Harter Abschied von Port Grim
Über die letzten Wochen war uns Port Grim regelrecht ans Herz gewachsen. Sowohl der korrupte Bürgermeister als auch der schlagfreudige Sherriff waren mehr oder weniger auf unserer Seite, und die Reisevorbereitungen liefen wie geplant. Bei einem der südländischen Waffenhändler erstanden wir noch einen angeblich magischen Krummsäbel für Aurelia, den „Krummsäbel des Kalifen“. Der Bursche hatte auch recht progressive Ideen für den Waffenhandel. Zusammen mit meinem Interesse an der Glasfabrik ergaben sich in Port Grimm immer mehr interessante Möglichkeiten, sobald ich denn endlich das Kapital aus unserer Schatzsuche ziehen konnte.
Allerdings waren wir nicht alleine mit unseren Verhandlungen, Verbindungsknüpfereien und ähnlichem. Sandro machte uns darauf aufmerksam, das Käpt’n Ap Trion sich mit zwielichtigen Gestalten traf, während die Fürstin und der Hexenjäger weiter undurchschaulich blieben. Trotz unserer guten Zusammenarbeit bestanden sie sogar darauf, unsere Verträge (vor allem mit Joachim) zu begutachten und sie betonten, dass wir für sie arbeiteten und keineswegs Partner wären.
Trotzdem stattete uns Sandro aufgrund unserer Bedenken Schwarzsäbel Dans gegenüber mit Amuletten aus, die uns vor Geistern und Untoten schützen sollten.
Ich muss auf mein loses Mundwerk achten, denn mehr als einmal rutschte mir heraus, das solche Verträge sich unter bestimmten Umständen (Reisen in die Hölle, zum Beispiel) durchaus als nichtig erweisen könnten. Ich habe da wohl einiges an Vertrauen verspielt, denke ich.
Am Abend vor der Abreise lud uns der Käpt’n in eine der zwielichtigen Kneipen ein, die sie frequentierte, und eröffnete uns eines der Geheimnisse, die die Fürstin umgab. Sandro, der Spiritist, war offensichtlich nur der Deckname für einen der verfluchten Wittgensteins! Für alle Nicht-Kemperbader Bürger (oder Reikländer allgemein) sei hier kurz angerissen, das die Wittgensteins der klassische Buhmann aller Kindermärchen im Reikland sind. Inzestuös, gotteslästerlich und verschroben, kam schon seit Jahrzehnten nichts Gutes aus Schloss Wittgenstein. Die Zerstörung dieses Schandflecks durch die Sackheimbande hat zwar die Wurzel dieses Übels endlich ausgerottet, aber ein paar faule Früchte dieses Stammbaums lauern überall im Imperium.
Bevor wir mit dieser Information zu Recht kommen konnten platzten dann doch allen Ernstes die Reikswassermarshalls in die Kneipe! Die Marshalls wollten uns mittels Hexerei arrestieren, und bevor ich auch nur das Wort ergreifen konnte brach schon die Hölle los. Heidrun streckte einen der Zwillingsmagier nieder – die werden wohl nie wieder verwechselt werden, autsch. Ich entkam aus einem Hinterfenster um Hilfe zu holen, aber aus den Erzählungen Akbash und Joachims schließe ich, dass diese wohl deutlich zu spät gekommen wäre. Denn auf dem Höhepunkt der Hauerei griff die Stadtwache ein, um die Parteien auseinander zu treiben.
Unsere Truppe wurde unter Hausarrest gestellt – auf unserem Schiff! Ein geschickter Winkelzug des Sheriffs, unabhängig von unserer Taten konnte er sich den Reikwässerern gegenüber rechtfertigen, gab uns aber die Chance zur Flucht.
Die ergriffen wir denn auch, und endlich setzten wir Segel gen Mahstromarchipel!
