Eigentlich hatte ich mit Haeven schon abgeschlossen, bis mich Joachim an unser kleines "Souvenir" erinnerte. Wieder mal ein Zeichen, das die Magie der Runenherrscher immer stärker wurde, denn die Münze mit dem Sihedron und der Rune der Gier hatte sich schon beinahe aus meinem Bewusstsein verabschiedet. Unsere Nachforschungen deuteten auf einen Ort, der eigentlich meine zweite Heimat sein sollte - ein Platz namens Wuchermarkt. Hier gab es alles und nichts zu unverschämten Preisen, und in der Mitte, umringt von den düsteren Visagen der Runenherrscher selbst - eine Spielbank. Nun, nirgends geht Geld schneller über den Tisch als hier, also verwürfelte ich mit Joachim noch ein paar Hände Münzen, um ein Gefühl für die Menge zu bekommen. Da aber keiner von uns ein wirkliches Geschick mit Karten oder Würfeln hat (wo ist Akbash, wenn man ihn braucht!), führte das zu nichts. Erst, als ich den Einsatz um die Nünze der Gier erhöhte, kam Bewegung in die Menge. Ich selbst hatte die Macht des Artefaktes gespürt, aber sie offensichtlich dennoch unterschätzt. Alleine der Anblick der Münze trieb die Menge beinahe in eine Raserei! Die Einsätze wurden idiotisch hoch gesteigert, und gerade noch rechtzeitig konnten wir den Tisch räumen, bevor die Spieler sich zerfleischten. Das ganze hatte mir aber keinerlei Interessante Erkentniss über den Drahtzieher oder die Quelle dieser Münzen verschafft. Die kam dann ein paar Schritte weiter, und ich könnte mich ein weiteres Mahl in meinen enormen Hintern treten - ganz offen auf der Straße predigte da ein schlaksiger, tätowierter Bursche von der heiligen Gier im Namen Karzougs! Er verteile mit beiden Händen diese verfluchten Münzen in der Menge und faselte wirren Kram über die "Tugend der Gier" und das "Kredo des Egoismus". Freiheit durch Reichtum, wenn man ihn sich denn nur nehmen wolle. Und das schlimmste war - ich erkannte das altbekannte Glitzern in Joachims Augen, denselben wirren Blick, den auch die Spieler getragen hatten. Nahm das denn nie ein Ende, ein Kult niedergeschlagen, da sproß ein weiterer aus dem Boden... Sigmar sei Dank konnte ich Joachim wenigstens zurück ins Haus der Heilung lotsen, wo er sich schnell von deim Einfluss erholte. Wir zogen die Herrin des Hauses ins Vertrauen, und obwohl ihr die Geschichte weit hergeholt schien, lies sie sich überzeugen, uns bei einer klassischen "Churuner Rochade" zu helfen. Wir verfeinerten also den Wein dieses nervigen Predigers mit einigen ausgesuchten Kräutern, und als er zu spucken und zu taumeln begann, war zufällig ein Heiler der weißen Hand zur Stelle, um dem heiligen Mann in das Haus der Heilung zu bringen. Bis er da war, lag er dann auch komplett flach und wir konnten ihn in Ruhe untersuchen. Es war erschreckender, als ich erwartet hatte. Das Sihedron und die Gierrune erkante ich inzwischen selber, aber dieser Prediger war am ganzen Körper mit Symbolen theranischer Runenmagie bedeckt. Selbst die Naga und die Runenriesen hatten sich nicht so vollkommen mit offensichtlicher Runenmeistermagie eingelassen. Wir überzeugen die Gildenmeisterin, uns in ein geheimes, magiededämpftes Zimmer unter den Behandlungsräumen zu lassen. Trotz Joachims widerholter Zweifel konnte ich nicht anders - ich musste versuchen, mit diesem Mann zu reden. Wir alle waren schon dem Einfluss der Runenmeister erlegen und hatten wieder zurück gefunden. Vielleicht war dieser Mann, so er noch zur Vernunft fähig war, unser fehlender Mosaikstein um Xin Shalast zu finden und Karzougs Rückkehr zu stoppen. Das Gespräch lief schlecht, aber nicht katastrophal. Offensichtlich gab sich Karzoug tatsächlich als Gott aus und hatte diesen armen Kerl überzeugt, das er sein Apostel sein sollte. Und wie das bei Kirchenleuten oft ist, war er rationalen Argumenten nur schwer zugänglich. Aber er brauchte mich auf einige tatsächlich sehr interessante Unstimmigkeiten. Immer und immer wieder waren wir mit den Schergen des Runenmeister der Gier aneinander geraten - aber das Zeichen, das er nutzte, um seine Seelen zu ernten, war das Sihedron. Eine Rune, die für alle Runenherrscher steht, auch seine Erzfeindin Alaznist, Runenherrscherin des Zorns. Wie passte das zusammen? Wir einigten uns, anderer Meinung zu sein, wollten aber unseren Dikurs fortführen. Sogar einen Besuch in Port Grim kündigte er uns an, wollte er doch unsere angeblichen Beweise für die Verbrechen Karzougs sehen. Wir liessen ihn ziehen, gegen den Protest Joachims, aber ich kann es nicht über mich bringen, diesem Menschen die Freiheit zu nehmen. Ich halte ihn weiter für verblendet. Meine Waffen sind Geist und Sprache - und wenn die versagen sollten, warteten in Port Grim der Rest der Gesellschaft, und deren Waffen waren handfester...
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