Puh, Angrosch sei Dank ist dieses Papier noch trocken. Während wir uns in dieser feuchten Höhle ausruhen, kann ich ein paar Notizen machen.
Heilung im Haus der Churun
Nachdem wir Joachims Leichnam im Tempel abgegeben und dem Questor unser Leid geklagt hatten, schlug er tatsächlich vor, einen von Laros Dienern zu bitten, ihn von den Toten auferstehen zu lassen! Sigmars Bart, sowas hatte ich nur in Sagen und Legenden gehört, wie beim Heiligen Herbert oder Djingis dem Engelskrieger. Da aber nun die ganze Priesterschaft mit der Vorbereitung dieser Anrufung oder der Versorgung der Verletzten des Goblinangriffs beschäftigt waren, schickte uns der Questor ins Haus der Churun.
Auch wenn wir keinen besonders guten Start mit Ihr hatten, vergab uns Anna [Ah`na-thiel Teldarion] , die elfische Heilerin. In diesem Haus der Heilung und der Ruhe konnten wir uns erholen und sammeln, und auch zum ersten Mal all die wahnwitzigen Ereignisse und Gefahren für Port Grim weiter geben. Anna zeigte sich sichtlich überrascht über den Vorschlag des Questors, Joachim im Namen des Laros von den Toten zurück zu holen. Sie hielt uns eine kurze Predigt über Laros normalerweise recht gnadenlose Natur.
„Laros schickt keine Segen, nur Prüfungen. Durch diese Prüfungen werdet Ihr stark oder vergeht!“
Das klang tatsächlich wenig vielversprechend.
Auch über Nuala konnte Anna uns aufklären. Offensichtlich war dieses Mädchen mit nahezu übernatürlicher Schönheit gesegnet. Allerdings sah sie diese Schönheit schon früh als Fluch, denn niemand interessierte Sich für sie als Person, sondern all nur für Ihr Äußeres. Von allen nur als Schmuckstück des Larostempels bezeichnet, nie allein gelassen von Verehrern, von anderen Frauen gemieden und verspottet, führte die arme Nuala ein einsames Leben. Diese Einsamkeit wurde nur einmal durchbrochen, als ein durchreisender Tunichtgut Ihr die Jungfräulichkeit nahm. Nur, um unmittelbar danach die Flucht zu ergreifen. Anscheinend war dieser einen Liebesnacht auch noch ein Kind entsprungen, doch Nuala konnte mit dieser neuen Schande nicht umgehen und gab Ihrem Vater und der Kirche des Laros die Schuld an Ihrem Schicksal. Hatte der Gott sie nicht mit diesem Aussehen verflucht?
So liegt der Verdacht tatsächlich nahe, das Nuala selbst das Feuer legte, das den Tempel vernichtete und Ihren Vater das Leben kostete. Bis jetzt waren jedoch alle davon ausgegangen, dass sie selbst dabei den Tod gefunden hatte. Stattdessen scheint Sie sich der Mutter der Monster zugewandt zu haben, um das Geschenk der Schönheit durch den Fluch der Monstrosität zu ersetzen. Welch Leid muss dieses Kind erlitten haben, um solch einen furchtbaren Weg zu wählen?
Zu guter Letzt vertraute uns Anna noch Ramirez an, einen Ihrer Sklaven. Die Sklaverei an sich ist etwas, das mir nie in den Kopf gegangen war. Vielleicht, weil ich mit dem Glauben an Sigmar aufgewachsen bin, dessen Kirche Freiheit und Gemeinschaft über alles stellt. Natürlich gibt es auch im Imperium Zwänge und Verpflichtungen gegenüber dem Adel, den Ständen der Kirche, usw. Aber niemand würde auf die Idee kommen, einen anderen Menschen als „Ware“ oder „Besitz“ zu bezeichnen.
Ramirez selbst schien aber nicht daran interessiert, diesen Zustand zu diskutieren. Er ist ein Hüne von einem Mann, und seine Haut ist nahezu ebenholzschwarz. Und er scheint IMMER zu rennen, eine sehr anstrengende Angewohnheit…
Urteil In Gegenwart eines Gottes
Vom gnomischen Kartografen des Ortes bekamen wir eine Karte, die uns sowohl Laros Lagune, in der die Anrufung stattfinden sollte, als auch den vermutlichen Ort des Distelkopffelsen eingezeichnet war.