Reise in den Schlund der Hölle
Die ersten Tage unserer Reise verbrachten wir damit, uns wieder an das Bordleben zu gewöhnen. Segel setzen, einholen, Bordwachen, etc. Der merkwürdige, halbverweste Möwenvertraute von Sandro sorgte für einiges an Diskussion. So langsam mussten wir auch einen Plan fassen, wie wir denn vorgehen wollten, wenn Schwarzsäbel Dan das Steuer übernehmen sollte. Wir hatten der Crew natürlich wohlweislich nichts von einem Geisterpiraten erzählt, der uns in die Hölle fahren soll. Die beste Möglichkeit erschien uns eine zeitweise Besessenheit von Mel. Obwohl das ganze mich einen Hauch zu sehr an die Besessenheit Joachims erinnerte, hofften wir so die besten Resultate zu erzielen. Vor allem, da wir in Mervins Habseligkeiten ja eine silberne Kette gefunden hatten, mit der wir Geister zumindest einsperren konnten.
Bald darauf erspähte unser Ausguck ein Segel hinter uns. Offensichtlich waren die Reiksmarshalls nicht so leicht abzuschütteln, wie wir gedacht hatten. Trotz aller geschickten Manöver und Beinflussung der Wellen war an ein Entkommen nicht zu denken, denn anscheinend hatten die Marshalls den Wind auf Ihrer Seite – gewiss mittels der Zwillingszauberer. Wir schmiedeten einiges an Plänen, um Ihnen aufzulauern, aber am Schluss entschieden wir uns für die einfache Variante – das Mahlstromarchipel war durch grausame Gefahren geschützt, denen wir hoffentlich durch unsere Karten und Artefakte des Seeräubers Del Mar trotzen konnten. Die Marshalls hatten nichts dergleichen – sollten Sie uns also dorthin folgen, würde es gewiss übel für Sie enden.
Ein übles Ende befiel aber zunächst unser Schiff – genauer gesagt, unsere Besatzung. Zunächst verstarb während einer Wache ein Matrose. Was genau passiert ist, werden wir wohl nie erfahren, aber irgend etwas (oder jemand, Herr Wittgenstein?) betäubte Akbash und ermordete den Mann, der mit Ihm Wache stand. Als wäre diese nicht grausam genug, hat derjenige auch noch Akbash sein linkes Auge herausgeschnitten und ihm stattdessen das schwarze Juwel eingesetzt, das sich in Sandros Besitz befand – das Auge des Abyss!
Dann kam der Nebel. Ein merkwürdig klebriger, unheimlicher Nebel umschloss das Schiff und ließ uns nicht mehr los. Unsere Segel erschlafften, aber eine unheimliche Strömung zog uns weiter voran. Ab hier überließen wir Blutsäbel das Steuer, im Körper von Mel. Ich weiß nicht, ob ich Mel je wieder in die Augen sehen kann ohne zu überlegen, ob irgendwo da drin nicht noch der blutrünstige Pirat lauert, dessen verdorbener Geist seine Klauen in ihn schlug.
Tags darauf begann dann die Krankheit, unsere Mannschaft zu befallen. Es begann langsam, mit Übelkeit und Gleichgewichtsstörungen. Innerhalb weniger Tage war die halbe Mannschaft befallen, und die ersten starben trotz aller Versuche Joachims, den Verlauf aufzuhalten. Es schien, als würden sich Ihre Eingeweide verflüssigen, bis schließlich Blut aus allen Körperöffnungen austrat und der Tod eintrat. Wir versuchten, die ersten Fälle geheim zu halten, aber schnell waren es zu viele, und die Mannschaft drohte in Panik zu geraten. Wir alle waren schwer erschüttert, aber niemand von uns schien befallen zu sein. Joachim arbeitete Tag und Nacht, legte Drainagen, sprach Heilzauber und versuchte, irgendeinen Zusammenhang zwischen den befallenen herzustellen, aber nichts fruchtete. Wir befürchteten, das irgendein böser Geist in diesem Nebel wohnte, und versuchten, mittels unserer Amulette und der Zauberkette die befallenen zu retten oder zu schützen, aber nichts half. Wie Wasser rann das Leben dieser armen Seeleute durch unsere Hände. Der Feind, der sie uns nahm, war ungreifbar, was Ihre Tode sinnlos und willkürlich erscheinen ließ.
Als ich diese Zeilen schreibe kommen mir schreckliche Vermutungen, im Hinblick darauf, was später mit Ihren Leichen geschah. Ich werde viele Stunden beten müssen, um Buße zu tun, doch ich weiß nicht, ob mich diese Zweifel je verlassen werden. Denn ein Verdacht Joachims war, dass all diese Symptome auch durch ein Gift hervorgerufen werden könnten. Und nur ein Mitglied unserer Mannschaft hat mehr Interesse an Leichen denn an lebenden Menschen…
So verloren denn auf dieser Reise, bevor wir das Mahlstromarchipel auch nur gesehen hatten, 23 Unschuldige Männer Ihr Leben, getrieben von unserer Gier nach Gold und Rache. Sie werden für immer auf unserem Gewissen lasten.
