Eberharts Resietagebuch, Januar
Auf der Wellenreiter
„Eine Million Goldkronen. Eine –
Million – Goldkronen. Eine MILLION Goldkronen. Eine-AU“
Eine leere Flasche prallte von Eberharts immensem Bauch ab und
verschwand in der Südsee.
„Wir haben es verstanden, es ist viel
Gold. Aber wenn Du es noch genießen willst, solltest Du aufhören,
diese Zahl herunterzubeten.“
Weißhaar hing irgendwo unter der Rah
in den Wanten und öffnete die nächste Flasche.
Indigniert erhob sich Eberhart auf
seine watschelnden Füße.
„Seid Ihr Euch auch nur im
entferntesten bewusst, was diese Summe bedeutet?“
Johann meldete sich sofort:
„Unabhängigkeit von der Weißen Hand!“
Aurelia kam kurz danach „Rum, zwei
kräftige Burschen mit Palmfächern, und ein Plätzchen an der Sonne“
Heidrun blickte versonnen in die Ferne.
„Das sie uns endlich alle in Ruhe lassen.“
Mel lächelte nur still in sich hinein
und kritzelte etwas in ein Büchlein.
Akbash ließ sich elegant an einem Seil
von der Rah herab.
„Ehrlich gesagt, nein. Was bedeutet
es?“
Eberhart wandete sich ab und blickte
dem Horizont entgegen, hinter dem Marakasar wartete.
„Da ist das Problem. Es kann ALLES
bedeuten. Mit einer solchen Summe sind wir nicht mehr irgendwelche
Bauern auf dem Spielfeld. Das ist genug Geld, um etwas zu verändern.
Und es ist zu viel Geld, als das es geheim bleiben könnte. Wir
sollten also über die Konsequenzen nachdenken.
Als ich mit Euch aufbrach, da dachte
ich daran, irgendwo einen kleinen Profit herauszuschlagen. Ich dachte
an eine Kutschenverbindung zwischen Middenheim und Altdorf, später
dann eine Ladung exotischer Hölzer von den Inseln nach Marienburg,
solche Dinge. Jetzt? Jetzt könnte ich daran denken, mich in die
Südmeergesellschaft einzukaufen. Wir könnten die Marquis kaufen und
die Herrscher hinter dem Thron von Port Grim werden. Fakt ist – wir
sind ein politischer Faktor. In einer sehr brisanten politischen
Lage. Marakasar hat sich erst vor kurzem unabhängig erklärt, und
das Imperium ist nicht begeistert. Die Südmeergesellschaft will sich
auf der ganzen Insel etablieren und nutzt dazu alle Möglichkeiten
von Handelsblockade über Bestechung bis – wer weiß, wie weit sie
gehen. Wir sollten also scharf überlegen, mit wem wir uns verbünden
wollen.“
Johann schüttete ein wenig Wasser in
seine Hände. „Ich bin ein Sturmgeborener- ich muss zumindest zum
Tempel zurück und berichten, das unsere Mission erfolgreich war.“
Akbasch nahm einen weiteren Schluck
Rum. „Und wir wissen immer noch nicht genau, was dieser komische
Tempel unter der Glashütte zu bedeuten hatte. Könnte mir
vorstellen, dass da noch mehr Ärger wartet.“
Aurelia stupste Eberharts Bauch an. „Du
willst doch auch zu diesem Zuckerbäcker zurück, gib’s zu. Und ich
könnte mir vorstellen, den guten Ramirez zu kaufen und ihm die
Freuden der Freiheit zu zeigen.“
Heidrun nickte versonnen beim Gedanken
an Ramirez starke Arme und seinen knappen Lendenschurz.
„Es wäre auf jeden Fall schön, mal
etwas zur Ruhe zu kommen. Einen Platz, wo man den Mantel aufhängen
und die Füße hochlegen kann.“
„Eine Operationsbasis“ murmelte
Mel. „Aber wir brauchen auf jeden Fall einen sicheren Lagerplatz
für das Gold. Was haltet Ihr vom Distelkopf?“
Johann nickte zustimmend. Eine gute
Idee – ein abgelegener Ort, den außer ein paar Goblins nur wir
kennen, mit einem geheimen Zugang vom Wasser. Solange jemand anders
als Eberhart steuert, sollte das klappen.“
„Nur Kritik bekommt man, nur Kritik.
Aber das hört sich doch nach einem Plan an. Wir lagern das Gold im
Distelkopf und kehren dann ruhmreich nach Port Grim zurück, um dort
erst mal angesehen Bürger zu werden. Vielleicht fehlt Ihnen ja noch
immer ein Hafenmeister?“
In dem Moment erscholl ein Ruf aus dem
Krähennest.
„Marakasar voraus!“
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