Am Distelkopf vermuteten wir Luana und Hazir. Nachdem Sie dort auch den ersten Schritt Ihrer Segnung zur Mutter dort vollzogen hatte, war dies unsere nahe liegendste Vermutung.
An den Stadttoren kam uns die Idee, dass man die Strecke eventuell auf dem Seewege gemütlicher zurücklegen könnte. Außerdem wollten wir Käpt’n ap Trion mitnehmen. Anna hatte uns erklärt, das Seehexen auch eine Verbindung zu Laros haben, und jeden Vorteil den wir haben, wollten wir nutzen. Also zog Akbash zurück in die Stadt, um den Käpt’n zu wecken und ein kleines Boot klar zu machen während wir uns schon auf den Weg in die Lagune machte, um keine Zeit zu verlieren.
Diese Entscheidung bereute ich sehr schnell. Die Wälder von Port Grim sind ein Alptraum. Zwar sind die Wälder des Imperiums düster und von Monstern bewohnt, aber man kann dort wenigstens laufen! Und es ist nicht alles triefnass! Tatsächlich musste Ramirez auf der „Handelsstraße“ mehr als einmal die Machete schwingen, um den Weg passierbar zu machen. Auf den wenigen Meilen bis zur Lagune schwitzte ich mindestens drei Eimer Wasser aus und fühlte mich nicht wirklich erfrischt. Von meinen Gefährten bekam ich natürlich wieder nur Spott und Hohn. Warum musste ICH eigentlich zu Fuss gehen, nachdem das Boot meine Idee war?
Ach, Kjull verkauf's, wir kamen zu Laros Lagune, ein wahrlich beeindruckendes Amphitheater mit Blick auf die herrlichen Wellen des Südmeeres. Der Questor erwartete uns schon, zusammen mit einer Questorin, die wir noch nicht getroffen hatten, eine Frau namens Yazahara Sturmbringer.
Der Questor erklärte uns, dass das Ganze in Form einer Debatte ablaufen würde. Questorin Sturmruferin würde die Argumente gegen Joachim formulieren, wir sollten die Gründe für seine Rückkehr vorbringen. Dann würde Laros Bote entscheiden, ob er Joachim zurückrufen würde.
Wir taten uns zusammen und ließen die Ereignisse Revue passieren. Theologisch betrachtet war Joachim nicht nur von einem, sondern gleich zwei finsteren Göttern bedrängt worden. Nicht nur das das vergiftete Wasser der Lammazdu seinen Geist verwirrte, Schwarzsäbel Dan ist ein Diener Callistos, da tote Seeleute normalerweise am Grunde des Meeres zu bleiben haben.
Und die Aufgaben, die vor uns lagen, sahen ohne Joachim tatsächlich gar finster aus…
So rief denn der Questor den Avatar Laros hervor, und er trat uns gegenüber in der Gestalt eines Meergrünen Riesen. Auf seine Art war diese Begegnung ebenso verstörend und furchteinflößend wie das Abbild Lammazdus, das wir im Tempel erblickt hatten. Wir standen hier schließlich der Personifizierung von Sturmfluten, Riesenwellen und Tsunamis gegenüber. Aber Laros ist nicht nur die Zerstörung, er ist auch mit Churun die Quelle allen Lebens, denn ohne Wasser und Regen kann nichts wachsen auf der Welt.
Nur dieser Gedanke allein verlieh mir den Mut, das Wort an dieses Wesen zu richten, als sein fragender Blick auf mir zu ruhen kam.
So erklärte ich denn zunächst was alles zusammen kommen musste, um Joachim aus unserer Mitte zu reißen und wie tapfer er sich aller Einflüsse erwehrt hatte, bis er überwältigt wurde.
Dann sprach ich von dem Übel, das Port Grim bedrohte, und das ohne seine Hilfe kaum aufzuhalten sei.