Kaum verstarb der letzte Matrose, lichtete sich der Nebel, und vor uns ragten die drohenden Klippen des Mahlstroms vor uns auf!
Die Wächter des Schlundes
Was auch immer ich über Schwarzsäbel denke, er hielt sein Versprechen. Er steuerte die Wellentänzer getreu Ihrem Namen durch eine wilde Choreographie aus Wenden, Kreuzen und irrwitzigen Manövern, entlang am Rande des Mahlstroms, in dessen tiefen die ewige Verdammnis lauerte, hinein in die Insel der Gehenkten.
Von der Flussmündung aus konnten wir dann auch mit gemischten Gefühlen beobachten, wie unser Plan betreffs der Reichsmarshalls aufging. Nicht geführt durch die unnatürlich sichere Hand unseres toten Steuermanns, geriet Ihr Schiff in die gierigen Klauen des Mahlstroms. All Ihre Seemannskunst und Zauberei konnte sie nicht davor schützen, in die dunklen Tiefen gerissen zu werden, wo Ihr Schiff von tentakelbewehrten Monströsitäten in Stücke gerissen wurde. Noch mehr Tote lasten damit auf unserem Gewissen. Ohne uns hätte Sie Ihr Weg niemals hierhergeführt, und einmal mehr frage ich mich, ob wir nicht unwissentlich der Königin der Tiefen Wasser besser dienen als Laros, dem Wellenkönig.
Aber jetzt hilft es alles nichts mehr, die Dinge sind getan. Unser Kurs führt uns den Fluss hinauf in einen gewaltigen See, an dessen steilen Kliffwänden nur ein einziger Anlegeplatz zusehen ist. Das Kai der Gehenkten. 12 Tote Körper, gehüllt in die grünen Überreste von Uniformen, baumeln hier wie makabres Obst von Galgenbäumen.
Doch noch bevor wir Kurs legen können, warnt uns Akbash vor einer neuen Gefahr. Schon vorher hatten wir festgestellt, dass das schwarze Juwel in seiner Augenhöhle ihm merkwürdige Dinge zeigen konnte. So konnte er Schwarzsäbel Dans geisterhafte Gestalt in Mels Körper erahnen, und den bösen Geist sehen, der den Vertrauten von Sandro belebte.
Jetzt spürte er aber etwas ganz und gar anderes – etwas Uraltes, gewaltiges, aber dennoch lebendiges. Eines der ältesten Schauermärchen aller Seefahrer fand hier seinen grausigen Ursprung – die Seeschlange, der Meereswyrm, der Schiffsverschlinger, lauerte hier im See darauf, der Wellentänzer den letzten Tanz zu gewähren!
Verzweifelt machten wir unsere Waffen bereit, luden Kanonen, so schnell es ging, und hofften verzweifelt, das Tier wenigstens zu verletzen und von uns fortzujagen. Die Dimensionen der Schlange ließen mich an meinem Verstand zweifeln. Ihr Maul war groß genug, als das ich aufrecht darin hätte stehen können, und selbst die wenigen Windungen, die wir über den Wellen sahen waren genug, die „Tänzer“ dreimal zu umwickeln. Käpt’n ap Trion bringt uns in Position und der Feuerbefehl erschallt, aber die Kanonen schweigen. Panisch renne ich unter Deck, um zu verstehen, was schief gegangen ist – nur um zu erfahren, dass das Auge des Abyss die Schlange nicht nur sehen kann – es kann sie auch befehligen! Wie im Traum scheint sich Akbash‘ Körper zu winden, wie die Schlange selbst – und sie folgt seinen Bewegungen!
