seelen zu finden, der dank seines Handelns wieder in der Welt der Lebenden wandelt.

 An´nathiel befürchtet, dass Joachims Pfad unweigerlich zu weiterer Zerstörung führt und dass er, trotz seiner Beteuerungen, weiterhin eine potenzielle Gefahr für Port Grim, Maracasar und möglicherweise die Welt bleibt.

An’nathiel ist sich sehr Bewusst darüber wie tief verletzt und persönlich angegriffen sie sich dadurch fühlt, dass die Gesellschaf es der Weißen Hand ermöglicht hat, einen festen Standort in Port Grim zu errichten. Tatsächlich gibt sie sich zum Teil auch selbst die Schuld, da es ihr nicht gelungen ist, der Gesellschaft die Werte ihrer Göttin zu vermitteln.  In ihren Augen stehen die Werte der weißen Hand im direkten Widerspruch zu den Prinzipien ihrer Göttin, deren Heilung und Mitgefühl allen Wesen zuteilwerden sollten, unabhängig von ihrem sozialen oder finanziellen Status. Für An’nathiel ist es ein Affront gegen die göttliche Gnade, dass die Heiler der Weißen Hand ihre Gabe an jene verkaufen, die es sich leisten können, anstatt sie uneingeschränkt allen Bedürftigen anzubieten.

Dieser Widerspruch wird für An’nathiel umso frustrierender, weil sie jetzt weiß, dass Joachim den Weg des Heilers und somit der ihrer Göttin verlassen hat und die Weiße Hand und seine Position in Port Grim im Grunde nur instrumentalisiert hat, um seine eigenen Ziele zu verfolgen. Diese Erkenntnis lässt in ihr eine Welle der Enttäuschung und des Grolls, der sich zum Teil gegen sie selbst richtet, aufsteigen, der nur schwer zu ertragen ist. An’nathie kämpft innerlich darum, diese Emotionen zu unterdrücken. Sie weiß, dass ihre Aufgabe als Dienerin der Göttin der Morgendämmerung darin besteht, objektiv zu bleiben und Gnade walten zu lassen, aber Joachims Manipulationen und seine Missachtung der wahren Prinzipien des Heilens stellen eine schwere Prüfung für ihre Geduld und ihren Glauben dar.

Ihre größte Sorge jedoch ist, dass Joachims Rolle als Flutbringer unvereinbar mit der Gnade und dem Licht ihrer Göttin ist. An’nathiel ringt mit der Vorstellung, dass das Immerlicht möglicherweise nicht in der Lage ist, einen Flutbringer wie Joachim zu retten, sondern dass sie vielmehr verpflichtet ist, ihm und der drohenden Zerstörung mit allen Mitteln entgegenzutreten.

Dieser innere Konflikt wirft An’nathiel in ein tiefes Dilemma: Soll sie den Grundsätzen der Vergebung und des Mitgefühls treu bleiben, die ihre Göttin verkörpert, oder muss sie angesichts der dunklen Prophezeiungen und der zerstörerischen Kräfte, die Joachim in sich trägt, ihre eigene Rolle als Beschützerin des Lichts überdenken? An’nathiels Herz steht im Zwiespalt zwischen der Pflicht, das Licht und das Leben zu wahren, und der Erkenntnis, dass Vergebung allein vielleicht nicht ausreicht, um die dunkle Bestimmung Joachims abzuwenden.

Trotz ihrer Zweifel und inneren Konflikte bleiben Joachims Offenbarung, sein Geständnis und nicht zuletzt Harlanders eindringliche Worte, der erneut an die Grundsätze des Glaubens erinnerte, in dem er darauf hinweist, - dass die Fürstin der Anfänge Barmherzig all jenen gewährt, die sich auf den Wegen verirrt haben und sie sich geduldig gegenüber jene erweist, die sich dem Bösen zugewandt haben und das sie jene willkommen heißt, die ihre Verdorbenheit, zu erkennen vermögen und zurück ins Licht kehren, wo ihnen vergeben werden soll,- nicht ohne Wirkung auf An’nathiel. Sie willigt ein, die noch nicht eingereichte Klageschrift an den Rat gegen Joachim von Schwertwall noch einmal gründlich zu überdenken, bevor sie diese einreicht. Dennoch bleibt sie fest in ihrem Entschluss, Joachims Bitte um Unterstützung der Belange der Gesellschaft im Rat und vor den Familien abzulehnen. Da Sir Harlander künftig in Port Grim ihre Arbeit fortsetzen wird, überlässt sie es ihm, nach eigenem Ermessen zu entscheiden, ob und wie er die Gesellschaft unterstützen möchte.

An’nathiel lehnt es auch ab, über Joachims Taten und sein Handeln zu urteilen. Stattdessen rät sie ihm eindringlich, Verantwortung für seine Entscheidungen zu übernehmen und sich selbst seiner Vergangenheit zu stellen, indem er seine eigenen Handlungen eingehend betrachtet und die notwendigen Konsequenzen zieht. Sollte er dabei Hilfe benötigen, empfiehlt sie ihm, sich den Tempeln der Gerechtigkeit zuzuwenden und den Priestern der Ildarin seine Taten zu beichten, um dort auf ein gottgefälliges Urteil zu hoffen. Ansonsten, so betont sie, liegt das endgültige Urteil einzig und allein in den Händen der Götter.

Trotz ihres Zögerns kommt die Priesterin des Immerlichts in einem Punkt dem Ersuchen der Gesellschaft entgegen. Sie verspricht, den Körper in dem Joachim steckt und die damit verbundene Seelenverschiebung gründlich zu untersuchen und eine sorgfältige Beurteilung vorzunehmen.