Aber erst, als ich erwähnte, dass wir auf Escobars Spur unterwegs waren, bekam ich eine Reaktion dieses Wesens.. Wie ein Orkanwind schlug mir seine Stimme entgegen:
„Escobar darf niemals mehr auf Laros Meeren fahren! Er ist verbannt!“
Ich zitterte, doch dann traf mich die Erkenntnis.
„Unser Ziel ist das Mahlstromarchipel selbst, um dort die letzten Reste seines Erbes in alle Winde zu zerstreuen, auf das selbst sein Andenken vernichtet ist!“
Das schien dem Riesen zu gefallen.
„Diese Aufgabe ist es würdig, das dafür ein Held noch einmal aus den finsteren Fluten empor steigt! Empfange das Wasser des Lebens, Joachim!“
Er richtete den goldenen Dreizack auf Joachims Körper, und ein Strahl leuchtenden Wassers erfüllte, umhüllte und durchdrang ihn. Als der Strahl abbrach, zuckte sein Körper, und mit einem Krampf begann er, Wasser zu husten. Wir eilten an seine Seite, überglücklich und beseelt von dieser Wundertat. Eine göttliche Ruhe und Zuversicht erfüllte uns. Es gibt größere Mächte als das Böse auf dieser Welt. Es tut gut zu wissen, dass die Götter mit uns sind, wenn wir uns nur tapfer dem Übel entgegenstellen.
Der Moment der Glückseligkeit wurde von Käpt’n ap Trion unterbrochen.
„Wir fahren also wirklich in den Schlund der Hölle. In die Heimat Callistos, um Ihrem liebsten Diener in den Hintern zu treten und seinen Schatz zu stehlen. So ausgesprochen macht das verdammt nüchtern… Ich geh trinken!“
Auf nach Galvadors Landung
Erfüllt vom Vertrauen in die Götter bestiegen wir das kleine Fischerboot, das Akbash organisiert hatte. Der Besitzer hatte keine Lust, mitten ins Goblingebiet zu fahren, aber war bereit, es uns zu leihen. Während unserer Fahr hierher hatte ich einige Male mit unserem Beiboot geübt, unter Aufsicht des Admirals oder des Käpt’ns. Ich freute mich auf meine erste Alleinfahrt…
Was soll ich sagen – Laros ist nicht umsonst der launischste aller Götter, der einzige, dessen Name wohl öfter in Flüchen als in Gebeten zu hören ist. Ich schaffte es noch nicht mal, das Boot aus Laros Lagune heraus zu manövrieren. Starke Schwerwinde und tückische Störungen drückten uns gegen die Felsen, und in der Hektik schaffte ich es dann tatsächlich, das Ruder so unglücklich zu verkeilen, das wir komplett manövrierunfähig wurden. Bevor die Nussschale voll Wasser laufen konnte, schwammen wir wie begossene Pudel zurück an Land. (Ihr müsst im Übrigen nicht denken, dass auch nur EINER meiner Gefährten meine Erklärung von Laros Launen Glauben schenkte. Ungläubiges Pack!)
So blieb uns wieder nur der Landweg, und wieder legte Ramirez eine unfassbare Geschwindigkeit an den Tag. Ich will Euch nicht mit den Details unserer Strapazen langweilen, aber lasst Euch gesagt sein, dass salzwassergetränkte Hosen nicht die beste Laufausrüstung sind.
Zum Glück waren wir aus dem Dschungel heraus und durchquerten jetzt die frieen Marschen, eine sogenannte „Savanne“. Wir konnten die exotische Tierwelt bewundern, von Kühen in braun und gelb, deren Hals alleine länger ist als zwei Männer, über Pferde in einem nie gesehenen schwarz-weißen Streifenmuster, zu den gewaltigen Raubkatzen, deren Pfotenabdrücke größer als zwei ausgestreckte Männerhände sind.