Soweit, so gut – aber was macht man mit einer solche riesigen Bestie? Und wie lange mag dieser Zauber gut gehen. Wir beschließen, einfach schleunigst an Land zu gehen und hoffen, dass die Schlange an unserem leeren Schiff kein Interesse hat. Doch die Schlange tritt plötzlich in der Wichtigkeit unserer Probleme hinten an, als sich aus dem Wasser des Sees drei gewaltige Oktopi erheben! Als wären gewaltige Kopffüssler nicht erschreckend genug, scheinen diese aus Wasser geformt – anscheinend Elementarwesen? Nun, Akbash lässt der natürlichen Aggression der Bestie unter seiner Kontrolle freien Lauf und hetzt sie auf die Wassergeister. Wie gebannt können wir nur zuschauen, als diese Urgewalten aufeinandertreffen, und fragen uns, welch eine Macht all diese Wesen an diesen verfluchten Ort binden konnte? Was wird noch auf uns warten? Als Akbash Verbindung zur Schlagen wegen Ihrer großen Schmerzen schließlich abbricht und sie flieht, ist nur noch einer der oktopoden Elementare übrig, und Ihn fegt eine Salve aus unseren Kanonen hinweg. Der Weg ist frei.
(Es gab da noch eine unwürdige Episode, bei der ich nur von meiner Peitsche gehalten über der Reling hing wie ein nasser Sack, aber das werde ich gewiss nie jemand erzählen)
In die Tiefen
Als unsere Fuße das Kai betreten, erfüllt uns eine Art Wachtraum – das gräßliche Gesicht eines Piraten erscheint uns allen, und begrüßt uns. Tief erschüttert halten wir inne. War dies Escobar del Mar, der verfluchte Seeräuber, der Geliebte der gefallenen Garcia? Die verderbte Seele, deren endgültiges Verschwinden wir Laros versprochen hatten im Austausch für Joachims Seele?
Es schien so. Und als wären der schreckhaften Offenbarungen nicht genug, erscheint Schwarzsäbel Dan, wie immer aus dem Nichts.
„Dies sind meine Männer! Wenn Ihr Sie ordentlich begrabt, ist unser Handel beendet, und ich werde endlich ruhen können!“
Ganz ehrlich? Das hätte mir da schon anderländisch vorkommen müssen. Von irgendwelchen Männern war nie die Rede gewesen, und wie ein braver Kapitän war mir Dan nie vorgekommen. Was also sollten das für Männer sein, die zu Ihm gehören und gehängt im Mahlstromarchipel verfaulen? Aber die Gelegenheit erschien uns gut, Schwarzsäbel ein für alle Mal los zu werden, also ergriffen wir die Gelegenheit beim Schopf und versenkten die Leichen in Segeltuch gehüllt im See, begleitet von Garcia Joachims Worten. Schwarzsäbels Hand folgte Ihnen in die Tiefen.
Der Kai führte uns in einen Höhle, die wiederum vor einem Schacht mit einer Kette darin endete. An der Wand befand sich ein Bedienhebel mit den Symbolen einer Wolke, einer Welle und einer Muschel. Das ganze wirkte recht ähnlich den Aufzügen, die die Kemperbader Steilküste hinaufführen. Wobei ich mich bis heute frage, welcher Mechanismus das ganze antreibt? Irgendwo auf dieser Insel muss sich ein Schaufelrad oder ähnliches verbergen, das die Kraft für das ganze erzeugt.
Wir folgten der simplen Logik, dass die wenigsten Piraten Ihre Schätze auf Bergen aufbewahren und nahmen den Weg Richtung Muschel. Während der Fahrt beglückte uns Akbash mit der Möglichkeit, das dieser Käfig uns natürlich schlicht unter die Wasseröberfläche tragen könnte, wo wir dann jämmerlich ertrinken würden. ER würde eine Falle so bauen, sie wäre ironisch und effektiv. Tolle Aussichten.
Tatsächlich führte uns der Aufzug bis hinab unter das Meer – aber durch irgendeine Hexerei bildete das Meer eine Decke ÜBER uns! Wir standen auf einer Art Gallerie, gesäumt von güldenen Statuen monströser Tiefenbewohner, und einen neuerliche Vision Escobars erschütterte unser aller Selbstvertrauen.
Aber das war bald vergessen – erwähnte ich die GÜLDENEN Statuen? Gülden wie ihn MASSIV GOLD! Mit den drei Statuen, die ich sehen konnte allein, hätte sich diese ganze verfluchte Expedition schon gelohnt. Meine Gedanken raten schon um die Möglichkeiten, diese Kostbarkeiten zu bergen, ob wir sie denn in Einzelteilen oder im Ganzen transportieren sollten, wie sie denn am besten abzustossen seien, um den Markt nicht zu überfluten – nur, um dann von der kalten Stimme der Fürstin zurück in die Gegenwart gerissen zu werden.
