Kaum hatten wir uns eingerichtet und versucht, eine Überfahrt zu buchen, wurde unser Problem offenbar. Irgend jemand hatte alle vor Anker liegenden Kapitäne bestochen, damit sie uns nicht an Bord nahmen. Schon bald war klar, das unsere Gegner jemanden hier vor Ort hatten.
Einzig ein merkwürdiges Paar auf einem abgerissenen Flussschiff namens Wasserratte wollte zumindest mein Angebot hören. Es handelte sich um eine Halbelfe namens Ap Trion und einen südländisch aussehenden Typ, der sich „Der Admiral“ nannte. Da mir keine Wahl blieb, einigte ich mit den beiden auf eine frühe Abfahrt am nächsten Morgen.
Während dessen war in der Taverne eine Nachricht für uns hinterlegt worden. Unsere Gegenspieler wollten verhandeln!
Zwar wussten wir nicht, was es zu verhandeln gab, aber es ist immer lohnend, den Dialog mit dem Feind zu suchen. Im schlechtesten Falle hat man einen Eindruck von Motivation und Entschlossenheit seines Gegenübers.
Da man aber nie mit nur einer Option in eine solche Verhandlung gehen soll, bereiteten wir einen kleinen Schlaftrunk vor – sollte sich die Gelegenheit ergeben, würde Aurelia das Getränk unseres Verhandlungspartners etwas „nach würzen“
Unser Gegenspieler erwies sich als kultivierter Vertreter seiner Partei namens Kasai. Er trug offen einen Wappenrock mit einer güldenen Theatermaske auf rotem Grund, eine uns gänzlich unbekannte Insignie, die wir aber schon früher bei unseren Angreifern gefunden hatten. Der Hexer aus dem Hinterhalt war bei ihm, aufgrund seiner Begegnung mit Heidrun aber recht schweigsam.
Die Verhandlungen stagnierten recht schnell. Unser Gegner erging sich in den üblichen Drohungen – nach dem Motto, je weiter Ihr kommt, desto schwerer wird es,warum kämpft Ihr überhaupt, kann ich Euch nicht kaufen, jadda jadda. All das ohne konkrete Angebote oder wirklich Alternativen, die uns den Ärger mit dem zwergischen, den Weißen Wölfen und der Inquisition erspart hätte. Wir spielten also ein paar Runden Drohungen austauschen, ohne jedoch weiter zu kommen.
Am Ende wussten wir nur, das es sich um Kräfte von außerhalb des Imperiums handeln musste, denn unser Gegner war recht überzeugt, das das offene Tragen seiner Insignien kein Problem darstellen würde. Da unser Weg uns quasi durch das ganze Imperium führen würde, lag es nahe, das wir hier mit ausländischen Gegnern zu tun hatten, was wir aber aufgrund Ihres Akzentes und der fremdartigen Ausrüstung eh schon vermutet hatten.
Es wurde Zeit, unser Vorgehen neu zu überdenken. Es war offensichtlich, das unsere Tarnung als Begleiter der Fürstin von vorne herein gescheitert war. Der Feind wusste, wer wir waren, kannte unseren Weg und mit wem wir reisen. Wenn wir hinzu ahmen, das uns allen die Gesellschaft der Gräfin (insbesondere Ihres Totenbeschwörers und des mehr als Verdächtigen „Hexenjägers“) schon von Beginn an unangenehm war, beschlossen wir, uns von Ihnen zu trennen. Nicht zuletzt brachten wir die drei, mal abgesehen von unseren Sympathien, immer und immer wieder in Todesgefahr, wenn unsere Gegenspieler uns als Gruppe attackierten.
Unangenehmer weise fehlten uns aber die Mittel, um alleine ein Schiff zu chartern und unsere Reise gen Nuln fort zu setzen. Also entschlossen wir uns, in einer Nacht und Nebelaktion die Reisekasse der Fürstin zu entwenden und auf der „Wasserratte“ zu fliehen. Wir wollten sowohl eine Art erklärendes Schreiben hinterlassen als auch auf schnellstem Weg von Altdorf aus die Behörden informieren, damit man sich um die Fürstin kümmern konnte. Alles in allem war uns wohler dabei, sie in Reikhafen stranden zu lassen, wo Ihr maximal ein paar unangenehme Fragen der Reikshandelsgesellschaft und der Ritter von Reikwacht bevor stünden – schlussendlich war sie eine Adlige und würde alle Schuld auf uns abwälzen können.
Überhastet hämmerten wir einen Plan zusammen, bei dem Joachim die Wächter der Schenke ablenken würde, während Akbash und Aurelia die Reisekasse plünderten. Wir anderen bereiteten unsere hastige Abreise über die Mauern vor. Im Morgengrauen wollten wir uns dann an einer Flußbiegung mit der „Wasserratte“ treffen. Durch dieses Manöver sahen wir eine Chance, unsere Verfolger wenigstens kurzfristig abzuschütteln.
Wie sagte mir mal ein alter Söldner? Kein Schlachtlan überlebt den Kontakt mit dem Feind. Auch hier hatten wir die Sicherheistmassnahmen der Fürstin unterschätzt. Ihr „Medium“ hatte offensichtlich das Zimmer der Fürstin mit einem Zauberbann belegt, der einen Totengeist aus der Hölle auf Eindringlinge hetzte!
Bis heute sind die Details schwammig, wie wir es trotzdem schafften, die Geldkiste und die schwer verwundete Aurelia aus dem Gasthaus zu schaffen. Auf jeden Fall stand es außer Frage, über die Mauern oder das Tor zu fliehen. Statt dessen flohen wir Hals über Kopf auf die Wasserratte, die unter dem Feuer der Hafengeschütze von Reikhafen ablegte und uns auf die vorläufige Sicherheit des offenen Reiks brachte.
Reikhafen – Die Masken zeigen sich
Author: Nils /
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1 Kommentare:
In Reikhafen bekam ich eine Nachricht von Chef der Wache von Burg Schwertwald.
Inhalt des Schreibens war das die Priesterschaft des Loknar nach dem Hexer Joachim von Schwertwald und seiner Begleiter sucht!
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