Wir erreichten Galvadors Landung gegen Mittag. Oder zumindest das, was davon übrig war. Die geplünderten, niedergebrannten und mit Leichenteilen übersäten Ruinen waren ein grausiger Vorbote auf das, was Port Grimm bevor stünde, wenn wir versagen sollten. Wiederum waren wir entsetzt über die Rücksichtslosigkeit und Brutalität dieser Goblins. Sie wirken harmlos, ja lächerlich, wenn sie allein sind, aber sie waren von einer solchen – Boshaftigkeit erfüllt, das es einem schlecht werden konnte.
Vor einem der drei Steinhäuser fanden wir eine Überlebende. Sie hatte sich mit Ihrem Mann versteckt und sie waren erst vor einer Stunde ehrausgekommen. Jetzt wartete sie auf Ihren Mann, der in dem Haus nach dem gemeinsamen Sohn sehen wollte. Und er war schon seit einer Stunde darin…
Grimmigen Blickes machten wir unsere Waffen bereit. Ich blieb draußen bei der Frau, auch um Alarm zu schlagen oder flüchtende Goblins nieder zu schießen. Von drinnen hörte man bald Tumult und Kampflärm, der aber rasch verstummte.
Stoischen Blickes kam Ramirez heraus, den gefiederten Kopf eines Goblinhelden in der Hand. „Alle tot“, war alles, was er sagte. Die Frau brach in Wehklagen aus.
Nun standen wir vor einem Dilemma. Was sollten wir mit der einsamen Witwe tun? Ich war zunächst dafür, sie mitzunehmen, aber Akbash und Heidrun erklärten, dass ein einziger Schrei im falschen Moment unser aller Tod sein könnte. Wir diskutierten mehrere Möglichkeiten, aber keine Klang wirklich vielversprechend. Schweren Herzens beschlossen wir, die Frau in einem möglichst sicheren Zimmer zurück zu lassen, in der Hoffnung, dass wir schnell zurück kehren und sie retten konnten.
In der Hoffnung, dass die Raubtiere sich an den Überresten der Verstorbenen satt fressen würden und die Frau nichts Dummes tat, verließen wir Galvadors Landung
Möge Churun uns verzeihen.
Zum Distelkopf
Hatte ich erwähnt dass der Dschungel furchtbar war? Nun, er war gar nichts gegen dieses elende Dornengebüsch. Wenn es nicht so feucht hier wäre, wir hätten den Busch lieber abgebrannt als uns hindurch zu hacken, winden und zwängen. Dornen so lang wie mein Zeigefinger, Nesseln bis über unsere Köpfe und gifttriefende Blätter überall. Ramirez erkannte noch rechtzeitig eine verdächtig allein stehende Pflanze, deren Blätter irgendwie – gierig aussahen.
Auf unserem Weg entdeckten wir einige in den Baumwipfeln verankerte „Späh-Nester“, zum Glück verlassen. Als wir den Distellauf, einen kleinen Bach, überquert hatten, kamen wir schließlich an eine schier unüberwindliche Wand aus Dorngestrüpp. Diese wand war zu gleichförmig, zu undurchdringlich, als das sie zufällig hier stünde.
Mels scharfe augenentdeckten einen Trampelpfad, der in der Wand verschwand, und kurz darauf eine Art Luke, die in einen klaustrophobisch engen Dornentunnel führte. Ich muss zugeben, mich verließ der Mut, als ich diesen Tunnel sah. Die Erzählungen von Heidrun und Akbash, von dem Goblin im Schrank, wollten mir einfach nicht aus dem Kopf. Ich würde nicht wie eine Ratte auf allen Vieren in die Messer und Zähne der Goblins krabbeln.
Die Hecke überklettern sah allerdings auch wenig viel versprechend aus, zumal wir nicht wussten, wie weit sich dieses Gebüsch erstreckte. Ich konnte die anderen überzeugen, erst einmal dem Distellauf zum Wasser zu folgen, bevor wir uns in dieses Todesloch begaben. Bei all dem Gemurre und Genöhle frage ich mich manchmal, ob ich der Einzige mit einem gesunden Selbsterhaltungstrieb bin!