„Kümmert Euch nicht um diesen Tand, wir müssen das Unlicht finden!“ Ein ganz und gar unschönes, fanatisches Leuchten stand in Ihren Augen. Es kam zu einer ganz und gar unschönen Diskussion mit Ihr und Hakam vom Berg, in dessen Zugleich wieder mein loses Mundwerk nicht so unter Kontrolle hatte, wie man es dem Adel gegenüber haben muss. Allen vernünftigen Argumenten zum Trotz wurde ich überstimmt, und anstatt den Reichtum vor unseren Augen zu sichern begaben wir uns stattdessen tiefer in die Höhle, die bei weitem zu groß war, um von unseren mickrigen Laternen ausgeleuchtet zu werden.
Hatte denn niemand von Ihnen je Kindergeschichten gehört? Wenn die böse Eiskönigin stirbt, schmilzt Ihr Palast, wenn der Drache sein Ende findet, stürzt die Höhle ein, etcetera etcetera. Was würde wohl mit der Höhle unter dem Meer passieren, nachdem wir den verfluchten Piraten erschlagen? Na? Na?
Einzig und allein meinem Plan, die Ankerkette der „Wellentänzer“ herunter zu lassen, auf das wir eine zweite Fluchtmöglichkeit nach oben hatten, wurde zugestimmt, und tatsächlich durchstieß die Ankerkette die Blase und führte uns einmal mehr die Absurdität dieses Ortes vor Augen.
Dunkle, wacklige Planken führten von der Gallerie in die Dunkelheit, aber in der Ferne konnte man etwas blitzen sehen…
Das Sphärenschloss
Wir entscheiden uns willkürlich für eine der Planken. Durch das Wasser unter uns ziehen dreieckige Flossen und gewaltige, schleimige Formen Ihre Bahnen. Aber all das ist vergessen als wir die erste „Insel“ erreichen. Knapp so groß wie ein großes Beiboot ist der Vorsprung aus Felsen, aber über und über mit Gold und Edelsteinen bedeckt! Allein diese Insel ist mehr wert als die Wellentänzer. Der Weg hat sich gelohnt! Escobars Schatz ist da. Als wir das Eiland betreten, wird mir kurz schummerig, und es fällt mir schwer, nicht sofort mit dem Einpacken und inventarisieren zu beginnen. So scheint es allen zu gehen – allerdings ist Akbash völlig überwältigt. Wir sind leise irritiert, denn solche Ausbrüche sind wir von Ihm gar nicht gewohnt.
Zweifelhaft wird das Ganze, als seine Taschen gefüllt sind und er in maßloser Gier beginnt, sich Münzen und Juwelen einzuverleiben! Ich bin der erste, der für sichere Aufbewahrungsorte plädiert, aber das kann nicht normal sein. Als Aurelia ihn darauf anspricht und versucht, ihn von weiterem Verzehr abzuhalten, fängt sie sich tatsächlich eine ein! Zeit für eine Intervention – der handfesten Art! Mel, Aurelia und Heidrun stürzen sich gemeinsam auf den wild um sich schlagenden Akbash, der allerdings schwerer zu halten ist als ein geölter Aal. Tatsächlich schafft es Akbash, alle seine Angreifer ins Wasser zu stoßen, als Hakan vom Berg ihn mit einem Zauber belegt, der ihn vor Schmerzen beinahe lähmt, so dass ich dem Armen einen Eimer Wasser ins Gesicht schütten kann. Irgendetwas davon hat Ihn wohl zur Besinnung gebracht, und wir retten zusammen unsere Gefährten aus dem haiverseuchten Wasser.
Jetzt haben wir Zeit und einen guten Ausblick auf weitere Teile der Höhle und weitere Inselchen, die aus dem Wasser ragen. Recht zentral liegt eine kreisrunde Plattform, umgeben von Säulen aus Schädeln. Ein vages Schimmern wir eine Blase verbindet die Säulen, und in der Mitte der Platform ruht ein grüner, faustgroßer Edelstein.
„Das Unlicht“, murmelt die Gräfin. „Endlich wird es mein sein!“
Aus der Anordnung der Inseln und der zentralen Plattform schließen Joachim und Akbash, das die Inseln die Teile des Sphärenschlosses sein müssen, die auf der Karte verzeichnet sind. Die Insel, auf der Akbash überwältigt wurde, entspricht demnach der „Gier“, und tatsächlich finden wir nach kurzer Suche eine Rune auf dem Boden, die den ersten Teil des Schlosses darstellt.
Die nächste Insel beherbergt demnach den „Zorn“. Nach unseren Erfahrungen mit der „Gier“ halten wir es für eine gute Idee, jemanden mit einem geschulten Geist auf die Insel zu schiecken, der solchen Einflüsterungen widerstehen kann. Außerdem sollte es jemand sein, der nicht so schwer zu bändigen ist wie Akbash. Alles deutet somit auf Joachim hin, der schließlich auch am ehesten die Runen identifizieren kann. Um das ganze denn auch endgültig abzusichern, Fesseln wir Joachims Arme und halten das Seil fest, damit wir Ihn im Zweifelsfalle von der Insel ziehen könnten. Alles in Allem ein makelloser Plan – wenn der „Zorn“ denn eine geistige Beeinflussung gewesen wäre….
Tatsächlich sah sich der gefesselte Joachim beim Betreten der Insel einem gewaltigen Golem entgegen, gebildet aus den Schätzen der Insel selbst! Das ganze hätte in Tränen enden können, wären nicht Heidrun und Akbash dem Monster tapfer entgegen getreten, um Joachim zu retten. Mit vereinten Kräften trieben sie das Konstrukt ins Wasser, wo es sich wieder in einzelne Münzen und Edelsteine auflöste.
Wenigstens die Falle der letzten Rune, „Neid“, konnten wir umgehen. Alleine gibt es niemand, auf den man neidisch sein könnte…
Jetzt hatten die meisten von uns ein wenig Ruhe und Zeit, den Rest der Höhle zu erforschen, während Joachim und Wittgenstein begannen, die Runen zu entschlüsseln. Heidrun, Akbash und Käpt’n ap Trion kaperten ein Floß und entdeckten noch einige recht bemerkenswerte Landmarken, darunter einen gewaltigen Thron, ein Schiffswrack (die Dunkle Rache? – Del Mars Falggschiff?) und ein merkwürdiges Tor im Nichts, flankiert von zwei hundeartigen Statuen – Schakale?
Noch viel überraschender als diese Entdeckung ist jedoch das unser guter Käpt’n offensichtlich damit gerechnet hat und munter beginnt, eine Art Code zu entschlüsseln, der das Tor verschließt. Tatsächlich hat der Käpt’n wohl wirklich eine eigene Agenda – eine Prophezeiung hat sie an unserer Seite reisen lassen um eben dieses Portal zu finden! Das Ganze hat wohl irgendwas mit Ihrer Suche nach Ihrem Vater und diesem Zwerg zu tun, auf deren Suche wir sie schon aus dem Walhalla der Zwergengötter retten mussten! Zum Glück für meinen Kreislauf bekomme ich das erst später erzählt, zu dem Zeitpunkt waren Aurelia und ich dabei, schon mal eine Auswahl an besonders teuren Stücken zu treffen, die wir auf jeden Fall retten müssen.
Der Kampf um das Unlicht
Joachim ruft uns alle zusammen, damit wir bereit sind, wenn die letzte Rune bricht. Vom Berg, die Fürstin und „Sandro“ sammeln sich direkt vor der Plattform, Heidrun und ich decken von der südlichen Insel. Akbash, Mel und Aurelia besetzen das Floß, um Joachim schleunigst von der Insel der letzten Rune zu holen, sollte etwas schief gehen.
Wir waren auf alles gefasst – und wurden trotzdem überwältigt von den Ereignissen, als die letzte Rune endlich brach. Folgende Fraktionen erschienen plötzlich auf dem Tableau:
1 Käpt’n Del Mar in all seiner untoten Glorie erscheint auf seinem Wrack, um das Unlicht einzuforden – begleitet von schrecklichen Monsterbräuten aus dem Garten der Kallisto.