Der Distellauf fiel beinahe 10 Fuss eine Klippe herab ins Meer, aber von dort zog sich ein Kiesstrand um die Insel herum. Ramirez meldete sich freiwillig, den Weg auszukundschaften. Ich gebe zu es ist schön, jemanden dabei zu haben, der ohne zu zögern jede Aufgabe übernimmt, aber immer wieder fragte ich mich, ob wir damit nicht seine Sklavenmentalität unterstützten.
Ramirez kehrte schnell zurück und berichtete von einem Höhleneingang, der unseren Karten nach weit hinter der Dornenbarriere liegen musste. Es galt die Chance zu nutzen, ob den offensichtlichen Eingang zum Goblinlager zu umgehen. Beim Abstieg verletzte sich Ramirez noch unglücklich, aber er zeigte keinerlei Schmerz.
Um weiter in die Höhle vorzudringen, mussten wir wieder schwimmen. Laros schien wirklich Freude an unserer Gesellschaft zu haben… Wir erreichten eine nach oben offene Höhle mit einem recht großen See in der Mitte, umringt von einem schmalen Kiesstreifen. Bei näherer Betrachtung überragte die Öffnung eine Art Opferplattform. Wem oder was hier wohl geopfert wurde? Die Untersuchung des Seebodens förderte dann auch einige Knochen und Skelette zu Tage, so dass wir lieber auf dem Kiesstrand blieben.
Was uns natü
rlich auch nicht retten sollte. Die Mutter der Monster hatte hier eines Ihrer abscheulichen Kinder positioniert. Ich kann es kaum beschreiben Es war eine widerliche, schuppige Mischung aus Tiger und Fisch. Mit den Klauen und Fängern einer Raubkatze aber dem Schwanz eines großen Fisches. Ein Figer? Ein Tisch? Wir einigten uns später auf "Seelöwe", das kam der Gefährlichkeit der Bestie näher.
Ein fruchtbarer Kampf entbrannte, immer geprägt von Blitzschnellen Sprüngen der Bestie aus dem Wasser bei denen Sie versuchte, einen von uns zu packen und in die Tiefe zu reißen, während wir auf sie einschlugen und stachen, während sie zurück ins Wasser glitt. Schnell färbte Blutbeider Seiten das Wasser rot, aber trotz Ihrer klaffenden Wunden schien die Bestie nicht langsamer zu werden. Schließlich geschah das Unglück, und Aurelia war einen Wimpernschlag zu langsam, um den Klauen des Monsters zu entgehen. Panisch hackten wir alle auf das Biest ein in der Hoffnung, es zu töten, bevor es Aurelia in Ihr Reich zerren konnte – was uns auch beinahe gelang, immerhin verletzten wir es so schwer, das es Aurelia aus Ihren Fängen lassen mussten. Aber ein verirrter Schwertschlag Heidruns war tief in Aurelias Seite eingedrungen, so dass sie zusammen mit den Verletzungen von Zähnen und Klauen des Monsters dem Tode näher war als dem Leben.
Nie zuvor hatte uns Joachim mehr gefehlt als in diesem Moment. Zwar gelang es Mel, Ihre Wunden zu verbinden, aber an eine Weiterreise war für Sie nicht zu denken. Und wieder standen wir vor einem Dilemma. Wir konnten Aurelia nicht zurücklassen – auch wenn das Monster verwundet war, es war nicht tot. Und wer weiß, ob es sich nicht an Land schleppen und Aurelia töten würde, kaum dass wir die Höhle verließen. Der Weg nach vorn blieb auch ungewiss.
Diesmal war es Akbash, der den Späher machte, und auf der anderen Seite der Höhle tatsächlich den Distelkopf ausmachte, mitsamt einer Brücke und – einem Auge? Es schien, das der Distelkopf nicht nur ein merkwürdig geformter Fels, sondern tatsächlich der Kopf einer gewaltigen Statue war. Oder, um es mit Akbash unheilverkündenden Worten zu sagen. „Wer weiß, ob das nicht der Kopf von Malfeshnikor ist, den Luana erwecken will?“
Zumindest eines unserer Probleme nahm Laros uns aus der Hand – er schickte uns seine Haie, um dem Seelöwen ein Ende zu machen. Aber wieder mal war sein Segen zweischneidig – wir mussten mehr als vorsichtig sein beim Verlassen der Höhle, wollten wir nicht in den gierigen Mäulern von Laros‘ heiligen Fischen enden.