2. Schwarzsäbel Dan erscheint in seiner geisterhaften Gestalt, begleitet von seiner meuternden Crew – die Burschen, die wir vom Galgen geschnitten haben!
3. Wittgenstein lässt allen Ernstes unsere tote Crew von oben in die Kuppel hinab regnen, um in den Kampfeinzugreifen, während sich die Fürstin als Hexe offenbart und Zauber um sich wirft.
4. Die beiden Ex-Zwillinge der Reikwassermarshalls von hinten und wollen alle verhaften!
5. Und last but not least erscheint der Admiral mit einer unserer Schiffskanonen und feuert in die Menge!
Das darauf hin ausbrechende Pandämonium spottet jeder Beschreibung und überfordert meine Fähigkeiten als Schreiberling. Untote kämpften gegen Seemonster, Kanonen feuerten in die Mengen. Schwarzsäbel Dan und sein Käpt’n führten den Kampf Ihrer Meuterei weiter, während magische Blitze und Wasserstrahlen verschossen, reflektiert und absorbiert wurden.
Akbash und Mel verteidigten Ihr Floß gegen die Monströsitäten der Tiefe, während Käpt’n ap Trion durch das verzauberte Tor entfloh.
Joachim erleuchtete die mittlere Plattform mittels eines Funkenregens, den der Admiral als Zielmarkierung für seine Kanonenschüsse nutzte. Heidrun und ich schmiedeten eine Zweckgemeinschaft mit den Marschalls unter dem Motto „Menschen gegen Monster!“
Schließlich liechteten sich die Reihen der Monströsitäten – Del Mar schickte Schwarzsäbel in die Hölle und stand auf der Plattform seiner Enkelin gegenüber. Deren Zauber prallten nutzlos an seinem Spiegelamulett ab, und die Schüsse Hakams schienen ihn kaum zu bremsen. Dies hätte das Ende unserer tapferen Auftraggeberin sein können, als plötzlich ein meterlanger Schatten aus dem Wasser aufstieg! Joachim zwang einen der riesigen Haie unter seinen Willen und ließ sie aus dem Wasser auf den Unholde springenund in’s dunkle Wasser reißen.
Triumphal ergriff die Fürstin das Unlicht, und schwarzgrüne Strahlen aus seiner Mitte zerfetzten die letzten Untoten und Höllenkonstrukte. Ruhe senkte sich über die Höhle. Sollten wir gesiegt haben? Und jetzt, wo sie das Artefakt hatte, würde die Fürstin zu unserem Vertrag stehen?
Unsere Ruhe wurde nur noch kurz unterbrochen, als Del’Mars zerfetzter Körper versuchte, sich an der Ankerkette der Wellentänzer in die Freiheit zu hieven, aber konzentriertes Feuer der verbliebenen Magier zerfetzte die Kette selbst und begrub den Kapitän in den Tiefen der Grotte unter Tonnen von Eisen – eine passende Verdammnis für diesen Schrecken der Meere.
Tatsächlich scheint alles ein gutes Ende genommen zu haben. Als ich dies hier schreibe, befindet sich die Wellentänzer mit einem Bauch voll Gold und Geschmeide auf dem Rückweg nach Port Grim. Ich kann noch gar nicht fassen, das all die Schrecken hinter uns liegen sollen, aber die Sonne strahlt, und auch wenn wir müde sind, so hat es sich am Ende doch gelohnt.
Trotz allem war der Preis hoch, und wir werden vielen Familien die traurige Nachricht über den Tod Ihrer Ehemänner bringen müssen. Käpt’n ap Trion ist verschwunden – ich hoffe, sie findet was sie sucht. Auch was genau die Fürstin und Ihre Kompagnons jetzt mit dem Unlicht anstellen werden, wissen wir nicht – aber das soll zunächst nicht unsere Sorge sein.
Wir schauen vorwärts zu etwas Ruhe und Erholung in Port Grim – endlich frei von Verpflichtungen, Missionen und Götteraufgaben. Sei bereit, Südmeer, für einen neuen, aufstrebenden Stern – die Port Grim Gesellschaft für Abenteurer und Entdecker!
P.S. – wir brauchen noch einen knackigen Namen für unsere Truppe. Schließlich wollen wir doch in die Annalen des Südmeers eingehen, oder nicht ;)


0 Kommentare:
Kommentar veröffentlichen