Wir ließen also eine weitere Frau zurück mit dem Versprechen, bald wieder da zu sein und der Hoffnung, dass die Mächte der Natur auf unserer Seite wären und das Wasser in der Höhle nicht steige…
Hinab in den Schlund
Die Prüfungen nahmen kein Ende. Der Distelkopf lag vor uns, eine Brücke ragte über uns auf, bestimmt 15 Meter entfernt. Bis jetzt war kein Goblin auf die Idee gekommen, nach unten zu sehen, aber wie lange noch? Und wie sollten wir hinauf kommen? Die Seiten des Distelkopfs boten keinerlei Halt, und einen Wurfanker auf die Brücke zu schleudern würde selbst dem dümmsten Goblin nicht entgehen.
Ramirez erklärte sich (wieder mal) bereit, den Distelkopf nach weiteren Eingängen unter Wasser zu untersuchen. Der Bursche rannte nicht nur wie ein Pferd, er schwamm und tauchte auch wie ein Otter. Schon nach kurzer Zeit tauchte er wieder auf und tatsächlich erwies sich der Distelkopf als wahrhaftiger Kopf, mitsamt einem Mund, hinter dem sich zumindest eine größere Öffnung verbarg.
Wir setzten alles auf eine Karte, gaben Ramirez ein Seil mit und ließen ihn den Schlund des Distelkopfes erforschen. Nach einer für mich unfassbar langen Zeit kam über das Seil das Signal, ihm zu folgen. So begaben wir uns also allesamt wieder in Laros Arme, nur geleitet von einem dünnen Strick. Trotz unserer Erschöpfung schien es sogar, als würde das Wasser uns leiten und den Weg erleichtern, und wir alle tauchten hinter einer dünnen Wand aus Seegras innerhalb des Schädels auf, in einer fremden Welt.
Die steinerne Kammer in der wir uns befanden war mit reichen Fresken verziert, Abbildungen gewaltiger Schätze und himmelstrebender Städte. Eine dieser Städte wirke gar, als hätte Sie früher hier, bei Port Grim gestanden – aber Ihre Türme und Paläste hätten den Vergleich mit Marienburg nicht scheuen müssen, wenn Sie nicht gar größer waren.
Als wir das Becken verlassen hatten, wurden wir auch plötzlich Unmengen uralter Schätze gewahr – Waffen, Rüstungen, Truhen, alle zerfressen vom Salzwasser. Unser aller Augen wurden allerdings zu einem gewaltigen, goldenen Helm gezogen, eines wahren Riesen würdig, mit einem Gesichtsschutz in Form eines schrecklichen, zangenbewehrten Ungetüms – das sich auf uns zu bewegte, mit klappernden Scheren! Ein gewaltiger Krebs, mit Scheren so lang wie Schwerter, hatte den Helm als Heim auserkoren und uns als Futter! Erschöpft und geschwächte vom Kampf gegen den Seelöwen und der Tauchpartie eilten wir aus dem Raum, fanden in unserem Glück einen funktionierende, eichene Tür und konnten sie hinter uns zuschlagen und verriegeln.
Nun sitzen wir hier in einem schummerig beleuchteten Gang, hinter uns ein monströser Krebs, vor uns das ungewisse Innere des Distelkopfes. Irgendwo dort lauert Luana darauf, Ihren Pakt mit der Dunklen Mutter zu besiegeln und Ihr mörderischer Geliebter Hazir. Ach so, und ein Stamm menschenfressender Goblins.
Zeit, mein Pulver zu trocknen und die Peitsche abzurollen! Wir kommen, Ihr Monster!
1 Kommentare:
Erneut tiefsten Respekt für die hervorragende Zusammenfassung der zurückliegenden Ereignisse. Ich werd in kürze die nötigen Bilder einfügen.
Da können wir uns ja entspannt zurück lehenen bis zum kommenden Treffen und uns zumindest als Spieler bzw. Meister entspannnen ;-)
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